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Schott Music

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23. April 2018

Werk der Woche – Luigi Dallapiccola: Il prigioniero

In seiner Kurzoper Il prigioniero von 1949 stellt Luigi Dallapiccola Fragen nach Glaube, Liebe, Hoffnung und Freiheit – Themen, die bis heute nicht an Aktualität verloren haben. Am Opernhaus Stuttgart feiert der Einakter des italienischen Komponisten nun am 26. April 2018 Premiere. Regie führt Andrea Breth, das Bühnenbild stammt von Martin Zehetgruber und es spielt das Staatsorchester Stuttgart unter der Leitung von Franck Ollu. Die Inszenierung ist in Koproduktion mit dem Theater La Monnaie/De Munt in Brüssel entstanden und war dort im Januar dieses Jahres zu sehen.

Am Hof des spanischen Königshauses zur Zeit der Inquisition im 16. Jahrhundert: Ein politischer Gefangener verbringt die letzte Nacht vor seiner Hinrichtung, als der Kerkermeister ihn mit „Fratello“ („Bruder“) anspricht und ihn auf Befreiung und Überleben hoffen lässt. Der Kerkermeister lässt sogar die Zelle des Gefangenen offen und ermöglicht ihm so die Flucht. Doch führt der Gang durch den Kerker nicht in die Freiheit, sondern in die Arme des Kerkermeisters, der in Wahrheit der Großinquisitor selbst ist. Im frühlingshaften Gefängnisgarten empfängt ihn dieser ebenso mit „Fratello“ und der Gefangene versteht, dass ihn der Scheiterhaufen erwartet und dass die Illusion von Freiheit und Hoffnung seine letzte Folter war.

Luigi Dallapiccola – Il prigioniero: Die Hoffnung als letzte Folter

Als Reaktion auf den Faschismus und den Zweiten Weltkrieg begann Dallapiccola 1944 die Arbeit an seiner zweiten Oper Il prigioniero und verwendete als Grundlage dazu drei Zwölftonreihen, die er mit den Begriffen „Gebet“, „Hoffnung“ und „Freiheit“ assoziiert. Er war der erste italienische Komponist überhaupt, der sich Arnold Schönbergs Zwölftontechnik selbstständig aneignete. Gleichzeitig ermöglichen tonale Anklänge und liedhafte Momente der Komposition eine gesangliche Expressivität. Für das Libretto griff Dallapiccola auf La torture par l’espérance („Folter durch Hoffnung“) des französischen Autors Philippe-Auguste Villiers de L’Isle Adam und La légende d’Ulenspiegel e Lamme Goedzak („Die Legende von Tyll Ulenspiegel und Lamm Goedzak“) von Charles de Coster zurück.

Mit den Mitteln der Zweiten Wiener Schule schuf Dallapiccola ein Fanal gegen Krieg, Gewalt und Totalitarismus. Il prigioniero gilt als eine der wichtigsten italienischen Opern aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, deren zeitlose Thematik es auch heutzutage zu einem vielgespielten Werk macht.

„Hoffe, mein Bruder, hoffe voll tiefer Inbrunst;
hoffe so lange, bis du vergehst in Schmerzen;
hoffe zu jeglicher Stunde des Tages…
leben musst du für diese Hoffnung…“
– Der Kerkermeister, 2. Szene

Weitere Aufführungen des Musikdramas folgen am 29.4., 21.5., 26.5., 9.6., 16.6. und 25.6. in Stuttgart. Il prigioniero läuft außerdem ab dem 30. Juni 2018 an der Semperoper Dresden.

 

Foto: Oper Köln / Paul Leclaire