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Chor-Solidarität sichert Vielfalt und wirtschaftliches Überleben

Martin_Blankenburg_100pxÜber das Konzept des »Netzwerks Kölner Chöre«, in dem sich zwölf Vokalensembles der Domstadt zusammengeschlossen haben, um gemeinsam das Publikum gezielter anzusprechen und das vielfältige Angebot breiter zu kommunizieren, sprach schottchor.com mit Martin Blankenburg, im Hauptberuf bis vor wenigen Jahren Gymnasiallehrer für Geschichte und Latein, der als amtierender Vorsitzender zu den Mitbegründern des Netzwerks zählt.

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Aus welcher Idee heraus wurde das »Netzwerk Kölner Chöre« geboren und was genau hat man sich darunter vorzustellen?

Das »Netzwerk Kölner Chöre« ist 2010 aus dem »Arbeitskreis Kölner Chöre«, der 1994 als Gemeinschaftsprojekt zur besseren Kooperation der Chöre untereinander gegründet wurde, entstanden. Er ist ein eingetragener Verein und als gemeinnützig anerkannt. Die Grundidee war, die organisatorischen Fragen unter den vielen Kölner Chören abzustimmen und eine gemeinsame Chorkonzertreihe in der Kölner Philharmonie zu veranstalten.

Welche Ziele verfolgt das Netzwerk?

Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass seit den 70er Jahren immer mehr Oratorienchöre in Köln aus dem Boden sprossen, andererseits für all diese Chöre nicht genügend Publikum in Köln zu finden sei/war. Folglich musste man wegkommen vom Konkurrenzdenken hin zu einem kooperativen Moment. Dabei sollten in keinem Fall die künstlerische Eigenständigkeit und die Unterschiedlichkeit der verschiedenen Chöre in Frage gestellt werden.

Welche Vorteile ergeben sich für den einzelnen Chor?

Der Hauptvorteil liegt darin, dass jeder Chor in den vergangenen Jahren in die Lage versetzt wurde, unbekanntere Chorwerke aufzuführen, deren zu erwartende Defizite durch andere Chorkonzerte (sprich: durch die anderen Chöre) mitgetragen wurden/werden. Je nach Kassenbestand wurde/wird ein Defizit ganz oder teilweise durch das Netzwerk abgebaut, sodass das materielle Risiko für den einzelnen veranstaltenden Chor erheblich gemindert wird. Diese Form der Kooperation erbrachte in der Vergangenheit ein erhebliches Maß an Solidarität unter den verschiedenen Chören.

Wie finanziert sich das Netzwerk? Erhalten Sie auch seitens der Stadt Köln finanzielle Zuwendungen oder eine anders geartete Unterstützung?

Das Netzwerk finanziert sich durch Gewinnteilung bei erfolgreichen Chorkonzerten und durch das alljährliche Weihnachtssingen, das jeweils von drei Chören aus dem Netzwerk bestritten wird und dessen Überschuss in die Kasse des Netzwerks fließt als Grundlage für die Bezuschussung defizitärer Chorkonzerte. Die Stadt Köln unterstützt das Netzwerk nur indirekt durch Vergabe von zwei so genannten »Freiterminen« in der Kölner Philharmonie; dadurch beträgt die immer noch stattliche Miete etwa ein drittel des regulären Satzes. Einen konkreten jährlichen Zuschuss seitens der Stadt Köln gibt es normalerweise nicht. Gelegentlich haben wir eine kleinere Unterstützung durch die »RheinEnergie« erfahren.

Das Netzwerk ist ja mit »Kölner Chorkonzerten« als eigene Abo-Reihe in der Kölner Philharmonie vertreten. Wer entscheidet über die Teilnehmer bzw. das Repertoire und wie steht es um das Publikumsinteresse?

Die Abonnementreihe in der Kölner Philharmonie wurde in den vergangenen zwei Jahren recht gut angenommen, in den Jahren zuvor gab es erhebliche Probleme. Diese sind hoffentlich überwunden. Durch die Teilzeitarbeit einer Mitarbeiterin für Werbung etc. und durch die gestiegene Akzeptanz in Köln scheint die Publikumsresonanz gewachsen zu sein.

Die Abo-Reihe ist eine Mischung von bekannteren und unbekannteren Chorwerken. Die Werkauswahl wird im Plenum des Netzwerks abgestimmt, wobei die Wünsche der einzelnen Chören möglichst berücksichtigt werden, es sei denn, das betreffende Chorwerk wäre in der letzten Konzertsaison aufgeführt worden oder der WDR, das Gürzenich-Orchester oder die KölnMusik selbst würden planen, dasselbe Chorwerk aufzuführen. Die drei Institutionen haben inhaltliche Vorgriffsrechte.

Da die Chorkonzertreihe aus sechs Terminen besteht, kann innerhalb der Reihe nicht jeder Chor jährlich teilnehmen. Es bleibt den einzelnen Chören vorbehalten, eigenfinanzierte Chorkonzerte in der Kölner Philharmonie zu veranstalten.

Eine persönliche Frage zum Schluss: Wie erklärt sich Ihr besonderes Faible für Chormusik?

Singen im Chor ist Bestandteil meines Lebens. Seit frühester Kindheit singe ich in Chören. Durch meinen Vater, der Musikwissenschaftler war und eine evangelische Kirchenmusikschule leitete, war es für mich immer ein emotionales Anliegen zu singen. Zwar habe ich keinen musikalischen Beruf erlernt, war stattdessen als Gymnasiallehrer für Geschichte und Latein tätig. Erst durch die Gründung der so genannten »Kontrapunkt-Konzerte« habe ich als Veranstalter zweier Konzertreihen und einiger Sonderkonzerte in der Kölner Philharmonie beruflich meine ureigene Liebe zu einem zweiten Beruf gemacht.