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Jim Beard & V. Mendoza - Revolutions

Jim Beard & V. Mendoza - Revolutions


  • Ausgabe: CD, Hybrid CD / SACD
  • Erscheinungsjahr: 2008
  • Bestell-Nr.: INT 34182
14,99 €  *
inkl. Mwst. und zzgl. Versandkosten Gewicht: 0.07 kg

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Beschreibung

Bei seinem neuesten Album, einem ambitionierten Orchesterprojekt mit dem Titel Revolutions, greift Beard mit dem niederländischen Metropole-Orchester unter der Leitung des Dirigenten und Arrangeurs Vince Mendoza einige seiner älteren Kompositionen wieder auf. Diese groß angelegten Neufassungen von Stücken wie "Parsley Trees", "Crossing Troll Bridge" und "Holodeck Waltz" (aus Song of the Sun), "Holiday for Pete and Gladys" (aus Lost at the Carnival), "In All Her Finery" (aus Truly...) und "Hope" und "Trip" (aus Advocate) bestätigen die Tiefe von Beards überragendem kompositorischen Können. Und auch wenn sich entlang des Weges gewisse Einflüsse zeigen - ein Hauch von Aaron Copland hier, ein bisschen Burt Bacharach und eine gesunde Dosis Joe Zawinul mit gelegentlichen Anflügen von Igor Strawinsky da -, weisen seine Kompositionen, von denen jede in ihrem eigenen Orbit kreist, doch eine unbestreitbare Individualität auf.

Als Sideman hat Keyboarder Jim Beard eine eindrucksvolle Zahl von Einsätzen bei Tourneen und Aufnahmen mit Leuten wie Pat Metheny, Wayne Shorter, John McLaughlin, John Scofield, Mike Stern, Bill Evans, Bob Berg, Victor Bailey und den Brecker Brothers vorzuweisen. Aber erst als eigenständiger Leader hat der in Philadelphia geborene und an der Indiana University studierte Musiker sich als begnadeter Arrangeur, versierter Komponist, gefragter Produzent und cleverer Konzeptualist profiliert. Wie er einmal in einem Interview sagte: "Ich habe keine Angst davor, in meiner Musik Humor zu verwenden."

Im Laufe von vier Aufnahmen unter seiner Leitung - 1990 Song of the Sun, 1994 Lost at the Carnival, 1997 Truly... und 1999 The Advocate - hat Beard wegen seiner ausgereiften Harmonik und waghalsigen musikalischen Instinkte die Aufmerksamkeit von Kritikern und Musikerkollegen gleichermaßen erlangt. VH1 verriet, dass sein Album Lost at the Carnival auf "ein Treffen von Groucho Marx und Miles Davis oder vielleicht Errol Garner und Strawinsky" anspielen würde. Altsax-Star David Sanborn sagte, Beard habe "einen der frischesten musikalischen Standpunkte weit und breit", während Pat Metheny ihn als "eines der, wie ich finde, besten Beispiele für einen jungen Musiker ist, der sich in der Jazzsprache auskennt, aber sich auch dem Abenteuer- und Entdeckergeist verschrieben hat, der unabdingbar ist, um immer weiterzugehen" bezeichnete.

"Dieses Album war gar nicht als CD geplant", erklärt der Komponist, der 1985 nach New York gezogen ist und seitdem in Manhattan lebt.  "Ursprünglich war es für eine rein europäische Radiosendung gedacht. Die erste Session fand im März 2005 statt, und zwei Jahre später, nachdem wir beschlossen hatten, noch mehr einzuspielen, um eine komplette CD daraus zu machen, gingen wir zurück ins Studio, um weitere Songs mit dem Orchester aufzunehmen." Beard fügt hinzu, dass es ein beflügelndes Erlebnis war, seine Songs von 21 Violinen, einer Ansammlung von Cellos und Kontrabässen sowie Harfe und Cembalo gespielt zu hören. "Es ist der absolute Wahnsinn, einen Raum voller Leute zu betreten und sie alle Dinge proben und üben zu hören, die man selbst geschrieben hat. Das war ein echt merkwürdiges und sogar Demut verursachendes Gefühl. Denn ich glaube, die größte Gruppe, mit der ich jemals auf Tour war, war ein Sextett, und hier war ich nun in einem Raum mit 55 Musikern. Das war wirklich abgefahren."

Auf seinen Originalaufnahmen hat Beard Orchesterarrangements unter cleverem Einsatz von Synthesizern (ähnlich, wie es Vorbild Joe Zawinul bei Weather Report gemacht hat) angeglichen. Er erklärt: "Ich hatte schon immer ein starkes Interesse daran, Dinge ein kleines bisschen anders zu arrangieren und zu realisieren als in der üblichen Jazzbesetzung von Klaviertrio mit ein oder zwei Hörnern. Auf meiner ersten CD (Song of the Sun) zum Beispiel habe ich Bob Mintzer an der Bassklarinette und Lenny Pickett am Sarrusophon und an der Es-Klarinette dazugeholt. Und ich verwende den Synthesizer nicht wirklich als Soloinstrument. In erster Linie sehe ich ihn als etwas, mit dem man Klang manipulieren kann. Ich denke, dass in gewisser Weise ein großer Teil meiner Kompositionen und Arrangements schon auf einen orchestralen Ausdruck hingedeutet hat. Aber dies hier ist das erste Mal, dass es tatsächlich passiert ist, und ich bin total hin und weg."

Beard sagt, dass er schon immer eklektisch musikalisch war, und bezieht sich dabei auf seine prägenden Jahre in Philadelphia. "Als mein Interesse für den Jazz aufkeimte, hatte ich das übliche leidenschaftliche Faible für viele der großen Klavierspieler. Als Teenager hatte ich meine Oscar-Peterson-Phase, danach hatte ich eine Phase, in der ich total auf McCoy Tyner stand. Und natürlich hat jeder Klavierspieler irgendwann einmal Herbie Hancock zum Idol. Aber zur gleichen Zeit hörte ich auch gern Weather Report und einige von Chick Coreas Alben aus den späten Siebzigern wie The Mad Hatter, das für mich zu einem der besten Sachen von Chick gehört, die er je arrangiert und geschrieben hat. Er setzt darauf ein Streichquartett ein und verwendet auch ein Mini-Moog, allerdings mehr für die Strukturen und Klangfarbe.  Und er setzt eine Stimme ein, die keine Worte singt, sondern auch nur der Stimmung dient. Er hat wirklich ein paar verrückte Dinge auf diesem Album gemacht, allein was das Arrangement und die Instrumente betrifft."

Auf Revolutions unternimmt Beard selbst ein paar verrückte Sachen, und zwar mit Hilfe von Mendoza, der früher sein goldenes Arrangeurshändchen bei erweiterten Neufassungen von Brecker Brothers-Songs auf dem Album Some Skunk Funk von 2005 und bei Kompositionen von Joe Zawinul auf dem Album Brown Street von 2006 hat spielen lassen; beide Alben wurden übrigens mit der WDR Bigband Köln produziert. Hier fügt er zu Beards ungewöhnlichen Motiven und aufwändigen Kompositionen mit Taktwechseln Streicher und üppige Horn-Voicings hinzu, was zu aufregenden Ergebnissen führt. Die Sessions wurden alle live und in Realzeit aufgenommen. Wie Jim sagt: "Ich war die ganze Zeit mit dem Orchester im Raum. Es gab kein Overdubbing eines vorab aufgenommenen Rhythmustracks. Nichts von all dem. Es gab nur ein "OK, los geht's… jetzt alle zusammen."

Der Eröffnungssong "Holiday For Pete and Gladys" beginnt mit einem ausgelassenen Klavierriff von Professor Longhair, bevor er mit dem ganzen Ensemble stark nach links auf schwieriges musikalisches Terrain herüberzieht. "Das ist die Lieblingsstelle von allen in diesem Song, dieser Beginn", sagt Beard mit schelmischem Stolz. "Man hat das Gefühl, als rutsche man bei diesem Eröffnungsriff vom Stuhl oder so. Aber dann wollte ich eine ganz bestimmte Stimmung hervorrufen, wie auf den coolen Alben aus den Fünfzigern, die so toll sind. 'Cha-Cha D’Amor' ist ein Song von damals mit genau diesem Feeling, der von Dean Martin gesungen worden war. Ich mag den ruhigen, irgendwie ausgeglichenen Groove des Songs, aber ich warte auch darauf, dass sich aus der Harmonie Abenteuer und Überraschung entwickeln." Hier ist auch ein feiner unterschwelliger Mambo zu finden, zusammen mit Anspielungen auf Burt Bacharachs Kompositionen aus den sechziger Jahren. "Ich mag Bacharachs Musik", sagt Beard. "Stücke wie 'Do You Know The Way To San Jose' sind unglaublich, so aufregend und unberechenbar. Und das Unglaubliche ist, dass sie Hits waren. So etwas findet man heute nicht mehr. Die Typen der Musikindustrie würden sie auf ihrem Schreibtisch verschimmeln lassen."

Im Hüllentext von Revolutions bezieht sich Gitarrist und Beards langjähriger Kollege Jon Herington auf "einen Funken Radikalität, der ab und zu in einigen von Jims Kompositionen zum Vorschein kommt". Diese Eigenschaft zeigt sich in den sehr dichten Passagen und im dissonanten Crescendo von "Hope", dem Arrangeur Mendoza den Spitznamen "Strawinsky-Stück" gegeben hat. Und trotz der Dunkelheit, die Teile dieses Stücks kennzeichnet, liegt ihm auch ein Gefühl von Besserung und Licht zugrunde, wie auch der Titel impliziert. "Manchmal muss Hoffnung einfach aus völligem Wahnsinn heraus entstehen", sagt der Komponist. Jims Synthesizersolo ist besonders Zawinul-ähnlich. Er bemerkt auch, dass Perkussionist Arto Tuncboyacian auf der Originalaufnahme einige verrückte wortlose Vocals zum Stück beigesteuert hat. In dieser neuen Orchesterfassung hat Mendoza Artos Gesangspart transkribiert und für Streicher arrangiert. "Es wurde also bewusst versucht, etwas von dem coolen Feeling, das wir auf der Originalaufnahme hatten, einzufangen bzw. wiederauferstehen zu lassen", sagt Beard, "wobei die Orchesterinstrumente Artos Stimme imitieren und die Orchesterpercussion Artos Groove wiederauferstehen lässt."

"Diana" beginnt mit einer sich wiederholenden Phrase, die den Titel des Stücks selbst wiederholt. Benannt nach einer früheren Freundin, spiegelt es den Leichtsinn und Optimismus seiner ersten Jahre in New York wider. Außerdem zeichnet es sich durch ein brillantes Gitarrensolo von Herington im Stil von Steely Dan aus. "Er ist wirklich ein Meister auf diesem Gebiet", sagt Beard. "Spieler, die das können, sind schwer zu finden. Man kann sie sicherlich an einer Hand abzählen… Typen, die sich nicht verpflichtet fühlen, die ganze Zeit an den Noten zu kleben und übereifrig zu sein."

Der Titelsong hat etwas von einem Montuno an sich, der mit einigen nahöstlichen Melodielinien vermischt ist. Wie Beard darlegt, ist es beinahe eine Kopie der Originalaufnahme von 1994. "Auf dem Originalalbum 'Lost at the Carnival' hatte ich gesamplete Streicher verwendet und die Synthesizerlinien mit Backgroundlinien der Bassklarinette hinterlegt", erklärt er. "Auszüge des Stücks hatte ich Matt Harris gegeben, der diese neue Fassung instrumentiert hat, und er war ziemlich gewissenhaft, als er die Orchesterinstrumente genau dem zuordnete, was ich vorher gemacht hatte. So ist es tatsächlich eine groß angelegte Fassung des Originalstücks. Mit anderen Worten, es ist genau das, was ich gern gemacht hätte, wenn ich mir damals ein Orchester hätte leisten können."

"Princess" basiert auf einem Cha-Cha-Rhythmus, während "In All Her Finery" denselben Vibe zu Tage fördert, den schon Metheny in frühen Stücken wie "Midwestern Night’s Dream" auf seinem ersten ECM-Album Bright Size Life erzeugt hatte. "Das ist kein direkter Wink in Richtung auf Pat, auch wenn ich ein großer Metheny-Fan bin", sagt Jim. "Er ist auch so ein Typ, der das Potenzial dieser Orchestrierungswelt genießt und Dinge in größerem Stil realisiert. Selbst mit seiner Metheny Group mit Lyle Mays orchestriert er immer Sachen mit dem Synthesizer, die nach einem Orchester klingen."

"Parsley Trees" enthält eine Streichquartettpassage und ein sich emporschwingendes Sopransax-Solo von Bill Evans (In der Originalversion wurde es von Wayne Shorter gespielt). Beard erklärt. "'Parsley Trees' und 'Holodeck Waltz' wurden beide geschrieben, als ich gerade eine einjährige Tournee mit Wayne Shorter hinter mir hatte, auf der die Musik aus seinen Alben Atlantis und Phantom Navigator gespielt wurde. Wayne kam mit kompositorisch echt außergewöhnlichem Material an, und ich war irgendwie für ein Jahr in diese Welt eingetaucht. Und als ich dann etwas freie Zeit hatte, kamen 'Parsley Trees' und 'Holodeck Waltz' ziemlich bald dabei heraus, direkt aus meiner Erfahrung mit Wayne heraus."

Von allen Stücken wurde "Trip" wahrscheinlich der radikalsten Veränderung unterzogen. Ursprünglich eine abgedrehte Techno-Nummer, die für The Advocate mit dem Drum-'n'-bass-Gespann Zach Danziger und Tim Levebre eingespielt worden war, wurde es von Mendoza als schnelles swingendes Bigband-Stück à la Stan Kenton voller komplizierter Gegenrhythmen und Reharmonisierungen konzipiert, unterstrichen von nachdrücklichen Walking Bass-Linien. "Das ist eine Art Überraschung, denn ich hätte niemals erwartet, dass er mit diesem Stück arbeiten will", sagt Jim. "Aber als Vince es hörte, sagte er 'Yeah, ich denke, ich will versuchen, daraus ein Bigband-Stück zu machen.' Und es entpuppte sich als großartig. Es trägt definitiv Vinces Handschrift."

"Crossing Troll Bridge", das eine Art Militärmarsch mit einer spanischen Färbung kombiniert, schließt diese Sammlung mit einem etwas melancholischen, stimmungsvollen Ton ab. "Das stammt aus meiner ersten CD Song of the Sun," sagt Beard. "Toots Thielemans hat bei der Originalversion mitgespielt. Das gesamte erste Album war einfach mein Versuch, mal etwas anderes zu machen. Ich wusste, dass ich nicht das übliche geradlinige Jazz- oder Fusionalbum machen wollte; ich will, dass alles einen eigenen Charakter hat, eine Art Persönlichkeit, etwas, das sich von anderen abhebt."

Und bis heute hat er diese Renegatenhaltung bei all seinen Aufnahmen beibehalten. Revolutions ist die bisherige Krönung in Beards brillanter Karriere.



Jim Bear: piano, synthesizer / Bob Malach: tenor saxophone / Ruud Breuls: trumpet / Jon Herington: guitar / Paul van der Feen: soprano saxophone / Bar van Lier: trombone / Bill Evans: soprano saxophone / Leo Janssen: tenor saxophone / Marcio Doctor: latin and ethnic percussion / The Metropole Orchestra / Vince Mendoza: conductor
Details
Inhaltstext: Holiday For Pete & Gladys
Hope
Diana
Lost at The Carnival
Holodeck Waltz
Princess
In All Her Finery
Parseley Trees
Trip
Crossing Troll Bridge
Spieldauer: 63'36"
UPC: 750447341821
Verlag: Intuition

Bei seinem neuesten Album, einem ambitionierten Orchesterprojekt mit dem Titel Revolutions, greift Beard mit dem niederländischen Metropole-Orchester unter der Leitung des Dirigenten und Arrangeurs Vince Mendoza einige seiner älteren Kompositionen wieder auf. Diese groß angelegten Neufassungen von Stücken wie "Parsley Trees", "Crossing Troll Bridge" und "Holodeck Waltz" (aus Song of the Sun), "Holiday for Pete and Gladys" (aus Lost at the Carnival), "In All Her Finery" (aus Truly...) und "Hope" und "Trip" (aus Advocate) bestätigen die Tiefe von Beards überragendem kompositorischen Können. Und auch wenn sich entlang des Weges gewisse Einflüsse zeigen - ein Hauch von Aaron Copland hier, ein bisschen Burt Bacharach und eine gesunde Dosis Joe Zawinul mit gelegentlichen Anflügen von Igor Strawinsky da -, weisen seine Kompositionen, von denen jede in ihrem eigenen Orbit kreist, doch eine unbestreitbare Individualität auf.

Als Sideman hat Keyboarder Jim Beard eine eindrucksvolle Zahl von Einsätzen bei Tourneen und Aufnahmen mit Leuten wie Pat Metheny, Wayne Shorter, John McLaughlin, John Scofield, Mike Stern, Bill Evans, Bob Berg, Victor Bailey und den Brecker Brothers vorzuweisen. Aber erst als eigenständiger Leader hat der in Philadelphia geborene und an der Indiana University studierte Musiker sich als begnadeter Arrangeur, versierter Komponist, gefragter Produzent und cleverer Konzeptualist profiliert. Wie er einmal in einem Interview sagte: "Ich habe keine Angst davor, in meiner Musik Humor zu verwenden."

Im Laufe von vier Aufnahmen unter seiner Leitung - 1990 Song of the Sun, 1994 Lost at the Carnival, 1997 Truly... und 1999 The Advocate - hat Beard wegen seiner ausgereiften Harmonik und waghalsigen musikalischen Instinkte die Aufmerksamkeit von Kritikern und Musikerkollegen gleichermaßen erlangt. VH1 verriet, dass sein Album Lost at the Carnival auf "ein Treffen von Groucho Marx und Miles Davis oder vielleicht Errol Garner und Strawinsky" anspielen würde. Altsax-Star David Sanborn sagte, Beard habe "einen der frischesten musikalischen Standpunkte weit und breit", während Pat Metheny ihn als "eines der, wie ich finde, besten Beispiele für einen jungen Musiker ist, der sich in der Jazzsprache auskennt, aber sich auch dem Abenteuer- und Entdeckergeist verschrieben hat, der unabdingbar ist, um immer weiterzugehen" bezeichnete.

"Dieses Album war gar nicht als CD geplant", erklärt der Komponist, der 1985 nach New York gezogen ist und seitdem in Manhattan lebt.  "Ursprünglich war es für eine rein europäische Radiosendung gedacht. Die erste Session fand im März 2005 statt, und zwei Jahre später, nachdem wir beschlossen hatten, noch mehr einzuspielen, um eine komplette CD daraus zu machen, gingen wir zurück ins Studio, um weitere Songs mit dem Orchester aufzunehmen." Beard fügt hinzu, dass es ein beflügelndes Erlebnis war, seine Songs von 21 Violinen, einer Ansammlung von Cellos und Kontrabässen sowie Harfe und Cembalo gespielt zu hören. "Es ist der absolute Wahnsinn, einen Raum voller Leute zu betreten und sie alle Dinge proben und üben zu hören, die man selbst geschrieben hat. Das war ein echt merkwürdiges und sogar Demut verursachendes Gefühl. Denn ich glaube, die größte Gruppe, mit der ich jemals auf Tour war, war ein Sextett, und hier war ich nun in einem Raum mit 55 Musikern. Das war wirklich abgefahren."

Auf seinen Originalaufnahmen hat Beard Orchesterarrangements unter cleverem Einsatz von Synthesizern (ähnlich, wie es Vorbild Joe Zawinul bei Weather Report gemacht hat) angeglichen. Er erklärt: "Ich hatte schon immer ein starkes Interesse daran, Dinge ein kleines bisschen anders zu arrangieren und zu realisieren als in der üblichen Jazzbesetzung von Klaviertrio mit ein oder zwei Hörnern. Auf meiner ersten CD (Song of the Sun) zum Beispiel habe ich Bob Mintzer an der Bassklarinette und Lenny Pickett am Sarrusophon und an der Es-Klarinette dazugeholt. Und ich verwende den Synthesizer nicht wirklich als Soloinstrument. In erster Linie sehe ich ihn als etwas, mit dem man Klang manipulieren kann. Ich denke, dass in gewisser Weise ein großer Teil meiner Kompositionen und Arrangements schon auf einen orchestralen Ausdruck hingedeutet hat. Aber dies hier ist das erste Mal, dass es tatsächlich passiert ist, und ich bin total hin und weg."

Beard sagt, dass er schon immer eklektisch musikalisch war, und bezieht sich dabei auf seine prägenden Jahre in Philadelphia. "Als mein Interesse für den Jazz aufkeimte, hatte ich das übliche leidenschaftliche Faible für viele der großen Klavierspieler. Als Teenager hatte ich meine Oscar-Peterson-Phase, danach hatte ich eine Phase, in der ich total auf McCoy Tyner stand. Und natürlich hat jeder Klavierspieler irgendwann einmal Herbie Hancock zum Idol. Aber zur gleichen Zeit hörte ich auch gern Weather Report und einige von Chick Coreas Alben aus den späten Siebzigern wie The Mad Hatter, das für mich zu einem der besten Sachen von Chick gehört, die er je arrangiert und geschrieben hat. Er setzt darauf ein Streichquartett ein und verwendet auch ein Mini-Moog, allerdings mehr für die Strukturen und Klangfarbe.  Und er setzt eine Stimme ein, die keine Worte singt, sondern auch nur der Stimmung dient. Er hat wirklich ein paar verrückte Dinge auf diesem Album gemacht, allein was das Arrangement und die Instrumente betrifft."

Auf Revolutions unternimmt Beard selbst ein paar verrückte Sachen, und zwar mit Hilfe von Mendoza, der früher sein goldenes Arrangeurshändchen bei erweiterten Neufassungen von Brecker Brothers-Songs auf dem Album Some Skunk Funk von 2005 und bei Kompositionen von Joe Zawinul auf dem Album Brown Street von 2006 hat spielen lassen; beide Alben wurden übrigens mit der WDR Bigband Köln produziert. Hier fügt er zu Beards ungewöhnlichen Motiven und aufwändigen Kompositionen mit Taktwechseln Streicher und üppige Horn-Voicings hinzu, was zu aufregenden Ergebnissen führt. Die Sessions wurden alle live und in Realzeit aufgenommen. Wie Jim sagt: "Ich war die ganze Zeit mit dem Orchester im Raum. Es gab kein Overdubbing eines vorab aufgenommenen Rhythmustracks. Nichts von all dem. Es gab nur ein "OK, los geht's… jetzt alle zusammen."

Der Eröffnungssong "Holiday For Pete and Gladys" beginnt mit einem ausgelassenen Klavierriff von Professor Longhair, bevor er mit dem ganzen Ensemble stark nach links auf schwieriges musikalisches Terrain herüberzieht. "Das ist die Lieblingsstelle von allen in diesem Song, dieser Beginn", sagt Beard mit schelmischem Stolz. "Man hat das Gefühl, als rutsche man bei diesem Eröffnungsriff vom Stuhl oder so. Aber dann wollte ich eine ganz bestimmte Stimmung hervorrufen, wie auf den coolen Alben aus den Fünfzigern, die so toll sind. 'Cha-Cha D’Amor' ist ein Song von damals mit genau diesem Feeling, der von Dean Martin gesungen worden war. Ich mag den ruhigen, irgendwie ausgeglichenen Groove des Songs, aber ich warte auch darauf, dass sich aus der Harmonie Abenteuer und Überraschung entwickeln." Hier ist auch ein feiner unterschwelliger Mambo zu finden, zusammen mit Anspielungen auf Burt Bacharachs Kompositionen aus den sechziger Jahren. "Ich mag Bacharachs Musik", sagt Beard. "Stücke wie 'Do You Know The Way To San Jose' sind unglaublich, so aufregend und unberechenbar. Und das Unglaubliche ist, dass sie Hits waren. So etwas findet man heute nicht mehr. Die Typen der Musikindustrie würden sie auf ihrem Schreibtisch verschimmeln lassen."

Im Hüllentext von Revolutions bezieht sich Gitarrist und Beards langjähriger Kollege Jon Herington auf "einen Funken Radikalität, der ab und zu in einigen von Jims Kompositionen zum Vorschein kommt". Diese Eigenschaft zeigt sich in den sehr dichten Passagen und im dissonanten Crescendo von "Hope", dem Arrangeur Mendoza den Spitznamen "Strawinsky-Stück" gegeben hat. Und trotz der Dunkelheit, die Teile dieses Stücks kennzeichnet, liegt ihm auch ein Gefühl von Besserung und Licht zugrunde, wie auch der Titel impliziert. "Manchmal muss Hoffnung einfach aus völligem Wahnsinn heraus entstehen", sagt der Komponist. Jims Synthesizersolo ist besonders Zawinul-ähnlich. Er bemerkt auch, dass Perkussionist Arto Tuncboyacian auf der Originalaufnahme einige verrückte wortlose Vocals zum Stück beigesteuert hat. In dieser neuen Orchesterfassung hat Mendoza Artos Gesangspart transkribiert und für Streicher arrangiert. "Es wurde also bewusst versucht, etwas von dem coolen Feeling, das wir auf der Originalaufnahme hatten, einzufangen bzw. wiederauferstehen zu lassen", sagt Beard, "wobei die Orchesterinstrumente Artos Stimme imitieren und die Orchesterpercussion Artos Groove wiederauferstehen lässt."

"Diana" beginnt mit einer sich wiederholenden Phrase, die den Titel des Stücks selbst wiederholt. Benannt nach einer früheren Freundin, spiegelt es den Leichtsinn und Optimismus seiner ersten Jahre in New York wider. Außerdem zeichnet es sich durch ein brillantes Gitarrensolo von Herington im Stil von Steely Dan aus. "Er ist wirklich ein Meister auf diesem Gebiet", sagt Beard. "Spieler, die das können, sind schwer zu finden. Man kann sie sicherlich an einer Hand abzählen… Typen, die sich nicht verpflichtet fühlen, die ganze Zeit an den Noten zu kleben und übereifrig zu sein."

Der Titelsong hat etwas von einem Montuno an sich, der mit einigen nahöstlichen Melodielinien vermischt ist. Wie Beard darlegt, ist es beinahe eine Kopie der Originalaufnahme von 1994. "Auf dem Originalalbum 'Lost at the Carnival' hatte ich gesamplete Streicher verwendet und die Synthesizerlinien mit Backgroundlinien der Bassklarinette hinterlegt", erklärt er. "Auszüge des Stücks hatte ich Matt Harris gegeben, der diese neue Fassung instrumentiert hat, und er war ziemlich gewissenhaft, als er die Orchesterinstrumente genau dem zuordnete, was ich vorher gemacht hatte. So ist es tatsächlich eine groß angelegte Fassung des Originalstücks. Mit anderen Worten, es ist genau das, was ich gern gemacht hätte, wenn ich mir damals ein Orchester hätte leisten können."

"Princess" basiert auf einem Cha-Cha-Rhythmus, während "In All Her Finery" denselben Vibe zu Tage fördert, den schon Metheny in frühen Stücken wie "Midwestern Night’s Dream" auf seinem ersten ECM-Album Bright Size Life erzeugt hatte. "Das ist kein direkter Wink in Richtung auf Pat, auch wenn ich ein großer Metheny-Fan bin", sagt Jim. "Er ist auch so ein Typ, der das Potenzial dieser Orchestrierungswelt genießt und Dinge in größerem Stil realisiert. Selbst mit seiner Metheny Group mit Lyle Mays orchestriert er immer Sachen mit dem Synthesizer, die nach einem Orchester klingen."

"Parsley Trees" enthält eine Streichquartettpassage und ein sich emporschwingendes Sopransax-Solo von Bill Evans (In der Originalversion wurde es von Wayne Shorter gespielt). Beard erklärt. "'Parsley Trees' und 'Holodeck Waltz' wurden beide geschrieben, als ich gerade eine einjährige Tournee mit Wayne Shorter hinter mir hatte, auf der die Musik aus seinen Alben Atlantis und Phantom Navigator gespielt wurde. Wayne kam mit kompositorisch echt außergewöhnlichem Material an, und ich war irgendwie für ein Jahr in diese Welt eingetaucht. Und als ich dann etwas freie Zeit hatte, kamen 'Parsley Trees' und 'Holodeck Waltz' ziemlich bald dabei heraus, direkt aus meiner Erfahrung mit Wayne heraus."

Von allen Stücken wurde "Trip" wahrscheinlich der radikalsten Veränderung unterzogen. Ursprünglich eine abgedrehte Techno-Nummer, die für The Advocate mit dem Drum-'n'-bass-Gespann Zach Danziger und Tim Levebre eingespielt worden war, wurde es von Mendoza als schnelles swingendes Bigband-Stück à la Stan Kenton voller komplizierter Gegenrhythmen und Reharmonisierungen konzipiert, unterstrichen von nachdrücklichen Walking Bass-Linien. "Das ist eine Art Überraschung, denn ich hätte niemals erwartet, dass er mit diesem Stück arbeiten will", sagt Jim. "Aber als Vince es hörte, sagte er 'Yeah, ich denke, ich will versuchen, daraus ein Bigband-Stück zu machen.' Und es entpuppte sich als großartig. Es trägt definitiv Vinces Handschrift."

"Crossing Troll Bridge", das eine Art Militärmarsch mit einer spanischen Färbung kombiniert, schließt diese Sammlung mit einem etwas melancholischen, stimmungsvollen Ton ab. "Das stammt aus meiner ersten CD Song of the Sun," sagt Beard. "Toots Thielemans hat bei der Originalversion mitgespielt. Das gesamte erste Album war einfach mein Versuch, mal etwas anderes zu machen. Ich wusste, dass ich nicht das übliche geradlinige Jazz- oder Fusionalbum machen wollte; ich will, dass alles einen eigenen Charakter hat, eine Art Persönlichkeit, etwas, das sich von anderen abhebt."

Und bis heute hat er diese Renegatenhaltung bei all seinen Aufnahmen beibehalten. Revolutions ist die bisherige Krönung in Beards brillanter Karriere.



Jim Bear: piano, synthesizer / Bob Malach: tenor saxophone / Ruud Breuls: trumpet / Jon Herington: guitar / Paul van der Feen: soprano saxophone / Bar van Lier: trombone / Bill Evans: soprano saxophone / Leo Janssen: tenor saxophone / Marcio Doctor: latin and ethnic percussion / The Metropole Orchestra / Vince Mendoza: conductor
Inhaltstext: Holiday For Pete & Gladys
Hope
Diana
Lost at The Carnival
Holodeck Waltz
Princess
In All Her Finery
Parseley Trees
Trip
Crossing Troll Bridge
Spieldauer: 63'36"
UPC: 750447341821
Verlag: Intuition