Schott Music

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12. Januar 2015

Werk der Woche – Ryan Wigglesworth: Études-Tableaux

Am 16. und 17. Januar 2015 ist Études-Tableaux, das neue Orchesterwerk von Ryan Wigglesworth, in der Severance Hall in Cleveland zu hören. Mahlers 6. Sinfonie vervollständigt das Programm des Cleveland Orchestra unter der Leitung von Franz Welser-Möst, bei dem Wigglesworth als Composer in Residence tätig ist.

„Ein Akt der Interpretation“ – so beschreibt er sein neues Werk, denn es geht auf unveröffentlichtes Material von 2009 zurück. Wigglesworth entschied sich damals gegen eine Vervollständigung der Skizzen, wollte sie aber auch nicht dem Papierkorb überlassen. Überarbeitet und weiterentwickelt präsentiert er diese Fragmente nun in Études-Tableaux, dessen Abschnitte jeweils einen eigenen Charakter aufweisen. Dennoch sind die melodischen und harmonischen Ideen nicht an einen bestimmten Teil gebunden, sondern wandern – mitunter in Variationen – durch das gesamte Stück. Auch der Hauptteil des Werks besteht aus kleinen schnellen Episoden, deren Grenzen zusehends verschwimmen. Er wird eingerahmt von choralähnlichen Abschnitten, einem Klarinetten-Solo sowie Teilstücken, in denen langsame und schnelle Tempi einander gegenübergestellt werden. Trotz dieser Bandbreite an Zutaten verlor Wigglesworth das große Ganze jedoch nie aus den Augen:

Ich wollte aus diesen verschiedenen Elementen eine einzige gewölbeartige Figur formen, in der alle Abschnitte (manchmal mit Überleitung, manchmal ohne) lückenlos ineinander übergehen sollten. – Ryan Wigglesworth

Die Zusammenarbeit mit dem Cleveland Orchestra, das das neue Werk in Auftrag gegeben hat, kam dank des Young Composers Endowment Fund zustande, der bereits Jörg Widmann in der Saison 2010/2011 unterstützte. Am 6. Februar 2015 wird Études-Tableaux als Britische Erstaufführung mit dem BBC Symphony Orchestra unter Leitung von Wigglesworth im Barbican in London aufgeführt.

(12.01.2015)

1. Januar 2015

Werk der Woche – Erich Wolfgang Korngold: Straussiana

Die Neujahrskonzerte der Staatsoperette Dresden, die am 1., 3., 4., 8. und 9. Januar 2015 stattfinden, stehen unter dem Motto „Straussiana“. Dieser Titel und die Idee einer Hommage an Johann Strauss leitet sich vom Hauptwerk des Abends ab: Straussiana von Erich Wolfgang Korngold. Das Orchester der Staatsoperette Dresden unter der Leitung von Andreas Schüller wird auch andere Strauss-Bearbeitungen Korngolds, sowie selbstverständlich einige Originale des Walzerkönigs zum Besten geben.

Korngold, der 1934 nach Hollywood emigrieren musste, versuchte nach dem zweiten Weltkrieg wieder in Europa Fuß zu fassen. 1949-1951 hielt er sich in seiner Heimat Österreich auf, konnte aber nicht an seine früheren Erfolge anknüpfen und kehrte schließlich nach Amerika zurück. Dort schrieb der Komponist 1953 mit Straussiana sein letztes Orchesterwerk – eine Referenz an Johann Strauss. Für die drei Sätze „Polka – Mazurka – Waltz“ verarbeitete Korngold Melodien aus eher unbekannten Werken wie „Fürstin Ninetta“, „Cagliostro in Wien“ und „Ritter Pasman“ zu einem abwechslungsreichen, glänzend instrumentierten Potpourri. Schon in den 1920er Jahren hatte er sich intensiv für die Operetten von Johann Strauss eingesetzt und einigen durch seine Bearbeitungen zur Wiederaufführung verholfen. Auch das Klavierwerk Geschichten von Strauss op. 21 entstand zu dieser Zeit. Über Korngolds Begeisterung für den Operettenkomponisten berichtet sein Vater, der Kritiker Julius Korngold:

Als ihm ein Zufall vor die Aufgabe stellte, eine Strauss-Operette einzustudieren und zu leiten, erwachte in ihm das Herzensbedürfnis, für reizvolle, aus dem Repertoire verdrängte Strauss-Musik neue Empfänglichkeit zu wecken. So gab Erichs Vorgehen den Anstoß zu einer Art Strauss-Renaissance. – Julius Korngold

Nach den Erfahrungen von Krieg und Exil mag der inzwischen entwurzelte Komponist mit der erneuten Hommage Straussiana sicher auch wehmütige Erinnerungen an bessere Zeiten und an seine Heimatstadt Wien verbunden haben. Er starb nur vier Jahre später 60-jährig in Hollywood.

(01.01.2015)