Schott Music

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13. Januar 2015

Werk der Woche – Toshio Hosokawa: Blossoming II

Das Orchesterwerk Blossoming II von Toshio Hosokawa wird in dieser Woche von gleich zwei Orchestern in insgesamt vier Städten aufgeführt. Das London Symphony Orchestra unter der Leitung von Robin Ticciati nimmt das Stück mit auf eine kleine Tour von der österreichischen Erstaufführung in Wien am 22. Januar über Linz am 23. Januar bis nach London am 25. Januar. Jun Märkl und das Detroit Symphony Orchestra präsentieren das Werk ebenfalls dreimal: Am 22., 24. und 25. Januar 2015 ist es in der Orchestra Hall in Detroit zu hören.

Hosokawas Streichquartett Blossoming bildet den Grundstock des Werks. Allerdings ist Blossoming II kein bloßes Arrangement für Orchester, sondern eine Entwicklung des musikalischen Materials, verbunden mit neuen Ideen. Lauscht man den Klängen von Blossoming II, fällt es nicht schwer, sich eine Lotosblume vorzustellen, die langsam erblüht und sich der Sonne entgegenstreckt. Die einzelne Note, die sich am Anfang langsam aus der Stille schält und immer lauter wird, symbolisiert die Oberfläche eines Teichs, aus dem die Blüte erwächst. Alle Töne, die unter dieser Note liegen, stehen für die Welt unter Wasser, alle höheren für die Welt darüber. So entwickelt sich langsam eine Melodie, die aus der Tiefe heraus immer höher strebt. Zu diesem Bild wurde Hosokawa von einem Buch über Buddhismus und die Entfaltung der Lotosblume inspiriert. Kein Zufall, ist sie doch ein wichtiger Teil der japanischen Kultur:

Die tiefe Verwurzelung von Blumen in der japanischen Ästhetik und Spiritualität haben mich beeinflusst, sie zum Thema meines Werks zu machen. Die Blume und ich sind Eins; ihr Erblühen symbolisiert mein eigenes Bewusstwerden, die Entdeckung meines Ichs. – Toshio Hosokawa

Blossoming II hat jedoch noch eine zweite Bedeutung. Hosokawa kritisiert das übersteigerte Interesse der japanischen Gesellschaft an westlicher Kultur, das eigene uralte Traditionen zusehends verdränge. Dieser Entwicklung möchte Hosokawa mit seiner Musik entgegenwirken und traditionelle japanische Ästhetik und Musikformen fester in der Kulturwahrnehmung seines Heimatlandes verankern.

(13.01.2015)

Foto: www.gdefon.ru