Schott Music

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21. November 2016

Werk der Woche: Alexander Goehr – Verschwindendes Wort

Alexander Goehrs Verschwindendes Wort wird am 25. und 26. November zur britischen bzw. deutschen Erstaufführung gebracht. Das Ensemble Modern spielt das Werk in der Londoner Wigmore Hall, und am Folgetag in der Alten Oper Frankfurt. Lucy Schaufer und Christopher Gillet leihen den „Verschwindenden Worten“ ihre Stimme.

Verschwindendes Wort ist ein gemischter Zyklus aus Liedern, Duetten und Instrumentalstücken für Mezzosopran, Tenor und Ensemble. Er wurde zuerst 2013 für zwei Stimmen und Klavier komponiert, und 2015 instrumentiert. Verschwindendes Wort beschäftigt sich mit der Mehrdeutigkeit von Worten und der Entfremdung des Menschen von der Natur. Goehr vertont sieben Texte von sechs verschiedenen Autoren, darunter Jakob Böhme, Rainer Maria Rilke und Ingeborg Bachmann, die jeweils eine andere Perspektive auf das Problem von Bedeutung und Verständlichkeit eröffnen. Zwischen den gesungenen Sätzen bieten fünf instrumentale Präludien den Worten Gelegenheit in ihnen zu verschwinden.

Verschwindendes Wort von Alexander Goehr – Von der Bedeutung der Bedeutung

Verschwindendes Wort beginnt mit dem Bild des Sprachbaums, wie ihn sich der deutsche Mystiker Jakob Böhme im 17. Jahrhundert vorstellte: Durch Wachstum und Spaltung wurde die universelle Natursprache in viele schwache Sprachen geteilt. Im zweiten Gesang vertont Goehr die Geschichte, wie Adam von Gott beauftragt wurde jedem Tier einen Namen zu geben. In den folgenden Sätzen reflektieren Gedichte auf unterschiedliche Art und Weise den Umgang mit Worten. Die Texte erregten Goehrs Aufmerksamkeit, als er an dem Bariton-Zyklus TurmMusik arbeitete. Dieses Werk setzt sich mit der Geschichte des Turmbaus zu Babel auseinander, ist thematisch also eng mit Verschwindendes Wort verwandt.

Verschwindendes Wort wurde am 22. Januar 2016 in New York uraufgeführt. Der 35 Minuten lange Zyklus wurde dort für seine Kombination von Mystik und Transparenz gelobt.

Den Eindruck den ich erzeugen will ist einer von Transparenz: Der Hörer sollte, sowohl in sukzessiven als auch in simultanen Dimensionen der Partitur, das Alte unter dem Neuen und das Neue aus dem Alten hervorgehen sehen. – Alexander Goehr

Neben Verschwindendes Wort bringt das Ensemble Modern in den Konzerten in London und Frankfurt auch zwei neue Stücke Goehrs zur Uraufführung, die Manere I von 2008 zu einem Triptychon ergänzen: Auf Manere II für Klarinette und Horn folgt Manere III, in dem die Besetzung von einer Violine zu einem Trio ergänzt wird. Das Wort „Manere“ bezeichnet ein bestimmtes Melisma in gregorianischen Chorälen, das bis zum 14. Jahrhundert häufig verwendet wurde und danach weitgehend verschwand.