Netzwerke für die Stimmlippen

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Mit dem Begriff »sozia­les Netz­werk« asso­zi­iert man heut­zu­tage auto­ma­tisch ein­schlä­gige Platt­for­men wie Face­book, Twit­ter, Stu­diVZ oder Google+. Dabei fal­len nicht nur die rein inter­net­ba­sier­ten Inter­ak­ti­ons­ge­flechte unter diese Bezeich­nung, son­dern bei­spiels­weise auch der Freun­des- und Kol­le­gen­kreis sowie die Fami­lie, Gemein­schaf­ten und Ver­eine. Inso­fern stellt bereits jeder Chor an sich ein klei­nes »sozia­les Netz­werk« dar, besteht er doch aus einer orga­ni­sier­ten Gruppe von Per­so­nen mit glei­chen Inter­es­sen. Denkt man nun hin­sicht­lich der Ver­net­zung des Lai­en­chor­mu­sik­we­sens in ganz gro­ßen Dimen­sio­nen, so kom­men einem zual­ler­erst die Chor­ver­bände in den Sinn, die Netz­werk­kno­ten der Chor­mu­sik­szene. So ist bei­spiels­weise der Deut­sche Chor­ver­band als Dach­ver­band sei­ner 30 Mit­glieds­ver­bände und der Deut­schen Chor­ju­gend die inter­na­tio­nal mit­glie­der­stärkste Orga­ni­sa­tion inner­halb der Ama­teur­mu­sik. Er hat sich die Pflege und För­de­rung des Lai­en­ch­or­ge­sangs auf die Fah­nen geschrie­ben und leis­tet auf regio­na­ler, natio­na­ler und inter­na­tio­na­ler Ebene einen hohen kul­tur­po­li­ti­schen Bei­trag, wenn es – unter vie­lem ande­ren – darum geht, gesell­schafts­be­zo­gen und völ­ker­ver­bin­dend wirk­sam zu wer­den.

Aber auch im klei­ne­ren Rah­men wer­den immer wie­der Chor-Netz­werke auf­ge­baut, die sich –aus ganz unter­schied­li­chen Beweg­grün­den – zusam­men­tun, um für gemein­same Ziele und Inter­es­sen ein­zu­ste­hen. Im Fol­gen­den seien, stell­ver­tre­tend für die Viel­zahl von Arbeits­krei­sen und Netz­wer­ken inner­halb der Chor­mu­sik­szene, drei Pro­jekte mit jeweils unter­schied­li­cher Inten­tion näher vor­ge­stellt.

 

Projekt 1: Chornetzwerk Raduga

Die drei Raduga-Chöre Berlin, Schmerwitz und Wien beim Konzert am 18.10.08 in der Marienkirche in Belzig
Die drei Raduga-Chöre Ber­lin, Schmer­witz und Wien beim Kon­zert am 18.10.08 in der Mari­en­kir­che in Bel­zig

Das Chor­netz­werk Raduga, heute bestehend aus den Chö­ren Raduga Ber­lin, Raduga Guli­jaevka (Russ­land), Raduga Mün­chen, Raduga Schmer­witz, Raduga Praha (Tsche­chien) und Raduga Wien (Öster­reich) wurde 2007 aus der Taufe geho­ben. Ihm vor­aus­ge­gan­gen war drei Jahre zuvor die Grün­dung des Cho­res Raduga Schmer­witz. Nach­dem Chris­toph Kapf­ham­mer von einer Russ­land­reise zurück­ge­kehrt war, ver­folgte er die Idee, die Aus­sied­ler in Schmer­witz, wo er damals zuhause war, mit den übri­gen Dorf­be­woh­nern in einem Chor zusam­men­zu­brin­gen. Die­ser Plan, der im Klei­nen her­vor­ra­gend auf­ging und schließ­lich auch städte- ja sogar län­der­über­grei­fend umge­setzt wurde, diente und dient bis heute der Über­win­dung von Gren­zen und Anders­ar­tig­keit. Dabei steht das rus­si­sche Wort Raduga, zu Deutsch »Regen­bo­gen«, ebenso für die bunte Viel­falt des aus­ge­wähl­ten Lied­gu­tes als auch der Chor­mit­glie­der. Bei gegen­sei­ti­gen Besu­chen füh­ren die Sän­ge­rin­nen und Sän­ger ver­schie­de­ner Natio­na­li­tä­ten, Kul­tu­ren und Reli­gio­nen in gemein­sa­men Kon­zer­ten Lie­der aus aller Her­ren Län­der auf und stär­ken auf diese Weise Tole­ranz, Offen­heit und Freund­schaft unter den Mit­glie­dern.

 

Projekt 2: Das “Chornetzwerk”

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Stimmgewaltig Gesellschaftskritik und politische Statements äußern

Wäh­rend beim Chor­netz­werk Raduga oder bei­spiels­weise auch beim 1983 gegrün­de­ten Ver­band der Deutsch-Fran­zö­si­schen Chöre also vor allem der völ­ker­ver­bin­dende Aspekt im Vor­der­grund steht, ver­folgt das so genannte Chor­netz­werk, ein Zusam­men­schluss von sechs Chö­ren in Baden-Würt­tem­berg, in ers­ter Linie ein­enge­mein­sa­men the­ma­ti­schen Schwer­punkt. Das 2004 gegrün­dete Chor­netz­werk hat es sich zum Ziel gesetzt, Musik und Gesell­schafts­kri­tik mit­ein­an­der zu ver­knüp­fen und sich auf musi­ka­li­scher Ebene aktiv an Dis­kus­sio­nen über gesell­schaft­li­che und soziale Ent­wick­lun­gen bzw. Miss­stände zu betei­li­gen bzw. sol­che offen­zu­le­gen. Die Ensem­bles »coro per resis­ten­cia Nür­tin­gen«, »Zwi­schen­töne Reut­lin­gen«, »Ernst-Bloch-Chor Tübin­gen«, »Freier Chor Stutt­gart«, »Kon­tra­punkt Ulm« sowie der »S|U|S|I-Chor Frei­burg« tref­fen sich regel­mä­ßig zwecks gemein­sa­mer Pro­gramm- und Kon­zert­pla­nung sowie zum gemein­schaft­li­chen Musi­zie­ren und bege­ben sich zusam­men auf die Suche nach geeig­ne­ter Chor­li­te­ra­tur mit gesell­schafts­kri­ti­schem Hin­ter­grund. Hier wer­den z.B. Kon­zert­pro­gramme zu den The­men Frie­den, Anti­fa­schis­mus, Frauen, Dritte Welt, glo­bale Ernäh­rung, Geld und Macht, Frem­den­feind­lich­keit und Krieg zusam­men­ge­stellt, die u.a. bei Anti­kriegs­kund­ge­bun­gen, bei Gedenk­ver­an­stal­tun­gen oder bei­spiels­weise auch – wie 2013 – vor den Toren eines der füh­ren­den Klein­waf­fen­her­stel­ler Euro­pas prä­sen­tiert wer­den.

 

Projekt 3: Netzwerk Kölner Chöre

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Gemeinsam zu einer Marke der Kulturregion werden

Eine ganz andere Inten­tion hin­ge­gen ver­folgt das Netz­werk Köl­ner Chöre, das 1994 zunächst als Arbeits­kreis Köl­ner Chöre insti­tu­tio­na­li­siert und 2010 – nun als gemein­nüt­zi­ger Ver­ein – in »Netz­werk Köl­ner Chöre« umbe­nannt wurde. Seit über 20 Jah­ren tref­fen sich hier ehren­amt­li­che Ver­tre­ter der Vor­stände und haupt­be­ruf­li­che Chor­lei­ter der zwölf füh­ren­den Kon­zert­chöre Kölns in regel­mä­ßi­gen Abstän­den, um ihre Arbeit zu pro­fes­sio­na­li­sie­ren und die Chor­mu­sik inner­halb der Kul­tur­land­schaft Kölns zu stär­ken. Zu den Auf­ga­ben­ge­bie­ten des Netz­wer­kes Köl­ner Chöre gehört neben der Ent­wick­lung von gemein­sa­men Pro­jek­ten und Stra­te­gien, z. B. zur Bewer­bung von Kon­zer­ten, zuvor­derst die gemein­same Abspra­che bezüg­lich der Pro­gramm­pla­nung und Reper­toire­aus­wahl inner­halb einer Sai­son. Diese Abstim­mung  ermög­licht es den zwölf Mit­glied­schö­ren, sich neben den gro­ßen Reper­toire­wer­ken für Chor und Orches­ter auch auf unbe­kann­te­res und expe­ri­men­tel­les chor­mu­si­ka­li­sches Ter­rain zu bege­ben. Denn die gemein­same Finanz­pla­nung der Ver­tre­ter der ange­schlos­se­nen Chöre erlaubt es, auch sol­che Pro­jekte zu ver­wirk­li­chen, die finan­zi­elle Risi­ken für den Ver­an­stal­ter ber­gen, auf dem Spiel­plan aber eine wert­volle Reper­toire­er­wei­te­rung dar­stel­len. Auf diese Weise wer­den in der Dom­stadt  inner­halb der seit den 1990er Jah­ren bestehen­den Abon­ne­ment­reihe »Köl­ner Chor­kon­zerte« neben bekann­ten Meis­ter­wer­ken auch immer wie­der Geheim­tipps der Chor­li­te­ra­tur prä­sen­tiert. Die sechs Kon­zerte pro Spiel­zeit sind fest ins Sai­son­pro­gramm der Köl­ner Phil­har­mo­nie inte­griert.

Zudem ver­an­stal­tet das Netz­werk Köl­ner Chöre Son­der­kon­zerte außer­halb sei­ner fes­ten Kon­zert­reihe, so z.B. das all­jähr­lich in der Köl­ner Phil­har­mo­nie statt­fin­dende Weih­nachts­sin­gen Köl­ner Chöre, bei dem meh­rere Mit­glied­schöre das Publi­kum auf das bevor­ste­hende Christ­fest ein­stim­men. schottchor.com sprach exklu­siv mit Mar­tin Blan­ken­burg, dem amtie­ren­den Vor­sit­zen­den und Mit­be­grün­der des Netz­werks Köl­ner Chöre, über Beweg­gründe und Erfolg die­ser in der Chor­land­schaft Deutsch­lands wohl ein­zig­ar­ti­gen Insti­tu­tion: Lesen Sie »Chor-Soli­da­ri­tät sichert Viel­falt und wirt­schaft­li­ches Über­le­ben«.

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