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Nacht-Urnen

Nacht-Urnen

Nocturnes


  • Besetzung: Klavier
  • Bestell-Nr.: ED 9145 Q3154
14,99 €  *
Inkl. 19% MwSt.

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Beschreibung

Der Titel des Klavierzyklus’ "Nacht-Urnen" ist ein makabres Wortspiel mit dem französischen Begriff "Noct-urne". Die Assoziation Urne - Grabgefäß ist beabsichtigt, denn die Gattung des romantischen Nachtstücks für Klavier wird in diesen Stücken - zumindest im übertragenen Sinne - zu Grabe getragen.

Das erste Stück "Nocturne" greift auf den dreiteiligen Typ des Chopin’schen Nocturnes zurück. Einer von zart getropften Tönen umspielten Melodie folgt ein bewegt - aufgewühlter Mittelteil, dem sich die Reprise des ersten Teils anschließt, diesmal allerdings wird die Melodie von leise rauschenden Skalen umspielt, ehe eine beinahe nüchterne Coda die musikalische Quintessenz brennglasartig zusammenfasst und bündelt. Dieses Stück entstand 1998 und war Pflichtstück beim Internationalen Schubert-Wettbewerb 2000 in Dortmund.

Die drei folgenden Stücke bilden gewissermaßen eine Einheit. Nummer zwei "Ciacona notturna" ist ein höchst virtuoses Werk für die linke Hand allein, in dem sich große Klavierkomponisten, die Werke für die linke Hand allein geschrieben haben – Alkan, Brahms, Godowsky, Ravel, Prokofieff – gleichsam ein nächtliches Stelldichein geben.

Das dritte Stück "Unendliche Melodie – Melodie der Unendlichkeit" (für die rechte Hand allein – meines Wissens außer einer Etüde von Alkan das einzige existierende Werk für die rechte Hand allein) spielt mit der Idee eines Zeitkontinuums, das schon vor Beginn des Stückes unhörbar im Raum war und sich auch nach dem Ende des Stückes in alle Ewigkeit weiter fortsetzen könnte. Ein einzelner Ton f in der Mitte der Klaviatur wird 55 Takte lang angeschlagen und über ihm entfaltet sich eine weit gespannte Melodie, die die rechte Hand alleine ausspinnt. Exakt beim Höhepunkt der Melodie (es ist der Goldene Schnitt), wechselt das f zum e, das weitere 33 Takte lang angeschlagen wird, während die Melodie darüber wieder zurück zur Mitte findet. Diese 88 Takte symbolisieren die Unendlichkeit: 8 als barockes Zahlensymbol für die Vollkommenheit der Ewigkeit und die liegende 8 als mathematisches Symbol für die Unendlichkeit. Schließlich ist in dem Titel des Stückes noch eine Anspielung auf Richard Wagners Begriff der "Unendlichen Melodie" enthalten.

Nach einem Stück für die linke und einem für die rechte Hand allein, kann sich als viertes nur ein Unisonostück anschließen, in dem beide Hände stets die gleichen Töne, aber in unterschiedlichen Oktavabständen und verschiedenen rhythmischen Akzenten spielen. "La scala dell’inferno" ("Die Höllenleiter") stürzt von höchster Höhe in rasenden Skalen in die tiefsten Regionen des Klaviers hinab, unterbrochen von zwei kurzen Zitaten des "Dies Irae" in der Mitte.

Der Schlusssatz schließlich "Marche funèbre" knüpft in seiner düsteren Unentrinnbarkeit an die großen Trauermarschvorbilder Beethovens (op. 26) und Chopins (op.35) an. Die sich in schwerem Fünfertakt entlang rollenden düsteren Tonkaskaden werden in der Mitte von einem gläsern-durchsichtigen Mittelteil unterbrochen, der in seiner gleißenden, fast schneidenden Helligkeit Assoziationen an Nahtoderlebnisse nahe legen mag.

Die "Nacht-Urnen" op. 32 wurden 2001 im Museum Baden in Solingen von dem Pianisten Rainer Klaas uraufgeführt, dem der Zyklus auch gewidmet ist.

- Stefan Heucke

Details
Auftragswerk : Auftragswerk des Internationalen Schubert-Wettbewerbs, Dortmund
Inhaltstext: I Nocturne
II Ciaccona notturna
III Unendliche Melodien – Melodie der Unendlichkeit
IV Unisono macabre (La scala dell'inferno)
V Marche funèbre
Kompositionsjahr: 1998
Opus: op. 32
Schwierigkeit: 4
Seitenzahl: 12
Spieldauer: 5'0"
Verlag: SCHOTT MUSIC GmbH & Co KG, Mainz (001)

Der Titel des Klavierzyklus’ "Nacht-Urnen" ist ein makabres Wortspiel mit dem französischen Begriff "Noct-urne". Die Assoziation Urne - Grabgefäß ist beabsichtigt, denn die Gattung des romantischen Nachtstücks für Klavier wird in diesen Stücken - zumindest im übertragenen Sinne - zu Grabe getragen.

Das erste Stück "Nocturne" greift auf den dreiteiligen Typ des Chopin’schen Nocturnes zurück. Einer von zart getropften Tönen umspielten Melodie folgt ein bewegt - aufgewühlter Mittelteil, dem sich die Reprise des ersten Teils anschließt, diesmal allerdings wird die Melodie von leise rauschenden Skalen umspielt, ehe eine beinahe nüchterne Coda die musikalische Quintessenz brennglasartig zusammenfasst und bündelt. Dieses Stück entstand 1998 und war Pflichtstück beim Internationalen Schubert-Wettbewerb 2000 in Dortmund.

Die drei folgenden Stücke bilden gewissermaßen eine Einheit. Nummer zwei "Ciacona notturna" ist ein höchst virtuoses Werk für die linke Hand allein, in dem sich große Klavierkomponisten, die Werke für die linke Hand allein geschrieben haben – Alkan, Brahms, Godowsky, Ravel, Prokofieff – gleichsam ein nächtliches Stelldichein geben.

Das dritte Stück "Unendliche Melodie – Melodie der Unendlichkeit" (für die rechte Hand allein – meines Wissens außer einer Etüde von Alkan das einzige existierende Werk für die rechte Hand allein) spielt mit der Idee eines Zeitkontinuums, das schon vor Beginn des Stückes unhörbar im Raum war und sich auch nach dem Ende des Stückes in alle Ewigkeit weiter fortsetzen könnte. Ein einzelner Ton f in der Mitte der Klaviatur wird 55 Takte lang angeschlagen und über ihm entfaltet sich eine weit gespannte Melodie, die die rechte Hand alleine ausspinnt. Exakt beim Höhepunkt der Melodie (es ist der Goldene Schnitt), wechselt das f zum e, das weitere 33 Takte lang angeschlagen wird, während die Melodie darüber wieder zurück zur Mitte findet. Diese 88 Takte symbolisieren die Unendlichkeit: 8 als barockes Zahlensymbol für die Vollkommenheit der Ewigkeit und die liegende 8 als mathematisches Symbol für die Unendlichkeit. Schließlich ist in dem Titel des Stückes noch eine Anspielung auf Richard Wagners Begriff der "Unendlichen Melodie" enthalten.

Nach einem Stück für die linke und einem für die rechte Hand allein, kann sich als viertes nur ein Unisonostück anschließen, in dem beide Hände stets die gleichen Töne, aber in unterschiedlichen Oktavabständen und verschiedenen rhythmischen Akzenten spielen. "La scala dell’inferno" ("Die Höllenleiter") stürzt von höchster Höhe in rasenden Skalen in die tiefsten Regionen des Klaviers hinab, unterbrochen von zwei kurzen Zitaten des "Dies Irae" in der Mitte.

Der Schlusssatz schließlich "Marche funèbre" knüpft in seiner düsteren Unentrinnbarkeit an die großen Trauermarschvorbilder Beethovens (op. 26) und Chopins (op.35) an. Die sich in schwerem Fünfertakt entlang rollenden düsteren Tonkaskaden werden in der Mitte von einem gläsern-durchsichtigen Mittelteil unterbrochen, der in seiner gleißenden, fast schneidenden Helligkeit Assoziationen an Nahtoderlebnisse nahe legen mag.

Die "Nacht-Urnen" op. 32 wurden 2001 im Museum Baden in Solingen von dem Pianisten Rainer Klaas uraufgeführt, dem der Zyklus auch gewidmet ist.

- Stefan Heucke

Auftragswerk : Auftragswerk des Internationalen Schubert-Wettbewerbs, Dortmund
Inhaltstext: I Nocturne
II Ciaccona notturna
III Unendliche Melodien – Melodie der Unendlichkeit
IV Unisono macabre (La scala dell'inferno)
V Marche funèbre
Kompositionsjahr: 1998
Opus: op. 32
Schwierigkeit: 4
Seitenzahl: 12
Spieldauer: 5'0"
Verlag: SCHOTT MUSIC GmbH & Co KG, Mainz (001)