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Conlon  Nancarrow

Geboren: 27. Oktober 1912
Gestorben: 10. August 1997
Herkunftsland: Mexiko
Diese Musik ist die größte Entdeckung seit Webern und Ives... seine Musik ist überaus originell, erfreulich, konstruktiv und gleichzeitig emotional.... für mich ist es die beste Musik eines lebenden Komponisten. (György Ligeti) 

Conlon Nancarrow war ein Komponist amerikanischer Herkunft, der den größten Teil seines Lebens in Mexiko gelebt hat. Nancarrow ist vor allem wegen seiner Stücke für das Player-Piano (selbstspielendes Klavier) bekannt. Als einer der ersten Komponisten verwendete er mechanische Instrumente, um auf diesen Musik jenseits des menschlichen Spielvermögens zu verwirklichen. Den größten Teil seines Lebens in Abgeschiedenheit lebend, wurde Nancarrow erst in den 1980er Jahren bekannt. Seine Musik verbindet mathematische Schönheit und Anmut mit musikalischer Expressivität und einem schelmischen Sinn für Humor. Für Nancarrow bestand kein Gegensatz zwischen dem konstruktiven und dem expressiven Element in der Musik. Diese natürliche, organisch gewachsene "Doppel-Ästhetik" ist einer seiner bedeutendsten Beiträge zur Musikgeschichte. 

Geboren wurde der Komponist in Texarkana, Arkansas. In seiner Jugend spielte er Trompete in einer Jazzband, bevor er in Cincinnati und später in Boston mit Roger Sessions, Walter Piston und Nicolas Slonimsky Musik studierte. 1933 lernte er Arnold Schönberg in Boston kennen, als dieser dort als Professor tätig war. 1947 reiste Nancarrow wegen einer Erbschaft nach New York, wo er sich erstmals ein Player Piano kaufte und sich eine Maschine bauen ließ, die es ihm ermöglichte, dessen Notenrollen per Hand zu stanzen. Er selbst nahm weitere Umbauten am Player Piano vor, vergrößerte dessen dynamische Klangweite und erzeugte einen perkussiveren Klang, indem er die Hämmer mit Leder oder Metall beschlug.

In seinen ersten Stücken verband Nancarrow die harmonische Sprache und melodischen Motive von frühen Jazzpianisten wie Art Tatum mit einer außerordentlich komplizierten Metrik. Die ersten fünf Rollen, die Boogie-Woogie-Suite (später in Study No. 3 a-e umbenannt) weisen die meisten Bezüge zum Jazz auf. In seinen späteren, abstrakteren Kompositionen kommen Referenzen auf andere Musikstile kaum noch vor. Viele dieser späteren Stücke (die er stets "Studies" zu nennen pflegte) sind Kanons in der Augmentations- bzw. Diminutions- oder Proportionstechnik. Während etwa bei Johann Sebastian Bach Stücke in Kanontechnik noch recht einfache Verhältnisse wie 2:1 aufweisen, bewegen sich die Stimmen bei Nancarrow in viel komplexeren Relationen. So stehen die Stimmen der Study No. 40 im rhythmischen Verhältnis der Eulerschen Zahl dividiert durch die Kreiszahl pi, während in der Study No. 37 zwölf individuelle melodische Linien jeweils in individuellen Tempi fortschreiten.

Ab 1976 begann Peter Garland, Nancarrows Partituren in seiner Zeitschrift zu drucken, und Charles Amirkhanian veröffentlichte Aufnahmen der Stücke für Player Piano bei seinem 1750 Arch Label. Mit etwa 65 Jahren wurde Nancarrow einer breiteren Öffentlichkeit bekannt und in den 1980er Jahren schließlich als einer der bedeutendsten Komponisten des Jahrhunderts gewürdigt. Vor allem György Ligeti, der von der Musik seines mexikanischen Komponistenkollegen fasziniert war, setzte sich für Nancarrow ein und wurde zum wichtigsten Wegbereiter für die internationale Anerkennung seines musikalischen Lebenswerkes.
Im Jahr 1982 erhielt er den MacArthur Award, der zwar lediglich mit „0,000 über 5 Jahre“ dotiert war, jedoch das allgemeine Interesse an seiner Arbeit vergrößerte und ihn dazu bewegte, Stücke für herkömmliche Instrumente und kleine Ensembles zu komponieren. Anfang der 1990er Jahre brachte das Label Wergo Nancarrows gesamte Studies for Player Piano heraus. Einige seiner Studien wurden in dieser Zeit auch für lebendige Interpreten arrangiert. 1995 veröffentlichte der Komponist und Kritiker Kyle Gann eine 300-seitige Monographie über Nancarrows Musik („The Music of Conlon Nancarrow“, Cambridge University Press, 1995), und Jürgen Hocker schrieb die Biographie „Begegnungen mit Nancarrow“ (Schott Musik International, Mainz 2002).

Das gesamte Inventar von Nancarrows Studio einschließlich der Player-Piano-Rollen, der Instrumente, der Bibliothek und anderer Dokumente und Gegenstände liegt heute in der Paul Sacher Stiftung in Basel.

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Diese Musik ist die größte Entdeckung seit Webern und Ives... seine Musik ist überaus originell, erfreulich, konstruktiv und gleichzeitig emotional.... für mich ist es die beste Musik eines lebenden Komponisten. (György Ligeti) 

Conlon Nancarrow war ein Komponist amerikanischer Herkunft, der den größten Teil seines Lebens in Mexiko gelebt hat. Nancarrow ist vor allem wegen seiner Stücke für das Player-Piano (selbstspielendes Klavier) bekannt. Als einer der ersten Komponisten verwendete er mechanische Instrumente, um auf diesen Musik jenseits des menschlichen Spielvermögens zu verwirklichen. Den größten Teil seines Lebens in Abgeschiedenheit lebend, wurde Nancarrow erst in den 1980er Jahren bekannt. Seine Musik verbindet mathematische Schönheit und Anmut mit musikalischer Expressivität und einem schelmischen Sinn für Humor. Für Nancarrow bestand kein Gegensatz zwischen dem konstruktiven und dem expressiven Element in der Musik. Diese natürliche, organisch gewachsene "Doppel-Ästhetik" ist einer seiner bedeutendsten Beiträge zur Musikgeschichte. 

Geboren wurde der Komponist in Texarkana, Arkansas. In seiner Jugend spielte er Trompete in einer Jazzband, bevor er in Cincinnati und später in Boston mit Roger Sessions, Walter Piston und Nicolas Slonimsky Musik studierte. 1933 lernte er Arnold Schönberg in Boston kennen, als dieser dort als Professor tätig war. 1947 reiste Nancarrow wegen einer Erbschaft nach New York, wo er sich erstmals ein Player Piano kaufte und sich eine Maschine bauen ließ, die es ihm ermöglichte, dessen Notenrollen per Hand zu stanzen. Er selbst nahm weitere Umbauten am Player Piano vor, vergrößerte dessen dynamische Klangweite und erzeugte einen perkussiveren Klang, indem er die Hämmer mit Leder oder Metall beschlug.

In seinen ersten Stücken verband Nancarrow die harmonische Sprache und melodischen Motive von frühen Jazzpianisten wie Art Tatum mit einer außerordentlich komplizierten Metrik. Die ersten fünf Rollen, die Boogie-Woogie-Suite (später in Study No. 3 a-e umbenannt) weisen die meisten Bezüge zum Jazz auf. In seinen späteren, abstrakteren Kompositionen kommen Referenzen auf andere Musikstile kaum noch vor. Viele dieser späteren Stücke (die er stets "Studies" zu nennen pflegte) sind Kanons in der Augmentations- bzw. Diminutions- oder Proportionstechnik. Während etwa bei Johann Sebastian Bach Stücke in Kanontechnik noch recht einfache Verhältnisse wie 2:1 aufweisen, bewegen sich die Stimmen bei Nancarrow in viel komplexeren Relationen. So stehen die Stimmen der Study No. 40 im rhythmischen Verhältnis der Eulerschen Zahl dividiert durch die Kreiszahl pi, während in der Study No. 37 zwölf individuelle melodische Linien jeweils in individuellen Tempi fortschreiten.

Ab 1976 begann Peter Garland, Nancarrows Partituren in seiner Zeitschrift zu drucken, und Charles Amirkhanian veröffentlichte Aufnahmen der Stücke für Player Piano bei seinem 1750 Arch Label. Mit etwa 65 Jahren wurde Nancarrow einer breiteren Öffentlichkeit bekannt und in den 1980er Jahren schließlich als einer der bedeutendsten Komponisten des Jahrhunderts gewürdigt. Vor allem György Ligeti, der von der Musik seines mexikanischen Komponistenkollegen fasziniert war, setzte sich für Nancarrow ein und wurde zum wichtigsten Wegbereiter für die internationale Anerkennung seines musikalischen Lebenswerkes.
Im Jahr 1982 erhielt er den MacArthur Award, der zwar lediglich mit „0,000 über 5 Jahre“ dotiert war, jedoch das allgemeine Interesse an seiner Arbeit vergrößerte und ihn dazu bewegte, Stücke für herkömmliche Instrumente und kleine Ensembles zu komponieren. Anfang der 1990er Jahre brachte das Label Wergo Nancarrows gesamte Studies for Player Piano heraus. Einige seiner Studien wurden in dieser Zeit auch für lebendige Interpreten arrangiert. 1995 veröffentlichte der Komponist und Kritiker Kyle Gann eine 300-seitige Monographie über Nancarrows Musik („The Music of Conlon Nancarrow“, Cambridge University Press, 1995), und Jürgen Hocker schrieb die Biographie „Begegnungen mit Nancarrow“ (Schott Musik International, Mainz 2002).

Das gesamte Inventar von Nancarrows Studio einschließlich der Player-Piano-Rollen, der Instrumente, der Bibliothek und anderer Dokumente und Gegenstände liegt heute in der Paul Sacher Stiftung in Basel.
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