Schott Music

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29. Februar 2016

Werk der Woche – Aribert Reimann: Metamorphosen

Der Komponist Aribert Reimann wird am 4. März 80 Jahre alt. Seine Metamorphosen über ein Menuett von Franz Schubert (D 600) für zehn Instrumente sind in dieser Woche an zwei Orten zu hören: Das Ensemble Pro Artibus Hannover spielt das Werk am 1. März in der Städtischen Galerie KUBUS in Hannover, ein Kammerensemble des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin führt es am 4. März in einem Geburtstagskonzert in der Villa Elisabeth in Berlin auf.

Als Vorlage für Metamorphosen diente das Menuett in cis-Moll für Klavier von Schubert. Dieses zeichnet sich durch kontrapunktische Gestaltung und einen Charakter im barock-festlichen Stil aus. Es wurde allerdings erst im Jahr 1897, knapp 70 Jahre nach Schuberts Tod, veröffentlicht. Offenbar hatte Schubert demnach nicht geplant, das Menuett zu publizieren. Es veranschaulicht jedoch die Arbeitsweise des Komponisten: musikalische Einfälle hielt der Komponist nur selten in Skizzenform fest. Stattdessen verarbeitete er sie direkt in Kleinformen wie hier zum Beispiel einem Menuett in einer ersten und oft komprimiert wirkenden Gestaltung. Später entwickelte er einige diese Einfälle in umfangreicheren Werken und auch für größere Besetzungen weiter.

Reimann entwickelt Schuberts Idee weiter

Reimann hat sich in seinen Metamorphosen der Ausarbeitung von Schuberts Einfällen angenommen, indem er das Menuett in eine Fassung für Bläserquintett und Streichquintett übertragen hat. Er belässt es aber nicht bei einer reinen Transkription, sondern entwickelt aus Schuberts Tonsprache eigene musikalische Elemente. Auf die zu Beginn wörtlich zitierten acht Anfangstakte folgen Variationen, die sich nach und nach immer weiter von der Vorlage entfernen. Die Instrumentengruppen stehen sich dabei nur selten blockhaft gegenüber. Stattdessen bilden sie vielfältige Kombinationen von kurzen Soli und Duetten, die sich mit polyphonen Tutti abwechseln.

An der Auseinandersetzung mit Werken anderer Komponisten habe ich wahnsinnig viel gelernt. Vor allem, was die Polyphonie des Klaviersatzes betrifft, die ja in der Neuen Musik eine andere Rolle spielt als zuvor. – Reimann

Im Geburtstagskonzert in der Villa Elisabeth in Berlin führen Mitglieder des Deutsche Symphonie-Orchesters außerdem drei weitere Werke von Aribert Reimann auf: Adagio zum Gedenken an Robert Schumann für Streichquartett, Solo für Oboe und Solo für Violoncello.

Foto: © Schott Music Promotion / Gaby Gerster