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Barbara Buchholz - Theremin: Russia With Love

Barbara Buchholz - Theremin: Russia With Love


  • Ausgabe: CD
  • Erscheinungsjahr: 2004
  • Bestell-Nr.: INT 33822
14,99 €  *
inkl. Mwst. und zzgl. Versandkosten Gewicht: 0.09 kg

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Beschreibung
Musik und Magie sind schon immer untrennbar miteinander verbunden.

Doch bei keinem anderen Instrument ist die Magie so offensichtlich wie beim Theremin. Um Theremin spielen zu können, muss man eine Affinität zum Zaubern haben. Jedes herkömmliche Instrument, auch das exotischste, erzeugt Klänge durch Berührung, durch Blasen, Streichen, Schlagen, Zupfen, Kratzen, Drücken. Das Theremin ist das einzige Instrument, das man zum Klingen animiert, ohne es zu berühren. Die in Berlin lebende Musikerin Barbara Buchholz machte sich zunächst als Jazz-Bassistin einen Namen, bevor sie das Theremin entdeckte und bei Lydia Kavina in Moskau studierte. „Ich habe das Theremin Anfang der Neunziger erstmalig gesehen, als Lydia Kavina im Thalia Theater zur Aufführung von Tom Waits‘ Alice spielte“, erzählt Barbara Buchholz. „Dieser Klang hat sich mir über Jahre eingebrannt, war aber damals für mich selbst nicht zu realisieren. Es gab keine Theremine zu kaufen und nicht einmal eine Idee, wie man einen Zugang dazu kriegen oder das Instrument lernen konnte. Ich lernte jedoch Lydia Kavina kennen. Irgendwann war klar, dass ich nach Moskau gehen und mich intensiv mit dem Instrument beschäftigen würde. Das Spiel auf dem Theremin sammelt für mich alle musikalischen Erfahrungen. Ich bin ja nicht nur Bassist, sondern habe auch gesungen und Querflöte studiert. Das Theremin ist ein Pool, in dem all das zusammen kommt.“

Das Theremin ist die Mutter aller elektronischen Instrumente. In den Zwanzigern von dem russischen Physiker Lew Thermen erfunden, sieht der seltsame Kasten mit seinen zwei Antennen aus wie ein ungelenker Vorfahr heutiger Außerirdischer. Die Antennen erzeugen ein Spannungsfeld, in dem man durch Handbewegung Töne erzeugt. Edgar Varése komponierte 1934 ein Stück für das Theremin, doch weit populärer wurde sein Klang durch den Einsatz in Alfred Hitchcocks Mystery-Thriller „Ich Kämpfe Um Dich“, zu dem kein Geringerer als Salvador Dali Kulissen malte und Traumsequenzen erfand. Noch spannender als seine Geschichte ist die Spielweise auf dem Theremin. Sie funktioniert wie ein verkehrtes Ballett. Spielt man normalerweise Musik, um Bewegung auszulösen, muss man vor dem Theremin tanzen, um es zum Klingen zu bringen. „Es ist eine ganz poetische Spielweise. Man hebt elegant die Hand und erzielt plötzlich den höchsten Klangpegel, ohne auf etwas draufzuhauen oder rumzukratzen. Alles ist leicht und tänzerisch. Jeder Musiker hat einen körperlichen Bezug zu seinem Instrument. Der Eine hat gern etwas im Mund, der Andere in der Hand. Für mich ist es, als hätte ich schon immer Theremin gespielt. Ich muss mir da nichts überlegen.“

Vielleicht ist es kein Zufall, dass Barbara Buchholz ausgerechnet vom Bass zum Theremin kam, denn beide Klangerzeuger gehören zu den ganz wenigen Ganzkörperinstrumenten, die man nicht nur aus der Kombination weniger Körperöffnungen und Extremitäten spielt, sondern die vollen körperlichen Einsatz verlangen. Barbara Buchholz faszinieren jedoch genauso die Gemeinsamkeiten wie die Gegensätze zwischen beiden Instrumenten.

„Am Bass habe ich eher ein geerdetes Gefühl. Aber so ätherisch es wirkt, ist man auch auf dem Theremin irgendwie geerdet.
Mich fasziniert die absolute Konzentration, mit der man auf dem Theremin spielen muss. Wenn man nicht ganz und gar in das Instrument eintaucht, kann man darauf nicht intonieren. Es gibt keine Fingersätze, die man üben könnte, bis sie sich verselbständigen. Man muss in jedem Augenblick voll im Klang stecken. Bei jedem anderen Instrument läuft irgendwas automatisch. Beim Theremin ist alles Intuition.“

Mit Barbara Buchholz erliegt auch der Hörer unweigerlich der einzigartigen, exotischen, ebenso futuristischen wie nostalgischen Anmut des Theremins. Doch Dank ihrer Auseinandersetzung mit anderen Instrumenten bewahrt sie uns davor, in Fallen des Kitsch oder der Esoterik zu tappen, die der verführerische Sound des Theremin impliziert. Ihre Stücke sind warm, aber komplex, der Sound des Instruments steht nie so weit im Vordergrund, dass er die Musik dominieren würde. Barbara Buchholz findet einen völlig neuen, unverstellten Zugang zum Theremin. Sie arbeitet mit Samples und Jazz-Strukturen. „Es gibt genug Leute, die das Theremin als nostalgisches Instrument betrachten und heute dasselbe damit machen wie zur Zeit seiner Erfindung, nämlich Musik aus der Romantik zu spielen. Es gab ja keine Kompositionen für Theremin. Selbst Lew Thermen hat das Repertoire der Romantik darauf gespielt. Es sollte stets dem Vergleich mit der Geige standhalten, wurde jedoch mit etwas verglichen, das es gar nicht sein konnte. Das muss man nicht wiederholen. Für mich ist es ein ganz zeitgenössisches Instrument. Man spürt die Elektronik, sieht aber auch den Menschen dahinter. Ich finde es nach dem hohen technischen Standard der Neunziger absolut erholsam und entspannend, dass man jetzt mit Elektronik auch wieder einen menschlichen Charme verbinden kann.“

Wenn man den Klang des Theremins überhaupt mit dem eines anderen Instruments vergleichen kann, dann mit jenem der singenden Säge. Sein Klang ist magisch, und Barbara Buchholz gesteht frei heraus, dass sie gerade wegen dieser Magie in ihr Instrument verliebt ist. Magisch klingt auch der Titel des Albums. „Russia With Love“ assoziiert natürlich sofort den James Bond-Klassiker mit dem fast deckungsgleichen Titel. Doch Barbara Buchholz löst dieses Logo aus der Romantik des Kalten Krieges und rückt es in die Gegenwart. „Meine Russland-Aufenthalte waren notwendig, um zurück zu den Wurzeln zu gehen und die Herkunft des Instruments zu ergründen. Dort habe ich viele Künstler kennen gelernt, mit denen ich arbeite und auch in Zukunft arbeiten werde. Ich habe noch nie ein Land mit so starken Gegensätzen erlebt. In Russland gibt es einfach keine Mitte. Es gibt nur Arm und Reich, Melancholie und Punk, Schräg und Schön. Nichts dazwischen. Meine Musik ist ein Nachklang dieser Zeit. Momentaufnahmen verschiedener Stimmungen. Ursprünglich sollte das Album viel gegensätzlicher sein und neben den melodiösen Seiten auch den Punk zeigen. Wir haben wilde Noise-Improvisationen eingespielt, für die ich mich aber am Ende nicht entscheiden konnte.“

Und das ist gut so, denn „Russia With Love“ ist vom ersten bis zum letzten Ton eine in sich stimmige Reise durch Raum und Zeit, Wärme und Kälte, Erinnerung und Ahnung sowie „Menschlichkeit und Technik. Ich fühle mich, als würde ich singen. Oft singe ich auch innerlich. Lydia Kavina sagte mal, das Zittern und die Schwäche des Theremin sind zugleich auch seine Stärke. Daraus kann jeder machen, was er will. Für mich hat es etwas Tröstendes.“

www.barbarabucholz.com



Barbara Buchholz: theremin / Tilmann Dehnhard: flute, clarinet / Olga Heppner: violin / Paul Kleber: double bass / Jan Krause: bass, percussion / Victoria Perskaya: vocals / Yuliya Shmunk: voice / Morin Smolé: vocals / Leonid Soybelman: guitar / Matthias Trippner: drums, keyboards
Details
Inhaltstext: Coyote
Sokolniki
Eclipse
Prospekt Mira
Seaweed
Hunting
Ay Ne Ne
Klarnet Karla
Lullaby
Hidden Melody
Habtap
Voyage
Notchnoy Monolog
Spieldauer: 46'17"
UPC: 750447338227
Verlag: Intuition
Musik und Magie sind schon immer untrennbar miteinander verbunden.

Doch bei keinem anderen Instrument ist die Magie so offensichtlich wie beim Theremin. Um Theremin spielen zu können, muss man eine Affinität zum Zaubern haben. Jedes herkömmliche Instrument, auch das exotischste, erzeugt Klänge durch Berührung, durch Blasen, Streichen, Schlagen, Zupfen, Kratzen, Drücken. Das Theremin ist das einzige Instrument, das man zum Klingen animiert, ohne es zu berühren. Die in Berlin lebende Musikerin Barbara Buchholz machte sich zunächst als Jazz-Bassistin einen Namen, bevor sie das Theremin entdeckte und bei Lydia Kavina in Moskau studierte. „Ich habe das Theremin Anfang der Neunziger erstmalig gesehen, als Lydia Kavina im Thalia Theater zur Aufführung von Tom Waits‘ Alice spielte“, erzählt Barbara Buchholz. „Dieser Klang hat sich mir über Jahre eingebrannt, war aber damals für mich selbst nicht zu realisieren. Es gab keine Theremine zu kaufen und nicht einmal eine Idee, wie man einen Zugang dazu kriegen oder das Instrument lernen konnte. Ich lernte jedoch Lydia Kavina kennen. Irgendwann war klar, dass ich nach Moskau gehen und mich intensiv mit dem Instrument beschäftigen würde. Das Spiel auf dem Theremin sammelt für mich alle musikalischen Erfahrungen. Ich bin ja nicht nur Bassist, sondern habe auch gesungen und Querflöte studiert. Das Theremin ist ein Pool, in dem all das zusammen kommt.“

Das Theremin ist die Mutter aller elektronischen Instrumente. In den Zwanzigern von dem russischen Physiker Lew Thermen erfunden, sieht der seltsame Kasten mit seinen zwei Antennen aus wie ein ungelenker Vorfahr heutiger Außerirdischer. Die Antennen erzeugen ein Spannungsfeld, in dem man durch Handbewegung Töne erzeugt. Edgar Varése komponierte 1934 ein Stück für das Theremin, doch weit populärer wurde sein Klang durch den Einsatz in Alfred Hitchcocks Mystery-Thriller „Ich Kämpfe Um Dich“, zu dem kein Geringerer als Salvador Dali Kulissen malte und Traumsequenzen erfand. Noch spannender als seine Geschichte ist die Spielweise auf dem Theremin. Sie funktioniert wie ein verkehrtes Ballett. Spielt man normalerweise Musik, um Bewegung auszulösen, muss man vor dem Theremin tanzen, um es zum Klingen zu bringen. „Es ist eine ganz poetische Spielweise. Man hebt elegant die Hand und erzielt plötzlich den höchsten Klangpegel, ohne auf etwas draufzuhauen oder rumzukratzen. Alles ist leicht und tänzerisch. Jeder Musiker hat einen körperlichen Bezug zu seinem Instrument. Der Eine hat gern etwas im Mund, der Andere in der Hand. Für mich ist es, als hätte ich schon immer Theremin gespielt. Ich muss mir da nichts überlegen.“

Vielleicht ist es kein Zufall, dass Barbara Buchholz ausgerechnet vom Bass zum Theremin kam, denn beide Klangerzeuger gehören zu den ganz wenigen Ganzkörperinstrumenten, die man nicht nur aus der Kombination weniger Körperöffnungen und Extremitäten spielt, sondern die vollen körperlichen Einsatz verlangen. Barbara Buchholz faszinieren jedoch genauso die Gemeinsamkeiten wie die Gegensätze zwischen beiden Instrumenten.

„Am Bass habe ich eher ein geerdetes Gefühl. Aber so ätherisch es wirkt, ist man auch auf dem Theremin irgendwie geerdet.
Mich fasziniert die absolute Konzentration, mit der man auf dem Theremin spielen muss. Wenn man nicht ganz und gar in das Instrument eintaucht, kann man darauf nicht intonieren. Es gibt keine Fingersätze, die man üben könnte, bis sie sich verselbständigen. Man muss in jedem Augenblick voll im Klang stecken. Bei jedem anderen Instrument läuft irgendwas automatisch. Beim Theremin ist alles Intuition.“

Mit Barbara Buchholz erliegt auch der Hörer unweigerlich der einzigartigen, exotischen, ebenso futuristischen wie nostalgischen Anmut des Theremins. Doch Dank ihrer Auseinandersetzung mit anderen Instrumenten bewahrt sie uns davor, in Fallen des Kitsch oder der Esoterik zu tappen, die der verführerische Sound des Theremin impliziert. Ihre Stücke sind warm, aber komplex, der Sound des Instruments steht nie so weit im Vordergrund, dass er die Musik dominieren würde. Barbara Buchholz findet einen völlig neuen, unverstellten Zugang zum Theremin. Sie arbeitet mit Samples und Jazz-Strukturen. „Es gibt genug Leute, die das Theremin als nostalgisches Instrument betrachten und heute dasselbe damit machen wie zur Zeit seiner Erfindung, nämlich Musik aus der Romantik zu spielen. Es gab ja keine Kompositionen für Theremin. Selbst Lew Thermen hat das Repertoire der Romantik darauf gespielt. Es sollte stets dem Vergleich mit der Geige standhalten, wurde jedoch mit etwas verglichen, das es gar nicht sein konnte. Das muss man nicht wiederholen. Für mich ist es ein ganz zeitgenössisches Instrument. Man spürt die Elektronik, sieht aber auch den Menschen dahinter. Ich finde es nach dem hohen technischen Standard der Neunziger absolut erholsam und entspannend, dass man jetzt mit Elektronik auch wieder einen menschlichen Charme verbinden kann.“

Wenn man den Klang des Theremins überhaupt mit dem eines anderen Instruments vergleichen kann, dann mit jenem der singenden Säge. Sein Klang ist magisch, und Barbara Buchholz gesteht frei heraus, dass sie gerade wegen dieser Magie in ihr Instrument verliebt ist. Magisch klingt auch der Titel des Albums. „Russia With Love“ assoziiert natürlich sofort den James Bond-Klassiker mit dem fast deckungsgleichen Titel. Doch Barbara Buchholz löst dieses Logo aus der Romantik des Kalten Krieges und rückt es in die Gegenwart. „Meine Russland-Aufenthalte waren notwendig, um zurück zu den Wurzeln zu gehen und die Herkunft des Instruments zu ergründen. Dort habe ich viele Künstler kennen gelernt, mit denen ich arbeite und auch in Zukunft arbeiten werde. Ich habe noch nie ein Land mit so starken Gegensätzen erlebt. In Russland gibt es einfach keine Mitte. Es gibt nur Arm und Reich, Melancholie und Punk, Schräg und Schön. Nichts dazwischen. Meine Musik ist ein Nachklang dieser Zeit. Momentaufnahmen verschiedener Stimmungen. Ursprünglich sollte das Album viel gegensätzlicher sein und neben den melodiösen Seiten auch den Punk zeigen. Wir haben wilde Noise-Improvisationen eingespielt, für die ich mich aber am Ende nicht entscheiden konnte.“

Und das ist gut so, denn „Russia With Love“ ist vom ersten bis zum letzten Ton eine in sich stimmige Reise durch Raum und Zeit, Wärme und Kälte, Erinnerung und Ahnung sowie „Menschlichkeit und Technik. Ich fühle mich, als würde ich singen. Oft singe ich auch innerlich. Lydia Kavina sagte mal, das Zittern und die Schwäche des Theremin sind zugleich auch seine Stärke. Daraus kann jeder machen, was er will. Für mich hat es etwas Tröstendes.“

www.barbarabucholz.com



Barbara Buchholz: theremin / Tilmann Dehnhard: flute, clarinet / Olga Heppner: violin / Paul Kleber: double bass / Jan Krause: bass, percussion / Victoria Perskaya: vocals / Yuliya Shmunk: voice / Morin Smolé: vocals / Leonid Soybelman: guitar / Matthias Trippner: drums, keyboards
Inhaltstext: Coyote
Sokolniki
Eclipse
Prospekt Mira
Seaweed
Hunting
Ay Ne Ne
Klarnet Karla
Lullaby
Hidden Melody
Habtap
Voyage
Notchnoy Monolog
Spieldauer: 46'17"
UPC: 750447338227
Verlag: Intuition
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