Schott Music

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30. März 2020

Werk der Woche – György Ligeti: Kammerkonzert

Bei allen stilistischen Wandlungen, die György Ligeti als Komponist von den 1940er bis in die 2000er Jahre durchlebt hat, ist die konzentrierte Form doch stets sein Erkennungszeichen. Den Prototyp dafür finden wir mit dem Kammerkonzert in der Mitte seines Schaffens. Vor genau 50 Jahren, am 5. April 1970 brachten Friedrich Cerha und sein Ensemble “die reihe” die ersten beiden Sätze in Baltimore zur Uraufführung. Satz III folgte im Mai in Wien, Satz IV im Oktober desselben Jahres in Berlin. 

Das Kammerkonzert steht mit seiner Besetzung für 13 Instrumentalisten zwischen solistischer Kammermusik und sinfonischer Klangfülle. Mal gelingt es Ligeti Klangfelder von orchestraler Dichte zu komponieren, mal treten die einzelnen Instrumente solistisch hervor: mit exponierten Melodielinien, die an Schönbergs und Bergs melodisch-expressive Zwölftontechnik erinnern, oder auch mit quasi kadenzierenden Soloepisoden als Ausbruch aus dem metrischen Gefüge des Ensemblespiels, wobei die einzelnen Instrumentalisten als virtuos aufspielende Solisten hervortreten.

György Ligeti – Kammerkonzert: vom Misserfolg zum Standardstück

Das viersätzige Werk ist insofern ein Konzert, als alle 13 Spieler gleichberechtigt sind und virtuose solistische Aufgaben haben. Es handelt sich also nicht um ein Wechselspiel von Soli und Tutti, sondern um ein konzertantes Miteinander aller. Die Stimmen verlaufen stets gleichzeitig, doch in verschiedenen rhythmischen Konfigurationen und meist in verschiedenen Geschwindigkeiten. […] Das Kammerkonzert, das komplett 1970 uraufgeführt wurde, war ein totaler Misserfolg. Kritiker haben geschrieben, nach dem 2. Streichquartett sei dieses Werk ein großer Rückschritt. Im Laufe der Zeit wurde das Kammerkonzert von verschiedenen Ensembles mehrfach gespielt. Jetzt ist es wahrscheinlich ein Standardstück, weil die Besetzung günstig für solche Formationen wie zum Beispiel das Asko-Ensemble ist. Alle diese Dinge weiß der Komponist nicht im Voraus. – György Ligeti

Ligetis 100. Geburtstag am 28. Mai 2023 mag noch weit entfernt scheinen, dennoch möchten wir Sie dazu einladen, seine Musik im Hinblick darauf näher kennenzulernen. Dazu haben wir eine ausführlich kommentierte Playlist für Sie erstellt, die Sie über den unten stehenden Link erkunden können.

29. März 2020

Krzysztof Penderecki (1933–2020) – zum Tod des Komponisten 

Nach über 50 Jahren Verlagsfreundschaft müssen wir von Krzysztof Penderecki Abschied nehmen, der am 29.03.2020 in seinem Haus in Krakau gestorben ist. Mit ihm verliert die Musikwelt einen herausragenden Vertreter jener Komponistengeneration, die ihre ursprünglichen Impulse aus der Avantgarde des 20. Jahrhunderts empfing. Schon in den späten 1950er Jahren suchte und fand Penderecki im Spannungsfeld von Geräusch und Musik neue Möglichkeiten des kompositorischen Ausdrucks. Damit verstörte er ein konservatives Konzertpublikum, eröffnete aber gleichzeitig neue künstlerische Horizonte und setzte sich an die Spitze der europäischen Avantgarde. Nach seiner Abkehr von den Klangexperimenten der frühen Jahre sprach man von der neoromantischen Wende Pendereckis.

Wie kaum ein zweiter seiner Generation erntete er sowohl harsche Kritik als auch große Bewunderung für seine kompositorische Entwicklung. Mitte der 1980er Jahre fand sich der Komponist an exponierter Stelle mitten in der Postmoderne-Diskussion wieder. Für ihn ergab die Gleichung aus Avantgarde und Tradition jedoch keinen Widerspruch, vielmehr glaubte er an eine Ästhetik der Synthese: „Ich habe Jahrzehnte damit verbracht, neue Klänge zu suchen und zu finden. Gleichzeitig habe ich mich mit Formen, Stilen und Harmonien der Vergangenheit auseinandergesetzt. Beiden Prinzipien bin ich treu geblieben…“. Die andauernde Präsenz von Meisterwerken, darunter die 7. Sinfonie Seven Gates of Jerusalem, die Oper Die Teufel von Loudun, das Polnische Requiem, und die wegweisende Lukas-Passion zeugt von der breiten internationalen Bewunderung, die dem Komponisten zuteil wurde und ihn zu einem der meistgespielten Komponisten unserer Zeit macht.

„Ich arbeite so, wie ein Komponist des 19. Jahrhunderts, der alles können musste, auch Dirigieren.“(Foto: Ludwig van Beethoven Association, Bartosz Koziak)

Einer der letzten Vertreter der großen Form

Wer heute aus zeitlicher Distanz die Lukas-Passion von 1966 hört, wird neben den experimentellen Kompositionsweisen darin auch traditionelle Elemente finden. Nicht zuletzt die markanten A-cappella-Sätze verrieten Pendereckis enge Bindung an historische Satztechnik. Mit den Jahrzehnten lichteten sich die dichten Cluster früherer Werke zu tonalen Strukturen, sperrige Klangflächen traten hinter einer rhythmisch und melodisch greifbaren Partitur zurück. Anklänge an die spätromantische Tradition Bruckners, Mahlers, Schostakowitschs oder Strauss‘ waren bewusst gewählt: „Ich bin einer der letzten Vertreter der großen Form, der alles schreibt: Sinfonien, Opern, Oratorien, Konzerte und Kammermusik. Ich arbeite so, wie ein Komponist des 19. Jahrhunderts, der alles können musste, auch Dirigieren.“

Papst Johannes Paul II empfängt seinen Freund Penderecki, 1983 (Foto: Mari)

In zahlreiche Kompositionen bettete der Komponist außermusikalische Inhalte ein – seine Sakralkompositionen zeugen oft von seinem tiefen katholischen Glauben. Mit seiner Musik setzte er auch immer wieder politische Akzente. Das Instrumentalwerk Threnos widmete er den Opfern der Katastrophe von Hiroshima, das Klavierkonzert Resurrection jenen des 11. Septembers 2001. Im Polnischen Requiem stellte Penderecki auf vielfältige Weise Bezüge zu seinem Heimatland her. Das Lacrimosa entstand 1980 als Auftrag der polnischen Gewerkschaft „Solidarnosc“, weitere Teile schrieb der Komponist zum Gedenken an die Opfer von Auschwitz und des Warschauer Aufstands. Als den Komponisten 2005 die Nachricht vom Tod Papst Johannes Paul II. erreichte, fügte er die Ciaccona in memoria Giovanni Paolo II hinzu. Von der Kritik ließ sich Penderecki in seinen Überzeugungen nicht erschüttern, als ihm etwa in einer polnischen Pressekampagne nach der Uraufführung von Resurrection vorgeworfen wurde, dass er der Ästhetik des sozialistischen Realismus huldige.

Glaube und Vergänglichkeit

Ein Merkmal seiner künstlerischen Arbeit ist, dass er über Jahrzehnte freundschaftlich mit herausragenden Solisten zusammen arbeitete. Zahlreiche Solowerke für Künstler wie Anne-Sophie Mutter (u.a. das zweite Violinkonzert Metamorphosen), Boris Pergamenschikow (Concerto grosso) oder Mstislaw Rostropowitsch (Concerto per violoncello ed orchestra no. 2) durchziehen das Werkverzeichnis des Komponisten. Er hörte auf die persönlichen Klangfarben in der Interpretation und komponierte so, dass die Interpreten größtmöglichen Raum zur Entfaltung erhielten. Seine Liebe zur Musik wollte Penderecki auch an die nachfolgenden Generationen weitergeben. Unweit seines Landsitzes in Lusławice baute er das Krzysztof Penderecki European Centre for Music auf, das zum Treffpunkt für Musiker aus aller Welt wurde.

Der Gärtner aus Liebe: Penderecki pflegte ein ausladendes Arboretum (Foto: Krzysztof Wójcik)

Mit seiner achten Symphonie Lieder der Vergänglichkeit, in der Penderecki Texte berühmter Dichter rund um das Thema „Wald“ und „Baum“ vertonte, konnte er seine beiden großen Leidenschaften verbinden: Die Musik und die Natur. Für sein privates Arboretum sammelte er über 1700 unterschiedliche Baumarten. So wie die Liste der Auftraggeber, Widmungsträger und zahllosen Auszeichnungen über die Anerkennung in der internationalen Musikwelt Auskunft gibt, so erzählen die Bäume, die der weltweit gefragte Dirigent von seinen Konzertreisen mitbrachte, von seiner besonderen Liebe zur und Verbundenheit mit der Natur.

Erst nach seinen Gattungsbeiträgen sieben und acht stellte Penderecki 2017 seine 6. Sinfonie mit dem Beinamen „Chinesische Lieder“ zur Uraufführung in Guangzhou fertig. Jenseits der Opernbühnen und Konzertsäle wurde seine Musik in Kinofilmen wie „The Shining“, „Shutter Island“ und „Das Massaker von Katyn“ einem Millionenpublikum bekannt.

 

Titelfoto: Schott Music / Bruno Fidrych

23. März 2020

Werk der Woche – Hans Werner Henze: The Bassarids (Die Bassariden)

Da zurzeit nahezu alle Opern- und Konzerthäuser der Welt geschlossen sind, richten wir in dieser Woche den Blick auf eine aktuelle Inszenierung von Hans Werner Henzes The Bassarids – Die Bassariden. Die Produktion der Komischen Oper Berlin ist als kostenloses Video on Demand bei OperaVision zu sehen. Die Kritiken zur Inszenierung von Barry Kosky und musikalischen Umsetzung durch Vladimir Jurowski waren herausragend; es ist also eine ausgezeichnete Gelegenheit, die Tiefen dieses epochalen Meisterwerks ausgiebig zu erkunden.  Das Video finden Sie am Ende dieser Seite. 

Die Handlung orientiert sich an den Bakchen des Euripides. Das Libretto entstammt der Feder von W. H. Auden und Chester Kallman. Bei seinem Antritt der Herrschaft über Theben spricht Pentheus zuallererst ein Verbot des Dionysos-Kultes aus. Wie sich später herausstellt, hat Pentheus diese Rechnung jedoch ohne Dionysos gemacht. Dieser kommt nämlich in Gestalt eines Fremden nach Theben und stiftet Pentheus zur heimlichen Beobachtung der nächtlichen Riten an. Dabei wird der Herrscher Thebens in Frauenkleidung durch seine eigene Mutter, Agaue, erschlagen, die ihn für ein wildes Tier hält. Das grausame Erwachen folgt am nächsten Morgen: Erst jetzt realisiert Agaue ihre Tat. Dionysos zeigt seine wahre Identität, enthüllt den vollzogenen Plan als Racheakt an Pentheus und verlangt die bedingungslose Verehrung durch das Volk von Theben.

Hans Werner Henze (rechts) mit Regisseur Gustav Rudolf Sellner (links) und den Librettisten Chester Kallman und W. H. Auden bei der Uraufführung von „Die Bassariden“ 1966 in Salzburg [Foto: Heinz Köster]

Hans Werner Henze: The Bassarids – Pole der menschlichen Existenz

Der Einakter besteht aus zwei Teilen und ist formal an eine viersätzige Symphonie angelehnt. Die große Besetzung, Komplexität des Librettos und vielschichtige musikalische Faktur machen die Aufführung von The Bassarids zu einem ambitionierten Projekt. Mit Dionysos und Pentheus stehen sich zwei Pole der menschlichen Existenz gegenüber, die auf der Grundlage des antiken Stoffes zahlreiche Bezüge zur Gegenwart zulassen.

Die Bassariden, die ich heute viel besser verstehe und die ich viel mehr liebe als damals, als ich sie schrieb, für mich bedeuten sie heute mein wichtigstes Theaterwerk. Interessant und modern und uns angehend und eigentlich auch die Jahre um 1968 angehend sind eben die Fragen: Was ist Freiheit, was ist Unfreiheit? Was ist Repression, was ist Revolte, was ist Revolution? All das wird eigentlich bei Euripides gezeigt, angedeutet, angeregt. Die Vielzahl, der Reichtum der Beziehungen, der greifbar-sensuellen Beziehungen zwischen dieser Antike, dieser Archais, und uns wird durch den Auden’schen Text hergestellt, und Euripides wird herangezogen in unsere Zeit, und zwar in einer Weise, wie es auch die brillanteste Regie mit dem griechischen Original nicht machen könnte, bei dem eben immer die Distanz zu einer anderen und lang zurückliegenden Zivilisation sich manifestiert. – Hans Werner Henze

Das Video on Demand ist noch bis zum 13. April zu sehen, eine letzte Aufführung der Produktion an der Komischen Oper Berlin ist für den 26. Juni geplant.     

Foto: © Komische Oper Berlin / Monika Rittershaus

19. März 2020

Wir liefern weiterhin!

Die COVID-19-Pandemie stellt uns alle vor große Herausforderungen. Dennoch werden wir unseren Service  bestmöglich für Sie aufrechterhalten. Aktuell können wir Ihre Bestellungen ohne Einschränkungen bearbeiten und Ihnen die gewünschten Titel und Services liefern. Über neue Entwicklungen halten wir Sie  auf unserer Website und über die sozialen Medien auf dem Laufenden.

Ihre Ansprechpartner erreichen Sie weiterhin unter den gewohnten Rufnummern und Emailadressen. Unsere größte Sorge gilt derzeit Ihrer Gesundheit  – wir wünschen Ihnen allen von Herzen, dass Sie und Ihre Familien gesund bleiben und wir diese Krise mit vereinten Kräften überwinden. Wir alle teilen die Liebe zur Musik, sie wird uns dabei helfen.

Foto: TMLsPhotoG / Adobe Stock

16. März 2020

Werk der Woche – Thierry Pécou: Until the Lions

Am 21. März 2020 hätte die neue Oper Until the Lions von Thierry Pécou in Strasbourg ihre Uraufführung erlebt. Auch wenn die Proben nun wegen der SARS-CoV-2-Krise unterbrochen und die Premiere auf eine der folgenden Spielzeiten verschoben ist, möchten wir das Stück dennoch vorstellen. Bei der Produktion leitet Marie Jacquot das Orchestre Symphonique de Mulhouse, die indische Künstlerin Shobana Jeyasingh führt Regie und übernimmt die Choreographie. Die Opéra National du Rhin hat das Werk in Auftrag gegeben.
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9. März 2020

Werk der Woche – Joseph Haas: Die Hochzeit des Jobs

Am 15. März 2020 kommt die komische Oper Die Hochzeit des Jobs von Joseph Haas nach 60 Jahren erstmals wieder auf die Bühne. Die Premiere findet im Eduard-von-Winterstein Theater in Annaberg-Buchholz statt. Bei der Produktion dirigiert Naoshi Takahashi und Ingolf Huhn führt Regie. „Werk der Woche – Joseph Haas: Die Hochzeit des Jobs“ weiterlesen

5. März 2020

Leipziger Buchmesse abgesagt, Musikmesse Frankfurt verschoben!

Sehr geehrte Damen und Herren,

aufgrund der Entwicklung von Covid-19 wurde die diesjährige Leipziger Buchmesse abgesagt.

Die Musikmesse Frankfurt wurde bis auf Weiteres verschoben, ein neuer Termin soll noch bekannt gegeben werden.

Wir bedauern dies sehr.

Weitere Informationen zu einem neuen Termin der Musikmesse folgen.

Herzliche Grüße,
Ihr Team von Schott Music

2. März 2020

Werk der Woche – Stefan Johannes Hanke: Der Teufel mit den drei goldenen Haaren

Am 8. März feiert die Kinderoper Der Teufel mit den drei goldenen Haaren von Stefan Johannes Hanke im Staatenhaus der Oper Köln ihre Premiere. Im Jahr 2011/12 schrieb der Komponist das Werk im Auftrag der Staatsoper Hannover; nun wird dieses Musiktheater für Menschen ab 7 Jahren nach Hannover, Dresden, Basel und München auch in Köln aufgeführt werden. Bei der Produktion dirigiert Rainer Mühlbach. „Werk der Woche – Stefan Johannes Hanke: Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ weiterlesen

24. Februar 2020

Werk der Woche – Pierre Jalbert: Ephemeral Objects

Am 28. Februar feiert die Komposition Ephemeral Objects für Klavier und Violoncello von Pierre Jalbert ihre Uraufführung. Anlässlich ihres 100-jährigen Jubiläums hat die Middlebury Performing Arts Series das Stück in Auftrag gegeben. David Finckel (Cello) und Wu Han (Klavier) werden im Middlebury College, im US-Bundesstaat Vermont, das Werk spielen. „Werk der Woche – Pierre Jalbert: Ephemeral Objects“ weiterlesen

16. Februar 2020

Werk der Woche – Christian Jost: Egmont

Am 17. Februar findet die Uraufführung der neuen Oper von Christian Jost, Egmont, in Wien statt. Zum Beethoven-Jahr 2020 hat der Intendant des Theaters an der Wien, Roland Geyer, das Werk in Auftrag gegeben. Michael Boder wird die Oper dirigieren, Regie führt Keith Warner und auf der Bühne stehen neben anderen Angelika Kirchschlager, Maria Bengtsson, Edgaras Montvida und Bo Skovhus.  „Werk der Woche – Christian Jost: Egmont“ weiterlesen