Schott Music

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18. Dezember 2015

schott aktuell – the journal 1/2016: Music of Remembrance

In Toshio Hosokawas neuer Oper Stilles Meer spielt die japanische Zeremonie Tōrōnagashi eine wichtige Rolle. „Dabei setzen Trauernde gemeinsam Laternen aus Papier aufs Meer, um an ihre Verstorbenen zu erinnern und ihre Seelen dem Meer, der Quelle allen Lebens, zurückzugeben.“ (Hosokawa) Die Protagonistin der Oper kann den Schmerz über den Tod ihres Kindes nicht verwinden. Nur durch die Kunst, durch ihren Gesang kann sie das Diesseits mit dem Leben nach dem Tod verbinden und sich den Seelen der Verstorbenen nahe fühlen.

Seit Mitte Oktober hat unsere Redaktion an der neuen Ausgabe von schott aktuell gearbeitet. Hosokawas Oper, die ein Requiem für die Toten des Tōhoku-Tsunamis ist, war Anlass, uns mit Werken des Gedenkens zu beschäftigen. Während dieser Arbeit ereigneten sich die Anschläge in Paris und gaben dem Thema eine verstörende Aktualität. Wir wurden unsicher, ob es angemessen sei, in diesem Augenblick ein buntes Magazin über das musikalische Totengedenken zu machen. Aber je mehr wir uns damit auseinandersetzten, desto deutlicher wurde uns, wie sehr sich Komponisten in den letzten Jahrzehnten mit diesem Thema in Form von überzeitlich gültigen Werken des Gedenkens beschäftigt haben. Dabei geht es auch um die Opfer von Naturgewalten, viel häufiger aber um Vertreibung, um Krieg, Verfolgung und das Leid, das Menschen anderen Menschen zufügen. Offensichtlich haben Komponisten zu allen Zeiten daran geglaubt, dass sie mit Musik mahnen, erinnern, aber auch trösten und versöhnen können. Der Komponist und Dirigent Leonard Bernstein hat das so formuliert: „Das wird unsere Antwort auf Gewalt sein: Noch mehr, noch schöner, noch leidenschaftlicher Musik zu machen als jemals zuvor.“

Ich wünsche Ihnen ein gutes, friedlicheres Jahr 2016.

– aus dem Editorial von Christiane Krautscheid, Schott Music Mainz

Inhalt:

Uraufführungen, u.a.: Toshio Hosokawa: Stilles Meer · Chaya Czernowin: AYRE: TOWED · Alexander Goehr: Vanishing Word · Thomas Larcher: Cello Concerto · Thierry Pécou: Femme changeante · Fazıl Say: Grand Bazaar 

Premeiren, u.a.: Gaetano Donizetti: L’elisir d’amore in Koblenz · Hans Werner Henze: Pollicino in St. Gallen · Erich Wolfgang Korngold: Die tote Stadt in Magdeburg, Calgary und Karlstad · Aribert Reimann: Lear in Budapest · Nikolaj Rimskij-Korsakow: Mozart und Salieri in Berlin (Staatsoper) · Kurt Weill: Street Scene in Pforzheim

Musik des Gedenkens

News: Heidelberger Künstlerinnenpreis für Chaya Czernowin · Alle Opern-Partituren der Wagner-Gesamtausgabe abgeschlossen

Neue Publikationen · Neue Einspielungen

Repertoire: Henri Dutilleux: The Shadows of Time – 100. Geburtstag am 22. Januar 2016


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