Schott Music

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5. Juni 2020

Uraufführung in Berlin: „Texture“ von Toshio Hosokawa

Das neue Stück Texture des japanischen Komponisten Toshio Hosokawa wird am 7. Juni in der Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker uraufgeführt. Es spielt das Philharmonische Oktett Berlin.

Texture entstand im Auftrag der Stiftung Berliner Philharmoniker und der Japan Arts Corporation für das Oktett und ist diesem Ensemble auch gewidmet. Die Besetzung entspricht der des Schubert-Oktetts D803, die unter anderem auch Jörg Widmann in seinem Oktett von 2004 verwendet: Klarinette, Fagott, Horn, zwei Violinen, Viola, Violoncello und Kontrabass.

Hosokawa teilt diese Besetzung in zwei Gruppen: ein Streichquartett und ein Bläsertrio mit Kontrabass. Beide spielen Melodien mit einer lebhaften, an Kalligrafie erinnernden Struktur – zwanglose Linien fernöstlicher Pinselstriche, die im übertragenen Sinne Hosokawas Musik stets kennzeichnen. In diesem Stück vereinen sich Gegensätze wie die von Yin und Yang, Weiblichkeit und Männlichkeit, Höhe und Tiefe, Stärke und Schwäche oder auch Licht und Dunkel, die ohne einander unvollständig sind.

Toshio Hosokawa
Texture (2020)
for octet

Uraufführung: 6. Juni 2020, 19:00 Uhr · Philharmonie Berlin · Philharmonisches Oktett Berlin: Wenzel Fuchs (Klarinette), Mor Biron (Fagott), Stefan Dohr (Horn), Daishin Kashimoto, Romano Tommasini (Violinen), Amihai Grosz (Viola), Christoph Igelbrink (Violoncello), Esko Laine (Kontrabass)

30. März 2020

Werk der Woche – György Ligeti: Kammerkonzert

Bei allen stilistischen Wandlungen, die György Ligeti als Komponist von den 1940er bis in die 2000er Jahre durchlebt hat, ist die konzentrierte Form doch stets sein Erkennungszeichen. Den Prototyp dafür finden wir mit dem Kammerkonzert in der Mitte seines Schaffens. Vor genau 50 Jahren, am 5. April 1970 brachten Friedrich Cerha und sein Ensemble “die reihe” die ersten beiden Sätze in Baltimore zur Uraufführung. Satz III folgte im Mai in Wien, Satz IV im Oktober desselben Jahres in Berlin. 

Das Kammerkonzert steht mit seiner Besetzung für 13 Instrumentalisten zwischen solistischer Kammermusik und sinfonischer Klangfülle. Mal gelingt es Ligeti Klangfelder von orchestraler Dichte zu komponieren, mal treten die einzelnen Instrumente solistisch hervor: mit exponierten Melodielinien, die an Schönbergs und Bergs melodisch-expressive Zwölftontechnik erinnern, oder auch mit quasi kadenzierenden Soloepisoden als Ausbruch aus dem metrischen Gefüge des Ensemblespiels, wobei die einzelnen Instrumentalisten als virtuos aufspielende Solisten hervortreten.

György Ligeti – Kammerkonzert: vom Misserfolg zum Standardstück

Das viersätzige Werk ist insofern ein Konzert, als alle 13 Spieler gleichberechtigt sind und virtuose solistische Aufgaben haben. Es handelt sich also nicht um ein Wechselspiel von Soli und Tutti, sondern um ein konzertantes Miteinander aller. Die Stimmen verlaufen stets gleichzeitig, doch in verschiedenen rhythmischen Konfigurationen und meist in verschiedenen Geschwindigkeiten. […] Das Kammerkonzert, das komplett 1970 uraufgeführt wurde, war ein totaler Misserfolg. Kritiker haben geschrieben, nach dem 2. Streichquartett sei dieses Werk ein großer Rückschritt. Im Laufe der Zeit wurde das Kammerkonzert von verschiedenen Ensembles mehrfach gespielt. Jetzt ist es wahrscheinlich ein Standardstück, weil die Besetzung günstig für solche Formationen wie zum Beispiel das Asko-Ensemble ist. Alle diese Dinge weiß der Komponist nicht im Voraus. – György Ligeti

Ligetis 100. Geburtstag am 28. Mai 2023 mag noch weit entfernt scheinen, dennoch möchten wir Sie dazu einladen, seine Musik im Hinblick darauf näher kennenzulernen. Dazu haben wir eine ausführlich kommentierte Playlist für Sie erstellt, die Sie über den unten stehenden Link erkunden können.

23. März 2020

Werk der Woche – Hans Werner Henze: The Bassarids (Die Bassariden)

Da zurzeit nahezu alle Opern- und Konzerthäuser der Welt geschlossen sind, richten wir in dieser Woche den Blick auf eine aktuelle Inszenierung von Hans Werner Henzes The Bassarids – Die Bassariden. Die Produktion der Komischen Oper Berlin ist als kostenloses Video on Demand bei OperaVision zu sehen. Die Kritiken zur Inszenierung von Barry Kosky und musikalischen Umsetzung durch Vladimir Jurowski waren herausragend; es ist also eine ausgezeichnete Gelegenheit, die Tiefen dieses epochalen Meisterwerks ausgiebig zu erkunden.  Das Video finden Sie am Ende dieser Seite. 

Die Handlung orientiert sich an den Bakchen des Euripides. Das Libretto entstammt der Feder von W. H. Auden und Chester Kallman. Bei seinem Antritt der Herrschaft über Theben spricht Pentheus zuallererst ein Verbot des Dionysos-Kultes aus. Wie sich später herausstellt, hat Pentheus diese Rechnung jedoch ohne Dionysos gemacht. Dieser kommt nämlich in Gestalt eines Fremden nach Theben und stiftet Pentheus zur heimlichen Beobachtung der nächtlichen Riten an. Dabei wird der Herrscher Thebens in Frauenkleidung durch seine eigene Mutter, Agaue, erschlagen, die ihn für ein wildes Tier hält. Das grausame Erwachen folgt am nächsten Morgen: Erst jetzt realisiert Agaue ihre Tat. Dionysos zeigt seine wahre Identität, enthüllt den vollzogenen Plan als Racheakt an Pentheus und verlangt die bedingungslose Verehrung durch das Volk von Theben.

Hans Werner Henze (rechts) mit Regisseur Gustav Rudolf Sellner (links) und den Librettisten Chester Kallman und W. H. Auden bei der Uraufführung von „Die Bassariden“ 1966 in Salzburg [Foto: Heinz Köster]

Hans Werner Henze: The Bassarids – Pole der menschlichen Existenz

Der Einakter besteht aus zwei Teilen und ist formal an eine viersätzige Symphonie angelehnt. Die große Besetzung, Komplexität des Librettos und vielschichtige musikalische Faktur machen die Aufführung von The Bassarids zu einem ambitionierten Projekt. Mit Dionysos und Pentheus stehen sich zwei Pole der menschlichen Existenz gegenüber, die auf der Grundlage des antiken Stoffes zahlreiche Bezüge zur Gegenwart zulassen.

Die Bassariden, die ich heute viel besser verstehe und die ich viel mehr liebe als damals, als ich sie schrieb, für mich bedeuten sie heute mein wichtigstes Theaterwerk. Interessant und modern und uns angehend und eigentlich auch die Jahre um 1968 angehend sind eben die Fragen: Was ist Freiheit, was ist Unfreiheit? Was ist Repression, was ist Revolte, was ist Revolution? All das wird eigentlich bei Euripides gezeigt, angedeutet, angeregt. Die Vielzahl, der Reichtum der Beziehungen, der greifbar-sensuellen Beziehungen zwischen dieser Antike, dieser Archais, und uns wird durch den Auden’schen Text hergestellt, und Euripides wird herangezogen in unsere Zeit, und zwar in einer Weise, wie es auch die brillanteste Regie mit dem griechischen Original nicht machen könnte, bei dem eben immer die Distanz zu einer anderen und lang zurückliegenden Zivilisation sich manifestiert. – Hans Werner Henze

Das Video on Demand ist noch bis zum 13. April zu sehen, eine letzte Aufführung der Produktion an der Komischen Oper Berlin ist für den 26. Juni geplant.     

Foto: © Komische Oper Berlin / Monika Rittershaus

16. September 2019

Werk der Woche – Kurt Weill: Die sieben Todsünden

Weill: Die sieben Todsünden / Staatstheater Stuttgart

Die sieben Todsünden ist eines der bekanntesten Werke von Kurt Weill. Am 21. September ist das gemeinsam mit Bertolt Brecht verfasste „Ballet Chanté“ erstmals in einer neuen Fassung mit einem kleinen, 15 Instrumente umfassenden Ensemble zu hören. Sarah Maria Sun in der Rolle der Anna steht an der Seite des Ensemble Modern unter der Leitung von HK Gruber auf der Bühne beim Beethovenfest Bonn. Gruber hat die neue Instrumentierung gemeinsam mit Christian Muthspiel in Zusammenarbeit mit der Kurt Weill Foundation und Schott Music verfasst.

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11. Februar 2019

Werk der Woche – Jörg Widmann: Babylon

Im Rahmen des Festival Présences wird am 16. Februar 2019 die Babylon-Suite von Jörg Widmann im Grand Auditorium de Radio France in Paris aufgeführt. Das Orchestre National de France spielt unter der Leitung von Nicholas Collon. Die Aufführung wird begleitet von Videoinstallationen von Studierenden der École Estienne. „Werk der Woche – Jörg Widmann: Babylon“ weiterlesen

28. September 2018

Kritikerumfrage der Opernwelt: Uraufführung und Wiederentdeckung des Jahres

Opernwelt-Jahrbuch 2018

Schott-Komponisten auf den vorderen Rängen im Jahresheft der Zeitschrift Opernwelt: Die Umfrage unter 50 internationalen Musikkritikerinnen und Musikkritikern gilt als wichtigstes Qualitätsbarometer in der deutschsprachigen Opernszene. In den beiden Werk-Kategorien gewannen Opern von Heinz Holliger und Erich Wolfgang Korngold. „Kritikerumfrage der Opernwelt: Uraufführung und Wiederentdeckung des Jahres“ weiterlesen

20. Mai 2018

Dieter Schnebel – der Grenzgänger. Zum Tod des Komponisten

Es darf keine Sieger mehr geben, auch nicht in der Kunst… Diesem Credo, das Dieter Schnebel mit Künstlern wie John Cage teilte, blieb er lebenslang treu. Kunst und Welt, Musik und Alltag, das waren für den im badischen Lahr geborenen Komponisten, Pfarrer, Musikwissenschaftler und Pädagogen keine Gegensätze. Mit Kompositionen wie Ki-No, visible music und anschläge – ausschläge schuf er einen neuen, offenen Werkbegriff, der zeitliche und räumliche Grenzen ebenso hinter sich ließ wie er den Komponisten als kreativen Auslöser, nicht aber als Vollender eines Werks verstand. Weil Schnebel die Aufführungssituation als urdemokratisches Ereignis begriff, holte er die Geräusche der Straße in den Konzertsaal. Seine Schlüsselwerke zeigen, dass er jeglichen ästhetischen Dogmatismus ablehnte, etwa das Vokalwerk Ekstasis und die Oper Majakowskis Tod – Totentanz. Im Alter von 88 Jahren ist Dieter Schnebel am 20. Mai 2018 in Berlin gestorben.

In den 1960er Jahren erfolgten die ersten skandalumwitterten Aufführungen seiner frühen Arbeiten, die sich nur wage mit den Begriffen Concept Art und Fluxus beschreiben lassen. In dem Maße, indem Schnebel die Musik als nahezu voraussetzungsloses Handeln in experimentellen und archetypischen Situationen verstand, emanzipierte sich der Interpret von der Komposition. Der Interpret fungierte nicht länger als Ausführender eines in sich vollendeten Oeuvres, vielmehr wurde der Moment der Hervorbringung von Musik zum eigentlichen Inhalt des Werks. „Musikalisches Material sind nicht die Töne oder andere akustische Stoffe, sondern vielmehr die Prozesse ihrer Hervorbringung“, fasste Schnebel seine Auffassung zusammen.

Entgrenzung des musikalischen Materials

Auch in anderer Hinsicht brach Schnebel mit tradierten Hörerwartungen. Bei ihm wurde die menschliche Stimme vielfach zum entfesselten Organ. Alle Möglichkeiten der Lauthervorbringung sind erlaubt – Singen, Sprechen, Röcheln, aber auch völlige Stille. Konzepttitel wie Körper – Sprachen oder Laut – Gesten – Laute zeugen von dieser Entgrenzung des musikalischen Materials. Außerdem spielte die Gestik der Interpreten eine immer größere Rolle in Schnebels Kunst: Die frontale Konzertsituation wurde gesprengt. Musiker begannen, sich im Raum zu bewegen, Konzertanfang und Konzertende waren als solche nicht mehr zu erkennen. „Die Musik, die einmal ihre zeitliche und räumliche Umgebung einließ, die Töne und Geräusche des Alltags, geht auf die Straße und endet, wer weiß wo.“

In den 1970er Jahren begann der Komponist, mit dem Ensemble „Maulwerker“ auf Tournee zu gehen. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Musik- und Religionslehrer veranstaltete er Schüler- und Laienkonzerte – elementarpädagogische Ansätze, die Schnebel in der eigens für ihn geschaffenen Professur für experimentelle Musik an der Hochschule der Künste in Berlin weiterentwickelte. Mit seinem radikal offenen Werkbegriff stieß der Komponist jedoch auch an Grenzen: 1978 provozierte das Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester bewusst das Scheitern einer Aufführung des Projekts Orchestra.

Bekenntnis zur Utopie

Zu Schnebels künstlerischer Offenheit gehörte auch der neugierige Respekt für die Tonalität. Tradition lehnte er keineswegs ab, er deutete sie als lebendigen Prozess, „der die Versenkung ins Vergangene, den Blick in die verborgenen Quellen und deren lebendiges Weiterfließen ebenso beinhaltet wie die Offenheit dafür, was daraus werden könnte, den Blick nach vorn.“ Mit dem Zyklus Re-Visionen (Beethoven-Symphonie, Schubert-Phantasie und Wagner-Idyll) näherte er sich schöpferisch-ironisch der Tradition. Musikgeschichte sah Schnebel als Teil eines kollektiven Gedächtnisses, dessen Relevanz für das Heute stets aufs Neue überprüft werden müsse. Zwischen Philosophie und verspieltem Humor bewegte sich Schnebel auch im musikalischen Kammertheater Utopien, das bei all seiner ironischen Leichtigkeit geradezu bekenntnishaft ist. Vieles darin erklärt sich vor dem Lebensweg einer Person, die als Achtundsechziger und gleichzeitig als engagierter Christ immer quer zu ihrer Zeit lebte. Im Stück selbst begriff er diese Utopien als musikalische Abstraktion, die er als Künstler nicht ausmalt; doch Schnebel selbst hörte nie auf, an Utopien festzuhalten, die für ihn immer auch Hoffnung bedeuteten.

Die einmal erarbeiteten Methoden – Aleatorik, das Experiment als Prinzip, die Verwendung von Raumklang – blieben bis in das Spätwerk erhalten. Hauptwerke wie das auf einer mehrsprachigen Textcollage beruhende Ekstasis oder die monumentale Sinfonie X sind die späte Quintessenz seines Schaffens. Ein besonderes Anliegen war dem gelernten Theologen zeitlebens die Kirchenmusik. Tonkunst, das war für Schnebel stets auch ein ethisches Konzept, eine mögliche Verbindung von Innen- und Außenwelt, Individuum und Gesellschaft – und damit auch eine universelle Idee von den Möglichkeiten des Menschseins. Auch deshalb wird er fehlen. In den letzten Wochen arbeitete er intensiv an einem Orchesterstück für das hr-Sinfonieorchester, die nächsten Monate sahen mehrere Uraufführungen neuer Werke vor. Schnebel verstarb mitten im Leben und mitten im kreativen Schaffensprozess nach kurzer Krankheit am Pfingstsonntag 2018.

photo: Astrid Kargεr

11. Dezember 2017

Werk der Woche: Aribert Reimann – Die schönen Augen der Frühlingsnacht

In die jetzige Winterzeit zaubert der neue Liederzyklus von Aribert Reimann blumige Frühlingsgefühle. Die schönen Augen der Frühlingsnacht wird am 14. Dezember 2017 im Muziekgebouw aan’t IJ in Amsterdam uraufgeführt. „Werk der Woche: Aribert Reimann – Die schönen Augen der Frühlingsnacht“ weiterlesen

16. Januar 2017

Werk der Woche – Enjott Schneider: „Ein feste Burg“

Anlässlich zum 500. Jahrestag der Reformation präsentiert das Bundesjugendballett sein Projekt „Gipfeltreffen – Reformation“. Teil davon ist die Choreografie von Zhang Disha auf die symphonische Dichtung Ein feste Burg von Enjott Schneider. Es spielt das Bundesjugendorchester unter der Leitung von Alexander Shelley.

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29. August 2016

Werk der Woche – Julian Anderson: Incantesimi

Unter der Leitung von Sir Simon Rattle finden diese Woche in gleich zwei Ländern Erstaufführungen von Julian Andersons Incantesimi statt: Am Mittwoch, den 31. August, spielen die Berliner Philharmoniker beim Lucerne Festival das erst kürzlich in Berlin uraufgeführte Orchesterwerk. Drei Tage später präsentieren sie es in der Royal Albert Hall in London im Rahmen der BBC Proms.

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