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Ode an die Nacht

Ode an die Nacht

für Solisten, Chöre und Instrumente

auf Texte von Ovid, Novalis, Friedrich Hölderlin, Kodo Sawaki, Harald Weiss und aus dem Johannes-Evangelium


  • Besetzung: für Solisten, Chöre und Instrumente
  • Ausgabe: Aufführungsmaterial
  • Sprache: lateinisch - englisch - indisch - hopi

 
Beschreibung

Es wird wohl mein letztes größeres Werk sein, nicht weil ich etwa vorhabe, das Zeitliche schon bald zu segnen, auch nicht aus dem Grund, weil mir möglicherweise nichts mehr einfallen könnte, nein, ich spüre einfach, dass ich nach dieser Komposition, der letzten in meinem weit gefächerten Zyklus über die Finsternis, in der ich die Essenz meines angesammelten Wissens und meiner erlebten Empfindungen im Geiste unseres Jetzt einzubringen versuche, alles gesagt haben werde und fortan die Zeit mit anderen Dingen verbringen möchte.

Das ist keinesfalls eine Absage an die Kultur, ich denke allerdings, dass im globalen Leichtigkeitseinerlei sogenannter Events bald nur noch Nischen für museale Orte zu finden sein werden, die viel gepriesene Hochkultur hat sich in unserem Wertesystem längst verabschiedet.

Insofern steht diese Ode an die Nacht für einen Nachruf und gleichzeitig aber auch für einen Aufruf, doch nicht mit dem priesterlichen, deklamatorischen Zeigefinger, auch nicht mit einer revolutionären Aggression, sondern vielmehr mit ganz archaischen Formen und Klangbildern, die ein kurzes Innehalten, musikalisch gesprochen eine Fermate, in unserer von Reizen überfluteten Welt offenbaren und im Idealfall an die Ursprünge einer Welt aus Klang verweisen könnten.

"Am Anfang war das Wort“, man könnte dieses Bibelwort des Johannes noch erweitern und sagen: "Am Anfang war der Laut!“

Seit der Menschwerdung haben sich über Tausende von Jahren die unterschiedlichsten vokalen Chiffren, die mit den Stimmbändern erzeugt werden können, zu einem schier unüberschaubaren Geflecht von emotionalen, intuitiven, rationalen oder wie auch immer gearteten Kommunikationsformen herausgebildet. Die Mannigfaltigkeit der verschiedenen Sprachen ist dabei nur einer der Stränge, um sich auf diesem Planeten verständigen oder aber auch regional abgrenzen zu können.

Daneben gibt es noch viele andere, denken wir an den Melos, die Färbung einer menschlichen Stimme, denken wir an den Singsang der Worte und Laute vieler Kulturen, denken wir an die demagogische Tonlage so vieler politischer Redner, denken wir an die Worthülsen der Undergroundsprache, den Rapgesang der Subkultur, denken wir an das nonverbale Ausdruckspotenzial von Säuglingen und Kleinkindern, denken wir an die verebbenden Laute alter Menschen, denken wir an flüsternde, grunzende, säuselnde, stöhnende, lallende, ängstliche, verzweifelte, fanatische Laute, die sich nur in bestimmten emotionalen Situationen ihren Weg direkt aus dem Bauch über unsere Stimmorgane bahnen. Oder denken wir einfach nur mal an den Atem, der für das Leben schlechthin steht.

All das und noch viel mehr beinhaltet die menschliche Stimme - vox humana.

Dabei stelle ich mir vor, dass das ganze Gefüge all dieser stimmlichen Ausdrucksformen in einer groß angelegten Dramaturgie eingebettet wird, deren Ende wieder der Anfang ist und umgekehrt, deren Anfang auch das Ende sein könnte. Dem Spiel mit der Zeit, die stets subjektiv empfunden wird, soll hierbei mit möglichst vielen Facetten begegnet werden.

Haben wir nach der Aufführung als Zuhörer wirklich nur diese eine Stunde hier verbracht oder waren es nicht etliche Jahre oder nur die Augenblicke von ein paar Wimpernschlägen? Klänge, Rhythmen, Harmonien, die sowohl vorwärts, als auch rückwärts gespielt, gesungen, gesprochen und erzeugt werden, können trotzdem nicht den Verlauf der Zeit aufhalten oder doch?

Kann sich die Apotheose wieder in den Urschrei zurückführen lassen?

(Harald Weiss)

Details
Auftragswerk : Auftragswerk der EuropaChorAkademie
Inhaltstext: Text sources: Ovid, Metamorphosen, Entstehung der Welt und des Menschen und Vorwort des Dichters
Novalis, Welcher Lebendige, Sinnbegabte · Hymnen an die Nacht
Friedrich Hölderlin, Da ich ein Knabe war
Kodo Sawaki
Harald Weiss, Weiße Nacht
Johannes-Evangelium, Kapitel 1
Indisches Sprichwort (in Hindi-Lautschrift)
Indisches Sprichwort (in Sanskrit)
Hopi-Prophezeiung
Sprache der Hopi-Indianer
Angstschrei der Hopi-Indianer
Indianische Weisheit
Kompositionsjahr: 2014
Orchesterbesetzung: Indischer Sänger (spielt auch Tambura) · Kindersprechstimme · Bluesstimme, männlich (Reibeisenstimme) - Kinderchor (16 Kinder, vierstimmig) · 2 sechsstimmige Chöre (je 18 Sänger/Sängerinnen, SSATTB, davon auch 5 Soli, SSSAT) - P. S. (Glsp. · 2 Marimba · Röhrengl. · Gongs · Thai-Gongs (gestimmt) · Trgl. · Beckenpaar · Tamt. · Donnerbl. · Chimes · Woodbl. · Amboss · gr. Tr. · Ball in Wasserschüssel · Waldteufel · Quietsch-Ball · Flex. · 2 Caixixi) (4 Spieler) - Bajan (Knopfakkordeon) · vertikales Klavier, leicht verstimmt · Synth. - Kb. - Zuspielband
Spieldauer: 60'0"
Uraufführung : 24. Februar 2017 Berlin, Radialsystem V (D) chor@berlin 2017 · Manickam Yogeswaran, Indischer Gesang und Tambura; Hanno Bruhn, Blues-Gesang; Mateja Zenzerovic, Bajan; Kinneret Sieradzki, Violine; Guy Tuneh, Kontrabass; Viorel Chiriacescu, Schlagzeug; Alexandras Giovanos, Schlagzeug; Harald Weiss, elektro-akustische Vorproduktion und Klangregie · Dirigent: Thomas Hennig · Kammerchor Berlin; Concentus Neukölln; Berliner Mädchenchor · Choreinstudierung: Sabine Wüsthoff; Stefan Rauh; Thomas Hennig;
Verlag: Schott Music
Aufführungen
Dirigent: Stefan Weible
2018-04-21 | Stuttgart (Deutschland), Liederhalle — 18:00
Dirigent: Thomas Hennig
2017-02-24 | Berlin (Deutschland), Radialsystem V — 20:00 | Uraufführung

Es wird wohl mein letztes größeres Werk sein, nicht weil ich etwa vorhabe, das Zeitliche schon bald zu segnen, auch nicht aus dem Grund, weil mir möglicherweise nichts mehr einfallen könnte, nein, ich spüre einfach, dass ich nach dieser Komposition, der letzten in meinem weit gefächerten Zyklus über die Finsternis, in der ich die Essenz meines angesammelten Wissens und meiner erlebten Empfindungen im Geiste unseres Jetzt einzubringen versuche, alles gesagt haben werde und fortan die Zeit mit anderen Dingen verbringen möchte.

Das ist keinesfalls eine Absage an die Kultur, ich denke allerdings, dass im globalen Leichtigkeitseinerlei sogenannter Events bald nur noch Nischen für museale Orte zu finden sein werden, die viel gepriesene Hochkultur hat sich in unserem Wertesystem längst verabschiedet.

Insofern steht diese Ode an die Nacht für einen Nachruf und gleichzeitig aber auch für einen Aufruf, doch nicht mit dem priesterlichen, deklamatorischen Zeigefinger, auch nicht mit einer revolutionären Aggression, sondern vielmehr mit ganz archaischen Formen und Klangbildern, die ein kurzes Innehalten, musikalisch gesprochen eine Fermate, in unserer von Reizen überfluteten Welt offenbaren und im Idealfall an die Ursprünge einer Welt aus Klang verweisen könnten.

"Am Anfang war das Wort“, man könnte dieses Bibelwort des Johannes noch erweitern und sagen: "Am Anfang war der Laut!“

Seit der Menschwerdung haben sich über Tausende von Jahren die unterschiedlichsten vokalen Chiffren, die mit den Stimmbändern erzeugt werden können, zu einem schier unüberschaubaren Geflecht von emotionalen, intuitiven, rationalen oder wie auch immer gearteten Kommunikationsformen herausgebildet. Die Mannigfaltigkeit der verschiedenen Sprachen ist dabei nur einer der Stränge, um sich auf diesem Planeten verständigen oder aber auch regional abgrenzen zu können.

Daneben gibt es noch viele andere, denken wir an den Melos, die Färbung einer menschlichen Stimme, denken wir an den Singsang der Worte und Laute vieler Kulturen, denken wir an die demagogische Tonlage so vieler politischer Redner, denken wir an die Worthülsen der Undergroundsprache, den Rapgesang der Subkultur, denken wir an das nonverbale Ausdruckspotenzial von Säuglingen und Kleinkindern, denken wir an die verebbenden Laute alter Menschen, denken wir an flüsternde, grunzende, säuselnde, stöhnende, lallende, ängstliche, verzweifelte, fanatische Laute, die sich nur in bestimmten emotionalen Situationen ihren Weg direkt aus dem Bauch über unsere Stimmorgane bahnen. Oder denken wir einfach nur mal an den Atem, der für das Leben schlechthin steht.

All das und noch viel mehr beinhaltet die menschliche Stimme - vox humana.

Dabei stelle ich mir vor, dass das ganze Gefüge all dieser stimmlichen Ausdrucksformen in einer groß angelegten Dramaturgie eingebettet wird, deren Ende wieder der Anfang ist und umgekehrt, deren Anfang auch das Ende sein könnte. Dem Spiel mit der Zeit, die stets subjektiv empfunden wird, soll hierbei mit möglichst vielen Facetten begegnet werden.

Haben wir nach der Aufführung als Zuhörer wirklich nur diese eine Stunde hier verbracht oder waren es nicht etliche Jahre oder nur die Augenblicke von ein paar Wimpernschlägen? Klänge, Rhythmen, Harmonien, die sowohl vorwärts, als auch rückwärts gespielt, gesungen, gesprochen und erzeugt werden, können trotzdem nicht den Verlauf der Zeit aufhalten oder doch?

Kann sich die Apotheose wieder in den Urschrei zurückführen lassen?

(Harald Weiss)

Auftragswerk : Auftragswerk der EuropaChorAkademie
Inhaltstext: Text sources: Ovid, Metamorphosen, Entstehung der Welt und des Menschen und Vorwort des Dichters
Novalis, Welcher Lebendige, Sinnbegabte · Hymnen an die Nacht
Friedrich Hölderlin, Da ich ein Knabe war
Kodo Sawaki
Harald Weiss, Weiße Nacht
Johannes-Evangelium, Kapitel 1
Indisches Sprichwort (in Hindi-Lautschrift)
Indisches Sprichwort (in Sanskrit)
Hopi-Prophezeiung
Sprache der Hopi-Indianer
Angstschrei der Hopi-Indianer
Indianische Weisheit
Kompositionsjahr: 2014
Orchesterbesetzung: Indischer Sänger (spielt auch Tambura) · Kindersprechstimme · Bluesstimme, männlich (Reibeisenstimme) - Kinderchor (16 Kinder, vierstimmig) · 2 sechsstimmige Chöre (je 18 Sänger/Sängerinnen, SSATTB, davon auch 5 Soli, SSSAT) - P. S. (Glsp. · 2 Marimba · Röhrengl. · Gongs · Thai-Gongs (gestimmt) · Trgl. · Beckenpaar · Tamt. · Donnerbl. · Chimes · Woodbl. · Amboss · gr. Tr. · Ball in Wasserschüssel · Waldteufel · Quietsch-Ball · Flex. · 2 Caixixi) (4 Spieler) - Bajan (Knopfakkordeon) · vertikales Klavier, leicht verstimmt · Synth. - Kb. - Zuspielband
Spieldauer: 60'0"
Uraufführung : 24. Februar 2017 Berlin, Radialsystem V (D) chor@berlin 2017 · Manickam Yogeswaran, Indischer Gesang und Tambura; Hanno Bruhn, Blues-Gesang; Mateja Zenzerovic, Bajan; Kinneret Sieradzki, Violine; Guy Tuneh, Kontrabass; Viorel Chiriacescu, Schlagzeug; Alexandras Giovanos, Schlagzeug; Harald Weiss, elektro-akustische Vorproduktion und Klangregie · Dirigent: Thomas Hennig · Kammerchor Berlin; Concentus Neukölln; Berliner Mädchenchor · Choreinstudierung: Sabine Wüsthoff; Stefan Rauh; Thomas Hennig;
Verlag: Schott Music
Dirigent: Stefan Weible
2018-04-21 | Stuttgart (Deutschland), Liederhalle — 18:00
Dirigent: Thomas Hennig
2017-02-24 | Berlin (Deutschland), Radialsystem V — 20:00 | Uraufführung