Schott Music

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18. Februar 2019

Werk der Woche – Aribert Reimann: Fragments de Rilke

Auf die Suche nach dem „secret de la vie“, dem Geheimnis des Lebens begibt sich das neue Werk Fragments de Rilke von Aribert Reimann, das am 23. Februar 2019 in der Berliner Philharmonie uraufgeführt wird. Der Zyklus für Sopran und Orchester entstand als Auftragskomposition des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, das das Werk im Rahmen seines Festivals „Brahms-Perspektiven“ auch zum ersten Mal aufführen wird. Die Sopranpartie singt Rachel Harnisch, am Pult steht Chefdirigent Robin Ticciati.

Während der Entstehung seiner bis dato letzten Oper „L‘Invisible“ (2011-2017) begann Reimann, sich mit den französischen Fragmenten von Rainer Maria Rilke auseinanderzusetzen. In seinem Œuvre finden sich bereits Vertonungen einiger dieser Texte für Singstimme und Klavierbegleitung; mit den neuen Orchesterliedern erweitert Reimann nun das Klangspektrum in der Begleitung.

Aribert Reimann: Fragments de Rilke – Gedanken über das Menschsein

Rilke schrieb die Texte, die Reimann für seine neuesten Lieder ausgewählt hat, im Zeitraum von 1911 bis 1926 in Italien, Frankreich und der Schweiz. Sie thematisieren den Kern des Menschseins und fragen, was das Leben prägt, ob es das Schicksal, die Liebe oder etwas Göttliches sein könnte. Als gedankliches Ziel beschreibt Reimann das letzte Fragment „Profond amour qui de la terre s’élève“ (Tiefe Liebe, die von der Erde sich erhebt).

Fragments de Rilke besteht aus einem Prélude, 12 Fragmenten und Zwischenspielen. Die Übergänge zwischen den einzelnen Teilen sind fließend, obwohl  Reimann jedes der Fragmente mit einer eigenen Klanglichkeit ausstattet. Im fünften Fragment etwa vermittelt er durch ein schnelles Tempo und viele Taktwechsel eine unregelmäßig-fließende Lebendigkeit, die noch von einer leisen Begleitung der Holzblasinstrumente verstärkt wird. Das neunte Fragment hingegen steigert sich zu einem Tutti-Fortissimo. Zum Ende hin lässt Reimann die Musik wieder zur Ruhe kommen, wenn lange Notenwerte und eine reduzierte Dynamik das Geschehen prägen und auch das Tempo langsamer wird.

„Alles was geschieht,
setzt
eine Maske auf unser Antlitz, das nie
wagt endgültig zu sein.
[…]
Wind, welcher Erinnerung, welchen Lebens Wind
legte im Vorüberfliegen eine Maske auf mein Sein“
(Fragments V und VI)

In der Einführung zum Uraufführungskonzert von Fragments de Rilke wird Reimann mit dem Musikwissenschaftler Habakuk Traber im Gespräch zu erleben sein. Doch nicht nur in Berlin, auch in anderen Städten werden in der kommenden Zeit seine Lieder aufgeführt: Am 10. März 2019 sind in Chemnitz Reimanns Bearbeitungen „Acht Lieder und ein Fragment von Felix Mendelssohn Bartholdy …oder soll es Tod bedeuten“ zu hören. Und am 22. März 2019 werden in Karlsruhe die Drei Gedichte der Sappho für Sopran und neun Instrumente aufgeführt.