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Mundstück & Klarinettenblatt

Als Tonerzeuger sind diese beiden Teile der Klarinette natürlich sehr wichtig. Ihre Beschaffenheiten bestimmen zum einen das Spielgefühl des Musikers und zum anderen den Klang, der bei den Zuhörern ankommt. Hier hat der Klarinettist den größten Einfluss auf das Spielergebnis. Um eine individuelle Lösung zu ermöglichen, können Mundstücke einzeln gekauft werden. Hierbei gibt es unzählige Modelle (Preisspanne: ca. 15,- bis 200,- €), die sich in Form und Material unterscheiden und bei ein und demselben Spieler zu unterschiedlichen Klangergebnissen führen (können). Natürlich gilt auch der Kehrschluss: Zwei Klarinettisten erzeugen auf einem Mundstück gleicher Art unterschiedliche Klänge.

Foto aus: R. Mauz, Die Klarinette (Schott ED 9880)
Foto aus: R. Mauz, Die Klarinette (Schott ED 9880)

Eine preisgünstigere Möglichkeit den Klang zu verbessern bzw. zu verändern bietet das Klarinettenblatt. Auch hier gibt es eine sehr große Auswahl: Es variieren unter anderem die Stärke (d.h. die Schwingfähigkeit) des Blatts, das Material und die Gestaltung des so genannten „Ausstichs“ (siehe Zeichnung). Ihre Bezeichnung bezieht sich meistens auf das jeweilige Einsatzgebiet: so gibt es speziell gestaltete Jazz-Blättchen sowie Blätter, die eher beim klassischen Spiel verwendet werden.
 
Mundstueck_S9Beim Kauf eines neuen Instruments ist selbstverständlich ein Mundstück dabei, auf dem der Klarinettist in den meisten Fällen auch direkt spielen kann. Bei den Klarinettenblättern gibt es Standardprodukte, die für Anfänger geeignet sind und die man in der Regel in den ersten Jahren der Ausbildung verwendet, – häufig auch noch weit darüber hinaus.

 

Das Mundstück

Mundstueck_S25_250pxDie Mundstücke von deutscher und französischer Klarinette unterscheiden sich in Größe und Form, wenn auch die Unterschiede auf den ersten Blick kaum auszumachen sind. Beim direkten Vergleich fällt aber auf, dass der Spalt zwischen dem aufgespannten Blatt und dem Mundstück selbst – die so genannte „Bahnöffnung“ – bei der Boehm-Klarinette weiter ist. Die Mundstückspitze ist also stärker gekrümmt und die Öffnungsweite kann je nach Modell zwischen 1,05 und 1,45 mm betragen, während das Mundstück der deutschen Klarinette eine Bahnöffnung von maximal 1 mm misst.
Aber auch innerhalb eines Klarinettensystems – also jeweils für das deutsche oder das französische Instrument – gibt es Variationsmöglichkeiten. Allgemein kann man sagen, dass eine kleinere Bahnöffnung einen dunkleren Ton schafft. Zudem erhöht sich der Blaswiderstand und es wird ein schwereres Blatt benötigt, wodurch das Spielen auf einem solchen Mundstück unter Umständen recht anstrengend sein kann. Eine größere Bahnöffnung ermöglicht es dem Musiker lauter und kräftiger zu spielen und er erzielt damit einen vergleichsweise offeneren, helleren Klang. Da der Spieler leichtere Blätter verwenden kann, hat er mehr Möglichkeiten den Ton, beispielsweise durch ein Vibrato, zu gestalten oder die Intonation der Töne auszugleichen. In diesem Zusammenhang spielt auch die Länge der Bahn – d.h. die Länge der Blattspitze, die frei schwingt – eine Rolle. Die Bahnlänge eines deutschen Mundstücks liegt zwischen 18 und 25 mm, bei einem Boehm-Mundstück sind es 18 bis 22 mm. Eine längere Bahn kann einen vollen und kräftigen Ton erreichen, während eine kürzere einen fokussierten Klang begünstigt.
Das Klangergebnis beim Klarinettenspiel ist sehr individuell und kann nicht direkt von einem zum anderen Musiker übertragen werden. Jeder Spieler muss für seinen Ansatz und seinen Geschmack das passende Mundstück finden. Die Suche nach diesem erfordert durch die vielen Kombinationsmöglichkeiten sehr viel Geduld und Zeit und sollte bei Anfängern erst dann erfolgen, wenn der Ton kontrolliert werden kann.

 

Mundstücke aus Holz?

Bei den Preislisten für Klarinetten fällt auf, dass die Instrumente teurer werden je mehr Holz sie enthalten. Ein Holzinstrument ist also hochwertiger, da das Holz erst für den typischen, warmen Klang sorgt, der z. B. bei Ebonit-Klarinetten häufig vermisst wird. Warum ist aber das Mundstück, selbst bei vielen Profimodellen, nicht aus Holz? Mundstücke für Klarinetten wurden lange Zeit aus Holz hergestellt. Das war eine große Schwachstelle des Instruments, denn das Holz – und damit auch das Mundstück – veränderten sich durch die Feuchtigkeit des Atems fortwährend, so dass es häufig durch Feilen nachgebessert werden musste. Ab dem 19. Jahrhundert probierte man andere Materialien aus, beispielsweise Elfenbein. Heute werden sie aus Kunststoff, Kautschuk oder selten auch aus Glas gefertigt, denen die Feuchtigkeit nichts anhaben kann.

Im „Blätterwald“

Klarinettenblätter werden aus der Rohrpflanze Arundo Donax gefertigt. Sie wächst in den Gegenden rund um das Mittelmeer und ist dem Bambus sehr ähnlich. Blätter werden in verschiedenen Stärkengraden (1-5) angeboten. Je niedriger die Zahl, desto leichter das Blatt. Leichte Blätter, die auch als „weich“ bezeichnet werden, erleichtern das leise Spiel, sprechen besser an und begünstigen einen hellen, klaren Ton. Zudem ermöglichen sie einen großen Spielraum bei Tonhöhen- veränderungen, was allerdings bei unerfahrenen Spielern auch zu grundlegenden Intonationsschwierigkeiten führen kann. Schwere – oder auch „harte“ – Blätter sorgen für einen vollen und dunklen Klang, erschweren aber das Spielen im piano.
Im Musikgeschäft wird eine Vielzahl unterschiedlicher Blattarten angeboten, die beispielsweise speziell für eine bestimmte Musikrichtung geschaffen sind oder die einfach durch eine besondere Verarbeitung ein bestimmtes Spielverhalten bewirken sollen (z. B. besonders leichte Ansprache). Wie bei den Mundstücken muss auch hier jeder Spieler für sich das am besten geeignete Blatt finden. Grundsätzlich muss allerdings beim Kauf darauf geachtet werden, dass die passenden Blättchen zum Instrument gekauft werden: Aufgrund der unterschiedlich gestalteten Mundstücke sind auch die Blätter für deutsche und Boehm-Klarinette verschieden geschnitten. Es wird in diesem Zusammenhang auch häufig von deutschem und französischem Schnitt der Blätter gesprochen. Das deutsche Blatt ist im direkten Vergleich zum französischen etwas kürzer und schmaler.
Nicht jedes Blatt ist gleich. Da sie aus Holz sind, gibt es bei Qualität und in der Verarbeitung leichte Schwankungen, die beim Spielen allerdings vergleichsweise schwer ins Gewicht fallen können. Durch die Feuchtigkeit des Atems verändert sich das Blatt beim Spielen, so dass ein anfangs sehr gutes Blatt bald zu leicht sein kann, während ein schweres Blatt mit jedem Anspielen immer besser wird. Ist ein Blatt nicht gleichmäßig geschnitten, wird es beim Spielen zu Problemen führen. Möchte man solche Blätter nicht wegwerfen, kann man selbst ein wenig nachbessern. Allerdings ist die Blattbearbeitung eine Wissenschaft für sich und benötigt neben sehr viel Übung auch ein fundiertes Wissen über das Material und den Aufbau eines Klarinettenblatts. Spezielle Werkzeuge zum Nachbessern kann man im Musikgeschäft kaufen. Manchmal genügt auch schon sehr feines Schmirgelpapier, um Ungleichmäßigkeiten im Ausstich auszubessern. Übung macht den Meister! Eine Anleitung zur Blattbearbeitung gibt es beispielsweise in der Pocket Info „Klarinette“ (Schott SPL 1053).

 

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Foto aus: R. Mauz, Klarinette spielen – mein schönstes Hobby, Bd. 1 (Schott ED 20640)

Die Lebensdauer eines Blatts hängt zunächst von der Handhabung des Spielers ab, denn gerade bei jungen Klarinettisten kommt es vor, dass durch Unachtsamkeit die dünne Blattspitze einen Riss bekommt. Bei einem beschädigten Blatt ist die Gefahr des „Quietschens“ sehr hoch oder es kommt überhaupt kein Ton mehr aus dem Instrument. Dann sollte es sofort ausgewechselt werden. Aber auch bei größter Sorgfalt ist selbst das beste Blatt irgendwann nicht mehr zu gebrauchen, denn die im Speichel enthaltene Kieselsäure bewirkt, dass sich das Blättchen verhärtet und damit an Elastizität verliert. Wenn das Blatt eine graue Oberfläche bekommt, sollte es bald ausgetauscht werden. Bewahrt man Klarinettenblätter in speziellen Etuis oder Blatthaltern auf, kann es unter Umständen deren Lebensdauer verlängern.

Neben den Blättern aus Holz gibt es auch Klarinettenblätter aus Kunststoffoder Carbon, die sehr gleichmäßig geschnitten sind und kaum Abnutzungserscheinungen aufweisen. Natürlich erzeugen sie einen anderen Klang als Holzblättchen und sind damit auch wieder Geschmackssache. Mit ca. 20,- € pro Blatt sind sie zudem wesentlich teurer als herkömmliche Blätter, was sich jedoch durch ihre relativ lange Lebensdauer wieder ausgleicht.

 

Das Befestigen des Blatts am Mundstück

Für Anfänger die erste große Hürde und enorme Geduldsprobe – für erfahrene Klarinettisten ein paar wenige Handgriffe, die längst „in Fleisch und Blut“ übergegangen sind: Das Aufspannen des Klarinettenblatts auf das Mundstück.
Im ersten Schritt muss das Blättchen befeuchtet werden. Hierzu nimmt man es in den Mund oder stellt es in ein Glas Wasser. Die Dauer dieses Vorgangs ist ein Erfahrungswert: Ein zu trockenes Blättchen kann nicht richtig schwingen und spricht schlecht an. In diesem Fall das Blatt noch ein bisschen anfeuchten. Anfängern fällt das Anbringen des Blatts oft leichter, wenn sie lediglich das Mundstück in der Hand halten anstelle des gesamten Instruments. Das Blatt wird nun im nächsten Schritt mit der flachen Seite auf die gerade Fläche an der unteren Seite des Mundstücks (dem so genannten „Tisch“, siehe Zeichnung) aufgelegt, so dass seitlich gesehen die Mundstückspitze mit der Blattspitze auf einer Linie liegt. Der Daumen einer Hand fixiert das Blatt nun, während die andere Hand die Blattschraube auf Mundstück und Blatt schiebt und es durch Anziehen der Schrauben befestigt. Dabei ist es wichtig, dass die Blattschraube nicht zu weit oben oder unten angebracht wird, sondern etwa in der Mitte der „Blattschulter“ (dem unbearbeiteten hinteren Teil). Blattschrauben gibt es in verschiedenen Ausführungen, die sich in Material und Anbringungsart unterscheiden.

 

Blattschrauben Mit freundlicher Genehmigung von Thomas Reil, Uhingen
Blattschrauben
Mit freundlicher Genehmigung von Thomas Reil, Uhingen

Die Schrauben bei herkömmlichen (meist silbernen) Modellen zeigen nach unten. Es gibt jedoch auch einige, bei denen sie sich an der Mundstückoberseite befinden. Manche Klarinettisten mit deutschem Instrument verwenden eine spezielle Schnur, mit der das Blatt fest umwickelt wird. Der Vorteil bei dieser Methode ist, dass der Druck auf das Blatt gezielt verteilt werden kann, z. B. indem der hintere Teil enger gewickelt wird als der vordere und das Blatt so freier schwingen kann. Neben klassischer Blattschraube und Schnur gibt es noch Ligaturen aus Kunststoff, Leder oder Metallnetz, die jeweils unterschiedliche Eigenschaften mit sich mitbringen. So haben manche Ligaturen auswechselbare Einlagen bzw. Andruckplatten für das Klarinettenblatt, die dann je nach Einsatz (z. B. als Solist oder beim Jazz) getauscht werden. Die Preisspanne bei den Blattschrauben liegt etwa zwischen 10,- und 90,- €.

Wie entsteht eigentlich ein Ton?

Der Atem des Spielers strömt zwischen Blatt und Mundstück in das Innere des Instruments. Das Blatt, das an der Spitze elastisch ist, bewegt sich dabei. Es verschließt abwechselnd das Mundstück und öffnet es dann wieder. Das Blatt ist also ein „Luftstrom-Unterteiler“. Das Unterteilen der Luft erzeugt Druckwellen in der Schallröhre. Diese Wellen durchlaufen die Bohrung und treffen am unteren Ende der Klarinette auf die Raumluft. Durch den Widerstand werden sie gebremst und teilweise wieder zurückgedrängt („reflektiert“). Wie bei einem Wassertropfen, der auf eine Wasserfläche fällt, entsteht eine Gegenbewegung, eine „reflektierte Welle“. Die reflektiere Welle strömt in der Klarinette wieder nach oben bis zum Blatt. Oben kann sie jedoch nicht entweichen und wird wieder reflektiert. Dieser Vorgang wiederholt sich gleich noch einmal. Gleichzeitig kommen vom Mundstück her wieder neue Druckwellen. Dadurch wird die Luftsäule im Instrument zum Schwingen gebracht.

 

TIPP
Ein zu hoher Atemdruck beeinträchtigt die Schwingungen des Klarinettenblatts. Manche Anfänger machen den Fehler, viel zu stark in die Klarinette zu blasen.