Schott Music

Skip to Main Content »

20. August 2018

Werk der Woche – Fazil Say: Umut Senfonisi

Symphonien gehören meist zu den zentralen Werken eines Komponisten, doch heutzutage komponieren diese immer seltener in der Gattung. Am 25. August 2018 gelangt nun Fazil Says vierte Symphonie Umut Senfonisi im Kulturpalast Dresden zur Uraufführung. Michael Sanderling dirigiert die Dresdner Philharmonie, die gleichzeitig auch Auftraggeber des Werks ist. Say ist bei dem Orchester in der neuen Spielzeit „Composer in Residence“.

Umut Senfonisi trägt wie die drei vorausgehenden Symphonien einen programmatischen Titel –  „Umut“ ist das türkische Wort für „Hoffnung“.  Zuvor schrieb er die Symphonien Istanbul, Mesopotamia und Universe. In diesen Werken fängt er die Stimmungen und Bilder der Werk- und Satzbezeichnungen sehr illustrativ ein. Dazu verwendet der türkische Komponist immer wieder musikalische Idiome seiner Heimat. Der Titel Umut Senfonisi ist etwas abstrakter gefasst, zeigt aber ebenfalls wie die Vorgängerwerke typische traditionell-türkische Taktarten im 2. und 3. Satz mit 7/8- und 9/8-Takten.

Fazil Say – Umut Senfonisi: Zerstörung und Hoffnung

Die Symphonie besteht klassisch aus vier Sätzen: Largo espressivo, danach Allegro energico, gefolgt von Andante tranquillo – Swinging und das Finale  Adagio, drammatico – Moderato. Während der ersten drei Sätze durchbricht Say die Komposition durch Maschinengewehr-ähnliche Salven im Schlagzeug. Diese Teile nennt er „terrorism“ und stellt mit ihnen in unmittelbarer Weise Zerstörung dar. Dies wird im dritten Satz am deutlichsten, wenn die „Maschinengewehre“ einen mit „Party“ betitelten Swing-Teil abrupt beenden. Im direkt anschließenden Finalsatz unterbricht Say die Komposition nicht mehr mit einer „terrorism“-Passage, sodass die Symphonie mit einem Hoffnungsschimmer endet.

„Meine Musik basiert oft auf türkischer Rhythmik, auf der besonderen Gestik, dem Tanz. Wenn ich einen japanischen Komponisten höre, muss er mir aus Japan etwas mitbringen, das ist mir wichtig. Auch die russischen Komponisten, Korsakow oder Rachmaninow, verwenden Volkslieder und Tänze ihrer Heimat.  Man sagt, Sibelius hätte an die 30 Volkslieder alleine in seinem Violinkonzert verwendet. Aber ich möchte nicht, dass das Türkische oder das Orientalische etwas Außergewöhnliches ist, etwas Exotisches.“ – Fazil Say

Fazil Say ergänzt das Uraufführungskonzert, in dem auch Beethovens 2. Symphonie gespielt wird, durch eine Aufführung von Beethovens Klaviersonate „Der Sturm“ als Pianist. Das Konzert wird folgenden Tag an gleicher Stelle wiederholt. Im Februar 2019 gelangt die Umut Senfonisi in Bordeaux mit dem Co-Auftraggeber, dem Orchestre National Bordeaux-Aquitaine, zu ihrer französischen Erstaufführung.

Update: Aufgrund eines Trauerfalls in der Familie konnte Fazil Say nicht an dem Konzert in Dresden teilnehmen.

 

 

© Foto: Marco Borggreve