Schott Music

Skip to Main Content »

30. Januar 2015

Werk der Woche – Stewart Wallace: Harvey Milk

Am 7. und 8. Februar 2015 ist die Oper Harvey Milk von Stewart Wallace erstmals in Australien zu hören: Der Melbourne Gay and Lesbian Chorus unter der Leitung von Kathleen McGuire führt die Oper in der St Kilda Town Hall in Melbourne, Victoria auf. Die Aufführung ist Teil des Midsumma Festivals, das seit 1989 jedes Jahr für drei Wochen schwul-lesbische Kultur in den Mittelpunkt stellt.

Die Oper wurde von der Houston Grand Opera, der New York City Opera und der San Francisco Opera in Auftrag gegeben und 1995 in Houston, Texas uraufgeführt. Sie zeichnet das Leben des Titelhelden Harvey Milk nach, der 1977 trotz seiner offen gelebten Homosexualität in den Stadtrat von San Francisco gewählt wurde – ein Meilenstein in der Politikhistorie. Für sein Engagement gegen Diskriminierung zahlte Milk schließlich mit dem Leben. Posthum wurde er vielfach geehrt: Plätze und Schulen wurden nach ihm benannt, Sean Penn setzte ihm 2008 in „Milk“ ein oscarprämiertes filmisches Denkmal.

Stewart Wallace befasste sich bereits vor der Jahrtausendwende mit dem Stoff. Zu dem Libretto von Michael Korie schrieb er eine Musik, die eng mit dem Zeitgeschehen verbunden ist: Jazz, Rock, Broadway und verwandte Stile sind in Harvey Milk zu hören. Wallace schreckte auch vor harschen Dissonanzen nicht zurück. Sie sollen wachrütteln, den Blick für ein Thema schärfen, das bis heute nichts von seiner Aktualität verloren hat. Diese Risikobereitschaft zahlte sich aus:

Harvey Milk zeigt Momente, die bewegend, irrsinnig komisch und zeitgemäß sind, und das auf eine Art und Weise, die man selten in der Oper zu sehen bekommt. Wenn sie ihren tragischen Höhepunkt erreicht, ist die Oper plötzlich herzzerreißender Schmerz und heroische Politik in einem. In diesen Momenten scheint Harvey Milk Möglichkeiten für lebendiges, risikofreudiges Musiktheater zu eröffnen, frei von Unterdrückung durch Tradition, guten Geschmack und Meisterwerk-Puritanismus. – David Schiff (New York Times)