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Zwei Parallelen

Zwei Parallelen

Suite nach der Road Opera „Tschick“

für Orchester


  • Besetzung: Orchester
  • Ausgabe: Aufführungsmaterial

 
Beschreibung
Es gingen zwei Parallelen
ins Endlose hinaus,
zwei kerzengerade Seelen
und aus solidem Haus.

Sie wollten sich nicht schneiden
bis an ihr seliges Grab:
Das war nun einmal der beiden
geheimer Stolz und Stab.

Doch als sie zehn Lichtjahre
gewandert neben sich hin,
da wards dem einsamen Paare
nicht irdisch mehr zu Sinn.

Warn sie noch Parallelen?
Sie wußtens selber nicht, –
sie flossen nur wie zwei Seelen
zusammen durch ewiges Licht.

Das ewige Licht durchdrang sie,
da wurden sie eins in ihm;
die Ewigkeit verschlang sie
als wie zwei Seraphim.

Die israelische Soziologin Eva Illouz zeichnet in ihrem Buch Warum Liebe wehtut mit marxistischem Seziermesser kühl analysierend die Transformation (westlicher) menschlicher Beziehungen und Emotionen während der Zeit der vollen Ausprägung des Spätkapitalismus, also vom ausgehenden 19. Jh. hin zum 20./21. Jh, nach.

Diese Transformation bewegt sich laut Illouz von gesellschaftlich klar definierten (in Moral und familiären Netzwerken präzise abgesicherten) Identitäten und Beziehungen hin zu Techniken einer durch Marktmechanismen geprägten, sehr solitären Partnerwahl, die tendenziell überwiegend von Selbstoptimierung, Bindungsangst und Emotionslosigkeit gekennzeichnet sei. Wesentlich initiiert und beeinflußt seien diese Techniken der selbstoptimierten Partnersuche durch den amerikanischen Kapitalismus des 20./21. Jh.

Junge Menschen, die den Anforderungen einer solchen marktorientierten Partnerwahl nicht genügen, weil sie emotional oder aufgrund von Herkunft und/oder sexueller Identität den geforderten Techniken der Selbstoptimierung nicht nachkommen können, bleibt oft nur der Weg des Ausstiegs aus gesellschaftlichen Strukturen, um zu sich selbst zu finden und damit auch überraschende Erfahrungen von Freundschaft und Liebe zu machen.

Die Orchestersuite Zwei Parallelen nimmt in fünf Sätzen musikalisch und thematisch Bezug auf meine Road Opera Tschick nach Wolfgang Herrndorf, die 2017 am Theater Hagen ihre Uraufführung erlebte.

Insbesondere interessierte mich Herrndorfs Stoff, weil er in seinem Roman Inhalte des Punk vertritt: Das Rebellische, Systemnonkonforme, manchmal Komische, Naive, eine wüste, auch politische Kraft und Ursprünglichkeit, ein Sich-wehren gegen Eingefahrenes, Etabliertes. Inhaltlich (nicht ästhetisch, also ohne Punkband!) hat meine Oper, und mit ihr meine Orchestersuite, diese „punkige“ Ansprache auch übernommen.

Die Komposition ist Musik, die den Aufbruch zweier Jugendlicher beschreibt, welche nicht in das Raster der Gesellschaft passen. Erwachsenwerden heißt Sturm, Glück und Drang, aber auch Verunsicherung, Komik, Melancholie und Einsamkeit, heißt Selbstentdeckungsfahrt und emotionales Erdbeben von Stärke 7 auf der Richterskala.

Eine pulsierende, melodisch-rhythmische Kompositionstechnik, die überkommene europäisch tradierte Orchestertechniken durch eine - aus aussereuropäischen Techniken des Orients, Afrikas und Indiens sowie der frühen europäischen Monophonie zu einem neuen Idiom generierte - Klangsprache substituiert, ist die Basis der Komposition. Ludger Vollmer - Januar 2018
Details
Auftragswerk : in Auftrag gegeben durch den Freistaat Thüringen im Rahmen des Thüringer Kompositionspreises 2016/17
Inhaltstext: I Maik
II Isa
III Tschick - IV Zwei Parallelen
V Der Sprung
Kompositionsjahr: 2015-2016, rev. 2017
Orchesterbesetzung: Picc. (auch. Altfl.) · 2 · 2 · Engl. Hr. · 2 · Bassklar. (auch. Es-Klar.) · 2 · Kfg. - 4 · 3 · 3 · 1 - P. S. (Glsp. · Xyl. · Vibr. · Röhrengl. · Trgl. · 2 Beck. · Tamt. · Bong. · Tomt. · 2 kl. Tr. · gr. Tr. · Drumset · Metal Chimes · Wooden Chimes · Guiro · Clav. · Tempelbl. · Trillerpf. · Peitsche · Windmaschine · Schreibmaschine [ad lib.]) (3 Spieler) - Hfe. · E-Git. · Klav. - Str.
Spieldauer: 24'0"
Verlag: Schott Music
Lieferrechte: weltweit
Aufführungen
Dirigent: Philippe Bach
Orchester: Meininger Hofkapelle
2018-03-01 | Meiningen (Deutschland), Staatstheater — 19:30 | Uraufführung
Es gingen zwei Parallelen
ins Endlose hinaus,
zwei kerzengerade Seelen
und aus solidem Haus.

Sie wollten sich nicht schneiden
bis an ihr seliges Grab:
Das war nun einmal der beiden
geheimer Stolz und Stab.

Doch als sie zehn Lichtjahre
gewandert neben sich hin,
da wards dem einsamen Paare
nicht irdisch mehr zu Sinn.

Warn sie noch Parallelen?
Sie wußtens selber nicht, –
sie flossen nur wie zwei Seelen
zusammen durch ewiges Licht.

Das ewige Licht durchdrang sie,
da wurden sie eins in ihm;
die Ewigkeit verschlang sie
als wie zwei Seraphim.

Die israelische Soziologin Eva Illouz zeichnet in ihrem Buch Warum Liebe wehtut mit marxistischem Seziermesser kühl analysierend die Transformation (westlicher) menschlicher Beziehungen und Emotionen während der Zeit der vollen Ausprägung des Spätkapitalismus, also vom ausgehenden 19. Jh. hin zum 20./21. Jh, nach.

Diese Transformation bewegt sich laut Illouz von gesellschaftlich klar definierten (in Moral und familiären Netzwerken präzise abgesicherten) Identitäten und Beziehungen hin zu Techniken einer durch Marktmechanismen geprägten, sehr solitären Partnerwahl, die tendenziell überwiegend von Selbstoptimierung, Bindungsangst und Emotionslosigkeit gekennzeichnet sei. Wesentlich initiiert und beeinflußt seien diese Techniken der selbstoptimierten Partnersuche durch den amerikanischen Kapitalismus des 20./21. Jh.

Junge Menschen, die den Anforderungen einer solchen marktorientierten Partnerwahl nicht genügen, weil sie emotional oder aufgrund von Herkunft und/oder sexueller Identität den geforderten Techniken der Selbstoptimierung nicht nachkommen können, bleibt oft nur der Weg des Ausstiegs aus gesellschaftlichen Strukturen, um zu sich selbst zu finden und damit auch überraschende Erfahrungen von Freundschaft und Liebe zu machen.

Die Orchestersuite Zwei Parallelen nimmt in fünf Sätzen musikalisch und thematisch Bezug auf meine Road Opera Tschick nach Wolfgang Herrndorf, die 2017 am Theater Hagen ihre Uraufführung erlebte.

Insbesondere interessierte mich Herrndorfs Stoff, weil er in seinem Roman Inhalte des Punk vertritt: Das Rebellische, Systemnonkonforme, manchmal Komische, Naive, eine wüste, auch politische Kraft und Ursprünglichkeit, ein Sich-wehren gegen Eingefahrenes, Etabliertes. Inhaltlich (nicht ästhetisch, also ohne Punkband!) hat meine Oper, und mit ihr meine Orchestersuite, diese „punkige“ Ansprache auch übernommen.

Die Komposition ist Musik, die den Aufbruch zweier Jugendlicher beschreibt, welche nicht in das Raster der Gesellschaft passen. Erwachsenwerden heißt Sturm, Glück und Drang, aber auch Verunsicherung, Komik, Melancholie und Einsamkeit, heißt Selbstentdeckungsfahrt und emotionales Erdbeben von Stärke 7 auf der Richterskala.

Eine pulsierende, melodisch-rhythmische Kompositionstechnik, die überkommene europäisch tradierte Orchestertechniken durch eine - aus aussereuropäischen Techniken des Orients, Afrikas und Indiens sowie der frühen europäischen Monophonie zu einem neuen Idiom generierte - Klangsprache substituiert, ist die Basis der Komposition. Ludger Vollmer - Januar 2018
Auftragswerk : in Auftrag gegeben durch den Freistaat Thüringen im Rahmen des Thüringer Kompositionspreises 2016/17
Inhaltstext: I Maik
II Isa
III Tschick - IV Zwei Parallelen
V Der Sprung
Kompositionsjahr: 2015-2016, rev. 2017
Orchesterbesetzung: Picc. (auch. Altfl.) · 2 · 2 · Engl. Hr. · 2 · Bassklar. (auch. Es-Klar.) · 2 · Kfg. - 4 · 3 · 3 · 1 - P. S. (Glsp. · Xyl. · Vibr. · Röhrengl. · Trgl. · 2 Beck. · Tamt. · Bong. · Tomt. · 2 kl. Tr. · gr. Tr. · Drumset · Metal Chimes · Wooden Chimes · Guiro · Clav. · Tempelbl. · Trillerpf. · Peitsche · Windmaschine · Schreibmaschine [ad lib.]) (3 Spieler) - Hfe. · E-Git. · Klav. - Str.
Spieldauer: 24'0"
Verlag: Schott Music
Lieferrechte: weltweit
Dirigent: Philippe Bach
Orchester: Meininger Hofkapelle
2018-03-01 | Meiningen (Deutschland), Staatstheater — 19:30 | Uraufführung