Werk der Woche — Viktor Ullmann: Der Kaiser von Atlantis

15. Februar 2016 Banner_WDW

Vik­tor Ull­manns ein­ak­tige Kam­mer­oper Der Kai­ser von Atlan­tis oder Die Tod-Ver­wei­ge­rung fei­ert am 19. Februar 2016 in Dres­den Pre­miere. Die Regis­seu­rin Chris­tiane Lutz insze­niert das Stück an der Sem­per 2, der zwei­ten Spiel­stätte der Sem­per­oper, die musi­ka­li­sche Lei­tung über­nimmt Johan­nes Wulff-Woes­ten.

Ein grau­sa­mer Herr­scher kün­digt den Krieg aller gegen alle an. Doch der Tod setzt dem Mas­sen­mor­den ein Ende, indem er sei­nen Dienst ver­wei­gert: Nun leben alle Men­schen ewig. So ist der Kai­ser zwar ent­mach­tet, aber die Men­schen seh­nen sich nach Erlö­sung vom Schmerz des Lebens. Nur der frei­wil­lige Tod des Kai­sers kann dem Tod seine eigent­li­che Bestim­mung zurück­ge­ben.

Ullmann verarbeitet die Grauen des Zweiten Weltkrieges

Ull­mann kom­po­nierte diese Oper 1943 wäh­rend sei­ner Inter­nie­rung im KZ The­re­si­en­stadt. Das Kam­mer­en­sem­ble des Lagers sollte das Werk spie­len, die Urauf­füh­rung wurde jedoch nach der Gene­ral­probe ver­bo­ten. Ein Jahr spä­ter über­gab der Kom­po­nist sein Auto­graph und das Text­buch einem Freund, bevor er nach Ausch­witz depor­tiert und ermor­det wurde. So konnte Ull­manns Musik geret­tet wer­den.

Ich habe in The­re­si­en­stadt ziem­lich viel neue Musik geschrie­ben, meist um den Bedürf­nis­sen und Wün­schen von Diri­gen­ten, Regis­seu­ren, Pia­nis­ten, Sän­gern und damit den Bedürf­nis­sen der Frei­zeit­ge­stal­tung des Ghet­tos zu genü­gen […]. Zu beto­nen ist nur, dass ich in mei­ner musi­ka­li­schen Arbeit durch The­re­si­en­stadt geför­dert und nicht etwa gehemmt wor­den bin, dass wir kei­nes­wegs bloß kla­gend an Baby­lons Flüs­sen saßen und dass unser Kul­tur­wille unse­rem Lebens­wil­len adäquat war; und ich bin über­zeugt davon, dass alle, die bestrebt waren, in Leben und Kunst die Form dem wider­stre­ben­den Stoffe abzu­rin­gen, mir Recht geben wer­den. – Vik­tor Ull­mann

In Dres­den wird Der Kai­ser von Atlan­tis oder Die Tod-Ver­wei­ge­rung vom 19. Februar bis zum 6. März 2016 ins­ge­samt neun Mal auf­ge­führt. Von die­ser Kam­mer­oper sind meh­rere Fas­sun­gen und Manu­skripte erhal­ten, die das Werk in unter­schied­li­chen Sta­dien vor und nach der Zen­sur doku­men­tie­ren. Bei Schott ist nun erst­mals eine Stu­di­en­par­ti­tur der Edi­tion Eulen­burg (ETP 8067) erschie­nen, in der alle über­lie­fer­ten Vari­an­ten des Wer­kes ent­hal­ten und ein­an­der gegen­über­ge­stellt sind.

Foto: Lan­des­thea­ter Linz / © Chris­tian Brach­witz 

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