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Schott Music

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16. April 2018

Werk der Woche – Paul Hindemith: Cardillac

In den 1920er Jahren zählte sie zu den beliebtesten Opern und wurde das erfolgreichste Bühnenwerk von Paul Hindemith – die Oper Cardillac. Am 21. April 2018 feiert seine erste abendfüllende Oper in einer Neuinszenierung am Landestheater Salzburg Premiere. Dabei spielt das Mozarteumorchester unter der Leitung von Robin Davis, die Inszenierung stammt von Amélie Niemeyer und das Bühnenbild von Stefanie Seitz.

Hindemith war lange Zeit auf der Suche nach einem geeigneten Operntext gewesen, bis er auf die Novelle Das Fräulein von Scudéri von E.T.A. Hoffmann stieß. In Ferdinand Lion fand er einen kongenialen Librettisten. Dieser verknappte Hoffmanns Novelle stark und schuf ein expressionistisches Textbuch. Die Musik der Oper erweckt durch ihre überraschende Eigenständigkeit oftmals einen kühl-distanzierten Eindruck. Dennoch gelingt es Hindemith, die Musik auf subtile und vielschichtige Weise mit dem Text zu verbinden. Er interpretiert das Wort-Ton-Verhältnis völlig neu, sachlich und objektiv, weshalb Cardillac auch als ein Hauptwerk der Neuen Sachlichkeit gilt. Eine weitere Besonderheit der Komposition ist der Rückgriff auf barocke Formen, wie Fuge oder Passacaglia.

Paul Hindemith – Cardillac: Ein Mörder geht um

Hindemith war die Titelfigur seiner Oper sofort sympathisch: Der geniale Goldschmied Cardillac lebt 1680 in Paris und kann sich nicht von den von ihm geschaffenen Schmuckstücken trennen. Er begeht Morde, um seine Werke von den Käufern wieder zurück zu erlangen.  In der Psychologie gilt das nach Hoffmanns Novelle benannte Cardillac-Syndrom inzwischen als anerkannte psychische Störung. Es beschreibt die krankhafte Unfähigkeit eines Künstlers, sich von seinen Werken, in die er viel von seiner Persönlichkeit und seiner künstlerischen Stimme gelegt hat, trennen zu können. Künstler empfinden den Verlust eines Werkes als Verlust eines Teils ihrer Identität. Zwar gesteht Cardillac zum Ende seine Taten, jedoch ohne jegliche Reue und wird vom Volk gelyncht. Selbst im Sterben gilt sein letzter Gedanke einer Kette, er greift nach ihr und küsst sie.

„Dies getan fühlte ich eine Ruhe, eine Zufriedenheit in meiner Seele, wie sonst niemals. Das Gespenst war verschwunden, die Stimme des Satans schwieg. Nun wusste ich, was mein böser Stern wollte, ich musste ihm nachgeben oder untergehen!“
– Cardillacs Bekenntnis

Die 90-minütige Oper wird vom 29. April bis 15. Mai an fünf weiteren Abenden am Landestheater Salzburg aufgeführt. Außerdem präsentiert die Opera di Firenze vom 5. bis 15. Mai eine weitere Produktion der Oper unter der Leitung von Fabio Luisi. In Schwerin bringt das Mecklenburgische Staatstheater vom 4. bis 30. Mai unter der Leitung von Gabriel Venzago eine weitere Oper von Hindemith auf die Bühne: die lustige Oper Neues vom Tage.

 

Foto: Theater Pforzheim / Sabine Haymann