Schott Music

Skip to Main Content »

17. Februar 2015

Werk der Woche – Peter Eötvös: Angels in America

Ab dem 19. Februar 2015 wird die Oper Angels in America von Peter Eötvös in vier Vorstellungen in Boston zu erleben sein. Das University Theatre nimmt sich unter der Leitung von William Lumpkin des Zweiakters an und bringt ihn in einer Inszenierung von Jim Petosa auf die Bühne.

Angels in America basiert auf dem gleichnamigen Drama von Tony Kushner, das 1993 mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet wurde. Kushners monumentales Theaterstück ist zum einen eine Abrechnung mit dem Amerika unter Ronald Reagan und zum anderen eine Aufarbeitung der AIDS-Hysterie Mitte der 1980er Jahre. Eötvös‘ Oper feierte ihre Uraufführung 2004 in Paris, knapp zwanzig Jahre nach der Zeit der Handlung. Im Opernlibretto tritt die politische Dimension der Vorlage in den Hintergrund, während den Gemütszuständen der Protagonisten mehr Raum gegeben wird. Schließlich waren es die in Kushners Stück allgegenwärtigen Visionen und Halluzinationen, die Eötvös an dem Stoff besonders reizten.

Auf der Suche nach der geeigneten musikalischen Umsetzung besuchte er gemeinsam mit seiner Frau Mari Mezei, die das Libretto für Angels in America schrieb, eine Woche lang Musicalvorstellungen am Broadway. Diese Recherchen nahmen entscheidend Einfluss auf den Klang der Oper. Die musikalischen Verweise auf die Showbühne ergänzt Eötvös durch Jazz- und Rockelemente, Anleihen aus der jüdischen Musik sowie Aufnahmen von Alltagsgeräuschen. Als Gegenpol zur Dramatik des Librettos vereinfacht seine Musik den Zugang zur thematischen Schwere des Stoffs:

Das alles wäre eine schwer verdauliche Angelegenheit, wenn Eötvös nicht diese intelligent gebaute Mischform aus Musical und Oper gefunden hätte. Natürlich kann man sich diesen illusionslosen Existentialismus als abgrundstarrendes Bühnenstück mit entsprechender Musik vorstellen. Aber je länger die Sache geht, desto erfreulicher wirkt die kluge, ironische Art, die spielt und tändelt, anstatt mit der Faust auf den Tisch zu hauen. – Hans-Jürgen Linke (Frankfurter Rundschau)

Ab dem 21. März 2015 ist Eötvös auch wieder in Deutschland zu hören: Das Theater Chemnitz unter der Leitung von Frank Beermann bringt die Oper Paradise reloaded (Lilith) erstmals auf einer deutschen Bühne zur Aufführung.

Foto: Oper Frankfurt / Monika Rittershaus

(17.02.2015)