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Interview mit Matthew Brown

Mit dem US-Amerikaner Matthew Brown hat ein in Übersee bereits sehr erfolgreicher Chormusikkomponist nun endlich auch hierzulande seine ersten Werke veröffentlicht. schottchor.com sprach mit dem 36-jährigen Kalifornier über seine individuelle Stilistik, Arbeitsweise und drei seiner frisch erschienenen A-cappella-Novitäten.

 

 

schottchor.com: Wie würden Sie selbst Ihre Musiksprache charakterisieren?

M.B.: In allem, was ich schreibe, versuche ich Kopf und Herz, Denken und Fühlen ins Gleichgewicht zu bringen. Viele Stile und Sparten der Musik üben Einfluss auf mich, die Polyphonie der Renaissance, mittelalterliche und moderne Harmonien, der Expressionismus der Romantik etc.

schottchor.com: Gibt es etwas, was sich in all Ihren Kompositionen wiederfindet – also quasi einen »Brown-Style«?

M.B.: Ich möchte annehmen, dass das gemeinsame Merkmal in meinen Werken eine gewisse Sensibilität ist, das feine Empfinden für dynamische Wirkungen, Wortmalerei, Stimmführung, melodische Linien, Tempo und Form u.a.m. Im speziellen Blick auf A-cappella-Musik ist meine Idealvorstellung umschrieben mit den Begriffen Kunstfertigkeit und Form, Ausdrucksstärke und Textausdeutung.

schottchor.com: Wo sehen Sie Ihre Wurzeln, Ihre künstlerischen Vorbilder?

M.B.: Vielleicht sind die Einflüsse zu zahlreich, um sie alle aufzulisten. Aber einige der stärksten sind: Ockeghem, Machaut, Monteverdi, Palestrina, Tallis, Bach, Strawinsky, Bartók, Barber, Britten, John Adams und James McMillan. Weiterhin bin ich beeinflusst von Indie- und elektronischer Musik, von Folk (gälischem wie amerikanischem) und melodischem Pop.

schottchor.com: Woher rührt Ihr besonderes Faible für Chormusik?

M.B.: Vielleicht ist ein Grund für meine Liebe zur Chormusik die Tatsache, dass ich selbst professioneller Sänger bin. Mein Hauptensemble ist der Los Angeles Master Chorale.

schottchor.com: Wann bzw. für wen entstehen Ihre Kompositionen?

M.B.: Manchmal handelt es sich um ein unmittelbares Auftragswerk wie im Fall jener Instrumentalkomposition, die ich neulich zum ersten Mal aufführte (»Hand in Hand at the Edge of the Sky«), oder des Chorwerks »Pacem«, das ebenfalls in 2014 uraufgeführt wurde. Andere Stücke wiederum sind ganz frei im Original entstanden, wobei ich hoffe, dass alle gleichermaßen mein künstlerisches Empfinden transportieren.

schottchor.com: Welche Kriterien sind für Sie bei der Textauswahl entscheidend?

M.B.: Es gibt viele hervorragende Texte, die ich nicht in Musik gesetzt habe, weil sie mir dafür ungeeignet scheinen. Ob sich ein Text eignet oder nicht, ist schwer zu entscheiden. Für mich erweist sich ein Text als passend, wenn die Passage, die ich lese, »zu singen« scheint. Verschiedene Texte haben auch unterschiedliche Herausforderungen und Ergebnisse. Ich bemühe mich, den Sinn des Textes ganz unmittelbar wahrzunehmen, den Klang seiner Wörter, seine Form, sein Tempo etc.

schottchor.com: Mit gleich mehreren, bei Schott Music frisch veröffentlichten A-cappella-Chorsätzen geben Sie nun als Komponist Ihren Einstand im Verlagsrepertoire. Können Sie drei davon kurz skizzieren?

M.B.: »Daybreak« (2007) ist inspiriert durch die rastlosen und feurigen Madrigale Monteverdis. Die Tempi und Dynamiken sind äußerst variabel und dramatisch und die Einsätze der Stimmen erfolgen oft imitatorisch, wenngleich die Harmonien durchweg modern sind.

»O magnum mysterium« (2008) schrieb ich als persönliche Herausforderung: Ich nahm einen Text, der schon so viele Male vertont worden war. Außerdem möchte ich mit meiner Vertonung der von Vittoria die Ehre erweisen – sie ist mir von all den großartigen Umsetzungen dieser Worte die liebste. Der Stil ist daher Neo-Renaissance in Stimmführung und Kontrapunkt, obwohl die Musik oft moduliert, wie man es von mir gewohnt ist.

»O Ecclesia« (2008) wurde für den Young New Yorker’s Chorus (NYC) geschrieben und von ihm uraufgeführt. Grundlage ist ein Lied der Hildegard von Bingen, die auch den Text verfasst hat. Ich entschied mich dazu, die offensichtlichen religiösen Bezüge im Text zu umgehen, um den Blick auf die wundervolle Bildersprache und Metaphorik der Verse zu richten, wobei ich die Deutung ganz bewusst nach zwei Seiten (religiös oder romantisch) offen ließ. Das Stück will Hildegards geistige Bilder in musikalischer Form darstellen.

schottchor.com: Welche Voraussetzungen sollte ein Chor für die Aufführung Ihrer Werke mitbringen?

M.B.: Meiner Meinung nach zeichnen sich die besten Aufführungen durch einen feinsinnigen Umgang mit den Texten und deren Ausdeutung aus, durch sorgsames Musizieren und Zusammenwirken im Ensemble sowie durch einen klaren, warmen und ausgewogenen Klang.

Die meisten meiner Werke dürften mittelschwer bis schwer sein. Wenn ich frühere Erfahrungen zugrunde lege, denke ich, meine Stücke können von guten Chören, deren Sänger eine fundierte Ausbildung erfahren haben, sowie von solchen Chören aufgeführt werden, die auf dem Weg zur professionellen Leistungsstufe sind.

schottchor.com: Würden Sie für uns noch abschließend den folgenden Satz vervollständigen: »Chormusik ist für mich …

M.B.: … an expression of and requirement for life itself. It is pure humanity.«

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