Schott Music

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12. November 2018

Werk der Woche – Peter Ilyich Tschaikowsky: Concerto No. 1 in b-Moll

Die Česká filharmonie zeigt als Teil ihrer Konzert-Tour Tschaikowskys Concerto No. 1 in b-Moll am 12. November 2018 im Mondavi Center im US-amerikanischen Davis. Der Solo-Pianist Kirill Gerstein und das Orchester spielen unter der Leitung von Semyon Bychkov. Dabei ist die zweite Fassung des Werkes von 1879 zu hören, die kürzlich als neues Aufführungsmaterial auf Grundlage der neuen akademischen Ausgabe sämtlicher Werke von Peter Iljitsch Tschaikowsky erschienen ist.

Nachdem Tschaikowsky 1874 sein Concerto No. 1 in b-Moll fertiggestellt hatte, legte er es seinem Mentor Nikolai Rubinstein vor, um Hinweise und pianistische Verbesserungsvorschläge für die Soloklavier-Stimme zu erhalten, denn Tschaikowsky selbst war kein Konzertpianist. Rubinstein stand dem Werk ablehnend gegenüber und bezeichnete es als unspielbar. Tschaikowsky weigerte sich jedoch, etwas Gravierendes daran zu verändern und ließ es wie vorgesehen abdrucken. Er widmete das Konzert Hans von Bülow, der im Oktober 1875 in Boston dessen Uraufführung übernahm. 1879 erstellte er dann aber doch jene Fassung, die nun in Davis gespielt wird. Die Änderungen für diese Fassung waren Tschaikowsky von einigen Pianisten, die das Werk bereits gespielt hatten, vorgeschlagen worden. Die einzelnen Fassungen unterscheiden sich, außer in einer geringen Kürzung des Finales, weder in der formalen Gestaltung des Konzerts noch in der musikalischen Substanz oder in der Länge. Nur in der Gestaltung des Soloparts und in vereinzelten Änderungen von Tempo- und Dynamik-Angaben gibt es Abweichungen. Die neue akademische Gesamtausgabe von Tschaikowskys gesammelten Werken beleuchtet jeder der insgesamt vier Werkfassungen kritisch.

Peter Ilyich Tschaikowsky – Concerto No. 1 in b-Moll: eine Frage der Fassung

Tschaikowskys erstes Klavierkonzert besteht aus den üblichen drei Sätzen, weicht aber von einer starren Sonatenhauptsatzform ab, indem es in der Parallel-Tonart Des-Dur beginnt. So täuscht es dem Hörer vor zunächst eine andere Grundtonart vor. Der erste Satz Allegro non troppo e molto maestoso mit seiner ausladenden Einleitung nimmt über die Hälfte  der gesamten Länge des Konzertes ein. Es folgt ein Andantino semplice im zweiten Satz, das mit einer solistischen Melodie in der Querflöte beginnt, die anschließend vom Klavier übernommen wird. Klassisch in Rondoform ist der dritte Satz Allegro con fuoco angelegt, dessen Themen ihren Ursprung in ukrainischen Volkstänzen haben.

Es handelt sich um das Klavierkonzert, das ich ganze zwei Monate lang mit großer Mühe komponiert habe; aber diesem unglücklichen Werk wurde nicht die Ehre zuteil, den Herren Rubinstein und Gubert zu gefallen, welche ihre Missbilligung in sehr unfreundschaftlicher und beleidigender Weise äußerten. Nichtsdestoweniger will ich es drucken lassen. – Peter Ilyich Tchaikovsky

Neben dem Concerto No. 1 in b-Moll werden an diesem Abend auch Tschaikowskys Serenade für Streicher op. 43 und Francesca da Rimini zu hören sein.