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Schott Music

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9. April 2018

Werk der Woche – Viktor Ullmann: Der zerbrochene Krug

In dieser Woche sind wir auf die Uraufführung der Kammerfassung von Viktor Ullmanns bekannter Oper Der zerbrochene Krug gespannt: Am 13. April 2018 ist das Werk in der neuen Fassung am Cuvilliés-Theater in München zu erleben. Die Inszenierung stammt von Andreas Weirich, es spielt das Münchner Kammerorchester unter der Leitung von Karsten Januschke.

Ullmanns Vertonung von Heinrich von Kleists berühmter Komödie entstand 1942 zwischen seinem Bühnenweihfestspiel Der Sturz des Antichrist (1936) und der Kammeroper Der Kaiser von Atlantis (1943). Die Partitur stellte der Komponist nur wenige Wochen vor seiner Deportation in das Konzentrationslager Theresienstadt fertig. Sie galt bis zu ihrer Entdeckung durch den Dirigenten Israel Yinon im Musikarchiv der Universität Prag als verschollen. Erst 54 Jahre nach seiner Entstehung fand das Werk  den Weg auf die Bühne: 1996 wurde die Originalfassung bei den Dresdner Musikfestspielen unter Yinons musikalischer Leitung uraufgeführt. Richard Whilds, Solo-Repetitor an der Bayerischen Staatsoper, fertigte 2017 für die Produktion der Bayerischen Staatsoper am Münchner Cuvilliés-Theater eine kleinere neue Fassung des Stücks an. Durch diese reduzierte Orchesterbesetzung kann die Oper nun auch in kleineren Spielstätten aufgeführt werden.

Viktor Ullmann – Der zerbrochene Krug: Eine versteckte Anklage auf das NS-Regime

Vordergründig folgt Ullmann mit seinem Libretto wortgetreu Kleists Text und bedient sich dabei der Vorlage eines von den Nationalsozialisten gefeierten deutschen Dichters. Aus der heutigen Perspektive heraus lässt sich Ullmanns Wahl dieses deutschen Lustspielklassikers als Grundlage für seine Oper als Kommentar auf das nationalsozialistische System begreifen. Denn der Komponist nimmt geschickt zuspitzende Kürzungen des Komödientextes vor, sodass die Handlung auf das Wesentliche reduziert ist: Das einaktige Werk thematisiert in der Geschichte des Dorfrichters Adam die Frage nach Recht und Schuld. Dieser muss wissentlich über sein eigenes Vergehen – den zerbrochenen Krug der Frau Marthe – urteilen und entlarvt sich dabei schließlich selbst als Täter. Besonders Ullmanns hinzugefügte Schlussmoral und der Ruf nach Gerechtigkeit ist als Kommentar zum Unrechtssystem des Nationalsozialismus zu betrachten:

„Fiat justitia,

damals wie ebenda:

Richter soll keiner sein,

ist nicht sein Herze rein.”

– Der zerbrochene Krug (Ullmann)

Die 50-minütige Kammeroper wird in der Münchner Produktion zusammen mit Ernst Kreneks tragischer Oper Der Diktator aufgeführt. Nach der Premiere am 13. April folgen vier weitere Aufführungen am 15., 25., 27. und 29. April. In der kommenden Ausgabe des Schott Journals (Mai – August 2018) stellen wir weitere Bühnenwerke vor, die speziell für kleinere Spielstätten oder reduzierte Besetzungen konzipiert sind.