Schott Music

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12. Mai 2022

Elisabeth Naske: Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat – Werk der Woche

Ein Verdauungs-Unfall setzt eine Detektivarbeit in Gang: Darum geht es, wenn die Wuppertaler Bühnen am 20. Mai 2022 die neue Kinderoper von Elisabeth Naske zur Uraufführung bringen. Ihr Klassenzimmerstück Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat braucht insgesamt nur drei Personen auf der Bühne: eine Sängerin, einen Schauspieler und eine Viola. In Wuppertal übernehmen Iris Marie Sojer als Maulwurf, Stefan Walz als Gärtner und Sopie Rasmussen mit (und als) Viola diese Rollen. Die Inszenierung stammt von Ela Baumann, Koji Ishizaka ist für die musikalische Leitung verantwortlich. Zu ihrem neuen Stück haben wir die Komponistin interviewt: „Elisabeth Naske: Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat – Werk der Woche“ weiterlesen

9. Mai 2022

Werk der Woche – Gerald Barry: Cello Concerto

“Cellissimo” nennt das RTÉ Concert Orchestra sein Konzert am 11. Mai 2022 im Freizeitzentrum Leasureland im irischen Galway. In dieser einzigartigen Verbindung aus Schwimmbad und Konzertsaal gibt es ein Zusammentreffen von Edward Elgars berühmtem Cellokonzert mit der Uraufführung von Gerald Barrys Cello Concerto. Der Galwayer Adrian Mantu ist Solist des neuen Werks, David Brophy dirigiert.  „Werk der Woche – Gerald Barry: Cello Concerto“ weiterlesen

2. Mai 2022

Werk der Woche – Fazıl Say: Violin Concerto No. 2

Mit seinem ersten Violinkonzert “1001 Nacht im Harem” hat der türkische Komponist Fazıl Say im Jahr 2007 eines der erfolgreichsten Konzertstücke unserer Zeit geschrieben. Nun folgt die Uraufführung seines Violin Concerto No. 2 „Frühlingsmorgen in den Tagen der Quarantäne“. Sie findet am 6. Mai im Konzerthaus Berlin statt. Friedemann Eichhorn (Violine) wird begleitet vom Konzerthausorchester Berlin unter Christoph Eschenbach. „Werk der Woche – Fazıl Say: Violin Concerto No. 2“ weiterlesen

28. April 2022

Neu: The Horowitz Edition

HOROWITZ – allein der Name lässt an einen großen Flügel, reichen Klavierklang und pianistische Kunst auf höchstem Niveau denken. Als einer der bedeutendsten Pianisten aller Zeiten hinterließ Vladimir Horowitz nach seinem Tod 1989 eine große Anzahl von Aufnahmen seiner Klavier-Bearbeitungen bekannter Werke. Darüber hinaus existiert eine bisher unbekannte Sammlung von eigenen Kompositionen, die Schott in der neuen Reihe The Horowitz Edition erstmalig veröffentlicht. Die Edition macht einen bisher nicht frei erhältlichen Schatz zugänglich und unterstreicht das musikalische Genie von Vladimir Horowitz.

Die ersten drei Bände sind im April 2022 erschienen:

The Stars and Stripes Forever

Horowitz war stolz darauf, amerikanischer Staatsbürger zu sein, und verfolgte die amerikanische Politik Zeit seines Lebens aufmerksam.  Seine Transkription von John Philip Sousas The Stars and Stripes Forever ist vor allem als Werk zur Feier des Endes des Zweiten Weltkriegs bekannt, steht aber auch in herausragender Weise für Horowitz’ unorthodoxe musikalische Entwicklung. Während des Krieges traf Horowitz besondere Vorkehrungen für US-Soldaten, indem er dafür sorgte, dass sie leichten Zugang zu Eintrittskarten erhielten und sogar auf der Bühne Platz nehmen durften. Pianisten in den Streitkräften, die während des Krieges mit Horowitz zu tun hatten, fanden ihn überraschend zugänglich und großzügig im Verhältnis zu seinem Ruhm und seiner scheinbaren Zurückgezogenheit.

Carmen Variations

Auf Tournee von Horowitz mit dem Geiger Nathan Milstein war eines der Paradestücke war Pablo de Sarasates Carmen-Fantasie op. 25 für Violine und Orchester. Horowitz schrieb daraufhin eigene Variationen über ein Thema aus Bizets Carmen. Horowitz führte die Carmen Variations bereits als Zugabe auf, als er 1926 aus Russland nach Westeuropa kam. Er entwickelte das Stück weiter und führte es bis 1978 auf.

Fragment Douloureux

Als die Russische Revolution 1920 Kiew erreichte, war das Leben von Horowitz zerrissen. Die Familie wurde aus ihrem Haus vertrieben, das Klavier zerstört und sein Vater Samuel Horowitz auf brutalste Weise verhört und in Sibirien zu Zwangsarbeit verurteilt. Horowitz berichtete später, Hunderte von Menschen, die er in Kiew gekannt hatte, seien bei der Revolution getötet worden. Fragment Douloureux, op.14, war vielleicht die letzte – schmerzerfüllte – Komposition des Pianisten in Russland. Die Widmung an Felix Blumenfeld hilft, ihren Ursprung festzustellen: Blumenfeld war in Kiew angekommen, nachdem er vor dem Blutbad in Moskau und St. Petersburg geflohen war, und wurde Horowitz‘ Lehrer. Somit muss das Stück kurz vor Horowitz‘ Emigration aus Russland im Jahr 1925 entstanden sein.

25. April 2022

Werk der Woche – Thomas Larcher: The Living Mountain

Ein Tiroler in Amsterdam: Ausgerechnet im flachsten Land Europas geht es in dieser Woche um das Bergsteigen. Das Akso|Schönberg Ensemble präsentiert am 30. April 2022 Thomas Larchers The Living Mountain für Sopran und Ensemble. Solistin bei der Uraufführung im Concertgebouw ist Sarah Aristidou, Gregory Charette dirigiert.  „Werk der Woche – Thomas Larcher: The Living Mountain“ weiterlesen

25. März 2022

Chaya Czernowin gewinnt Deutschen Musikautor:innenpreis der GEMA

Chaya Czernowin 2022 beim Deutschen Musikautor:innenpreis; Foto: GEMA

Bei der 13. Verleihung des Deutschen Musikautor:innenpreises am 24. März 2022 in Berlin erhielt Chaya Czernowin die Auszeichnung für ihr Bühnenschaffen. Jährlich zeichnet die Deutsche Verwertungsgesellschaft GEMA Urheber:innen aus unterschiedlichsten musikalischen Genres für ihr herausragendes musikalisches Schaffen aus. Czernowin setzte sich in einer von zwei Kategorien im Bereich der Klassik durch und ist Preisträgerin für „Komposition Musiktheater“. In den vergangenen Jahren erhielten u.a. Hans Werner Henze, Aribert Reimann, Anno Schreier und Jörg Widmann den Deutschen Musikautorenpreis.

Herzlichen Glückwunsch an die Preisträgerin!

 

Foto: GEMA

1. November 2021

Werk der Woche – Peter Eötvös: Cziffra Psodia

Am 5. November wäre Georges Cziffra 100 Jahre alt geworden. Nach Liszt verkörperte wohl niemand das Ungarische in der Musik so wie er und keine exististierenden Werke waren anspruchsvoll genug für den legendären Klaviervirtuosen. 

An Cziffras Geburtstag gelangt Peter Eötvös’ neues Klavierkonzert Cziffra Psodia zur Uraufführung, um das Jubiläum zu feiern. Solist Janós Balász spielt mit dem Orchestre Philharmonique de Radio France unter der Leitung von Mikko Franck im Budapester Konzerthaus MüPa. 

Das Klavierkonzert schrieb ich anlässlich des 100. Geburtstags von Georges Cziffra, den ich über eine familiäre Verbindung schon als Kind kennenlernen durfte. Cziffras ganzes Leben war zugleich von Erfolg und Tragödie begleitet. Er hatte ein rhapsodisches, dramatisches Leben. Genau diese Atmosphäre habe ich versucht, in meinem Klavierkonzert zu erzeugen. Der charakteristische metallische Rhythmus, der im ersten Satz zu hören ist, erinnert an die Arbeit im Steinbruch während seiner Gefangenschaft. Den späteren meditativen Zustand der Momente seines Rückzugs aus der Öffentlichkeit, komponierte ich in drei ruhigen Kadenzen. Jeder Satz endet mit einem kurzen Violinsolo, einer persönlichen Hommage. Peter Eötvös 

Am 7. November ist die französische Erstaufführung von Cziffra Psodia im Maison de la radio et de la musique in Paris zu erleben. Die schweizeischen und norwegischen Erstaufführungen folgen mit dem Orchestre de la Suisse Romande und dem Stavanger Symphony Orchestra in 2022 und 2023. 

Foto: Tibor Bozi

26. Oktober 2021

Werk der Woche – Paul Dessau: Die Verurteilung des Lukullus

Am Montag, den 1. November 2021 wird die Oper Die Verurteilung des Lukullus von Paul Dessau in der Staatsoper Stuttgart aufgeführt. Das Werk ist zum ersten Mal in der baden-württembergischen Landeshauptstadt zu sehen. Es inszeniert das Musiktheaterkollektiv „Hauen und Stechen“ um Julia Lwowski und Franziska Kronfoth. Dirigent ist Bernhard Kontarsky, der seit 1969 der Staatsoper Stuttgart verbunden ist.

Die Oper von 1949 basiert auf dem Hörspiel Das Verhör des Lukullus von Bertolt Brecht, das der Dichter bereits im Jahr 1939 verfasste. Dessau und Brecht waren beide während der Nazi-Herrschaft im Exil gewesen und entschieden sich bei ihrer Rückkehr, sich in der Sowjetischen Besatzungszone niederzulassen. Im Jahr der Gründung der DDR arbeiteten sie gemeinsam am Libretto des „Lukullus“, in dem sie ihre Kritik am Zweiten Weltkrieg und an jeglicher militärischer Expansion zum Ausdruck brachten. Wegen Dessaus moderner Tonsprache und weil den sozialistischen Machthabern die Kritik am ausbeuterischen Herrschermodell noch zu schwach erschien, gab es bereits während der Proben Auseinandersetzungen mit dem Produktionsteam. Die geschlossene Uraufführung am 17. März 1951 in Admiralspalast-Provisorium der Deutschen Staatsoper Berlin löste eine heftige Debatte aus. Erst nach Änderungen durch die beiden Autoren – unter anderem die Umbenennung der Oper von Das Verhör des Lukullus zu Die Verurteilung des Lukullus – wurden weitere Aufführungen zugelassen, sodass das Werk anschließend im Repertoire der Staatsoper gespielt wurde.

Lukullus bei Bertolt Brecht und Paul Dessau als Feldherr und Prahlhans

Zum Inhalt: Der römische Heerführer Lukullus wird – nach dem pompösen Staatsakt seiner Beerdigung – in der Schattenwelt zur Rechenschaft gezogen. Unter den Schöffen des Totengerichts befinden sich auch seine Opfer. So werden seine triumphalen Erfolge anders bewertet, als er es gewohnt war. Nicht seine Siege, sondern die Verluste bei seinen Feinden und in den eigenen Reihen werden ihm angerechnet. Das Urteil ist eindeutig: „Ins Nichts mit ihm!“

Bemerkenswert an der Partitur ist die Wahl der Instrumente. Dessau verzichtete auf Geigen und Bratschen und wählte dafür ein neunköpfiges Schlagwerk. Durch die Abwechslung von Bläser- und Percussionsklängen und den Einsatz der tiefen Streicher ergibt sich ein kontrastreiches und effektvolles Klangbild.

Dass ich den Lukullus mit Pauken und Trompeten einführe, hat nichts mit dem klassischen Klischee der Heldeneinführung gemein. Bei mir ist es parodistisch gemeint. Ich führe ihn mit Pauken und Trompeten ein, um zu sagen, jetzt kommt ein großer Prahlhans. (Paul Dessau)

Weitere Aufführungen sind in der Stuttgarter Staatsoper am 06./13./15./20. November geplant.

18. Oktober 2021

Werk der Woche – Anthony Davis: You Have the Right to Remain Silent

Aus eigener Erfahrung kennt Anthony Davis das Problem der überzogenen Polizeigewalt in den Vereinigten Staaten. In vielen seiner Werke greift er das Thema künstlerisch auf, 2020 erhielt er dafür den Pulitzer Price. Das Klarinettenkonzert You Have the Right to Remain Silent schildert seine frühe Erinnerung an eine aggressive Verkehrskontrolle und zitiert im Titel den Eröffnungssatz eines jeden Polizeiverhörs „Sie haben das Recht zu schweigen“.

In vier Konzerten spielt das New York Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Dalia Stasevska das Stück ab dem 20. Oktober in der Alice Tully Hall New York, Solist ist Anthony McGill.

In den 1970er Jahren fuhr der Afro-Amerikanische Komponist Anthony Davis mit dem Auto Richtung Boston, um dort ein Konzert zu besuchen. Dabei wurde er von einem Polizisten angehalten:

Er hatte seine Sirene eingeschaltet und stoppte meinen Wagen. Ich wollte gerade aussteigen und ihn fragen, was denn los sein und dass ich nicht zu spät zu meinem Konzert kommen will. Doch als meine Frau sich umdrehte, sagte sie mir, ich solle besser sitzen bleiben, da der Polizist bereits mit seiner Waffe auf mich zielte. – Anthony Davis

Die Deutsche Erstaufführung von You Have the Right to Remain Silent wird am 13. November 2021 in der Siemens Villa Berlin mit der Berlin Academy of American Music stattfinden.

Seit einigen Monaten veröffentlicht Schott Music die Werke von Anthony Davis. Davis’ umfangreiches und breitgefächertes Œuvre, das Opern-, Orchester-, Kammermusik und
Chorwerke umfasst, hat ihn zu einer der bedeutendsten Persönlichkeiten im heutigen amerikanischen Musikleben gemacht. Große Beachtung genießt er ebenfalls als Jazz-Pianist und Leiter des Ensembles Episteme, mit dem er seit den 1980er-Jahren zusammenarbeitet.

Fotos: N. Cepeda, Aldeca Productions / Adobe Stock

11. Oktober 2021

Werk der Woche – Joseph Schwantner: Violin Concerto

Am Freitag, dem 15. Oktober 2021 gelangt das Concerto for Violin and Orchestra von Joseph Schwantner zur Uraufführung. Interpreten bei der Veranstaltung in der Orchestra Hall Detroit sind der Geiger Yevgeny Kutik und das Detroit Symphony Orchestra unter der Leitung von Leonard Slatkin.

Es ist das erste als Violinkonzert bezeichnete Werk des 78-jährigen amerikanischen Komponisten. Frühere Werke für Violine und Orchester betitelte er mit The Poet’s Hour… und Angelfire. Ersteres diente als Ausgangpunkt für das neue, mit rund 30 Minuten Spieldauer auslandend angelegte Konzert:

Die Entstehungsgeschichte des Violinkonzerts begann ursprünglich als eine Art kurzes Zwiegespräch für Violine und Streicher. Es wurde vom Seattle Symphony in Auftrag gegeben, um meinen Freund Gerard Schwarz, der das Orchester lange geleitet hatte,  feierlich in den Ruhestand zu verabschieden. Ich hatte immer geplant, die Musik später als Teil eines größeren Werks für Violine und Orchester zu erweitern und neu zu interpretieren. Als Gerard die Musik mit seinem All-Star-Orchester und dem Geiger Yevgeny Kutik aufführte, war ich von Yevgenys meisterhafter und nuancierter Darbietung begeistert. Er bringt einen dramatischen und emotionalen Bogen mit einer beeindruckenden Technik und einer fesselnden musikalischen Persönlichkeit zusammen. Seine Sicht auf das Stück blieb mir beim Komponieren des Konzerts im Ohr. (Joseph Schwantner)

Am Tag 16. Oktober ist eine weitere Aufführung an gleicher Stätte zu erleben, beide Konzerte werden auch im Live-Stream übertragen