Schott Music

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21. Februar 2022

Werk der Woche – Christian Jost: Nocturnal Movements

Ein nächtlicher Spaziergang durch eine dunkle, ruhige Stadt. Diesen Vorstellung könnte der Titel von Christian Josts Nocturnal Movements erwecken. Doch der Höreindruck ist ein anderer und vermittelt lebendiges Nachtleben und einen Besuch in einem Jazzclub. Am 24. Februar 2022 dirigiert der Komponist in der Berliner Philharmonie die Uraufführung seines Werkes für Klavier und Kammerorchester. Der in der internationalen Jazzszene bekannte Pianist Michael Wollny spielt gemeinsam mit der Kammerakademie Potsdam.

Jazz trifft auf zeitgenössischen Stil in Nocturnal Movements von Christian Jost

Bereits 2019 hatte Jost eine Kurzform von Nocturnal Movements bei den Berliner Philharmonikern dirigiert. Die kommende Uraufführung zeigt nun eine überarbeitete und vervollständigte Fassung. Während ursprünglich nur zwei Sätze gespielt wurden, besteht die neue Version aus drei Teilen: die Stadt, das Spiel und die Flucht. Musikalisch folgt Jost seiner Leidenschaft für den Jazz, die andeutungsweise schon in früheren Stücken zu hören war. Während der Ensemble-Part detailliert auskomponiert ist, lässt Jost dem Pianisten Raum für freie Improvisation. Besonders im zweiten Satz kann der Solist sein Können in einer großen Solopassage unter Beweis stellen. So entsteht eine fein austarierte Verbindung von zeitgenössischer Satzkunst und anspruchsvollem Jazz jenseits aller Genregrenzen, die Jost so beschreibt: 

Meine Stücke bestehen aus bestimmten Keimzellen, die ich dann organisch weiter entwickle und in einen ebensolchen musikalischen Fluss bringe. Die Idee der musikalischen Freiheit spielt dabei eine große Rolle, auch wenn bei mir alles auskomponiert, also aufgeschrieben ist. Es ist eine Art Fusion aus der strengen Struktur der neuen Musik und der Freiheit des Jazz. Christian Jost 

Eine zweite Aufführung von Nocturnal Movements findet am 25. Februar in Potsdam statt. Teil des Konzertprogramms sind außerdem Josts Werke Ghost Song und Nachfahrten und Sirenen

 

Foto: THE CASE / Adobe Stock