Schott Music

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4. Mai 2015

Schott Music trauert um Maya Plisetskaya

 

Die Primaballerina Assoluta und Ehefrau unseres Komponisten Rodion Shchedrin ist am 2. Mai im Alter von 89 Jahren in München verstorben. Sie war eine der bedeutendsten Tänzerinnen unserer Zeit und dem Schott-Verlag seit vielen Jahren freundschaftlich verbunden. Im Jahr 2000 gründete sie zusammen mit ihrem Mann die in Mainz ansässige „International Maya Plisetskaya und Rodion Shchedrin Foundation.“ Im Rahmen der Stiftungsarbeit rief sie unter anderem den „Maya Plisetskaya Award“ ins Leben, der Nachwuchstalente im Bereich Tanz, Komposition und Interpretation auszeichnet und in diesem Jahr an den Choreografen Gil Roman gehen wird. Bei Schott Music erschien im Jahr 2009 unter dem Titel „Haltung bewahren“ der zweite Teil ihrer Lebenserinnerungen, in denen sie sehr persönlich auf eine unvergleichliche Karriere und ihren Lebensweg zurückschaut.

Maya Plisetskaya verkörpert wie keine andere Tänzerin die große Tradition des klassischen Balletts und verband in ihrer Kunst technische Perfektion, subtile Gestik und einzigartige Darstellungskraft. Ihre Karriere begann sie 1943 am Bolschoi-Theater, wo sie rasch zur Primaballerina aufstieg und bis 1989 in allen wichtigen Rollen zu sehen war, darunter rund zwanzigtausend Mal in dem Tanz-Solo „Der sterbende Schwan“ von Camille Saint-Saëns.

„Die Zeit stellt alles auf seinen eigenen Platz. Man muss nur lange genug warten, „sagte Maya Plisetskaya einmal. Ihr Lebensweg war eng verschlungen mit dem politischen Schicksal ihrer Heimat Russland. Geboren wurde sie am 20. November 1925 in eine Familie mit vielen Künstlern, der Vater wurde 1938 unter Stalins Regime ermordet, ihre Mutter nach Kasachstan deportiert. Als „Tochter von Volksfeinden“ diskreditiert durfte sie erst Jahre nach Stalins Tod mit dem Bolschoi in die USA reisen. Ihre rasche Weltkarriere erlaubte es ihr, künstlerisch eigenständige Positionen zu vertreten und westliche Choreographen wie Maurice Béjart ans Bolschoi-Theater zu holen. Béjart schrieb noch lange nach ihrem Abschied von der Bühne Stücke für sie, zuletzt „Ave Maja“, das sie im Alter von 70 Jahren tanzte. Für die Ballettmusiken ihres Mannes Rodion Shchedrin, den sie 1958 heiratete, entwickelte sie selbst Choreographien und übernahm darin die Hauptpartien, etwa in „Anna Karenina“ und „Die Möwe“.

„Wie sie damals tanzte! Das war ein Wunder. Ein Energiebündel, die Sicherheit in Person. Wenn sie tanzte, verzauberte sie den Saal“, beschrieb Shchedrin seinen Eindruck beim Besuch ihrer Vorstellung. Obwohl ihn Offizielle des Sowjetregimes vor einem Verhältnis mit der Tänzerin warnten, wurden die beiden Ausnahmekünstler ein Paar, arbeiteten und lebten fast fünfzig Jahre zusammen. Zuletzt wohnten sie abwechselnd in München und Moskau. Am 15.5. findet in Luzern ein Gedenkkonzert „In Memoriam Maya Plisetskaya“ statt, in dessen Rahmen auch der diesjährige „Maya Plisetskaya Award“ verliehen wird; es spielt das Luzerner Sinfonieorchester LSO unter Leitung des Chefdirigenten James Gaffigan.

Wer Maya Plisetskaya kannte, bewunderte ihre unbeugsame Meinungsstärke, ihre Anmut und Liebenswürdigkeit. Wir, die Leitung und die Mitarbeiterschaft von Schott Music, gedenken ihrer in Verehrung, Dankbarkeit und Freundschaft.

Foto: © 2011 The Moscow Kremlin / Presidential Executive Office

(04.05.2015)