Schott Music

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3. Juni 2019

Werk der Woche – Alexander Goehr: Vision of the Soldier Er

Alexander Goehr ließ sich nach seinem vierten Streichquartett fast 30 Jahre Zeit, bis er wieder ein Werk dieser Gattung komponierte. Nun wird am 7. Juni 2019 mit Vision of the Soldier Er sein fünftes Streichquartett uraufgeführt. Es spielt das Villiers Quartet im Rahmen des idyllischen Swaledale Festivals in Nordengland.

Das neue Quartett ist inspiriert von dem Mythos von Er, der am Ende von Platons einflussreichem Traktat Politeia steht. Der Soldat Er beschreibt in dem Mythos eine Vision der Planeten, die die Erde in gigantischen Bewegungen umkreisen. Diese Vision inspirierte Goehr zur Klangwelt seines neuen Quartetts.

Alexander Goehr: Vision of the Soldier Er – Eine sechssätzige Reise nach dem Tod

Goehrs Werk besteht aus sechs Sätzen, die den Soldaten Er auf seiner Reise begleiten, nachdem er im Kampf gefallen ist. Nach zwölf Tagen im Reich der Seelen betritt er wieder die Welt der Lebenden und berichtet von seinen Erlebnissen. Die Sätze zwei und fünf sind nach einem Gedicht über die Vision des Er betitelt, das der Dichter Gabriel Levin verfasst hat. Dessen Texte vertonte Goehr bereits in seinem Werk To These Dark Steps.

Ursprünglich war ich gebannt von dem Bild der Planeten, die die Erde umkreisen und dabei alle einen einzelnen Sirenenton von sich geben. Ich versuchte mir den Klang vorzustellen, wenn alle Planeten gleichzeitig ertönen. Im vierten Satz des Quartetts „I beheld light beams fastened like a ship´s under girders“ (=Ich erblickte ein leichtes Gebälk, das wie die unteren Träger eines Schiffes befestigt war), versuchte ich dieses ewige Bild (im Mikrokosmos!) zu porträtieren, indem ich einen 6-stimmigen Kanon von Messiaen als Ausgangspunkt nahm.

Nach der Uraufführung am 7. Juni 2019 spielt das Villiers Quartet eine zweite Aufführung von Vision of the Soldier Er  am 8. Juni 2019 als Teil eines Festivals der Oxford University, das sich in diesem Jahr der Musik von Goehr und seinem Schüler Martyn Harry widmet. Hier werden noch weitere Werke von Goehr aufgeführt: Nonomiya und …in real time, gespielt von dem Pianisten Jonathan Powell, und das Quintet for clarinet and strings mit dem Villiers Quartet und Ib Haussman.