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Schott Music

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19. Juni 2017

Werk der Woche: Aribert Reimann – Die Gespenstersonate

In Berlin ist Aribert Reimann in diesem Jahr allgegenwärtig; an allen drei großen Opernhäusern stehen Neuinszenierungen seiner Opern auf dem Programm. Am 25. Juni 2017 feiert Die Gespenstersonate an der Staatsoper im Schiller Theater in einer Inszenierung von Otto Katzameier Premiere. Die Staatskapelle Berlin spielt unter der Leitung von Michael Wendeberg im Rahmen des INFEKTION! Festivals für neue Musik.

Reimanns Oper Medea aus dem Jahr 2010 wird aktuell an der Komischen Oper gespielt. Im Herbst 2017 folgt die Uraufführung des neuen Musiktheater-Triptychons  L’invisible an der Deutschen Oper. Mit Die Gespenstersonate an der Staatsoper wird die Berliner Reimann-Reihe vervollständigt: Eine Anerkennung, die in dieser Form nur wenigen Komponisten zuteilwurde.

Wie schon Reimanns erste Oper Ein Traumspiel ist auch Die Gespenstersonate von 1984 aus einem Text des schwedischen Schriftstellers August Strindberg entstanden. Der Student Arkenholz, der die Gabe besitzt Tote zu sehen, wird von Direktor Hummel in das Haus des Obersts eingeführt, um dort um die Tochter des Hauses, das Fräulein, zu werben. Bei einem grotesken „Gespenstersouper“ mit den Jahr für Jahr gleichen Gästen offenbaren sich Verstrickungen und düstere Geheimnisse. Mit der Frau des Obersts, der Mumie, die nunmehr im Wandschrank lebt, hatte Direktor Hummel einst eine Liaison, aus der das Fräulein hervorgegangen ist. Da Direktor Hummel den Mord an einem Milchmädchen begangen hat, wird er von der Mumie dazu verurteilt, sich im Schrank zu erhängen. Auch der Oberst ist nicht das, was er vorgibt zu sein: Er ist weder adelig, noch war er beim Militär. Selbst das unschuldige Fräulein ist krank und verkraftet die Realität nicht, mit der Arkenholz sie konfrontiert. Er selbst bleibt allein und desillusioniert zurück.

Die Gespenstersonate von Aribert Reimann: Eine Illusion zerbricht

Die Bewohner des Hauses geben sich den Anschein einer feinen Gesellschaft, zu der der Student Arkenholz Zugang begehrt. Innerhalb des Hauses sind die Personen in ihren Trugbildern gefangen, verdammt auf ewig in gleicher Routine zu leben. Direktor Hummel, obgleich von der Mumie letztlich zum Tode verurteilt, bricht durch die Einführung von Arkenholz mit der Tradition des immer gleichen Gespenstersoupers. Entsprechend kraftvoll und variabel ist sein musikalischer Ausdruck. Meist von tiefen Instrumenten wie Kontrabass, Fagott oder Bassklarinette begleitet, versucht er die Geschichte in seinem Interesse zu lenken. Die Mumie hingegen ist kraftlos, ihre Stimme brüchig, ihr Text immer wieder unterbrochen. Erst als sie über Hummel richtet, findet sie zu längst vergangener Vitalität zurück. Das charakteristische Instrument für den Oberst ist die Trompete. Diese soll die Illusion aufrecht erhalten, die er mit der Lüge über seinen militärischen Hintergrund geschaffen hat. Zart und zerbrechlich kommt der Sopran des Fräuleins, begleitet von der Flöte, daher. Sie ist von dem Netz aus Lügen, das sie umgibt, eingenommen und bereits fast in die Gespensterwelt entrückt.

In jeder Oper sollte jede Person ihre eigene Art des Singens haben, jeder hat sein eigenes Psychogramm, seine ihm eigene Art sich zu äußern. Das muss in der Strukturentwicklung der Singstimme angelegt sein, ebenso das musikalische Umfeld, das die betreffende Person umgibt. – Aribert Reimann

Nach der Premiere ist Die Gespenstersonate zwischen dem 27. Juni und dem 9. Juli noch in sechs weiteren Aufführungen auf der Werkstattbühne an der Staatsoper im Schiller Theater zu erleben.

 

Foto: © Wolfgang Runkel (Inszenierung der Oper Frankfurt)