Schott Music

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10. August 2020

Werk der Woche – Pedro Halffter: Dalí und Beethoven

Ursprünglich für den 20. März dieses Jahres geplant, wird die Uraufführung von Pedro Halffters Dalí und Beethoven am 16. August endlich nachgeholt. Die erste Aufführung des neuen Klavierquintetts wird im Arp Museum Bahnhof Rolandseck in Remagen zu erleben sein. Das Konzert ist Teil des Festivals BTHVN2020, das den 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens feiert.

In seinem neuen Werk versucht Halffter eine Verbindung zwischen Beethoven und dem Maler Salvador Dalí zu schmieden. Ausgangspunkt dafür ist seine spezielle Affinität zu Beethoven, die sich aus zahlreichen Dirigaten seiner Symphonien speist. Darüber hinaus pflegte die Familie Halffter eine enge Beziehung zu Dalí. So ließ sich Halffter für das neue Werk von zahlreichen Gemälden des spanischen Surrealisten inspirieren, darunter auch von einem besonderen Bild aus dessen früher Schaffenszeit – einem Portrait von Beethoven. 

Die Musik ist als sinnlicher Spaziergang durch eine typische Dalí-Landschaft zu verstehen, in der ich mir vorstellte, die unfassbaren Figuren zu berühren. Es entstand etwas Meditatives und doch Kontrastreiches in einer surrealen Welt der Klänge und Gedanken. (Pedro Halffter)

Pedro Halffter – Dalí und Beethoven: Verbindung zweier außergewöhnlicher Künstler

Die Veranstaltungsstätte der Uraufführung, das Arp Museum, ist surrealistischer und zeitgenössischer Kunst gewidmet und stellt somit eine passende Umgebung für Dalí und Beethoven dar. Die Komposition wurde von der Akademie Villa Musica Rheinland-Pfalz in Auftrag gegeben und wird von jungen MusikerInnen rund um den Cellisten Alexander Hülshoff gespielt; den Klavierpart übernimmt Halffter. 

Die erste Aufführung findet um 11 Uhr vormittags statt und wird um 15 Uhr wiederholt, sodass das gesamte Publikum trotz reduzierter Bestuhlung die Möglichkeit hat, die Veranstaltung zu besuchen.

Illustration: Adobe Stock / krisana, Foto: realcirculodelabradores

5. August 2020

50. Todestag von Bernd Alois Zimmermann am 10. August – Intervall und Zeit

Schott Music und der wolke verlag veröffentlichen gemeinsam eine neue Ausgabe von Intervall und Zeit mit den Schriften von Bernd Alois Zimmermann. Die Aufsätze des Komponisten zu seinen eigenen Werken stellen eine wichtige Quelle für Rezeption und Forschung dar: Selbstreflexionen, Gedanken zum eigenen Werk und zu dessen Referenzen in älterer Musik, Darlegungen seiner vieldiskutierten Zeitphilosophie, Überlegungen zu Film, Ballett, Jazz und eine Gesamtkunstwerk-Utopie jenseits der Soldaten, zudem Zeitungsaufsätze, herzhafte Polemiken und ein umfangreiches Radio-Hörspiel über die Alterslosigkeit einer epochenübergreifenden „Ars nova“.

Nachdem die Sammlung viele Jahre lang vergriffen war, erscheint sie nun um zahlreiche Fotografien aus dem Privatarchiv der Familie Zimmermann sowie um Einleitung und Kommentare von Rainer Peters ergänzt.

Zwei Jahre nach den Feiern zum 100. Geburtstag von Zimmermann im Jahr 2018 lädt der Band nun dazu ein, sich mit den Innenwelten des enigmatischen Komponisten zu befassen, der vor 50 Jahren freiwillig aus dem Leben schied.

Bernd Alois Zimmermann
Intervall und Zeit
herausgegeben, eingeleitet und kommentiert von Rainer Peters
156 Seiten · broschiert · (dt.)
ED 23362
ISBN 978-3-7957-9897-0
wolke verlag / Schott Music

 

1. August 2020

Oper & Orchester: Reduzierte Fassungen und kleine Besetzungen

Durch Abstandsregelungen steht bei vielen Konzerten und Opernaufführungen derzeit nur wenig Platz zur Verfügung. Mithilfe des richtigen Repertoires und von kenntnisreich und fantasievoll ausgearbeiteten kleinen Fassungen lässt sich ein Teil der eigentlich zu groß besetzten Werke dennoch realisieren.

Um Ihnen die Suche danach zu erleichtern, haben wir für Sie klein besetzte Werke, Reduzierungen und Recherchemöglichkeiten zusammengestellt, mit deren Hilfe Sie die für Ihre Voraussetzungen passenden Stücke zu finden können. Außerdem haben wir für Sie in den vergangenen Monaten zahlreiche Bearbeitungen neu ins Verlagsprogramm aufgenommen.


Neu bei Schott: Klassiker in kleinen Fassungen von Joolz Gale

Joolz Gale © Gavin Evans

Von Beethovens „Fünfter“ über Klavierkonzerte von Mendelssohn und Mozart bis zu Sibelius‘ „Dritter“ und Strauss‘ „Ein Heldenleben“ – für sein Ensemble Mini hat Joolz Gale zahlreiche Klassiker des Repertoires genial bearbeitet. Bei Schott erhalten Sie ab sofort das Aufführungsmaterial dazu.

Zur Übersicht


(Kammer-)Orchesterwerke nach Anzahl der Ausführenden

Neues Recherche-Tool auf unserer Website für Ihre Planung: Filtern Sie unsere Orchesterwerke nach der Anzahl der erforderlichen Musikerinnen und Musiker.

Zu den Kategorien:

 


Kammeropern

Klein besetzte Werke für das Musiktheater stellen wir Ihnen in unserer Broschüre „Chamber Opera“ vor. Das ausführlich kommentierte Heft können Sie hier herunterladen oder auf der Plattform Issuu online lesen.

 


Große Opern reduziert

Viktor Ullmann hat nicht nur tragische Stücke, sondern mit Der zerbrochene Krug auch eine höchst amüsante Kurzoper geschrieben (Reduktion: Richard Whilds). Kurt Weills Die sieben Todsünden lassen sich dank HK Grubers genialer Reduktion nun mit 15 Instrumentalisten aufführen. Carl Orffs Die Kluge gibt es neuerdings in einer Kammerfassung, die auch von Profis gespielt werden darf. Eine kleine Fassung von Der Mond erscheint in Kürze. Weitere reduzierte Opern.

 


Ensemble: Auswahlbroschüre Neue Musik für kleine Besetzungen

Kommentierte Stückempfehlungen: Lernen Sie zeitgenössische Musik für Ensemble sowie die Komponistinnen und Komponisten dahinter kennen. Laden Sie das Heft hier herunter oder lesen Sie es auf Issuu online.

 


Inszenierte Lieder

Zu den kleinsten Besetzungen gehören Lieder mit Klavierbegleitung wie Jörg Widmanns humoristischer Zyklus Das heiße Herz für Bariton oder Mezzosopran. Aribert Reimann hat seine Lied-Bearbeitungen von Brahms, Schubert und Mendelssohn für Streichquartett erweitert. Aus Erich Wolfgang Korngolds Liedern enstand in Coburg ein ganzer szenischer Abend. Kennen Sie übrigens Erwin Schulhoffs jazzige und politische Lieder der Zwanziger- und Dreißigerjahre?

 


„Corona“-Werkreihe für Kammerorchester

Kein geschmackloser Scherz, sondern eine Werkreihe mit langer Tradition: Als hätte es der zur Schott-Gruppe gehörende Möseler-Verlag schon früher geahnt – in der „Corona“-Reihe finden Sie klassisches Repertoire für kleine Orchester.

 


Winzige Stücke für Kinder 

Marie erfindet einen Kater Murr, um sich darüber hinwegzutrösten, dass ihr Vater keine Zeit für sie hat; Don Quijote en famille kämpft mit Windmühlen; Drei alte Männer wollen nicht sterben, begreifen aber, dass der Tod nichts Bedrohliches ist …

Kleine Formate für wenige Instrumentalisten, einige Sänger oder Schauspieler finden Sie unter „Klassenzimmerstücke“ im Katalog.

 


Streichorchester-Repertoire

Strictly strings: Hier finden Sie passende Werke, wenn die Bläser Pause haben. Oft können Sie die chorisch besetzten Stücke in der genauen Zahl der Spielerinnen und Spieler variieren.

 


Foto: Adobe Stock / metamorworks

28. Juli 2020

Mikis Theodorakis: 95. Geburtstag am 29. Juli 2020

Mikis Theodorakis’ Leben ist gekennzeichnet von politischem Engagement für das griechische Volk, von persönlicher Verfolgung und Verbannung. Der Komponist lebte viele Jahre im Pariser Exil, kehrte aber immer wieder in sein Heimatland zurück. Bereits in den 1960er Jahren saß er im griechischen Parlament; von 1990 bis 1992 war er Staatsminister. 1993 wurde Theodorakis zum Generalmusikdirektor des Symphonie-Orchesters und Chores des Hellenischen Rundfunks und Fernsehens ernannt. Weltruhm gewann er durch seine Musik zum Film „Zorbas the Greek“, die auch als Ballettmusik und Orchestersuite vorliegt. Theodorakis schrieb außerdem Kantaten, Kammermusik und Orchesterwerke. Viele seiner Opern basieren auf Dramen der griechischen Mythologie. Seine Oratorien Axion Esti und Canto General wurden weltweit gespielt.

Schott Music gratuliert Mikis Theodorakis herzlich zum 95. Geburtstag.

6. Juli 2020

Nikolai Kapustin 1937–2020

Jazz als Reifungsprozess. Ein Nachruf auf den Pianisten und Komponisten Nikolai Kapustin

Am 02.07.2020 verstarb der Komponist und Pianist Nikolai Kapustin im Alter von 82 Jahren in Moskau.

Nikolai Girschewitsch Kapustin wurde am 22. November 1937 in der ukrainischen Stadt Nikitowka, einem Vorort von Horliwka geboren. Bereits im Kindesalter führte ihn seine Mutter an das Klavierspiel heran; frühe Kompositionsversuche mündeten im Alter von 13 Jahren in eine erste Klaviersonate. 1952 reiste Kapustin mit seinem damaligen Klavierlehrer Piotr Vinnichenko nach Moskau, um die Aufnahmeprüfung für das Academic Music College abzulegen. Dort kam er in der Klasse von Awrelian Rubach. Anschließend, im August 1956, bestand er die Aufnahmeprüfung für das Moskauer Konservatorium, wo er bis zum Diplom 1961 Klavier bei Alexander Goldenweiser studierte. Komposition belegte Kapustin nie als Studienfach, sondern erarbeitete sich seine Fähigkeiten autodidaktisch.

Bereits im Music College begegnete Kapustin erstmals dem Jazz und erkannte darin seine natürliche Ausdrucksform. Am Moskauer Konservatorium gründete er 1957 ein Jazz-Quintett und wurde Mitglied einer Bigband. Nach dem Examen wechselte er in die Bigband von Oleg Lundstrem, einem Schüler von Duke Ellington und Louis Armstrong. Für dieses Ensemble komponierte er unter anderem sein Erstes Klavierkonzert op. 2, in dem er sein Instrument in den Mittelpunkt stellen konnte. 1972 wechselte er ins Orchester „Blauer Bildschirm“. Nach dessen Auflösung 1977 bekam er eine Stelle beim Staatlichen Symphonischen Filmorchester, das unter der Leitung von Georgy Garanyan, Yuri Serebryakov und Konstantin Krimetz stand. In diese Zeit fällt sein Zweites Klavierkonzert op. 16, auf dessen Erfolg hin er Mitglied im sowjetischen Komponistenverband wurde.

Tief drinnen brodelt es

Ab den 1980er Jahren widmete sich Kapustin hauptberuflich dem Komponieren, blieb aber weiterhin als Pianist tätig und spielte vornehmlich seine eigenen Werke für Sendungen in Radio und Fernsehen ein. Seine Musik zeichnete sich nun durch die Verbindung eigener Jazz-Elemente mit klassischen Formen wie der Sonate oder der Suite aus. Auffällig ist das Pulsierende, Virtuose und auf einer geradezu körperlichen Ebene Ansprechende seiner Musik. Typisch für seinen Stil ist die Suite in the Old Style op. 28 von 1977 mit ihren aufgefächerten Jazz-Improvisationen in barocker Satzstruktur nach dem Vorbild Bachscher Partiten. Das scheinbare Paradoxon eines auskomponierten Jazz in seinem Schaffen erklärte der äußerlich immer ruhig und bescheiden wirkende Kapustin so:

Ich war nie ein Jazzmusiker. Ich habe nie versucht, ein wahrer Jazzpianist zu sein, aber ich musste es sein, um des Komponierens willen. Ich interessiere mich nicht für Improvisation – und was wäre ein Jazzmusiker ohne Improvisation? Alle Improvisation meinerseits ist natürlich niedergeschrieben und sie ist dadurch viel besser geworden; es ließ sie reifen.

Zu seinem Œuvre zählen zahlreiche Klavierkompositionen, darunter eine Reihe von 20 Klaviersonaten und sechs Klavierkonzerte. Hinzu kommen Konzerte mit Soloinstrumenten wie Violine, Violoncello und Saxophon, Kompositionen für Big Band, Streich- und Blasorchester sowie Kammermusik für verschiedenste Besetzungen.

Vom Geheimtipp zum weltweiten Phänomen

Während Kapustins Musik vor dem Jahr 2000 außerhalb der ehemaligen Sowjetunion ein Geheimtipp unter Jazzspezialisten war, wurden seine Kompositionen im neuen Jahrtausend über das Internet in aller Welt bekannt und fanden durch ihren genreüberschreitenden Charakter besonders bei jüngeren Pianisten großen Anklang. Auch die vielfach ausgezeichneten CDs von Steven Osborne (2000) und Marc-André Hamelin (2004) mit Kapustins Werken trugen zur internationalem Bekanntheit des Komponisten bei. Heute finden seine Kompositionen immer mehr Eingang in die Recitals bedeutender Pianisten und erreichen nach und nach den Status von Klassikern des 20. und 21. Jahrhunderts.

Mit Nikolai Kapustin hat uns ein faszinierender Künstler verlassen, ein wahrer Individualist, dem im Alter eine unerwartete internationale Prominenz zu Teil wurde. Wir durften ihn eine leider nur kurze, aber intensive Zeit als Verleger begleiten und sind dankbar für die Jahre der kreativen, ja freundschaftlichen Zusammenarbeit.

15. Juni 2020

Werk der Woche – Christian Jost: Dichterliebe

photo: Adobe Stock / Arman Zhenikeyev

Der Liederabend als Kunstform erlebt in diesen Tagen eine Renaissance. Liederzyklen bieten eine gute Gelegenheit für konzertant-dramtatische Veranstaltungen mit wenigen beteiligten Personen. Sowohl mit Klavierbegleitung als auch in Bearbeitungen für Ensemble gewinnen sie in inszenierter Form an Popularität. Ein besonderes Projekt beginnt mit Dichterliebe von Christian Jost am 20. Juni am Staatstheater Darmstadt. Acht Sängerinnen und Sänger des Hauses übernehmen wechselweise die Gesangspartie, es spielen Musikerinnen und Musiker des Staatsorchesters Darmstadt unter der Leitung von Jan Croonenbroeck. 

Das Besondere an diesem Projekt ist die mediale Präsentationsform: Es wird in der Regie von Franziska Angerer als Live-Konzert mit Film sowohl im Theater als auch online gezeigt. Zu ihrem Ansatz erklärt Angerer:

“Wir machen einen Film — was nicht heißt, dass wir das Theater damit ersetzen wollen. Ganz im Gegenteil: Ich glaube, es ist wichtig, dass wir die Leerstelle Theater auch als solche gelten lassen. Und auch wenn wir uns nun filmisch mit der „Dichterliebe“ auseinandersetzen, verwenden wir trotzdem theatrale Mittel. Gerade für dieses Projekt eignet sich das Medium Film an sich jedoch sehr gut. Der Komponist Christian Jost beschreibt seine Komposition als einen assoziativen Strom, der Schumanns und Heines Lieder wie Inseln in sich trägt und miteinander verwebt. Hierdurch entstehen viele Zwischenräume, die sich mit den Mitteln des Films wunderbar erschaffen lassen; man hat andere Möglichkeiten und Zeitlichkeiten als im Theater, was ganz wunderbar ist.”

Christian Jost – Dichterliebe: das Prinzip des Weiterdenkens

Dichterliebe schrieb Christian Jost im Auftrag des Konzerthauses Berlin und des Kopenhagen Opernfestivals im Jahr 2017. In seiner Komposition verbindet Jost den romantischen Kunstlied-Zyklus gleichen Namens von Robert Schumann mit modernen Anklängen. Dazu verändert und vergrößert er die Besetzung und verdoppelt die Länge des Zyklus‘. 

Die 16 Lieder Schumanns handeln von einem Menschen, der eine vergangene Liebe besingt. Seine Gefühle wechseln von Schmerz zu Glück, von Trauer zu Leichtigkeit und wandeln zwischen Traum und Realität. In Heines Texten steht der Rhein als Symbol für diesen Emotionsfluss. Auch Jost verwendet das Fließende in seinen Liedern: Er komponiert eine Begleitung aus dichten wellenförmigen Legato-Passagen, während die Tenorstimme immer wieder aus den Ostinati der Instrumente aufzutauchen scheint. Jost webt die ursprünglichen Melodien und das harmonische Gerüst in seine Komposition ein und denkt sie weiter. Im gesamten Zyklus erweitert er knappe Motive aus Schumanns Klavierbegleitung und gibt ihnen eine zusätzliche Tiefe.

Vier Aufführungstermine sind für den 20., 27. und 28. Juni sowie den 11. Juli geplant.

5. Juni 2020

Uraufführung in Berlin: „Texture“ von Toshio Hosokawa

Das neue Stück Texture des japanischen Komponisten Toshio Hosokawa wird am 7. Juni in der Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker uraufgeführt. Es spielt das Philharmonische Oktett Berlin.

Texture entstand im Auftrag der Stiftung Berliner Philharmoniker und der Japan Arts Corporation für das Oktett und ist diesem Ensemble auch gewidmet. Die Besetzung entspricht der des Schubert-Oktetts D803, die unter anderem auch Jörg Widmann in seinem Oktett von 2004 verwendet: Klarinette, Fagott, Horn, zwei Violinen, Viola, Violoncello und Kontrabass.

Hosokawa teilt diese Besetzung in zwei Gruppen: ein Streichquartett und ein Bläsertrio mit Kontrabass. Beide spielen Melodien mit einer lebhaften, an Kalligrafie erinnernden Struktur – zwanglose Linien fernöstlicher Pinselstriche, die im übertragenen Sinne Hosokawas Musik stets kennzeichnen. In diesem Stück vereinen sich Gegensätze wie die von Yin und Yang, Weiblichkeit und Männlichkeit, Höhe und Tiefe, Stärke und Schwäche oder auch Licht und Dunkel, die ohne einander unvollständig sind.

Toshio Hosokawa
Texture (2020)
for octet

Uraufführung: 6. Juni 2020, 19:00 Uhr · Philharmonie Berlin · Philharmonisches Oktett Berlin: Wenzel Fuchs (Klarinette), Mor Biron (Fagott), Stefan Dohr (Horn), Daishin Kashimoto, Romano Tommasini (Violinen), Amihai Grosz (Viola), Christoph Igelbrink (Violoncello), Esko Laine (Kontrabass)

24. Mai 2020

Happy Birthday: Enjott Schneider 70

Der 1950 in Weil am Rhein geborene Enjott Schneider ist mit über 600 Soundtracks und zahlreichen Auszeichnungen einer der bedeutendsten deutschen Filmkomponisten. Unvergessen sind seine Musiken für Schlafes Bruder, Stalingrad, Herbstmilch und für viele weitere Kinofilme. Darüber hinaus umfasst Schneiders Œuvre abendfüllende Opern, Oratorien, Symphonien, Konzerte sowie Kammermusik, Kirchen- und Orgelmusik. An der Musikhochschule München bildete er als Professor für Musiktheorie und später als Deutschlands erster Professor für Filmmusik unzählige Studenten aus. Nicht weniger leidenschaftlich setzt Schneider sich im Aufsichtsrat der GEMA (Vorsitzender von 2012–2017) und als Präsident des Deutschen Komponistenverbandes seit vielen Jahren für seine Berufsgenossen ein.

Schott Music hat frisch ein neues Werkverzeichnis erstellt und gratuliert Enjott Schneider damit herzlich zum 70. Geburtstag am 25. Mai 2020!

11. Mai 2020

Werk der Woche – Nikolaj Rimskij-Korsakow: Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch und von der Jungfrau Fewronia

So ambitioniert, wie der ausufernde Titel vermuten lässt, war die vorletzte Opernkomposition von Nikolaj Rimskij-Korsakow. Zu sehen ist Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch und von der Jungfrau Fewronia ab dem 15. Mai in der Produktion der Dutch National Opera Amsterdam über den Video on Demand-Anbieter OperaVision. Regisseur Dmitri Tcherniakov, auch für das Bühnenbild verantwortlich, fand eine realistische und doch magische Bildsprache. Die musikalische Leitung der in der Presse hervorragend aufgenommenen Produktion hat Marc Albrecht. 

Die vieraktige Oper spielt in der sagenumwobenen Stadt Kitesch, die vermutlich auf eine Fürstenresidenz an der Wolga im 13. Jahrhundert zurückgeht. Der Legende nach verschwand Kitesch einst bei einem Angriff feindlicher Truppen. Rimski-Korsakow verknüpfte diese russische Version des Atlantis-Mythos nun mit einem blutrünstigen historischen Ereignis: dem Einfall mongolischer Truppen im 13. Jahrhundert in weiten Teilen Nord- und Mittelasiens.

Nikolaj Rimskij-Korsakow: Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch – “Das russische Atlantis”

Vor diesem Hintergrund entfaltet sich die Liebesgeschichte zwischen der tugendhaften Bauerntochter Fewronija und dem Fürsten Wsewolod. Die Hochzeit der beiden wird durch den Angriff der feindlichen Truppen verhindert, bei dem Wsewolod stirbt. Auf Fewronijas Gebet hin umhüllt goldener Nebel die Stadt Kitesch, die daraufhin für das feindliche Heer unsichtbar wird und verschont bleibt. Am Ende stirbt auch Fewronija, doch ihr verstorbener Geliebter holt sie zurück in die unsichtbare Stadt, und die Oper endet mit einer verklärten Himmelfahrt. 

Noch vor der Uraufführung erlebte Rimski-Korsakow sein persönliches Kitesch: Als es 1905 landesweit zu Protesten gegen den Zaren kam, unterstützte er demonstrierende Studenten und wurde prompt seines Amtes enthoben. Glücklicherweise setzte man ihn unter dem Druck öffentlicher Solidaritätsbekundungen bald wieder in sein Amt ein und die Oper konnte endlich über die Bühne gehen.

Marc Albrecht am Pult des engagiert und klangschön aufspielenden Nederlands Philharmonisch Orkest hielt nicht nur über drei lange, ungekürzt erklingende Akte die musikalische Spannung der durchkomponierten, meisterhaft instrumentierten Partitur aufrecht. Ihm gelang auch das Kunststück, die epische Theatralik der beiden Binnenakte und die lyrische Epiphanie der Außenakte miteinander auszugleichen, sodass – selten genug – zwischen dem Geschehen auf der Bühne und im Graben volle Übereinstimmung herrschte. Die Inszenierung, die von der Pariser Opéra Bastille, von Barcelona und der Mailänder Scala übernommen wird, hat eine Lanze für das sperrige Meisterwerk Rimskij-Korsakows gebrochen, die hoffentlich zu einer neuen Einschätzung aus seiner übrigen musiktheatralischen Werke führen wird. – Uwe Schweikert (Rezension in “Opernwelt”)

Die Produktion ist noch bis August im Streaming-Angebot von Opera Vision zu sehen. Außerdem ist sie weiterhin auf DVD und Blu-ray erhältlich. Das Aufführungsmaterial ist Teil des Verlagskatalogs von M.P. Belaieff und wird von Schott weltweit exklusiv vertrieben.

27. April 2020

Komponist Xiaogang Ye neues Mitglied der American Academy of Arts & Science

Der chinesische Komponist Xiaogang Ye ist als neues Mitglied der vor 240 Jahren gegründeten American Academy of Arts & Sciences berufen worden, teilte die Akademie mit.

Zu den neuesten Wahlen der Akademie gehören insgesamt 276 Künstler, Wissenschaftler, Wissenschaftler und Führungskräfte im öffentlichen, gemeinnützigen und privaten Sektor, erklärte Akademiepräsident David W. Oxtoby in einer am Donnerstag veröffentlichten Verlautbarung. „Mit der heutigen Wahlankündigung verbinden diese neuen Mitglieder einen Platz in der Geschichte und die Möglichkeit, die Zukunft durch die Arbeit der Akademie zur Förderung des Gemeinwohls zu gestalten“, so Oxtoby.

Der im September 1955 geborene Ye, der zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten hat, gilt als einer der führenden zeitgenössischen Komponisten Chinas.

Die 1780 gegründete American Academy of Arts & Sciences ist eine der ältesten gelehrten Gesellschaften in den Vereinigten Staaten. Zu seinen Mitgliedern zählen mehr als 250 Nobel- und Pulitzer-Preisträger.