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Das Nusch-Nuschi

Das Nusch-Nuschi

Ein Spiel für burmanische Marionetten in einem Akt


  • Ausgabe: CD
  • Erscheinungsjahr: 1988
  • Bestell-Nr.: WER 60146-50
18,50 €  *
inkl. Mwst. und zzgl. Versandkosten Gewicht: 0.1 kg

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Beschreibung
Hindemith hat offensichtlich erst nach der Vollendung seines Einakters „Mörder, Hoffnung der Frauen“ (Text von Oskar Kokoschka) op. 12 den Plan gefasst, dieses Werk durch zwei weitere Einakter zu einem Tryptichon zu komplettieren. Der Einakter „Das Nusch-Nuschi“ (Text von Franz Beil) op. 20 als das zweite Werk dieser Reihe entstand erst ein Jahr nach „Mörder, Hoffnung der Frauen“ – Hindemith schloss die Komposition am 14. August 1920 ab -, „Sancta Susanna“ (Text von August Stramm) op. 21 beendete er hingegen schon am 5. Februar 1921. Wahrscheinlich hat Hindemith die Texte von Blei und Stamm gleichzeitig entdeckt und sofort die Möglichkeit erkannt, die Thematik von „Mörder, Hoffnung der Frauen“ durch diese beiden Stücke fortzuführen und zu ergänzen. So entstand ein Tryptichon von Einaktern, die inhaltlich-thematisch unmittelbar zusammengehören; denn die drei Werke verhandeln identische Sachverhalte unter drei grundsätzlich unterschiedlichen Ansichten, sei es die Sexualität, der Kulturraum, die Art der Bestrafung, die Gewaltausübung oder die Verklärung.
Hindemith hat in seiner Vertonung der drei Stücke, die er in einen komplementären Zusammenhang rückt, einerseits unmittelbar an den Text angeschlossen und in der Konzeption seiner Musik ein Äquivalent für das Sujet gesucht. Er führt „Mörder, Hoffnung der Frauen“ als Sonatensatz aus, „Das Nusch-Nuschi“ als lose Reihung relativ geschlossener Abschnitte, die teilweise rondoartig wiederkehren, während er die „Sancta Susanna“ in der Variationsform gestaltet. Die drei Einakter sind demnach in all ihren Besonderheiten aufeinander zukomponiert. Trennt man sie und verabsolutiert man ihre jeweilige Intention, müssen notwendigerweise Missverständnisse über das von Hindemith gemeinte entstehen.
„Das Nusch-Nuschi“ repräsentiert im Zusammenhang des Tryptichons die übermütige Burleske, und Hindemith hat in seiner Vertonung die bereits im Text angelegten witzigen, zotigen oder parodistischen Momente nicht nur in seiner Musik abgebildet, sondern sie darüber hinaus noch gesteigert. So entstand eine ebenso drastische wie anspielungsreiche Partitur, deren Anklänge, Assoziationen oder Allusionen gleichsam in jedem Moment in einem wörtlichen Zitat konkretisiert werden können. Es ist eine Musik über die moderne Musik der Jahrhundertwende, deren besondere Stilbereiche Hindemith auch dann parodiert, wenn er sie selbst etwa in „Mörder, Hoffnung der Frauen“ noch verwendet. Aus dem Ursprungswerk der musikalischen Moderne schlechthin, aus Wagners „Tristan und Isolde“ zitiert Hindemith direkt; und er lässt auf diese Zitat nach den Worten des Kaisers: „Wohin nun Ehr und echte Art…“ aus dem dritten Bild sogleich ein Zitat des Hauptthemas aus Richard Strauss’ „Till Eulenspiegel“ folgen.
Hindemith schreibt mit „Das Nusch-Nuschi“ seine virtuoseste Orchesterpartitur überhaupt. Die Virtuosität und souveräne Kunstfertigkeit der Partitur musste freilich umso mehr verwirren, ja bestürzen und verärgern, als Hindemith hier einen leichtsinnigen oder doch leichtgewichtigeren Text unter parodistischen Vorzeichen vertont. Die Presse reagierte auf die Uraufführung von „Das Nusch-Nuschi“ am 3. Juli 1921 in Stuttgart unter der Leitung von Fritz Busch und mit Bühnenbildern von Oskar Schlemmer jedoch mit einer hasserfüllten Heftigkeit und verräterischer Aggressivität, die in dieser Form vielleicht doch nicht zu erwarten gewesen war. Hier wird schon 1921 die Sprache der Kunstkritik in Deutschland seit 1933 antizipiert.
„Das Nusch-Nuschi“ ist in den zwanziger Jahren nur noch in Frankfurt, Prag (Dirigent war Alexander Zemlinsky), Essen und Berlin aufgeführt worden; in den dreißiger Jahren nur in Antwerpen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte das Werk bislang nur eine szenische Aufführung, die 1969 in Darmstadt stattfand.

Ersteinspielung

Harald Stamm: bass (Mung Tha Bya, Kaiser von Burma; Bettler; 1. Herold; 2. Dichter) / Marten Schumacher: speaking part (Ragweng, der Kronprinz) / Victor von Halem: bass (Feldgeneral Kyce Waing; Zeremonienmeister) / Josef Becker: bass (Henker) / David Knutson: tenor, falsetto (Susulü, Eunuch des Kaisers) / Wilfried Gahmlich: tenor (Tum Tum, Diener des Zatwai) / Peter Maus: tenor (Kamadewa; 1. Dichter) / Alejandro Ramirez: tenor (2. Herold) / Verena Schweizer: soprano (Bangsa, 1. Frau des Kaisers; 1. Mädchen) / Celina Lindsley: coloratura soprano (Osasa, 2. Frau des Kaisers) / Gabriele Schreckenbach: alto (Twaise, 3. Frau des Kaisers; 2. Mädchen) / Gudrun Sieber: soprano (Ratasata, 4. Frau des Kaisers; 3. Mädchen) / Georgine Resick: soprano (1. Bajadere) / Gisela Pohl: alto (2. Bajadere) / Werner Marschall: tenor (1. dressierter Affe) / Manfred Kleber: tenor (2. dressierter Affe) / Radio-Symphonie-Orchester Berlin / Gerd Albrecht: conductor
Details
EAN: 4010228614626
Inhaltstext: Das Nusch-Nuschi op. 20: Ein Spiel für burmanische Marionetten in einem Akt
Spieldauer: 59'50"
Verlag: Wergo
Hindemith hat offensichtlich erst nach der Vollendung seines Einakters „Mörder, Hoffnung der Frauen“ (Text von Oskar Kokoschka) op. 12 den Plan gefasst, dieses Werk durch zwei weitere Einakter zu einem Tryptichon zu komplettieren. Der Einakter „Das Nusch-Nuschi“ (Text von Franz Beil) op. 20 als das zweite Werk dieser Reihe entstand erst ein Jahr nach „Mörder, Hoffnung der Frauen“ – Hindemith schloss die Komposition am 14. August 1920 ab -, „Sancta Susanna“ (Text von August Stramm) op. 21 beendete er hingegen schon am 5. Februar 1921. Wahrscheinlich hat Hindemith die Texte von Blei und Stamm gleichzeitig entdeckt und sofort die Möglichkeit erkannt, die Thematik von „Mörder, Hoffnung der Frauen“ durch diese beiden Stücke fortzuführen und zu ergänzen. So entstand ein Tryptichon von Einaktern, die inhaltlich-thematisch unmittelbar zusammengehören; denn die drei Werke verhandeln identische Sachverhalte unter drei grundsätzlich unterschiedlichen Ansichten, sei es die Sexualität, der Kulturraum, die Art der Bestrafung, die Gewaltausübung oder die Verklärung.
Hindemith hat in seiner Vertonung der drei Stücke, die er in einen komplementären Zusammenhang rückt, einerseits unmittelbar an den Text angeschlossen und in der Konzeption seiner Musik ein Äquivalent für das Sujet gesucht. Er führt „Mörder, Hoffnung der Frauen“ als Sonatensatz aus, „Das Nusch-Nuschi“ als lose Reihung relativ geschlossener Abschnitte, die teilweise rondoartig wiederkehren, während er die „Sancta Susanna“ in der Variationsform gestaltet. Die drei Einakter sind demnach in all ihren Besonderheiten aufeinander zukomponiert. Trennt man sie und verabsolutiert man ihre jeweilige Intention, müssen notwendigerweise Missverständnisse über das von Hindemith gemeinte entstehen.
„Das Nusch-Nuschi“ repräsentiert im Zusammenhang des Tryptichons die übermütige Burleske, und Hindemith hat in seiner Vertonung die bereits im Text angelegten witzigen, zotigen oder parodistischen Momente nicht nur in seiner Musik abgebildet, sondern sie darüber hinaus noch gesteigert. So entstand eine ebenso drastische wie anspielungsreiche Partitur, deren Anklänge, Assoziationen oder Allusionen gleichsam in jedem Moment in einem wörtlichen Zitat konkretisiert werden können. Es ist eine Musik über die moderne Musik der Jahrhundertwende, deren besondere Stilbereiche Hindemith auch dann parodiert, wenn er sie selbst etwa in „Mörder, Hoffnung der Frauen“ noch verwendet. Aus dem Ursprungswerk der musikalischen Moderne schlechthin, aus Wagners „Tristan und Isolde“ zitiert Hindemith direkt; und er lässt auf diese Zitat nach den Worten des Kaisers: „Wohin nun Ehr und echte Art…“ aus dem dritten Bild sogleich ein Zitat des Hauptthemas aus Richard Strauss’ „Till Eulenspiegel“ folgen.
Hindemith schreibt mit „Das Nusch-Nuschi“ seine virtuoseste Orchesterpartitur überhaupt. Die Virtuosität und souveräne Kunstfertigkeit der Partitur musste freilich umso mehr verwirren, ja bestürzen und verärgern, als Hindemith hier einen leichtsinnigen oder doch leichtgewichtigeren Text unter parodistischen Vorzeichen vertont. Die Presse reagierte auf die Uraufführung von „Das Nusch-Nuschi“ am 3. Juli 1921 in Stuttgart unter der Leitung von Fritz Busch und mit Bühnenbildern von Oskar Schlemmer jedoch mit einer hasserfüllten Heftigkeit und verräterischer Aggressivität, die in dieser Form vielleicht doch nicht zu erwarten gewesen war. Hier wird schon 1921 die Sprache der Kunstkritik in Deutschland seit 1933 antizipiert.
„Das Nusch-Nuschi“ ist in den zwanziger Jahren nur noch in Frankfurt, Prag (Dirigent war Alexander Zemlinsky), Essen und Berlin aufgeführt worden; in den dreißiger Jahren nur in Antwerpen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte das Werk bislang nur eine szenische Aufführung, die 1969 in Darmstadt stattfand.

Ersteinspielung

Harald Stamm: bass (Mung Tha Bya, Kaiser von Burma; Bettler; 1. Herold; 2. Dichter) / Marten Schumacher: speaking part (Ragweng, der Kronprinz) / Victor von Halem: bass (Feldgeneral Kyce Waing; Zeremonienmeister) / Josef Becker: bass (Henker) / David Knutson: tenor, falsetto (Susulü, Eunuch des Kaisers) / Wilfried Gahmlich: tenor (Tum Tum, Diener des Zatwai) / Peter Maus: tenor (Kamadewa; 1. Dichter) / Alejandro Ramirez: tenor (2. Herold) / Verena Schweizer: soprano (Bangsa, 1. Frau des Kaisers; 1. Mädchen) / Celina Lindsley: coloratura soprano (Osasa, 2. Frau des Kaisers) / Gabriele Schreckenbach: alto (Twaise, 3. Frau des Kaisers; 2. Mädchen) / Gudrun Sieber: soprano (Ratasata, 4. Frau des Kaisers; 3. Mädchen) / Georgine Resick: soprano (1. Bajadere) / Gisela Pohl: alto (2. Bajadere) / Werner Marschall: tenor (1. dressierter Affe) / Manfred Kleber: tenor (2. dressierter Affe) / Radio-Symphonie-Orchester Berlin / Gerd Albrecht: conductor
EAN: 4010228614626
Inhaltstext: Das Nusch-Nuschi op. 20: Ein Spiel für burmanische Marionetten in einem Akt
Spieldauer: 59'50"
Verlag: Wergo