Schott Music

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5. September 2016

Werk der Woche – Pēteris Vasks: Gloria & Mein Herr und mein Gott

In dieser Woche lohnt es sich, einen genaueren Blick auf gleich zwei Werke zu werfen: Pēteris  Vasks‘ Gloria und Mein Herr und mein Gott werden am 8. September gemeinsam im Dom zu Rīga uraufgeführt. Unter der Leitung von Māris Sirmais wird das Latvian National Symphony Orchestra zusammen mit dem Latvian State Academic Choir zu hören sein.

Vasks wurde 1946 als Sohn eines in Lettland bekannten baptistischen Pastors geboren. Während er zur Sowjetzeit aufgrund seines Glaubens und seiner künstlerischen Überzeugungen den russischen Zwangsmaßnahmen ausgesetzt war, haben die Werke des lettischen Komponisten in den vergangenen Jahren große Anerkennung gefunden. Eine zentrale Rolle in Vasks‘ Schaffen spielt die Chormusik.

Pēteris  Vasks‘ Gloria & Mein Herr und mein Gott – Von Meditation bis Klanggewalt

In seinem Gloria, das ursprünglich für Chor und Orgel komponiert war, vertont Vasks nicht den Text der lateinischen Messe, sondern drückt den Lobpreis Gottes allein durch die Musik aus. Chor und Orchester agieren in einem kontrastierenden Wechselspiel: Drei majestätische Orchesterpassagen in lautem d-Moll beantwortet der Chor jeweils mit einem meditativen Gesang auf lediglich drei Buchstaben M, U und  A. Durch die Tempoangabe „meno mosso“  grenzen sich die Chorpassagen zusätzlich von den Instrumentalteilen ab. Nach einem letzten Orchesterzwischenspiel ertönt ein feierlicher Alleluja-Gesang in strahlendem D-Dur. Mit zunehmender Dynamik setzen die Instrumente nach und nach in den Gesang ein, um im ekstatischen Finale schließlich gemeinsam das Forte-Fortissimo zu erreichen.

Nur wenige Kompositionen Vasks‘ schließen mit solch extremer Dynamik. Meist erhebt sich seine Musik aus der Stille und endet wieder in ihr – so auch in Mein Herr und mein Gott. In diesem Stück für Chor und Streichorchester vertont Vasks ein Gebet des Schweizer Asketen und Mystikers Niklaus von Flüe. In drei Zeilen, jeweils durch die Anrede „Mein Herr und mein Gott“ eingeleitet, ringt der Betende um die Nähe zum Schöpfer. Während die äußeren Verse im meditativen Pianissimo gehalten sind, steigert sich die Musik während der mittleren Zeile („gib alles mir, was mich befördert zu Dir!“) zu einem dynamischen Höhepunkt. Nach einer Generalpause und erneutem Pianissimo schließt das musikalische Gebet mit den Worten „nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen Dir“ in einem lange ausgehaltenen, friedvollen C-Dur.

Der Gesang ist in meiner Musik das Ideal, ist aber meistens ein instrumentaler Gesang. In kommunistischen Zeiten war alles sehr streng kontrolliert, doch es ist unmöglich, instrumentale Musik zu kontrollieren. Komponieren war meine Freiheit. Alle Poeten und Künstler waren in dieser schrecklichen Zeit Kämpfer gegen diese Macht. Das war normal, und in der Musik war es einfacher, geschah es in Symbolen – aber die Leute haben es verstanden. – Pēteris  Vasks

Im gleichen Konzert werden auch Vasks‘ beliebtes Pater noster in der Fassung für gemischten Chor und Streichorchester, Missa für gemischten Chor und Streichorchester und Credo für Orchester zu hören sein. Vasks‘ Concerto für Viola und Streichorchester feiert am selben Tag mit dem Turku Philharmonic Orchestra, Maxim Rysanov an der Viola und Risto Joost als Dirigenten seine finnische Erstaufführung in Turku. Wer schon vorher einem Vasks-Werk lauschen möchte, darf am 6. September in Stockholm sein Viatore für Streichorchester kennenlernen. Die Hommage an Arvo Pärt wird hier vom O/Modernt Kammerorchester unter der Leitung von Hugo Ticciati gespielt. Am 10. September geht es in Jena weiter: Die Jenaer Philharmonie spielt an diesem Abend mit der Violinistin Donata Sailer unter der Leitung von Marc Tardue Vasks‘ Konzert „Tâlâ gaisma“/ „Fernes Licht“/ „Distant Light“ für Violine und Streichorchester.