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Schott Music

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20. Mai 2018

Dieter Schnebel – der Grenzgänger. Zum Tod des Komponisten

Es darf keine Sieger mehr geben, auch nicht in der Kunst… Diesem Credo, das Dieter Schnebel mit Künstlern wie John Cage teilte, blieb er lebenslang treu. Kunst und Welt, Musik und Alltag, das waren für den im badischen Lahr geborenen Komponisten, Pfarrer, Musikwissenschaftler und Pädagogen keine Gegensätze. Mit Kompositionen wie Ki-No, visible music und anschläge – ausschläge schuf er einen neuen, offenen Werkbegriff, der zeitliche und räumliche Grenzen ebenso hinter sich ließ wie er den Komponisten als kreativen Auslöser, nicht aber als Vollender eines Werks verstand. Weil Schnebel die Aufführungssituation als urdemokratisches Ereignis begriff, holte er die Geräusche der Straße in den Konzertsaal. Seine Schlüsselwerke zeigen, dass er jeglichen ästhetischen Dogmatismus ablehnte, etwa das Vokalwerk Ekstasis und die Oper Majakowskis Tod – Totentanz. Im Alter von 88 Jahren ist Dieter Schnebel am 20. Mai 2018 in Berlin gestorben.

In den 1960er Jahren erfolgten die ersten skandalumwitterten Aufführungen seiner frühen Arbeiten, die sich nur wage mit den Begriffen Concept Art und Fluxus beschreiben lassen. In dem Maße, indem Schnebel die Musik als nahezu voraussetzungsloses Handeln in experimentellen und archetypischen Situationen verstand, emanzipierte sich der Interpret von der Komposition. Der Interpret fungierte nicht länger als Ausführender eines in sich vollendeten Oeuvres, vielmehr wurde der Moment der Hervorbringung von Musik zum eigentlichen Inhalt des Werks. „Musikalisches Material sind nicht die Töne oder andere akustische Stoffe, sondern vielmehr die Prozesse ihrer Hervorbringung“, fasste Schnebel seine Auffassung zusammen.

Entgrenzung des musikalischen Materials

Auch in anderer Hinsicht brach Schnebel mit tradierten Hörerwartungen. Bei ihm wurde die menschliche Stimme vielfach zum entfesselten Organ. Alle Möglichkeiten der Lauthervorbringung sind erlaubt – Singen, Sprechen, Röcheln, aber auch völlige Stille. Konzepttitel wie Körper – Sprachen oder Laut – Gesten – Laute zeugen von dieser Entgrenzung des musikalischen Materials. Außerdem spielte die Gestik der Interpreten eine immer größere Rolle in Schnebels Kunst: Die frontale Konzertsituation wurde gesprengt. Musiker begannen, sich im Raum zu bewegen, Konzertanfang und Konzertende waren als solche nicht mehr zu erkennen. „Die Musik, die einmal ihre zeitliche und räumliche Umgebung einließ, die Töne und Geräusche des Alltags, geht auf die Straße und endet, wer weiß wo.“

In den 1970er Jahren begann der Komponist, mit dem Ensemble „Maulwerker“ auf Tournee zu gehen. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Musik- und Religionslehrer veranstaltete er Schüler- und Laienkonzerte – elementarpädagogische Ansätze, die Schnebel in der eigens für ihn geschaffenen Professur für experimentelle Musik an der Hochschule der Künste in Berlin weiterentwickelte. Mit seinem radikal offenen Werkbegriff stieß der Komponist jedoch auch an Grenzen: 1978 provozierte das Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester bewusst das Scheitern einer Aufführung des Projekts Orchestra.

Bekenntnis zur Utopie

Zu Schnebels künstlerischer Offenheit gehörte auch der neugierige Respekt für die Tonalität. Tradition lehnte er keineswegs ab, er deutete sie als lebendigen Prozess, „der die Versenkung ins Vergangene, den Blick in die verborgenen Quellen und deren lebendiges Weiterfließen ebenso beinhaltet wie die Offenheit dafür, was daraus werden könnte, den Blick nach vorn.“ Mit dem Zyklus Re-Visionen (Beethoven-Symphonie, Schubert-Phantasie und Wagner-Idyll) näherte er sich schöpferisch-ironisch der Tradition. Musikgeschichte sah Schnebel als Teil eines kollektiven Gedächtnisses, dessen Relevanz für das Heute stets aufs Neue überprüft werden müsse. Zwischen Philosophie und verspieltem Humor bewegte sich Schnebel auch im musikalischen Kammertheater Utopien, das bei all seiner ironischen Leichtigkeit geradezu bekenntnishaft ist. Vieles darin erklärt sich vor dem Lebensweg einer Person, die als Achtundsechziger und gleichzeitig als engagierter Christ immer quer zu ihrer Zeit lebte. Im Stück selbst begriff er diese Utopien als musikalische Abstraktion, die er als Künstler nicht ausmalt; doch Schnebel selbst hörte nie auf, an Utopien festzuhalten, die für ihn immer auch Hoffnung bedeuteten.

Die einmal erarbeiteten Methoden – Aleatorik, das Experiment als Prinzip, die Verwendung von Raumklang – blieben bis in das Spätwerk erhalten. Hauptwerke wie das auf einer mehrsprachigen Textcollage beruhende Ekstasis oder die monumentale Sinfonie X sind die späte Quintessenz seines Schaffens. Ein besonderes Anliegen war dem gelernten Theologen zeitlebens die Kirchenmusik. Tonkunst, das war für Schnebel stets auch ein ethisches Konzept, eine mögliche Verbindung von Innen- und Außenwelt, Individuum und Gesellschaft – und damit auch eine universelle Idee von den Möglichkeiten des Menschseins. Auch deshalb wird er fehlen. In den letzten Wochen arbeitete er intensiv an einem Orchesterstück für das hr-Sinfonieorchester, die nächsten Monate sahen mehrere Uraufführungen neuer Werke vor. Schnebel verstarb mitten im Leben und mitten im kreativen Schaffensprozess nach kurzer Krankheit am Pfingstsonntag 2018.

photo: Astrid Kargεr

15. Dezember 2017

Rodion Shchedrin: 85. Geburtstag am 16. Dezember

Wir gratulieren unserem russischen Komponisten Rodion Shchedrin, der am 16. Dezember 85. Geburtstag feiert! Nach Aufführungen seiner Werke wie Levsha, Boyarina Morozova, Two Tangos by Albéniz und anderen haben wir den Höhepunkt des Geburtstagsjahres noch vor uns: Seine Dialogues with Shostakovich werden am 9. Dezember in der Manchester Bridgewater Hall von der BBC Philharmonic unter Juanjo Mena erstmals in Großbritannien aufgeführt. Nur wenige Tage nach Shchedrins Geburtstag geben die Münchner Philharmoniker ihm zu Ehren gleich an zwei Abenden (19. und 20. Dezember) Festkonzerte: Zusammen mit Valery Gergiev und dem Philharmonischen Chor München führen sie die Choroper The Enchanted Wanderer in der Philharmonie im Gasteig auf.
Rechtzeitig zum Geburtstag sind Studienpartitur (ED 22786) und Klavierauszug (ED 22785) von Shchedrins A Christmas Tale erschienen. Die Oper wurde im Dezember 2015 im weltberühmten Mariinsky Theater in St. Petersburg mit überwältigendem Erfolg aus der Taufe gehoben. Dieses zauberhafte Weihnachtsmärchen ist noch zur deutschen Erstaufführung frei.

23. November 2017

Extravagante Besetzung: Konzert für Tubaquartett von Stefan Heucke

 

Gleich vier Tubisten treten in dem neuen Werk von Stefan Heucke ins Rampenlicht. Concerto grosso Nr. 1 für Tubaquartett und Orchester, op. 82 wird am 1. Dezember 2017 im Kulturpalast Dresden von dem Melton Tuba Quartett uraufgeführt.

Ein konzertantes Stück für diese extravagante Besetzung steht bis jetzt (von einer Ausnahme abgesehen) ohne Beispiel da. Ich stelle dem Tubaquartett ein groß besetztes Streichorchester, erweitert durch Pauken, Schlagzeuge und Harfe zur Seite und verzichte bewusst auf Bläser, damit die Wirkung der Tuben unangefochten bleibt. 

Die vier Solisten sind dem Orchester sowohl als Quartett, in unterschiedlichsten Duo- und Trio-Kombinationen als auch jeweils einzeln gegenüber gestellt. Jeder der drei Sätze hat eine andere Quartettbesetztung, der erste ist mit drei F- und einer B-Tuba, der zweite mit zwei Euphonien und zwei F-Tuben, der dritte mit einem Euphonium, zwei F-Tuben und einer B-Tuba. – Stefan Heucke

18. Oktober 2017

Dichterliebe recomposed: Christian Jost holt Schumann in die Gegenwart

Robert Schumanns bekannter Liederzyklus Dichterliebe gilt als Höhepunkt des romantischen Klavierlieds. Christian Jost hat es sich jetzt zur Aufgabe gemacht, in seinem neuen Werk Dichterliebe romantische mit modernen Maßstäben zu verbinden und verändert dabei nicht nur die Besetzung, sondern erweitert auch die Aufführungsdauer fast um das doppelte.

„Dichterliebe recomposed: Christian Jost holt Schumann in die Gegenwart“ weiterlesen

5. Oktober 2017

Klaus Huber 1924–2017

Klaus Huber

Wir gedenken unseres Komponisten Klaus Huber, der am 2. Oktober 2017 im Alter von 92 Jahren gestorben ist.

Schott Music verbindet eine über 60-jährige Zusammenarbeit mit dem charismatischen Schweizer Komponisten, Geiger, Dirigenten und Kompositionslehrer, der uns in dankbarer Erinnerung bleiben wird. In den Jahren 1956 bis 1976 hat der Schott-Verlag 22 seiner Werke publiziert; zuletzt, im Jahr 2010, erschien eine Bearbeitung von „Erinnere dich an Golgotha…“ für Solo-Kontrabass, 18 Instrumentalisten und Live-Elektronik.

Klaus Huber wurde am 30. November 1924 in Bern geboren. Von 1947 bis 1949 studierte er am Konservatorium Zürich Violine und Schulmusik, parallel dazu Theorie und Komposition bei Willy Burkhard und später bei Boris Blacher in Berlin. Seinen internationalen Durchbruch erreichte er 1959 beim Weltmusikfest der IGNM in Rom mit der Kammerkantate Des Engels Anredung an die Seele. Das Werk …inwendig voller figur… auf Texte aus der Johannes-Apokalypse und von Albrecht Dürer aus dem Jahr 1971 wurde zum Manifest seiner Ästhetik. Seiner Musik ist immer eine gewisse Unberechenbarkeit zu Eigen: Plötzliche Brüche, unvorhergesehene Übergänge, Montagen, filmartige Schnitte und offene Formen bewirken kontinuierlichen Wandel. „Ich verabscheue Musik, die nie anhält, die gleichförmig ist“ sagte Huber einmal. Von christlicher Mystik, später auch von der asiatischen und der arabischen Kultur inspiriert, hat sich der Komponist in vielen Werken für Menschlichkeit eingesetzt und zum Widerstand gegen menschliches Elend, Intoleranz und Gewalt aufgerufen.

Huber prägte die zeitgenössische Musik nicht nur als Komponist, sondern auch durch seine Lehrtätigkeit als Professor in Basel und Freiburg. Zu seinen Schülern gehörten unter anderem Wolfgang Rihm, Brian Ferneyhough und Toshio Hosokawa. 2009 wurde Klaus Huber mit dem Ernst von Siemens-Musikpreis und 2013 mit dem Musikautorenpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Klaus Huber – Profil

13. September 2017

Siegfried Köhler 1923–2017

Siegfried Köhler, der ehemalige Wiesbadener Generalmusikdirektor und Hofkapellmeister der Königlichen Oper Stockholm, ist am 12. September im Alter von 94 Jahren gestorben. „Siegfried Köhler 1923–2017“ weiterlesen

11. September 2017

Victor Ekimovsky: 70. Geburtstag

„In jedem Werk etwas Neues zu schaffen, das ist mein kompositorischer Anspruch.“ (Victor Ekimovsky)

Tatsächlich sind alle Werke Victor Ekimovskys einzigartig, keines gleicht dem anderen. Immer wieder verblüfft der Komponist mit originellen konstruktiven Ideen und neuen instrumentalen Lösungen, die seiner innersten, ungewöhnlichen Phantasie entspringen.
Der Verlag M.P. Belaieff und Schott Music gratulieren dem Schöpfer von Graffiti, Attalea princeps, den 27 Destruktionen und The Scarlet Flower ganz herzlich zum 70. Geburtstag am 12. September.

Victor Ekimovsky – Profil

21. August 2017

Wilhelm Killmayer 1927–2017

Wilhelm Killmayer 1927-2017; Foto: Stefan Forster

Wilhelm Killmayer ist am 20. August 2017, einen Tag vor seinem 90. Geburtstag, in Starnberg verstorben. Mit dem Komponisten verliert die Musikwelt einen ihrer größten Individualisten. In der Auseinandersetzung mit der Tradition fand er zu einem eigenen zeitgenössischen, unverwechselbaren Stil. Er schuf Orchesterwerke und Kammermusiken für den Konzertsaal und komponierte für das Musiktheater. Bis ins hohe Alter arbeite Killmayer sukzessive an der Vergrößerung seines reichhaltigen Œuvres von Liedkompositionen. Dass Humor und Parodie in die zeitgenössische Kunstmusik wieder Einzug fanden, gehört zu seinen größten Verdiensten.

Alfred Schnittke sagte einmal über die Musik Killmayers, sie sei neue Musik mit alten Mitteln. Die Kantabilität eines Robert Schumann überzeugte ihn mehr als der theoretische Überbau der Avantgarde in der Nachfolge der Zweiten Wiener Schule. Vor dem Hintergrund einer emphatischen Faszination für die Musik vergangener Epochen entwickelte Killmayer einen Individualstil, der nicht zuletzt in seiner Bereitschaft zur Verfremdung zeitgenössisch war. Fremdes und Vertrautes gingen in Killmayers Stil eine neuartige Verbindung ein. Weil Jahre später viele seiner ästhetischen Ansichten unter dem Begriff der Postmoderne verortet wurden, konnten ihm nun auch jene Kritiker Anerkennung zollen, die ihm diese in den Anfangsjahren verwehrt hatten.

Spätestens mit der 1964 aufgeführten musikalischen Posse Yolimba hatte sich Killmayer quer zu den ästhetischen Strömungen seiner Zeit gestellt. Zu dem von Tankred Dorst verfassten Libretto schuf er eine phantasievolle Musik voll musikalischen Humors und parodistischer Anspielungen, die keine Berührungsängste mit der Unterhaltungs- und Gebrauchsmusik zeigte. Den Buffonerien Jacques Offenbachs, aber auch dem Dadaismus eines Eric Satie standen Killmayers Musiktheaterstücke näher als die theorieernste Avantgarde jener Jahre. Für Killmayer wurde die Wiederentdeckung des Komischen in der Musik zu einem persönlichen Befreiungsschlag, der auch auf spätere Komponistengenerationen nachhaltig wirkte.

In den frühen Werken hatte Killmayer das Ostinato als prägendes Element seines kompositorischen Stils entwickelt. Anhaltende Wiederholungen von Motiven und rhythmischen Figuren wurden zum Spannungsträger der dramaturgischen Entwicklung. Später ergänzte er seine Kompositionstechnik um ein radikales Element: die Reduktion. Orchesterstücke wie die Nachtgedanken (1973) oder die drei Kammermusiken (The woods so wilde, 1970; Schumann in Endenich, 1972 und Kindertage, 1973) zerlegen die Musik in ihre Einzelteile. Der musikalische Fluss gerät zeitweise nahezu vollständig ins Stocken; Ton- und geräuschlose Pausentakte stehen am Ende eines musikalischen Zerfalls. Stille und Klang, Spannung und Entspannung heißen die Gegensatzpaare dieser konsequenten Zurücknahme der stilistischen Mittel auf das Wesentliche. Obwohl die Melodie als Prinzip erhalten blieb, verloren Tonalität und Harmonik in der Vereinzelung des Tones ihre traditionelle Funktion.

Das Komponieren von Musik war für Killmayer immer auch ein mit dem Naturerlebnis verbundener Vorgang: „Ich gehe durch die tonkargen spätherbstlichen Wälder, und ich höre mein Herz schlagen; ich höre die Geräusche der langsam sich ergebenden Natur und den Widerhall eines Vogelschreis in meiner Erinnerung. Immer tiefer gerate ich in das Innere, wo Erschrecken und Ruhe sich nahe sind, wo die Furcht stillhält.“ Hat sich der Kompositionsvorgang einmal in Gang gesetzt, folgt er seinen naturgegebenen Gesetzen. Die Abfolge der Töne entwickelt sich aus sich selbst heraus, folgt keinem theoretischen Muster. Für Killmayer besaßen die Töne eine Art Persönlichkeit, die auch in einem Instrumentalwerk durch das Aufeinandertreffen ihrer individuellen Charaktere eine dramaturgische Handlung erzeugen konnte. Es ist dieses von Schubert, Schumann und Mahler übernommene kindliche Staunen vor dem einzelnen Ton, das Killmayers Melodik ausmacht. „Ein einzelner Ton ist für mich etwas sehr Kostbares – wie ein Kristall oder eine Blume“. Die Töne sprechen, ohne dass sie sich der Sprache bedienen.

Der natürliche Träger der Melodie ist die Stimme, in zahlreichen Vokalkompositionen hat Killmayer dieser Vorstellung Ausdruck verliehen. In den 1980er Jahren komponierte er die Zyklen von Hölderlin-Liedern, die sowohl in Klavier- wie auch Orchesterbegleitung existieren. Später kamen Trakl-, Eichendorff- und Heine-Zyklen hinzu. Bis in seine letzten Lebensjahre setzte sich Killmayer produktiv mit der Gattung Lied auseinander. Seismographisch spiegeln die Vokalwerke Killmayers einzigartige musikalische Ästhetik. Auch hier findet sich die Spannung aus Repetition und Reduktion. Mitunter tastet sich der Komponist vorsichtig an den Texten entlang. Eine Kunst des Fragilen entsteht, die Brüche aufzeigt, statt sie zu verdecken. Auch das humorvolle und Alltägliche findet sich in den Liedern wieder.

Zeitlebens blieb Wilhelm Killmayer mit der Stadt München verbunden. Hier ging er zur Schule, studierte bei Hermann Wolfgang von Waltershausen, Rudolf von Ficker und Carl Orff. 1973 wurde er selbst Professor an der Staatlichen Hochschule für Musik. Abgesehen von Aufenthalten in Rom, Paris und Frankfurt a. M. hat er sein gesamtes Leben in der unmittelbaren Nähe der bayerischen Metropole verbracht. Als Kompositionslehrer hat er eine ganze Komponistengeneration geprägt. Seinem Misstrauen gegenüber jeglichem autoritären System geschuldet, war für ihn das Lernen stets ein Erfahren. Seine Art zu unterrichten war vollkommen undogmatisch, den roten Faden zu seinen Kompositionskursen lieferten die Werke der großen Komponisten selbst, die perspektivisch untersucht wurden. Das Aufspüren und aktive Nachvollziehen des kreativen Prozesses im Innersten der Kompositionen stand dabei im Zentrum der Aufmerksamkeit. Das Umsetzen des Erfahrenen für den eigenen Prozess musste jeder Schüler selbst in die Hand nehmen: „Im Verlauf des Komponierens an einem Stück sagen Ihnen irgendwann die Töne, wohin sie wollen… da haben Sie nichts mehr zu bestimmen“.

Killmayers einzigartige Werke leben weiter, in jedem Augenblick, in dem sie von einem Musiker gespielt und von einem Hörer gehört werden. „Meine Musik lebt in der Vergangenheit und in der Zukunft und ist vielleicht gerade deshalb gegenwärtig.“ Diese Erkenntnis des Komponisten trifft den Kern seiner Ästhetik, die zeitlos ist und überdauern wird. Der Schott-Verlag gedenkt seiner in großer Dankbarkeit.

11. Mai 2017

Infinite Now: Chaya Czernowin im Portrait (Video)

Nachdem Chaya Czernowins neueste Oper Infinite Now an der Vlaamse Opera in Gent und Antwerpen uraufgeführt wurde, folgt Ende Mai 2017 die Deutsche Erstaufführung am Nationaltheater Mannheim und im Juni die französischen Erstaufführung in Paris. In diesem Feature spricht Czernowin über ihre musikalischen Wurzeln, ihre Klangwelt und den Zugang zu der neuen Oper.


Ein Film von Gabriele Faust und Studierenden des Fachbereichs Musikvermittlung der Universität Köln, 2017

Musikausschnitte:
1. Chaya Czernowin: „anea crystal: seed I for string quartet“ [© WERGO, a Division of Schott Music & Media]
2. Chaya Czernowin: „Die Kreuzung“, [© mode records]
3. Ko Takasugi-Czernowin: Knowles Pain Hall / Pink Grey Sky [© mit freundlicher Genehmigung von Ko Takasugi-Czernowin]
4. Chaya Czernowin: „Infinite Now“, 3. Akt [© Vlaamse Opera Gent, mit freundlicher Genehmigung]

Cast & Crew:
mit Chaya Czernowin und Carlo Lorenzi (IRCAM Paris)
Produktion: Ideale Audiance SAS, Paris
Kamera: Marine Tadié
Ton: Timothée Alazraki
Produktionsleitung: Claire Lion
Produktion: Lillana Champenois
Produzent: Pierre-Olivier Bardet
Schnitt: Tim Schmitz, Rheinklang Tonstudio Köln

Gefördert von der Pro Musica Viva – Maria Strecker-Daelen Stiftung, Mainz

22. Februar 2017

Stanislaw Skrowaczewski gestorben

Stanislaw Skrowaczewski ist am 21. Februar 2017 im Alter von 93 Jahren in St. Louis Park, Minnesota, verstorben. 1923 in Lemberg (heute Ukraine) geboren, war der polnisch-amerikanische Komponist und Dirigent bis zuletzt aktiv und konzertierte mit Orchestern in den USA und Europa.

Über die New Yorker Schott Music Corporation war Skrowaczewski mit unserem Verlagshaus verbunden, es erschienen vornehmlich zwischen 1965 und 1980 komponierte Werke. Die Zusammenarbeit wurde intensiviert, nachdem im Jahr 2011 seine bei Boelke-Bomart verlegten Werke an Schott übergeben wurden. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich seine Bach-Orchestrierung Toccata and Fugue sowie das Blasorchesterwerk Music for Winds.

Foto: Toshiyuki Urano