Schott Music

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4. März 2019

Werk der Woche – Augusta Holmès: Roland Furieux

Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März 2019 spielt das BBC National Orchestra of Wales in Cardiff ein Konzert, in dem nur Musik von Komponistinnen gespielt wird. Erstmals aufgeführt wird dabei die Symphonie Roland Furieux von Augusta Holmès. Die französische Komponistin mit irischen Wurzeln schrieb das Werk 1876. Bei den Feierlichkeiten zum Internationalen Frauentag im vergangenen Jahr wurde ein Satz der Sinfonie gespielt, nun ist sie erstmals ganz zu erleben.

Holmès, die 1847 in Paris geboren wurde, führte ein für eine Frau der damaligen Zeit ungewöhnliches Leben. Sie erhielt eine umfassende Bildung und sprach schon früh mehrere Sprachen. So sollte sie später auch die meisten ihrer Lied-, Oratorien- und Operntexte selbst schreiben. Da ihr der Zugang zum Pariser Konservatorium verwehrt blieb, erhielt sie ihre musikalische Ausbildung von Privatlehrern, unter anderem von César Franck. Nach dem Tod ihres Vaters, einem Offizier, konnte sie als dessen Erbin ein finanziell abgesichertes Leben führen und war als freie Komponistin tätig. Sie blieb ihr Leben lang unverheiratet, hatte zwar mehrere Kinder mit dem Dichter Catulle Mendès, die aber hauptsächlich in dessen Haushalt aufwuchsen.

„Sie war schon vorher eine fähige Komponistin, aber nachdem sie Franck getroffen hatte, fing sie an größere Werke zu komponieren, eines nach dem anderen, und ihre Karriere als Komponistin begann.“
Dr. Anastasia Belina, Musikwissenschaftlerin, Royal College of Music, London

Mir ihren Kompositionen machte sich Holmès einen Namen in Pariser Künstlerkreisen, hatte Kontakt zu Komponisten wie Franz Liszt, Charles Gounod und Camille Saint-Saëns. Ihre zu Lebzeiten erfolgreichste Komposition war ihre Ode Triomphale, die bei der Weltausstellung zum 100. Jubiläum der französischen Revolution 1889 in Paris aufgeführt wurde – mit einer gigantischen Besetzung von 300 Orchestermusikern und 900 Sängern.

Augusta Holmès: Roland Furieux – wiederentdeckte Programmsinfonie

Roland Furieux setzt sich mit dem Epos Orlando Furioso des italienischen Renaissance-Dichters Ludovico Ariosto auseinander. Vor dem Hintergrund der Kriege Kaiser Karls des Großen wird darin die Geschichte des Ritters Roland erzählt. Nachdem seine Liebe zur Prinzessin Angélique nicht erwidert wird, zieht er voller Wut in den Krieg und vollbringt Heldenhaftes.

Die drei Sätze von Holmès‘ Symphonie sind programmatische Momentaufnahmen aus dem Epos: Roland, wie er auf der Suche nach Angélique durch die Welt reitet, Angélique mit ihrem Geliebten Médor im Wald und schließlich Roland voller Wut, die sich aus der enttäuschten Liebe speist. Holmès Motivik deutet die abgebildeten Szenen musikalisch sehr plastisch aus, durch gleichmäßige trabende Figuren im ersten Satz, eine lyrisch-zarte Melodie im zweiten und wütende, wild pulsierende Motive im dritten. Viel Chromatik und eine spätromantische, an Wagner erinnernde Harmonik prägen außerdem ihre musikalische Sprache.

Neben Roland Furieux spielt das BBC National Orchestra of Wales im Wales Millennium Centre Werke der Komponistinnen Clara Schumann, Joan Tower and Florence Price. Dirigentin des Konzertes ist Valentina Peleggi.

 

 

Foto: L. Taponier