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Bernd Alois  Zimmermann

Geboren: 20. März 1918
Gestorben: 10. August 1970
Herkunftsland: Deutschland
Upcoming :
2019-10-24 | Mannheim (Deutschland), Schauspielhaus | Wiederaufnahme
Dirigent: Seven Heelein
Orchester: Vogtland Philharmonie
2019-10-27 | Bayreuth (Deutschland), evang. Stadtkirche — 19:00

Es ist wichtiger, dass Zimmermann ein sehr viel differenzierteres musikalisches Empfinden und Bewusstsein gehabt hat als die meisten Komponisten seiner Zeit, dass er in der Lage war, sehr durchgehörte melodische Kantilenen zu komponieren, dass er ein sehr feines Gefühl hatte, wann man stehen bleibt und weitergeht, wann man pausiert, wann man überrascht und wann man verdichtet. (Karlheinz Stockhausen)

Bernd Alois Zimmermann wurde am 20. März 1918 in Bliesheim bei Köln geboren. Von 1929 bis 1936 besuchte er das Salvatorianer-Kolleg Steinfeld in der Eifel. Nach dem Abitur begann er 1937 zunächst eine Ausbildung zum Volkshochschullehrer, wechselte jedoch ein Jahr später an die Hochschule für Musik in Köln, um Schulmusik, Musiktheorie und Komposition bei Heinrich Lemacher und Philipp Jarnach zu studieren. 1939 wurde Zimmermann zum Kriegsdienst eingezogen. Drei Jahre später kehrte er aus Krankheitsgründen von der Front zurück. Seine Hochschulausbildung schloss er 1947 mit dem Schulmusikexamen ab. 1948 besuchte Zimmermann erstmalig die Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik bei Wolfgang Fortner und René Leibowitz; gleichzeitig wurde sein Konzert für Orchester (2. Fassung, 1948) in Darmstadt aufgeführt. Um sich finanziell über Wasser zu halten, arrangierte Zimmermann in den 1950er Jahren Unterhaltungs- und Filmmusik und komponierte Beiträge für Schulrundfunksendungen. Von der Deutschen Sektion der IGNM wurde Zimmermann 1956 zum Präsidenten gewählt, gab das Amt jedoch ein Jahr später wieder auf, nachdem es ihm nicht gelungen war, zwischen den Komponisten der älteren und jüngeren Generationen zu vermitteln. Im Frühsommer 1957 erhielt er als erster Komponist ein Stipendium der Villa Massimo in Rom, wo die Arbeit an der Oper Die Soldaten begann. Von 1957 an leitete er eine Kompositionsklasse sowie das Seminar für Film- und Rundfunkmusik an der Kölner Musikhochschule. Die letzten Lebensjahre waren der Arbeit am Requiem für einen jungen Dichter gewidmet, das 1969 zur Uraufführung kam. Am 10. August 1970 schied Zimmermann in Groß-Königsdorf bei Köln freiwillig aus dem Leben.

Obwohl die Anzahl seiner Kompositionen vergleichsweise überschaubar ist, nimmt Zimmermann eine Schlüsselposition in der Geschichte der deutschen Nachkriegs-Musik ein. Er griff nicht nur die serielle Musik und Strenge der Darmstädter Avantgarde auf, sondern kombinierte diese Einflüsse in einzigartiger Weise mit Jazz-Elementen und Zitaten historischer Kompositionen. In verblüffender Weise nahm er so zentrale Ideen und Techniken der so genannten Postmoderne vorweg. Zimmermanns Werk umfasst Kompositionen für Orchester - eine Sinfonie (2. Fassung 1953), verschiedene Ballettmusiken und Solokonzerte -, Vokalwerke, Kammermusik und Sololiteratur sowie Elektronische Tonband-Musik. Das Requiem für einen jungen Dichter (1967/1969) lässt sich als Gesamtschau von Zimmermanns kompositorischer Entwicklung lesen. Es sieht eine großformatige Besetzung mit Sprecher, Solisten, drei Chören, elektronischen Klängen, Orchester, Jazz-Combo und Orgel vor. Als Texte wählte der Komponist neben Politikerreden, Berichten und Liturgien Dichtungen von Majakowski, Joyce, Pound, Camus, Schwitters und Bayer. Die Grenzen des Oratoriums werden in Richtung Hörspiel, Reportage und Feature weit hinaus geschoben.

Mit der Sonate für Cello solo (1960) und den Dialogen für 2 Klaviere und Orchester (2. Fassung 1965) entwickelte Zimmermann das Konzept der „pluralistischen Klangkomposition". Durch die Überlagerung mehrerer Metren und Rhythmen entstand eine Schachtelform unterschiedlicher Zeitebenen; zusätzlich kamen Zitate zur Anwendung. In der Oper Die Soldaten (1957-1965) wurde die Simultantechnik zum zentralen Ausgangspunkt („Kugelgestalt der Zeit“). Schon die literarische Vorlage, das Schauspiel von J.M.R. Lenz, sprengt die Einheit von Raum und Zeit, die Handlungsstränge verlaufen parallel. Zimmermann ließ den Schauspieltext weitestgehend unangetastet – in einer Collagetechnik werden Textteile zusätzlich verdichtet. Die geplante Uraufführung von Die Soldaten für 1960 wurde zunächst verschoben, da das Werk als unspielbar galt. 1965 feierte die Oper schließlich an den Städtischen Bühnen in Köln Premiere - ein Sensationserfolg, der bis heute nachwirkt.

Zimmermann wurde mehrfach mit Preisen geehrt, stellvertretend seien genannt: der Große Kunstpreis von Nordrhein-Westfalen (1960) und der Kunstpreis der Stadt Köln (1966). 1965 wurde Zimmermann zum Mitglied der Berliner Akademie der Künste ernannt.

1918
Geboren am 20. März in Bliesheim
1929-36
Besuch des Salvatorianer-Kollegs Steinfeld (Eifel)
1937
Abitur
Im Wintersemester Beginn einer Volksschullehrerausbildung in Bonn
Beginn eines Schulmusikstudiums an der Kölner Musikhochschule
1938
Arbeitsdienst
1939
Zimmermann wird zur Wehrmacht eingezogen. Als Meldereiter und Pferdepfleger Teilnahme am Polen-, Frankreich- und Russlandfeldzug.
Er erkrankt 1943, wird zur weiteren Behandlung nach Köln entlassen und nimmt ein Studium der Musikwissenschaft in Köln auf
1945
Wiederaufnahme des Schulmusikstudiums Musiktheorie bei Heinrich Lemacher. Zusätzlich Komposition bei Philipp Jarnach
1946
Erste Aufführungen. "Scherzo Sinfonico" aus der "Sinfonia prosodica", "Extemporale", "Drei Geistliche Lieder"
1947
Schulmusikexamen
Uraufführung "Konzert für Orchester" (1. Fassung)
ab 1948
Gelegenheitskompositionen (zuerst Arrangements, Volksmusik, eigene Kompositionen "leichter Musik", dann Musik für Schulfunk und Hörspiel, Bühnen- und Filmmusiken)
1948
Besuch  der Darmstädter Ferienkurse und Teilnahme an den Kursen von René Leibowitz
1949
"Enchiridion"
1950
heiratet Sabine von Schablowsky
Erste dodekaphone Komposition (2. Satz des "Violinkonzert")
1951
Geburt von Sohn Gereon.
"Exerzitien" (2. Teil des "Enchiridion"), "Symphonie in einem Satz" (1. Fassung)
1952
Geburt von Tochter Bettina
Uraufführung "Oboenkonzert" durch Hans Rosbaud in Donaueschingen
1954
Erste Pläne zu einem großen Oratorium
"Cellokonzert" (später umgearbeitet zu "Canto di speranza")
1955/56
"Perspektiven". Uraufführung 1956 durch die Brüder Kontarsky
1956
Zimmermann wird zum Präsidenten der Sektion der IGNM gewählt. Zimmermann tritt 1957 zurück, als es ihm nicht gelingt, ein Gespräch zwischen den Komponisten der älteren und der jüngeren Generation zu initiieren
1957
Zimmermann erhält als erster Komponist ein Stipendium der Villa Massimo. Beginnt dort im Herbst 1957 mit der Komposition "Die Soldaten". Er übernimmt an der Kölner Musikhochschule den Lehrstuhl Frank Martins und leitet ein Seminar für Hörspiel- und Filmmusik
Uraufführung "Canto di speranza" durch Siegfried Palm
1959
Ende 1957, Anfang 1960 stellt Zimmermann die Arbeit an der Oper "Die Soldaten" ein.
Komposition "Sonate" für Cello solo, "Dialoge" (1. Fassung), neue Überlegungen zum geplanten Oratorium
1960
Großer Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen
1961
"Présence"
Kontakte mit Paul Pörtner
1961/62
"Antiphonen"
1963
Uraufführung der "Vokalsymphonie" aus "Die Soldaten". Ab Herbst ein weiterer Studienaufenthalt in der Villa Massimo, wo er die Komposition "Die Soldaten" wieder aufnimmt
1965
Uraufführung "Die Soldaten"
1966
Geburt von Sohn Johann Jakob Wimar
Kunstpreis der Stadt Köln Weiterarbeit am Oratorium
Beginnt ein neues Opernprojekt "Medea" (nach Hans Henny Jahnn)
"Tratto I"
1967
"Intercomunicatione"
1968/69
Arbeit am Oratorium, das jetzt "Requiem für einen jungen Dichter" heißt. Uraufführung 1969
1970
"Stille und Umkehr", "Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne". Freitod am 10. August
2019-10-24 | Mannheim (Deutschland), Schauspielhaus | Wiederaufnahme
Dirigent: Seven Heelein
Orchester: Vogtland Philharmonie
2019-10-27 | Bayreuth (Deutschland), evang. Stadtkirche — 19:00
Dirigent: Hans Rotman
Orchester: Philharmonisches Kammerorchester Wernigerode
2019-11-02 | Wernigerode (Deutschland), Fürstlicher Marstall — 19:30
Dirigent: Arturo Tamayo
Orchester: Orchester della Svizzera Italiana
2019-11-12 | Lugano (Schweiz), Lugano Arte e Cultura — 20:30
Dirigent: Daniel Rumpf
2019-11-17 | Mainz (Deutschland), Zentralfriedhof, Historisches Krematorium — 11:00
Dirigent: Olari Elts
Orchester: Radion sinfoniaorkesteri
2019-11-22 | Helsinki (Finnland), Music Centre, Concert Hall — 19:00
Dirigent: Florian Ludwig
2019-11-22 | Detmold (Deutschland), Hochschule für Musik, Konzerthaus — 19:30
Dirigent: Peter Eötvös
Orchester: Orchester der Hochschule für Musik Karlsruhe
2019-11-23 | Karlsruhe (Deutschland), Wolfgang-Rihm-Forum — 19:30
Dirigent: Peter Eötvös
Orchester: Orchester der Hochschule für Musik Karlsruhe
2019-11-23 | Karlsruhe (Deutschland), Wolfgang-Rihm-Forum — 19:30
Dirigent: Florian Ludwig
2019-11-27 | Bielefeld (Deutschland), Universität, Audimax — 20:00
Dirigent: Heinz Holliger
Orchester: Tonhalle-Orchester Zürich
2019-11-29 | Zürich (Schweiz), Tonhalle Maag
Dirigent: Jörg-Hannes Hahn
Orchester: Stuttgarter Philharmoniker
2020-02-09 | Stuttgart-Bad Cannstatt (Deutschland), Lutherkirche — 19:00
Dirigent: Kirill Petrenko
Orchester: Berliner Philharmoniker
2020-02-12 | Berlin (Deutschland), Philharmonie — 20:00
Dirigent: Kirill Petrenko
Orchester: Berliner Philharmoniker
2020-02-13 | Berlin (Deutschland), Philharmonie — 20:00
Dirigent: Kirill Petrenko
Orchester: Berliner Philharmoniker
2020-02-14 | Berlin (Deutschland), Philharmonie — 20:00
Dirigent: Kirill Petrenko
Orchester: Berliner Philharmoniker
2020-02-15 | Berlin (Deutschland), Philharmonie — 19:00
Dirigent: Kirill Petrenko
Orchester: Berliner Philharmoniker
2020-02-17 | Hamburg (Deutschland), Elbphilharmonie — 20:00
Dirigent: Kirill Petrenko
Orchester: Berliner Philharmoniker
2020-02-18 | Hannover (Deutschland), Hannover Congress Centrum, Kuppelsaal — 19:30
Dirigent: Kirill Petrenko
Orchester: Berliner Philharmoniker
2020-02-19 | Köln (Deutschland), Philharmonie — 20:00
Dirigent: Philippe Bach
Orchester: Berner Symphonieorchester
2020-02-20 | Frutigen (Schweiz), Kirche
Dirigent: Kirill Petrenko
Orchester: Berliner Philharmoniker
2020-02-20 | Frankfurt (Deutschland), Alte Oper — 20:00
Dirigent: Kirill Petrenko
Orchester: Berliner Philharmoniker
2020-02-21 | Dresden (Deutschland), Kulturpalast — 19:30
Dirigent: François-Xavier Roth
Orchester: Gürzenich-Orchester Köln
2020-02-21 | London (United Kingdom), Royal Festival Hall — 19.30
Dirigent: Philippe Bach
Orchester: Berner Symphonieorchester
2020-02-22 | Bern (Schweiz), Konservatorium
Dirigent: Mario Venzago
Orchester: Berner Symphonieorchester
2020-03-12 | Bern (Schweiz), Casino
Dirigent: Mario Venzago
Orchester: Berner Symphonieorchester
2020-03-13 | Bern (Schweiz), Casino
2020-03-21 | Hannover (Deutschland), NDR, Kleiner Sendesaal
Dirigent: Johannes Harneit
2020-05-16 | Darmstadt (Deutschland), Staatstheater, Großes Haus — 19:30 | Premiere
Dirigent: Johannes Harneit
2020-05-23 | Darmstadt (Deutschland), Staatstheater, Großes Haus — 19:30
Dirigent: Johannes Harneit
2020-05-28 | Darmstadt (Deutschland), Staatstheater, Großes Haus — 19:30
Dirigent: Johannes Harneit
2020-06-04 | Darmstadt (Deutschland), Staatstheater, Großes Haus — 19:30
Dirigent: Johannes Harneit
2020-06-12 | Darmstadt (Deutschland), Staatstheater, Großes Haus — 19:30
Dirigent: François-Xavier Roth
Orchester: Gürzenich-Orchester Köln
2020-06-14 | Köln (Deutschland), Staatenhaus — 19:30 | Wiederaufnahme
Dirigent: François-Xavier Roth
Orchester: Gürzenich-Orchester Köln
2020-06-17 | Köln (Deutschland), Staatenhaus — 19:30
Dirigent: François-Xavier Roth
Orchester: Gürzenich-Orchester Köln
2020-06-19 | Köln (Deutschland), Staatenhaus — 19:30
Dirigent: François-Xavier Roth
Orchester: Gürzenich-Orchester Köln
2020-06-24 | Köln (Deutschland), Staatenhaus — 19:30
Dirigent: Johannes Harneit
2020-06-26 | Darmstadt (Deutschland), Staatstheater, Großes Haus — 19:30
Dirigent: François-Xavier Roth
Orchester: Gürzenich-Orchester Köln
2020-06-27 | Köln (Deutschland), Staatenhaus — 19:30
Dirigent: François-Xavier Roth
Orchester: Gürzenich-Orchester Köln
2020-07-03 | Köln (Deutschland), Staatenhaus — 19:30
Dirigent: François-Xavier Roth
Orchester: Gürzenich-Orchester Köln
2020-07-05 | Köln (Deutschland), Staatenhaus — 18:00

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  1. Die Soldaten

    Die Soldaten

    Oper in 4 Akten nach dem gleichnamigen Schauspiel von Jakob Michael Reinhold Lenz
    Besetzung : Soli, Sprecher und Orchester
    Ausgabe : Textbuch/Libretto
    Sprache : deutsch
    Bestell-Nr. : BN 3990-10
    8,00 €  *
  2. Work in Progress und Werkindividualität

    Work in Progress und Werkindividualität

    Bernd Alois Zimmermanns Instrumentalwerke 1960-65
    Autor : Paland, Ralph
    Sprache : deutsch
    Bestell-Nr. : ED 9734
    65,00 €  *
  3. Un petit rien / Das Gelb und das Grün / Omnia tempus habent / Metamorphose
    18,50 €  *
  4. Concerto pour violoncelle / Photoptosis / Tratto II

    Concerto pour violoncelle / Photoptosis / Tratto II

    studio reihe
    Interpret : Palm, Siegfried
    Ausgabe : CD
    Bestell-Nr. : WER 67762
    18,50 €  *
  5. Monolithen

    Monolithen

    Debussy | Zimmermann | Strawinsky
    Ausgabe : CD
    Bestell-Nr. : WER 68092
    18,50 €  *
  6. Vater und Sohn

    Vater und Sohn

    Intermezzo scherzoso von Paul Haletzky
    Komponist : Haletzky, Paul
    Besetzung : Orchester
    Ausgabe : Aufführungsmaterial
  7. Chunchitos

    Chunchitos

    für Orchester
    Besetzung : Orchester
    Ausgabe : Aufführungsmaterial
  8. Au village

    Au village

    für Orchester bearbeitet von Bernd Alois Zimmermann
    Komponist : Mussorgskij, Modest
    Besetzung : Orchester
    Ausgabe : Aufführungsmaterial
  9. Fantasia piccola

    Fantasia piccola

    für Orchester bearbeitet von Bernd Alois Zimmermann
    Besetzung : Orchester
    Ausgabe : Aufführungsmaterial
  10. O komm im Traum - Oh, quand je dors

    O komm im Traum - Oh, quand je dors

    für Tenor und Orchester bearbeitet von Bernd Alois Zimmermann
    Komponist : Liszt, Franz
    Besetzung : Tenor und Orchester
    Ausgabe : Aufführungsmaterial
    Sprache : deutsch - französisch

pro Seite
Profil

Es ist wichtiger, dass Zimmermann ein sehr viel differenzierteres musikalisches Empfinden und Bewusstsein gehabt hat als die meisten Komponisten seiner Zeit, dass er in der Lage war, sehr durchgehörte melodische Kantilenen zu komponieren, dass er ein sehr feines Gefühl hatte, wann man stehen bleibt und weitergeht, wann man pausiert, wann man überrascht und wann man verdichtet. (Karlheinz Stockhausen)

Bernd Alois Zimmermann wurde am 20. März 1918 in Bliesheim bei Köln geboren. Von 1929 bis 1936 besuchte er das Salvatorianer-Kolleg Steinfeld in der Eifel. Nach dem Abitur begann er 1937 zunächst eine Ausbildung zum Volkshochschullehrer, wechselte jedoch ein Jahr später an die Hochschule für Musik in Köln, um Schulmusik, Musiktheorie und Komposition bei Heinrich Lemacher und Philipp Jarnach zu studieren. 1939 wurde Zimmermann zum Kriegsdienst eingezogen. Drei Jahre später kehrte er aus Krankheitsgründen von der Front zurück. Seine Hochschulausbildung schloss er 1947 mit dem Schulmusikexamen ab. 1948 besuchte Zimmermann erstmalig die Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik bei Wolfgang Fortner und René Leibowitz; gleichzeitig wurde sein Konzert für Orchester (2. Fassung, 1948) in Darmstadt aufgeführt. Um sich finanziell über Wasser zu halten, arrangierte Zimmermann in den 1950er Jahren Unterhaltungs- und Filmmusik und komponierte Beiträge für Schulrundfunksendungen. Von der Deutschen Sektion der IGNM wurde Zimmermann 1956 zum Präsidenten gewählt, gab das Amt jedoch ein Jahr später wieder auf, nachdem es ihm nicht gelungen war, zwischen den Komponisten der älteren und jüngeren Generationen zu vermitteln. Im Frühsommer 1957 erhielt er als erster Komponist ein Stipendium der Villa Massimo in Rom, wo die Arbeit an der Oper Die Soldaten begann. Von 1957 an leitete er eine Kompositionsklasse sowie das Seminar für Film- und Rundfunkmusik an der Kölner Musikhochschule. Die letzten Lebensjahre waren der Arbeit am Requiem für einen jungen Dichter gewidmet, das 1969 zur Uraufführung kam. Am 10. August 1970 schied Zimmermann in Groß-Königsdorf bei Köln freiwillig aus dem Leben.

Obwohl die Anzahl seiner Kompositionen vergleichsweise überschaubar ist, nimmt Zimmermann eine Schlüsselposition in der Geschichte der deutschen Nachkriegs-Musik ein. Er griff nicht nur die serielle Musik und Strenge der Darmstädter Avantgarde auf, sondern kombinierte diese Einflüsse in einzigartiger Weise mit Jazz-Elementen und Zitaten historischer Kompositionen. In verblüffender Weise nahm er so zentrale Ideen und Techniken der so genannten Postmoderne vorweg. Zimmermanns Werk umfasst Kompositionen für Orchester - eine Sinfonie (2. Fassung 1953), verschiedene Ballettmusiken und Solokonzerte -, Vokalwerke, Kammermusik und Sololiteratur sowie Elektronische Tonband-Musik. Das Requiem für einen jungen Dichter (1967/1969) lässt sich als Gesamtschau von Zimmermanns kompositorischer Entwicklung lesen. Es sieht eine großformatige Besetzung mit Sprecher, Solisten, drei Chören, elektronischen Klängen, Orchester, Jazz-Combo und Orgel vor. Als Texte wählte der Komponist neben Politikerreden, Berichten und Liturgien Dichtungen von Majakowski, Joyce, Pound, Camus, Schwitters und Bayer. Die Grenzen des Oratoriums werden in Richtung Hörspiel, Reportage und Feature weit hinaus geschoben.

Mit der Sonate für Cello solo (1960) und den Dialogen für 2 Klaviere und Orchester (2. Fassung 1965) entwickelte Zimmermann das Konzept der „pluralistischen Klangkomposition". Durch die Überlagerung mehrerer Metren und Rhythmen entstand eine Schachtelform unterschiedlicher Zeitebenen; zusätzlich kamen Zitate zur Anwendung. In der Oper Die Soldaten (1957-1965) wurde die Simultantechnik zum zentralen Ausgangspunkt („Kugelgestalt der Zeit“). Schon die literarische Vorlage, das Schauspiel von J.M.R. Lenz, sprengt die Einheit von Raum und Zeit, die Handlungsstränge verlaufen parallel. Zimmermann ließ den Schauspieltext weitestgehend unangetastet – in einer Collagetechnik werden Textteile zusätzlich verdichtet. Die geplante Uraufführung von Die Soldaten für 1960 wurde zunächst verschoben, da das Werk als unspielbar galt. 1965 feierte die Oper schließlich an den Städtischen Bühnen in Köln Premiere - ein Sensationserfolg, der bis heute nachwirkt.

Zimmermann wurde mehrfach mit Preisen geehrt, stellvertretend seien genannt: der Große Kunstpreis von Nordrhein-Westfalen (1960) und der Kunstpreis der Stadt Köln (1966). 1965 wurde Zimmermann zum Mitglied der Berliner Akademie der Künste ernannt.

Werke
Chronologie
1918
Geboren am 20. März in Bliesheim
1929-36
Besuch des Salvatorianer-Kollegs Steinfeld (Eifel)
1937
Abitur
Im Wintersemester Beginn einer Volksschullehrerausbildung in Bonn
Beginn eines Schulmusikstudiums an der Kölner Musikhochschule
1938
Arbeitsdienst
1939
Zimmermann wird zur Wehrmacht eingezogen. Als Meldereiter und Pferdepfleger Teilnahme am Polen-, Frankreich- und Russlandfeldzug.
Er erkrankt 1943, wird zur weiteren Behandlung nach Köln entlassen und nimmt ein Studium der Musikwissenschaft in Köln auf
1945
Wiederaufnahme des Schulmusikstudiums Musiktheorie bei Heinrich Lemacher. Zusätzlich Komposition bei Philipp Jarnach
1946
Erste Aufführungen. "Scherzo Sinfonico" aus der "Sinfonia prosodica", "Extemporale", "Drei Geistliche Lieder"
1947
Schulmusikexamen
Uraufführung "Konzert für Orchester" (1. Fassung)
ab 1948
Gelegenheitskompositionen (zuerst Arrangements, Volksmusik, eigene Kompositionen "leichter Musik", dann Musik für Schulfunk und Hörspiel, Bühnen- und Filmmusiken)
1948
Besuch  der Darmstädter Ferienkurse und Teilnahme an den Kursen von René Leibowitz
1949
"Enchiridion"
1950
heiratet Sabine von Schablowsky
Erste dodekaphone Komposition (2. Satz des "Violinkonzert")
1951
Geburt von Sohn Gereon.
"Exerzitien" (2. Teil des "Enchiridion"), "Symphonie in einem Satz" (1. Fassung)
1952
Geburt von Tochter Bettina
Uraufführung "Oboenkonzert" durch Hans Rosbaud in Donaueschingen
1954
Erste Pläne zu einem großen Oratorium
"Cellokonzert" (später umgearbeitet zu "Canto di speranza")
1955/56
"Perspektiven". Uraufführung 1956 durch die Brüder Kontarsky
1956
Zimmermann wird zum Präsidenten der Sektion der IGNM gewählt. Zimmermann tritt 1957 zurück, als es ihm nicht gelingt, ein Gespräch zwischen den Komponisten der älteren und der jüngeren Generation zu initiieren
1957
Zimmermann erhält als erster Komponist ein Stipendium der Villa Massimo. Beginnt dort im Herbst 1957 mit der Komposition "Die Soldaten". Er übernimmt an der Kölner Musikhochschule den Lehrstuhl Frank Martins und leitet ein Seminar für Hörspiel- und Filmmusik
Uraufführung "Canto di speranza" durch Siegfried Palm
1959
Ende 1957, Anfang 1960 stellt Zimmermann die Arbeit an der Oper "Die Soldaten" ein.
Komposition "Sonate" für Cello solo, "Dialoge" (1. Fassung), neue Überlegungen zum geplanten Oratorium
1960
Großer Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen
1961
"Présence"
Kontakte mit Paul Pörtner
1961/62
"Antiphonen"
1963
Uraufführung der "Vokalsymphonie" aus "Die Soldaten". Ab Herbst ein weiterer Studienaufenthalt in der Villa Massimo, wo er die Komposition "Die Soldaten" wieder aufnimmt
1965
Uraufführung "Die Soldaten"
1966
Geburt von Sohn Johann Jakob Wimar
Kunstpreis der Stadt Köln Weiterarbeit am Oratorium
Beginnt ein neues Opernprojekt "Medea" (nach Hans Henny Jahnn)
"Tratto I"
1967
"Intercomunicatione"
1968/69
Arbeit am Oratorium, das jetzt "Requiem für einen jungen Dichter" heißt. Uraufführung 1969
1970
"Stille und Umkehr", "Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne". Freitod am 10. August
Aufführungen
2019-10-24 | Mannheim (Deutschland), Schauspielhaus | Wiederaufnahme
Dirigent: Seven Heelein
Orchester: Vogtland Philharmonie
2019-10-27 | Bayreuth (Deutschland), evang. Stadtkirche — 19:00
Dirigent: Hans Rotman
Orchester: Philharmonisches Kammerorchester Wernigerode
2019-11-02 | Wernigerode (Deutschland), Fürstlicher Marstall — 19:30
Dirigent: Arturo Tamayo
Orchester: Orchester della Svizzera Italiana
2019-11-12 | Lugano (Schweiz), Lugano Arte e Cultura — 20:30
Dirigent: Daniel Rumpf
2019-11-17 | Mainz (Deutschland), Zentralfriedhof, Historisches Krematorium — 11:00
Dirigent: Olari Elts
Orchester: Radion sinfoniaorkesteri
2019-11-22 | Helsinki (Finnland), Music Centre, Concert Hall — 19:00
Dirigent: Florian Ludwig
2019-11-22 | Detmold (Deutschland), Hochschule für Musik, Konzerthaus — 19:30
Dirigent: Peter Eötvös
Orchester: Orchester der Hochschule für Musik Karlsruhe
2019-11-23 | Karlsruhe (Deutschland), Wolfgang-Rihm-Forum — 19:30
Dirigent: Peter Eötvös
Orchester: Orchester der Hochschule für Musik Karlsruhe
2019-11-23 | Karlsruhe (Deutschland), Wolfgang-Rihm-Forum — 19:30
Dirigent: Florian Ludwig
2019-11-27 | Bielefeld (Deutschland), Universität, Audimax — 20:00
Dirigent: Heinz Holliger
Orchester: Tonhalle-Orchester Zürich
2019-11-29 | Zürich (Schweiz), Tonhalle Maag
Dirigent: Jörg-Hannes Hahn
Orchester: Stuttgarter Philharmoniker
2020-02-09 | Stuttgart-Bad Cannstatt (Deutschland), Lutherkirche — 19:00
Dirigent: Kirill Petrenko
Orchester: Berliner Philharmoniker
2020-02-12 | Berlin (Deutschland), Philharmonie — 20:00
Dirigent: Kirill Petrenko
Orchester: Berliner Philharmoniker
2020-02-13 | Berlin (Deutschland), Philharmonie — 20:00
Dirigent: Kirill Petrenko
Orchester: Berliner Philharmoniker
2020-02-14 | Berlin (Deutschland), Philharmonie — 20:00
Dirigent: Kirill Petrenko
Orchester: Berliner Philharmoniker
2020-02-15 | Berlin (Deutschland), Philharmonie — 19:00
Dirigent: Kirill Petrenko
Orchester: Berliner Philharmoniker
2020-02-17 | Hamburg (Deutschland), Elbphilharmonie — 20:00
Dirigent: Kirill Petrenko
Orchester: Berliner Philharmoniker
2020-02-18 | Hannover (Deutschland), Hannover Congress Centrum, Kuppelsaal — 19:30
Dirigent: Kirill Petrenko
Orchester: Berliner Philharmoniker
2020-02-19 | Köln (Deutschland), Philharmonie — 20:00
Dirigent: Philippe Bach
Orchester: Berner Symphonieorchester
2020-02-20 | Frutigen (Schweiz), Kirche
Dirigent: Kirill Petrenko
Orchester: Berliner Philharmoniker
2020-02-20 | Frankfurt (Deutschland), Alte Oper — 20:00
Dirigent: Kirill Petrenko
Orchester: Berliner Philharmoniker
2020-02-21 | Dresden (Deutschland), Kulturpalast — 19:30
Dirigent: François-Xavier Roth
Orchester: Gürzenich-Orchester Köln
2020-02-21 | London (United Kingdom), Royal Festival Hall — 19.30
Dirigent: Philippe Bach
Orchester: Berner Symphonieorchester
2020-02-22 | Bern (Schweiz), Konservatorium
Dirigent: Mario Venzago
Orchester: Berner Symphonieorchester
2020-03-12 | Bern (Schweiz), Casino
Dirigent: Mario Venzago
Orchester: Berner Symphonieorchester
2020-03-13 | Bern (Schweiz), Casino
2020-03-21 | Hannover (Deutschland), NDR, Kleiner Sendesaal
Dirigent: Johannes Harneit
2020-05-16 | Darmstadt (Deutschland), Staatstheater, Großes Haus — 19:30 | Premiere
Dirigent: Johannes Harneit
2020-05-23 | Darmstadt (Deutschland), Staatstheater, Großes Haus — 19:30
Dirigent: Johannes Harneit
2020-05-28 | Darmstadt (Deutschland), Staatstheater, Großes Haus — 19:30
Dirigent: Johannes Harneit
2020-06-04 | Darmstadt (Deutschland), Staatstheater, Großes Haus — 19:30
Dirigent: Johannes Harneit
2020-06-12 | Darmstadt (Deutschland), Staatstheater, Großes Haus — 19:30
Dirigent: François-Xavier Roth
Orchester: Gürzenich-Orchester Köln
2020-06-14 | Köln (Deutschland), Staatenhaus — 19:30 | Wiederaufnahme
Dirigent: François-Xavier Roth
Orchester: Gürzenich-Orchester Köln
2020-06-17 | Köln (Deutschland), Staatenhaus — 19:30
Dirigent: François-Xavier Roth
Orchester: Gürzenich-Orchester Köln
2020-06-19 | Köln (Deutschland), Staatenhaus — 19:30
Dirigent: François-Xavier Roth
Orchester: Gürzenich-Orchester Köln
2020-06-24 | Köln (Deutschland), Staatenhaus — 19:30
Dirigent: Johannes Harneit
2020-06-26 | Darmstadt (Deutschland), Staatstheater, Großes Haus — 19:30
Dirigent: François-Xavier Roth
Orchester: Gürzenich-Orchester Köln
2020-06-27 | Köln (Deutschland), Staatenhaus — 19:30
Dirigent: François-Xavier Roth
Orchester: Gürzenich-Orchester Köln
2020-07-03 | Köln (Deutschland), Staatenhaus — 19:30
Dirigent: François-Xavier Roth
Orchester: Gürzenich-Orchester Köln
2020-07-05 | Köln (Deutschland), Staatenhaus — 18:00
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  1. Die Soldaten

    Die Soldaten

    Oper in 4 Akten nach dem gleichnamigen Schauspiel von Jakob Michael Reinhold Lenz
    Besetzung : Soli, Sprecher und Orchester
    Ausgabe : Textbuch/Libretto
    Sprache : deutsch
    Bestell-Nr. : BN 3990-10
    8,00 €  *
  2. Work in Progress und Werkindividualität

    Work in Progress und Werkindividualität

    Bernd Alois Zimmermanns Instrumentalwerke 1960-65
    Autor : Paland, Ralph
    Sprache : deutsch
    Bestell-Nr. : ED 9734
    65,00 €  *
  3. Un petit rien / Das Gelb und das Grün / Omnia tempus habent / Metamorphose
    18,50 €  *
  4. Concerto pour violoncelle / Photoptosis / Tratto II

    Concerto pour violoncelle / Photoptosis / Tratto II

    studio reihe
    Interpret : Palm, Siegfried
    Ausgabe : CD
    Bestell-Nr. : WER 67762
    18,50 €  *
  5. Monolithen

    Monolithen

    Debussy | Zimmermann | Strawinsky
    Ausgabe : CD
    Bestell-Nr. : WER 68092
    18,50 €  *
  6. Vater und Sohn

    Vater und Sohn

    Intermezzo scherzoso von Paul Haletzky
    Komponist : Haletzky, Paul
    Besetzung : Orchester
    Ausgabe : Aufführungsmaterial
  7. Chunchitos

    Chunchitos

    für Orchester
    Besetzung : Orchester
    Ausgabe : Aufführungsmaterial
  8. Au village

    Au village

    für Orchester bearbeitet von Bernd Alois Zimmermann
    Komponist : Mussorgskij, Modest
    Besetzung : Orchester
    Ausgabe : Aufführungsmaterial
  9. Fantasia piccola

    Fantasia piccola

    für Orchester bearbeitet von Bernd Alois Zimmermann
    Besetzung : Orchester
    Ausgabe : Aufführungsmaterial
  10. O komm im Traum - Oh, quand je dors

    O komm im Traum - Oh, quand je dors

    für Tenor und Orchester bearbeitet von Bernd Alois Zimmermann
    Komponist : Liszt, Franz
    Besetzung : Tenor und Orchester
    Ausgabe : Aufführungsmaterial
    Sprache : deutsch - französisch

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