Schott Music

Skip to Main Content »

10. September 2021

Schott Music bei der Mondomusica Cremona 2021

In Cremona, Italien findet vom 24. bis 26. September 2021 die Mondomusica statt.

Bei der internationalen Fachmesse für Streichinstrumente finden Interessierte nicht nur feinste handgefertigte Instrumente. Profis und Amateure können sich bei den Ausstellern aus den Bereichen Instrumentenbau, Handel, Verlag und Zubehör auch über Trends und Innovationen aus der Streicherwelt informieren. Konzerte, Meisterklassen und Präsentationen runden das Ausstellungs-Programm ab.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch am Stand von Schott Music!
Sie finden uns in Halle 2 (Padiglione 2) / Stand 245/246.

 

Offizielle Messeseite (englisch)

Veranstaltungsübersicht (englisch)

8. September 2021

Schott Music bei der chor.com 2021

Vom 23. bis 26. September 2021 findet die chor.com in Hannover statt.

Als größter europaweiter Treffpunkt der Vokalmusikszene bietet die chor.com mit Konzerten, Workshops und einem Messe-Forum DIE Plattform für ChorleiterInnen, ChormanagerInnen, MusikpädagogInnen, KirchenmusikerInnen, VerlegerInnen, SängerInnen und alle weiteren an Chormusik Interessierten. Hier informiert man sich über die aktuellsten Trends in der Vokalmusikszene, inspiriert sich gegenseitig und entwickelt gemeinsam neue Ideen.

Besuchen Sie uns im Hannover Congress Centrum (HCC), Niedersachsenhalle, Stand Nr. 19. Wir freuen uns auf Sie!

Unsere Autoren-Workshops:

Christopher Miltenberger
Neue A-cappella-Arrangements für Schul- und Jugendchöre
Do, 23.09.2021, 17:00 bis 18:30 Uhr
Medizinische Hochschule Hannover | Gebäude I06 | Hörsaal R


Jutta Michel-Becher

Silberklang – ein Leben lang! Chorsingen mit SeniorInnen
So, 26.09.2021, 14:30 bis 16:00 Uhr
Medizinische Hochschule Hannover | Gebäude I06 | Hörsaal R


Tristan Meister / Pascal Martiné

Chor to go und Chor together – Kurzes und Kurzweiliges für alle Besetzungen
So, 26.09.2021, 14:30 bis 16:00 Uhr
Medizinische Hochschule Hannover | Gebäude I06 | Hörsaal S

 

Offizielle Veranstaltungsseite

Übersicht Workshops

Übersicht Konzerte

2. September 2021

Mikis Theodorakis 1925–2021

Ode an die Freiheit: Zum Tod des Komponisten Mikis Theodorakis

Der griechische Komponist Mikis Theodorakis ist am 02.09.2021 im Alter von 96 Jahren in Athen verstorben.

Das Leben des 1925 geborenen Griechen war in einzigartiger Weise vom Kampf um Freiheit und Gerechtigkeit, vom Suchen nach gültigen und verständlichen Ausdrucksformen der Musik und vom Ringen um die Bedeutung der Kunst geprägt. Über seine Anfänge sagte Theodorakis:

„Meine Laufbahn als Komponist ‚ernster Musik‘ begann ich Anfang der Vierzigerjahre, als es in meinem Umfeld eigentlich keine Voraussetzungen dafür gab: kein Orchester, keine sinfonischen Konzerte, keine Musikhochschulen, ja nicht einmal einen Flügel. Als ich bei einer Kinovorführung Beethovens 9. Sinfonie hörte, erklärte ich meinen Lehrern am nächsten Tag in der Schule, dass ich mich ab jetzt nur noch mit Musik beschäftigen werde. Und das tat ich dann auch.“

Aus dieser tiefen Sicherheit erwuchs ein Schaffen, das mehr als hundert großformatige Kompositionen, darunter Symphonien, Ballette, Opern, Kammer- und Schauspielmusiken umfasst. Vieles davon brachte der Komponist als Dirigent selbst zur Aufführung, aber auch Dirigenten wie Thomas Beecham, Charles Dutoit und Zubin Mehta verbreiteten seine Stücke. Im Zentrum des Werks jedoch steht eine einzigartige Reihe von mehr als 1.000 Liedern. Deren Popularität ist bis heute unübertroffen, eine ganze Nation, ja fast die ganze Welt singt diese Lieder.

Bevor Theodorakis die Gattung des „zeitgenössischen Volkslieds“ begründete, hatte er bei Olivier Messiaen in Paris Handwerk und Kunst der „ernsten“ Musik erlernt. Förderer und Bewunderer des jungen Komponisten waren Dmitri Schostakowitsch, Hanns Eisler, Benjamin Britten und Darius Milhaud. Sie sagten dem hochgewachsenen, vitalen und vor musikalischen Ideen nur so sprühenden Theodorakis eine glänzende Karriere voraus. Doch seine beeindruckende Produktivität im symphonischen und kammermusikalischen Bereich endete 1960 mit der Rückkehr nach Athen. Über 20 Jahre schrieb Theodorakis nun keine reine Instrumentalmusik mehr. Liederzyklen, Oratorien, Filmmusik – das waren fortan seine Betätigungsfelder, hier gelang ihm die Verbindung seiner politischen und sozialen Botschaft mit der Musik. Schon als sehr junger Mann hatte er Lieder komponiert, nun besann er sich darauf zurück: Kunstvoll ja, aber im Volk verwurzelt sollten sie sein, eine Botschaft vermitteln, ungezügelt sein und immer neu. Bald trugen Künstler wie Agnes Baltsa, die Beatles, Dalida, Maria Farantouri, Mary Hopkin, Maria del Mar Bonet, Marino Marini, Milva, Georges Moustaki, Nana Mouskouri, Edith Piaf, Herman van Veen und viele andere seine Melodien und damit seine Botschaften in die Welt.

Ein Spätberufener war Theodorakis als Opernkomponist: Erst im Alter von fast sechzig Jahren widmete er sich dieser Gattung, der er von da an im olympischen Rhythmus von vier Jahren einen Beitrag hinzufügte. Alle fünf Opern sind Neuinterpretationen der klassischen griechischen Mythologie. In der Oper verband er die europäische Musiktradition, in der er tief verwurzelt war, mit seiner ureigenen Melodik und dem charakteristisch griechischen Idiom.

Theodorakis nimmt in der Musik- und Geistesgeschichte unserer Zeit eine singuläre Stellung ein. Seine weltweite Popularität, die Vielfalt seines künstlerischen Schaffens, sein persönliches Schicksal und seine politische Karriere machten ihn zu einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der Zeitgeschichte. Er  war – trotz des ausgeprägten griechischen Elements in seiner Musik, das sich aus byzantinischen, demotischen und kretischen Quellen speist – in jeder Hinsicht Kosmopolit. Lebenslang setzte er sich, auch unter erlittener Folter und Verbannung, aufopferungsvoll für die internationalen Menschenrechte ein. Er war ein Humanist aus tiefer Überzeugung, der sich niemals in seine Kunst zurückzog, sondern sich bis an sein Lebensende immer wieder in die Tagespolitik einmischte und gerade in schwierigen Zeiten Stellung bezog.

Die Verehrung, die ihm in Griechenland und weit darüber hinaus entgegengebracht wird, fußt nicht nur auf seinem Freiheitskampf und seinen Leiden in den Gefangenenlagern zur Zeit der Diktatur. Vollendete Kunst mit der Sprache des Volkes zu verbinden, das ist das nachhaltige Vermächtnis des Meisters Theodorakis. Was könnte dafür exemplarischer stehen als seine berühmteste Komposition: Die Melodie zu Anthony Quinns Tanz in Michalis Cacojanns‘ legendärem Film Alexis Sorbas wurde zur heimlichen griechischen Nationalhymne und steht mit ihrer Bedeutung für die Menschen in einer Reihe mit Verdis Va pensiero und mit der Melodie, durch die Theodorakis als Komponist zu dem wurde, was er war: Beethovens Ode an die Freude.

→ Pressekontakt: Dr. Christiane Albiez, Unternehmenssprecherin. Tel. +49 6131 246-880, E-Mail: christiane.albiez@schott-music.com

16. August 2021

Auszeichnung für WERGO-CD

Die WERGO-CD „Filz“ mit Kompositionen von Enno Poppe wurde in die Bestenliste 3/2021 des Preises der deutschen Schallplattenkritik, in der Kategorie Zeitgenössische Musik, aufgenommen.

Komplexe Glissando-Strukturen, mikrotonale Reibungen, hochdifferenziertes Vibrato: Das Bratschenkonzert „Filz“ von Enno Poppe, entstanden 2013/14 für Tabea Zimmermann und das Hamburger Ensemble Resonanz, stellt höchste Ansprüche an die Interpreten. In dieser Ersteinspielung erwächst eine klangsinnliche Ereignisdichte. Dabei entwirft die große Solistin, Siemens-Musikpreisträgerin 2020, einen dramaturgisch konzisen Ablauf. Auch mit „Stoff“ und „Wald“, ebenfalls für das Ensemble Resonanz komponiert, präsentiert sich Poppe als ein profunder Streicher-Kenner. Nebenbei wird deutlich, wie sehr diese Formation das Musikleben bereichert. (Für die Jury: Marco Frei)

Enno Poppe: Filz
Interpreten: Tabea Zimmermann / Ensemble Resonanz
WER 73992

11. August 2021

Werk der Woche – Luigi Nono: Intolleranza

Ein Jahr nach dem ursprünglich geplanten Termin feiert Intolleranza von Luigi Nono am 15. August bei den Salzburger Festspielen Premiere. In der Inszenierung von Jan Lauwers sind Sean Panikkar und Sarah Maria Sun in den Hauptrollen als Flüchtling und dessen Gefährtin zu sehen. Es spielen die Wiener Philharmoniker und am Pult steht Ingo Metzmacher.

Das 1961 vollendete Intolleranza  ist Luigi Nonos erstes Bühnenwerk und verweist – als Azione scenica  bezeichnet – auf die Abkehr von einem erzählenden Musiktheater. Das Libretto ist keine zusammenhängende Geschichte; Nono verwendet vielmehr Gedichte und dokumentarische Texte wie politische Verhöre, Schlagzeilen oder Texte von Folterungen, die wie Schlaglichter das Geschehen begleiten. Deutlich sind Einflüsse des Brecht’schen Theaters erkennbar, indem das Publikum aktiv in das Geschehen einbezogen und vor die Frage gestellt wird, wie, unter welchen Bedingungen und gegen welche vor allem politischen Widerstände wahres, bewusstes Menschsein möglich ist.

In elf Stationen beschreibt Nono die Reise des Protagonisten auf dem Weg in seine Heimat, aus der er geflüchtet war. Dabei greift der Komponist auf damals gegenwärtige wie auch auf vergangene historische Ereignisse zurück. Der Protagonist durchlebt eine Friedensdemonstration ebenso wie ein polizeiliches Verhör, eine Folterung im Konzentrationslager und eine humanitäre Katastrophe durch eine Flutwelle auf seiner Flucht. Intolleranza ist ein politisch-ethischer Appell gegen Gewalt, Intoleranz, Diskriminierung und Rassismus und heute auf schockierende Weise ebenso gültig wie vor 60 Jahren.

„Ihr, die ihr auftauchen werdet aus der Flut / in der wir untergegangen sind / gedenkt / auch der finsteren Zeit / der ihr entronnen seid.“ (aus dem Libretto)

Nachdem Nono das Stück bei seiner Uraufführung Intolleranza 1960 bezeichnete, ist es üblich geworden, die Jahreszahl der jeweiligen Premiere an den Titel anzuhängen. Am Opernhaus Wuppertal läuft derzeit noch eine Serie von Streaming-Aufführungen unter dem Titel Intolleranza 2021. In der kommenden Spielzeit wird das Stück dort auch vor Publikum gespielt.

Foto: Luigi Nono 1961 (koloriert); © Archiv Schott Music

 

4. August 2021

Karel Husa: 100. Geburtstag am 7. August 2021

Im August gedenken wir des tschechisch-amerikanischen Komponisten Karel Husa,
mit dem wir gerne seinen 100. Geburtstag gefeiert hätten. Nachdem er bis ins hohe Alter
aktiv war, mussten wir erst vor wenigen Jahren von ihm Abschied nehmen.

Die  Zusammenarbeit von Schott Music und Husa konzentrierte sich auf seine frühen Kompositionen. Die enge Verbundenheit und gemeinsame Arbeit an den Verlagswerken erstreckte sich jedoch bis in die Gegenwart.

Husas vor allem durch den Krieg und dessen Folgen gezeichnetes Leben brachte ihn über
viele Stationen von Prag in die USA, wo er bis 1992 als Dirigent und Professor an der Cornell
Universität und am Ithaca College arbeitete. Husa gewann mehrere Preise, darunter den
Pulitzer Preis für sein 3. Streichquartett und den Grawemeyer Award für sein Cellokonzert.
Mit fast hundert Aufnahmen ist Husa auch auf Tonträgern prominent vertreten.

30. Juli 2021

Werk der Woche – Carl Orff: Die Bernauerin

Zum 125. Geburtstag des Komponisten Carl Orff am 10. Juli 2020 sollte Die Bernauerin beim Orff Festival erstmals in einer reduzierten Fassung für kleinere Bühnen und Ensembles aufgeführt werden. Coronabedingt verschob man die erste Aufführung der neuen Version von Paul Leonard Schäffer auf den 4. August 2021. Welche Spielstätte könnte dem „bairischen Stück“ besser gerecht werden als der Florian-Stadl des Klosters Andechs, in dessen Wallfahrtskirche Orff beigesetzt wurde?

„Ich bin ein Altbayer, in München geboren und diese Stadt, dieses Land, diese Landschaft haben mir viel gegeben und mein Wesen und Werk mitgeprägt.“ (Carl Orff)

Mit Die Bernauerin setzte Carl Orff seiner Heimat ein Denkmal, das sowohl von Friedrich Hebbels gleichnamigem Drama als auch von altem Liedgut inspiriert ist. Das Stück erzählt die bewegende Geschichte der Agnes Bernauer, die im 15. Jahrhundert in einer nicht standesgemäßen Ehe mit Albrecht dem III. von Bayern lebte. Orff betrieb intensive Studien, um sein Libretto in authentischer bayerischer Sprache des 15. Jahrhunderts zu verfassen. Wort und Musik erhalten dasselbe Gewicht, und die mundartliche Färbung wird zum lautmalerischen und rhythmischen Element der dramatischen Form.

Illustration: Die Bernauerin, Staatsoper Stuttgart 1965 · Figurinen von Liselotte Erler

 

24. Juni 2021

Wergo-CDs nominiert

Gleich drei WERGO-CDs sind für den OPUS Klassik 2021 nominiert:

Giacinto Scelsi: Suite 8 & 11 per pianoforte
Sabine Liebner: Klavier
WER 73282

Enno Poppe: Stoff
Hannah Weirich: Violine / Dirk Rothbrust: Drumset / Ensemble Musikfabrik / Enno Poppe: Dirigent
WER 73952

Younghi Pagh-Paan: Seidener Faden – Silken Thread
E-MEX Ensemble / Christoph Maria Wagner: Dirigent
WER 73972

Verliehen wird der OPUS KLASSIK 2021 am 10. Oktober 2021 im Konzerthaus Berlin.
www.opusklassik.de

18. Mai 2021

Elbphilharmonie Hamburg: Online-Uraufführung von Toshio Hosokawas neuem Violinkonzert

Genesis – Schöpfung hat Toshio Hosokawa sein neues Violinkonzert genannt, das er für die Geigerin Veronika Eberle komponiert hat. Am Abend des 19. Mai 2021 gelangt es beim Internationalen Musikfest Hamburg zur Uraufführung, nachdem der Termin mehrfach verschoben werden musste. Das Konzert wird um 20:00 Uhr auf dem YouTube-Kanal des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg gestreamt. Das Orchester spielt unter der Leitung von Kent Nagano.

„Mein Violinkonzert habe ich als Geschenk für Veronika Eberle und ihr im November 2019
geborenes Kind komponiert. Im Konzert steht die Solistin symbolisch für den Menschen, während das Orchester die ihn umgebende Natur und das Universum repräsentiert. Zu Beginn spielt es wiederholte Wellenbewegungen, eine Reminiszenz an das Fruchtwasser.
Gewissermaßen aus dem Inneren dieser ‚Wiege‘ erwächst eine Melodie der Solovioline (= das Leben). Anfangs imitiert diese die Motive des Orchesters, jedoch wird sie im Verlauf immer unabhängiger und trägt Konflikte mit ihm aus. Erst zum Ende findet diese ‚Lebensmelodie‘ wieder zu einer Harmonie mit dem Orchester zurück und löst sich schließlich in ihm auf.“ Toshio Hosokawa

Toshio Hosokawa
Violin Concerto
Genesis · 18’
19. Mai 2021 | Hamburg (D)
Elbphilharmonie
Veronika Eberle, Violine
Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Kent Nagano, Dirigent

Auftragswerk von: Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, Hong Kong Sinfonietta, NHK Symphony Orchestra, Hiroshima Symphony Orchestra, Prager Rundfunk-Sinfonieorchester (SOČR) und Grafenegg Festival

 

17. Mai 2021

Werk der Woche – Aribert Reimann: Lear

Als erste Premiere vor Publikum in diesem Jahr zeigt die Bayerische Staatsoper am Pfingstsonntag, dem 23. Mai 2021 die Oper Lear von Aribert Reimann. Das Stück gilt als wichtigste Shakespeare-Vertonung des 20. Jahrhunderts und ist am Ort ihrer Uraufführung 1978 in einer Neuinszenierung von Christoph Marthaler zu sehen. Vor 53 Jahren bekleidete der berühmte Liedsänger Dietrich Fischer-Dieskau die Titelrolle, ihm folgt nun Christian Gerhaher, dessen destinguierter Liedgesang ihn zur Idealbesetzung für die Partie macht. Unter der Leitung von Jukka-Pekka Saraste stehen in weiteren Rollen Hanna-Elisabeth Müller, Ausrine Stundyte und Angela Denoke als Lears Töchter sowie Edwin Crossley-Mercer, Ivan Ludlow, Jamez McCorkle, Brenden Gunnell, Georg Nigl und Andrew Watts auf der Bühne.

Ab 1968 legte Dietrich Fischer-Dieskau dem Komponisten, Reimann war sein langjähriger Liedbegleiter, immer wieder die Tragödie von William Shakespeare als Opernvorlage nahe. Zwar fesselte die Geschichte den Komponisten von Anfang an, er sah sich dem Stoff aber erst vier Jahre später gewachsen. Für das Libretto wandte sich Reimann an Claus H. Henneberg, mit dem er vorher schon erfolgreich zusammengearbeitet hatte, unter anderem bei der Oper Melusine. Reimann selbst nennt drei musikalische Inspirationsquellen für Lear: Anton von Webern, der ihn Präzision lehrte, Alban Berg, dessen Expressivität er sich zum Vorbild nahm, und die Musik Indiens, die ihn rhythmisch beeinflusste. Um genügend Spielraum für seine hochkomplexen Klangflächen zu schaffen, verlangt der Komponist in einem 83-köpfigen Orchester alleine 48-fach besetzte Streichinstrumente.

Aribert Reimanns Lear: Eine Metamorphose als Spiegel unserer Zeit

Ich entdeckte in diesem Stück immer mehr Konstellationen, die mir als Gleichnis unserer Zeit erschienen. Alle diese Dinge, die sich da ereignen, können sich immer ereignen. – Aribert Reimann

König Lear will das Reich unter seinen drei Töchtern verteilen. Diejenige, die ihn am meisten liebt, soll den größten Teil erhalten. Cordelia, die für die Liebe zu ihrem Vater keine Worte findet, wird verbannt und verlässt mit dem König von Frankreich das Land. Kent, der Lears Entscheidung missbilligt, wird geächtet. Die beiden älteren Töchter und ihre Ehemänner teilen sich das Erbe. Am Ende kauert der wahnsinnige und verlassene Lear über Cordelias Leiche und folgt seiner Tochter schließlich ins Jenseits.

Zweieinhalb Stunden lang wird das Publikum aus dem Orchestergraben heraus gebannt: mit Tontrauben aller Intensitätsgrade, Vierteltonreibungen, minutenlang stehenden und sich drehenden Klangflächen, Blechballungen von monströser Härte, verwirrenden rhythmischen Verschiebungen, lyrischem Innehalten solistischer Stimmen. Diese Klangmittel werden zur scharfen Charakterisierung – von Figuren, Ausdruckshaltungen, Situationen – eingesetzt, nie als bloße Materialdemonstration. – Wolfgang Schreiber

Nach der Premiere steht zum jetzigen Zeitpunkt nur eine weitere Aufführung am 26. Mai fest. Drei weitere Vorstellungen sind aber für die verbleibende Spielzeit geplant, darüber hinaus soll die Produktion im Juni auf Staatsoper.TV als Video on Demand verfügbar sein. Bitte informieren Sie sich diesbezüglich auf der Website der Bayerischen Staatsoper.

 

Fotos: Gaby Gerster (Portrait Reimann); © Adobe Stock / Inmaculada (Hintergrund)