Schott Music

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22. April 2016

Werk der Woche – Paul Hindemith: Mathis der Maler

Am 1. Mai 2016 findet in Dresden an der Semperoper die Premiere der Oper Mathis der Maler von Paul Hindemith statt. Das Künstlerdrama rund um Mathias Grünewald ist in einer Inszenierung von Jochen Biganzoli zu sehen. Am Pult steht Simone Young, die Titelpartie singt Markus Marquardt.

Der Maler Mathis steht im Dienst von Kardinal Albrecht von Brandenburg und trifft auf den Bauernführer Schwalb und dessen Tochter Regina. Er verhilft den Beiden zur Flucht vor dem Bundesheer und bittet Albrecht seinen Dienst beenden zu dürfen, um selbst gegen die verordnete Armut kämpfen zu können. Mathis erkennt jedoch schnell, dass sein Einsatz vergebens ist. Nach dem Tod von Schwalb kümmert er sich um Regina, beide sind auf der Flucht. Bei einer Rast im Odenwald erscheint Mathis der Kardinal Albrecht in Gestalt des heiligen Petrus. Er befiehlt dem Maler, wieder zur Kunst zurückzukehren. Daraufhin vollendet er sein wichtigstes Werk, den Isenheimer Altar. Der Kardinal will Mathis nun wieder in den Dienst stellen, doch dieser lehnt ab und zieht sich resigniert in die Einsamkeit zurück.

Mathis dem Maler und Paul Hindemith: Ein Zeit- und Ideendrama

Stoffwahl und Entstehungsgeschichte von Mathis der Maler, zu dem Hindemith das Libretto selbst verfasste, sind eng mit seiner eigenen Situation seit 1933 verbunden. Die Gedanken und Gefühle des Komponisten mögen denen von Mathis geähnelt haben. Der Maler ist Sinnbild des leiderfüllten schöpferischen Künstlers, der sich zu Zeiten von Reformation und Kriegen fragt, ob seine Kunst noch eine Daseinsberechtigung besitzt. Er schwankt zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Nach dem einhelligen Erfolg der vorausgehenden Symphonie „Mathis der Maler“ folgte massive Propaganda von NS-Kulturpolitikern gegen Hindemith. Nach Furtwänglers gescheitertem Versuch, den Komponisten in Schutz zu nehmen, zog sich Hindemith schrittweise aus Deutschland zurück und emigrierte 1938 in die Schweiz, wo die Oper in Zürich uraufgeführt wurde. Die Gefühlswelt des Künstlers beschreibt Hindemith so:

Von allen Höllenqualen einer zweifelnden, suchenden Seele geplagt, erlebt Mathis den Einbruch einer neuen Zeit mit ihrem unvermeidlichen Umsturz der bisher geltenden Anschauungen. Er geriet in die damals gewaltig arbeitende Maschinerie des Staates und der Kirche, hielt mit seiner Kraft dem Druck dieser Mächte wohl stand, in seinen Bildern berichtet er jedoch deutlich genug, wie die wildbewegten Zeitläufe mit all ihrem Elend, ihren Krankheiten und Kriegen ihn erschüttert haben. – Hindemith

An der Semperoper ist Mathis der Maler bis zum 20. Mai zu sehen. In der kommenden Spielzeit bringt das Staatstheater Mainz das Stück auf die Bühne.

Foto: Frank Höhler