Schott Music

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6. Februar 2015

Werk der Woche – György Ligeti: Le Grand Macabre

Am 14. Februar 2015 feiert eine Neuproduktion von György Ligetis Le Grand Macabre im Aalto-Musiktheater in Essen Premiere. Die Inszenierung stammt von Mariame Clément, am Pult steht Dima Slobodeniouk.

Ligeti selbst bezeichnete das Werk, das 1978 in Stockholm uraufgeführt wurde, als „Anti-Anti-Oper“. Er verweist damit auf das Spiel mit den Konventionen, die er zwar bedient, aber auch auf den Kopf stellt. So beugt er sich einerseits den Anforderungen einer Oper. Der Text solle klar zu verstehen sein, während die Handlung in ein szenisches Korsett eingeschnürt werden müsse. Andererseits entwarf Ligeti ein Konzept für einen Bruch mit der Operntradition:

Mir schwebte ein stark schematisierendes, comicartiges Bühnengeschehen vor, und auch die Musik sollte unmittelbar, comicartig, übertrieben, farbig und verrückt sein. Die Neuartigkeit dieses Musiktheaters sollte sich nicht in Äußerlichkeiten der Aufführung, sondern im Inneren der Musik, durch die Musik manifestieren. – György Ligeti

Ligeti verschwendet bei der Umsetzung dieser Vision keine Zeit: Bereits das Vorspiel mit der Besetzung von zwölf Autohupen lässt das Publikum erahnen, was für eine Art musikalischer Exzesse in Le Grand Macabre gefeiert werden. Die Musik begleitet und forciert das Geschehen auf der Bühne, den Rausch der Sinne, der in der Fantasiewelt Breughelland zelebriert wird. Die Anarchie im Orchestergraben ist jedoch kein Mittel zum Zweck. Ligeti verliert die vordergründige Handlung der Oper, den Weltuntergang mit Ankündigung, nie aus den Augen und verleiht dem Werk eine ganz eigene Grundstimmung:

Es ist die kühl berechnende Artistik, die den Grand Macabre mit all diesen bunt durcheinandergewürfelten Ingredienzien als Ganzes im Zaum hält. Durch das bewusste Eingliedern und Zurechtrücken des Details in die Koordination des Gesamtplans entsteht Transparenz, es öffnen sich Durchblicke auf den bemerkenswerten, makabren Ernst der Situation, der in all der heiter ausgebreiteten Doppelbödigkeit dieser Oper steckt. Was dann bleibt, ist neben der Freude ein zutiefst mulmiges Gefühl. – Ulrich Dibelius

Nach der Premiere wird Le Grand Macabre noch bis zum 20. März an acht Abenden in Essen zu sehen sein.

Weitere Informationen zum Werk und auch zu anderen Schwergewichten des Opernbetriebs finden Sie in der aktuellen Ausgabe von schott aktuell: Giants of 20th Century Opera (PDF).

Foto: Oper Graz / Dimo Dimov

(06.02.2015)