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Schott Music

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Berühmte Gitarren-Werke

Kaum ein Repertoire ist so vielfältig wie das für Gitarre, sind doch hier die unterschiedlichen national-folkloristischen Einflüsse so nachhaltig eingeflossen wie bei kaum einem anderen Instrument. Und der Tatsache, dass sich über die Jahrhunderte für die Gitarre keine festen Kammermusikformationen bzw. Konzertformen etablierten, verdanken wir ein mannigfaltiges Angebot an verschiedensten Besetzungen, Formen und Stilistiken. Im Folgenden finden Sie einige chronologisch angeordnete Steckbriefe zu populären Gitarren-Werken.

 

18. Jahrhundert

1798: „Fandango-Quintett“ Nr. 4 D-Dur G 448 von Luigi Boccherini

Das im Original für Streichquintett geschriebene so genannte „Fandango-Quintett“ Nr. 4 in D-Dur von 1798 unterzog sein Komponist Luigi Boccherini höchstpersönlich einer Bearbeitung für Gitarrenquintett. Dieses Werk, dessen populärer dritter Satz den Beinamen begründete – „Fandango“ bezeichnet einen spanischen Tanz im 3/4- oder 6/8-Takt –, enthält alle Charakteristika galanter Unterhaltungsmusik.

19. Jahrhundert

1808: Konzert für Gitarre und Orchester A-Dur op. 30 von Mauro Giuliani

Das Konzert für Gitarre und Orchester op. 30 ist eines von insgesamt drei Gitarrenkonzerten aus der Feder des italienischen Komponisten Mauro Giuliani. Er schuf es vermutlich 1808. Schon im April desselben Jahres wurde es am Wiener Burgtheater zusammen mit Beethovens 4. Sinfonie op. 60, dessen „Coriolan-Ouvertüre“ op. 62 sowie dessen dritten Klavierkonzert op. 37 aufgeführt.
Alle drei Sätze des Gitarrenkonzerts sind im für Giuliani typischen virtuosen Kompositionsstil gehalten: Im ersten Teil, dem Allegro maestoso, lockern zwei ausgedehnte Solokadenzen die formale Struktur des Satzes auf. Der mit Andantino überschriebene Mittelteil ist ein anmutiges Siciliano. Das darauffolgende Allegretto beschließt das Konzert mit Polacca-Rhythmik.
Giuliani stellt in diesem Konzert eine gute Balance zwischen Orchester und Solist her und ihm gelingt es zugleich, eine gelungene Mischung zwischen Virtuosität und musikalischem Charme zu schaffen. Bis heute ist dieses Giuliani-Konzert eines der meistgespielten und beliebtesten Gitarrenkonzerte.

1821: „Mozart-Variationen“ op. 9 von Fernando Sor

Diese Variationen über „Das klinget so herrlich“ aus Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ ist vermutlich die populärste Komposition für Gitarre solo von Fernando Sor und gehört zum festen Bestandteil des Gitarren-Repertoires. Die Aufführungsdauer dieses 1821 zum ersten Mal veröffentlichten Stücks beträgt rund acht Minuten.
 

20. Jahrhundert

1912: „Suite Populaire Brésilienne“ von Heitor Villa-Lobos

Heitor Villa-Lobos beendete seine Komposition „Suite Populaire Bresilienne“ für Gitarre solo im Jahr 1912, begann aber vermutlich schon um 1908 mit der Arbeit an diesem Werk. Die fünf Sätze, von denen der erste Maria Tereza Teran gewidmet ist, sind mit Mazurka-Choro, Schottisch-Choro, Valsa-Choro, Gavota-Choro und Chorinho überschrieben und wurden zum zeitlosen Zeugnis brasilianischer Folklore.

1920: „Homenaje pour le tombeau de Claude Debussy“ von Manuel de Falla

De Fallas Tribut an den Komponisten Claude Debussy ist das einzige Werk, das der 1876 in Cádiz geborene Komponist original für Gitarre geschaffen hat. Bei vielen weiteren Stücken aus seiner Feder handelt es sich um Transkriptionen.
Seine „Homenaje pour le tombeau de Claude Debussy“ war de Fallas Reaktion auf eine Aufforderung der Pariser Revue Musicale, anlässlich von Debussys Tod im März 1918 an einer (letztlich 1920 erschienenen) Sonderausgabe der französischen Musikzeitschrift mitzuwirken.

In der Form einer langsamen Habanera schöpft dieses Werk die musikalischen Möglichkeiten der Gitarre gekonnt aus. Das direkte Zitat aus Debussys „Soirée dans Grenade“ gegen Ende gemahnt an die starken Gefühle, die der französische Komponist Spanien entgegengebracht hat. Das Werk wurde vermutlich am 18. Februar 1921 in Palencia von Miguel Llobet uraufgeführt.

1928: „Sonata romántica“ von Manuel Ponce

Die fünfte Gitarrensonate Manuel Ponces, die „Sonata romántica“, entstand im Sommer 1928 und ist Andrés Segovia gewidmet. Das rund zwanzigminütige Werk, das den Untertitel „Hommage an Franz Schubert, der die Gitarre liebte“ trägt, besteht aus vier Sätzen.
Der erste ist in klassischer Sonatenform angelegt. Ponce bedient sich lebhafter Triolenfiguren, Dur-Moll-Kontrasten und baut gegen Ende eine plötzliche Pause ein – verwendet also charakteristische Elemente aus Schuberts Klaviersonaten. Diesem virtuosen Kopfsatz schließt sich ein beseeltes Andante an, das an die Welt Schubertscher Lieder gemahnt. Der dritte Satz trägt den Titel „Moment musical“. Das Finale Allegro non troppo e serioso beginnt mit einem fröhlichen marschartigen Thema, das in rasanten Arpeggien mündet. Das zentrale Tempo scherzando führt hin zu einer zweistimmigen Achtelpassage, deren Harmonik an Komplexität immer weiter zunimmt, bis sie sich in weiteren Arpeggien ergießt. Am Schluss stehen harfenartige Akkorde einer kurzen Coda.
 

1939: „Concierto de Aranjuez“ von Joaquín Rodrigo

Das dreisätzige „Concierto de Aranjuez“ komponierte Joaquín Rodrigo 1939 in Paris. Sein Freund, der Gitarrist Regino Sáinz de la Maza, hatte ihn dazu angeregt. Ein Jahr später erfolgte in Barcelona die Uraufführung des Werkes, die Rodrigos internationalen Ruhm begründen sollte.

Der erste, mit „Allegro con spiritu“ überschriebene Satz ist ein Fandango-Tanz im 6/8-Takt, der von lebhaften Betonungswechseln geprägt wird.

Der zweite und wohl populärste Adagio-Satz des Konzerts ist im klagenden h-Moll gehalten.

Abgeschlossen wird das Werk mit einem heiteren Rondo in H-Dur im Stile eines höfischen Tanzes.

Rodrigo beschreibt in seinem „Concierto de Aranjuez“ die Gärten des Königlichen Palastes von Aranjuez südlich von Madrid. Er ging dort mit seiner Verlobten und späteren Ehefrau oft spazieren. Im zweiten Satz des Werkes wird das wohl einschneidendste Erlebnis Rodrigos musikalisch thematisiert: die Fehlgeburt des erstgeborenen Sohnes und die damit verbundene tiefe Trauer sowie die gleichzeitig an Gott gerichtete Bitte, seine geliebte Ehefrau Vicky am Leben zu erhalten.

Das „Concierto de Aranjuez“ ist das wohl bekannteste und populärste Werk Rodrigos. Es ist nicht nur von zahllosen klassischen Orchestern gespielt worden, sondern gelangte auch durch diverse Bearbeitungen zu breiter Popularität.

 

1939: Gitarrenkonzert op. 99 von Mario Castelnuovo-Tedesco

Mir seinem 1939 entstandenen Gitarrenkonzert op. 99 in D-Dur, seinem wohl populärsten Werk überhaupt, konnte der 1895 in Florenz geborene Mario Castelnuovo-Tedesco weltweit große Erfolge feiern. Das rund 20-minütige Werk ist dreisätzig angelegt und trägt die Satzüberschriften Allegretto, Andantino alla romanza sowie Ritmico e cavalleresco – Quasi andante.

1941: „Concierto del Sur“ von Manuel Ponce

Der Mexikaner Manuel María Ponce war eng mit dem berühmten Gitarristen Andrés Segovia befreundet, und so nehmen Kompositionen für Gitarre einen großen Raum in seinem kompositorischen Oeuvre ein. Das „Concierto del Sur“ aus dem Jahre 1941, das eben jenem Virtuosen gewidmet ist, trägt folkloristische Züge und bietet dem Sologitarristen Gelegenheit zur Entfaltung seines gesamten Klangreichtums.

1950: Streichquintett op. 143 von Mario Castelnuovo-Tedesco

Als Andrés Segovia im Jahr 1950 eine Einladung zu einem Kammermusikkonzert der Los Angeles Music Guild erhielt, trat er an Castelnuovo-Tedesco mit der Bitte heran, ihm aus Mangel an geeignetem Repertoire ein Quintett für Gitarre und Streichquartett zu schreiben. Der Tondichter kam dieser Anfrage binnen nur eines Monats nach.
Über seine Komposition sagte er, es handle sich dabei „um ein melodiöses und heiteres Werk, teilweise neoklassisch, teilweise neoromantisch“. Weiterhin bekannte er: „Ich möchte sagen, es ist beinahe schubertisch, denn Schubert war schon immer einer meiner Lieblingskomponisten.“

Segovia führte dieses Streichquintett im April 1951 zusammen mit dem Paganini Quartet in Los Angeles auf.

21. Jahrhundert

2003: „Freaky Dancer“ von Joe Duddell

Das 7-minütige Werk für Vibraphon und Gitarrenquartett wurde vom Los Angeles Guitar Quartett in Auftrag gegeben und am 21.Februar 2004 im Freud Playhouse in Los Angeles uraufgeführt.
Eine Ballerina in einer Spieldose führt ein Leben im Verborgenen. Auch wenn sie sich normal zu benehmen scheint, lebt sie doch ihr eigenes Leben, sobald sich der Deckel schließt. Die Konstellation von Vibraphon und Gitarrenquartett schildert diese Szene mit hinreißendem Klang.