Schott Music

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18. Februar 2015

Werk der Woche – Hans Werner Henze: Pollicino

Alles begann mit dem überraschenden Besuch einer Kinderschar, die nur „Guten Tag“ sagen und einmal ins Schwimmbecken springen wollte. Auf dem spontan folgenden Fest inspirierten die Kinder Hans Werner Henze mit ihrer Energie und ihrem Witz zu der Kinderoper Pollicino, die ab dem 24. Februar 2015 in Florenz zu sehen sein wird. Das Orchestra del Conservatorio L. Cherubini di Firenze und der Coro di voci bianche Associazione Landini bringen das Werk unter der Leitung von Alessandro Cadario im Teatro Goldoni auf die Bühne. „Werk der Woche – Hans Werner Henze: Pollicino“ weiterlesen

17. Februar 2015

Werk der Woche – Peter Eötvös: Angels in America

Ab dem 19. Februar 2015 wird die Oper Angels in America von Peter Eötvös in vier Vorstellungen in Boston zu erleben sein. Das University Theatre nimmt sich unter der Leitung von William Lumpkin des Zweiakters an und bringt ihn in einer Inszenierung von Jim Petosa auf die Bühne. „Werk der Woche – Peter Eötvös: Angels in America“ weiterlesen

6. Februar 2015

Werk der Woche – György Ligeti: Le Grand Macabre

Am 14. Februar 2015 feiert eine Neuproduktion von György Ligetis Le Grand Macabre im Aalto-Musiktheater in Essen Premiere. Die Inszenierung stammt von Mariame Clément, am Pult steht Dima Slobodeniouk.

Ligeti selbst bezeichnete das Werk, das 1978 in Stockholm uraufgeführt wurde, als „Anti-Anti-Oper“. Er verweist damit auf das Spiel mit den Konventionen, die er zwar bedient, aber auch auf den Kopf stellt. So beugt er sich einerseits den Anforderungen einer Oper. Der Text solle klar zu verstehen sein, während die Handlung in ein szenisches Korsett eingeschnürt werden müsse. Andererseits entwarf Ligeti ein Konzept für einen Bruch mit der Operntradition: „Werk der Woche – György Ligeti: Le Grand Macabre“ weiterlesen

30. Januar 2015

Werk der Woche – Stewart Wallace: Harvey Milk

Am 7. und 8. Februar 2015 ist die Oper Harvey Milk von Stewart Wallace erstmals in Australien zu hören: Der Melbourne Gay and Lesbian Chorus unter der Leitung von Kathleen McGuire führt die Oper in der St Kilda Town Hall in Melbourne, Victoria auf. Die Aufführung ist Teil des Midsumma Festivals, das seit 1989 jedes Jahr für drei Wochen schwul-lesbische Kultur in den Mittelpunkt stellt. „Werk der Woche – Stewart Wallace: Harvey Milk“ weiterlesen

23. Januar 2015

Werk der Woche – Gerald Barry: Day

Am 28. Januar 2015 wird Day von Gerald Barry im BBC Philharmonic Studio in Salford zum ersten Mal in einer überarbeiteten Fassung für Orchester zu hören sein. Das Porträt-Konzert findet im Rahmen eines zweitägigen Festivals mit dem Titel „Before the Road: The Music of Gerald Barry“ statt, einer Veranstaltung des Royal Northern College of Music und dem BBC Philharmonic Orchestra zu Ehren des irischen Komponisten. Die BBC Philharmonic, die Day unter der Leitung von Clark Rundell aufführen wird, bestritt 2006 mit John Storgårds am Dirigentenpult bereits die Uraufführung der Originalversion für Streicher. „Werk der Woche – Gerald Barry: Day“ weiterlesen

13. Januar 2015

Werk der Woche – Toshio Hosokawa: Blossoming II

Das Orchesterwerk Blossoming II von Toshio Hosokawa wird in dieser Woche von gleich zwei Orchestern in insgesamt vier Städten aufgeführt. Das London Symphony Orchestra unter der Leitung von Robin Ticciati nimmt das Stück mit auf eine kleine Tour von der österreichischen Erstaufführung in Wien am 22. Januar über Linz am 23. Januar bis nach London am 25. Januar. Jun Märkl und das Detroit Symphony Orchestra präsentieren das Werk ebenfalls dreimal: Am 22., 24. und 25. Januar 2015 ist es in der Orchestra Hall in Detroit zu hören.

Hosokawas Streichquartett Blossoming bildet den Grundstock des Werks. Allerdings ist Blossoming II kein bloßes Arrangement für Orchester, sondern eine Entwicklung des musikalischen Materials, verbunden mit neuen Ideen. Lauscht man den Klängen von Blossoming II, fällt es nicht schwer, sich eine Lotosblume vorzustellen, die langsam erblüht und sich der Sonne entgegenstreckt. Die einzelne Note, die sich am Anfang langsam aus der Stille schält und immer lauter wird, symbolisiert die Oberfläche eines Teichs, aus dem die Blüte erwächst. Alle Töne, die unter dieser Note liegen, stehen für die Welt unter Wasser, alle höheren für die Welt darüber. So entwickelt sich langsam eine Melodie, die aus der Tiefe heraus immer höher strebt. Zu diesem Bild wurde Hosokawa von einem Buch über Buddhismus und die Entfaltung der Lotosblume inspiriert. Kein Zufall, ist sie doch ein wichtiger Teil der japanischen Kultur:

Die tiefe Verwurzelung von Blumen in der japanischen Ästhetik und Spiritualität haben mich beeinflusst, sie zum Thema meines Werks zu machen. Die Blume und ich sind Eins; ihr Erblühen symbolisiert mein eigenes Bewusstwerden, die Entdeckung meines Ichs. – Toshio Hosokawa

Blossoming II hat jedoch noch eine zweite Bedeutung. Hosokawa kritisiert das übersteigerte Interesse der japanischen Gesellschaft an westlicher Kultur, das eigene uralte Traditionen zusehends verdränge. Dieser Entwicklung möchte Hosokawa mit seiner Musik entgegenwirken und traditionelle japanische Ästhetik und Musikformen fester in der Kulturwahrnehmung seines Heimatlandes verankern.

(13.01.2015)

Foto: www.gdefon.ru

12. Januar 2015

Werk der Woche – Ryan Wigglesworth: Études-Tableaux

Am 16. und 17. Januar 2015 ist Études-Tableaux, das neue Orchesterwerk von Ryan Wigglesworth, in der Severance Hall in Cleveland zu hören. Mahlers 6. Sinfonie vervollständigt das Programm des Cleveland Orchestra unter der Leitung von Franz Welser-Möst, bei dem Wigglesworth als Composer in Residence tätig ist.

„Ein Akt der Interpretation“ – so beschreibt er sein neues Werk, denn es geht auf unveröffentlichtes Material von 2009 zurück. Wigglesworth entschied sich damals gegen eine Vervollständigung der Skizzen, wollte sie aber auch nicht dem Papierkorb überlassen. Überarbeitet und weiterentwickelt präsentiert er diese Fragmente nun in Études-Tableaux, dessen Abschnitte jeweils einen eigenen Charakter aufweisen. Dennoch sind die melodischen und harmonischen Ideen nicht an einen bestimmten Teil gebunden, sondern wandern – mitunter in Variationen – durch das gesamte Stück. Auch der Hauptteil des Werks besteht aus kleinen schnellen Episoden, deren Grenzen zusehends verschwimmen. Er wird eingerahmt von choralähnlichen Abschnitten, einem Klarinetten-Solo sowie Teilstücken, in denen langsame und schnelle Tempi einander gegenübergestellt werden. Trotz dieser Bandbreite an Zutaten verlor Wigglesworth das große Ganze jedoch nie aus den Augen:

Ich wollte aus diesen verschiedenen Elementen eine einzige gewölbeartige Figur formen, in der alle Abschnitte (manchmal mit Überleitung, manchmal ohne) lückenlos ineinander übergehen sollten. – Ryan Wigglesworth

Die Zusammenarbeit mit dem Cleveland Orchestra, das das neue Werk in Auftrag gegeben hat, kam dank des Young Composers Endowment Fund zustande, der bereits Jörg Widmann in der Saison 2010/2011 unterstützte. Am 6. Februar 2015 wird Études-Tableaux als Britische Erstaufführung mit dem BBC Symphony Orchestra unter Leitung von Wigglesworth im Barbican in London aufgeführt.

(12.01.2015)

1. Januar 2015

Werk der Woche – Erich Wolfgang Korngold: Straussiana

Die Neujahrskonzerte der Staatsoperette Dresden, die am 1., 3., 4., 8. und 9. Januar 2015 stattfinden, stehen unter dem Motto „Straussiana“. Dieser Titel und die Idee einer Hommage an Johann Strauss leitet sich vom Hauptwerk des Abends ab: Straussiana von Erich Wolfgang Korngold. Das Orchester der Staatsoperette Dresden unter der Leitung von Andreas Schüller wird auch andere Strauss-Bearbeitungen Korngolds, sowie selbstverständlich einige Originale des Walzerkönigs zum Besten geben.

Korngold, der 1934 nach Hollywood emigrieren musste, versuchte nach dem zweiten Weltkrieg wieder in Europa Fuß zu fassen. 1949-1951 hielt er sich in seiner Heimat Österreich auf, konnte aber nicht an seine früheren Erfolge anknüpfen und kehrte schließlich nach Amerika zurück. Dort schrieb der Komponist 1953 mit Straussiana sein letztes Orchesterwerk – eine Referenz an Johann Strauss. Für die drei Sätze „Polka – Mazurka – Waltz“ verarbeitete Korngold Melodien aus eher unbekannten Werken wie „Fürstin Ninetta“, „Cagliostro in Wien“ und „Ritter Pasman“ zu einem abwechslungsreichen, glänzend instrumentierten Potpourri. Schon in den 1920er Jahren hatte er sich intensiv für die Operetten von Johann Strauss eingesetzt und einigen durch seine Bearbeitungen zur Wiederaufführung verholfen. Auch das Klavierwerk Geschichten von Strauss op. 21 entstand zu dieser Zeit. Über Korngolds Begeisterung für den Operettenkomponisten berichtet sein Vater, der Kritiker Julius Korngold:

Als ihm ein Zufall vor die Aufgabe stellte, eine Strauss-Operette einzustudieren und zu leiten, erwachte in ihm das Herzensbedürfnis, für reizvolle, aus dem Repertoire verdrängte Strauss-Musik neue Empfänglichkeit zu wecken. So gab Erichs Vorgehen den Anstoß zu einer Art Strauss-Renaissance. – Julius Korngold

Nach den Erfahrungen von Krieg und Exil mag der inzwischen entwurzelte Komponist mit der erneuten Hommage Straussiana sicher auch wehmütige Erinnerungen an bessere Zeiten und an seine Heimatstadt Wien verbunden haben. Er starb nur vier Jahre später 60-jährig in Hollywood.

(01.01.2015)