Schott Music

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27. Mai 2019

Werk der Woche – Erich Wolfgang Korngold: Die tote Stadt

Erich Wolfgang Korngolds Oper Die tote Stadt wird am 28. Mai 2019 zum ersten Mal am Teatro alla Scala in Mailand aufgeführt. Die beiden Hauptrollen der psychologisch tiefgründigen Oper sind mit Asmik Grigorian als Marietta und Klaus Florian Vogt als Paul prominent besetzt. Die musikalische Leitung liegt bei Alan Gilbert, die Inszenierung stammt von Graham Vick.

Die Oper ist an den Roman Bruges-la-morte von Georges Rodenbach angelehnt und von Hans Müller, Korngolds Vater Julius Korngold und dem Komponisten selbst für die Opernbühne bearbeitet. Nach vierjähriger Kompositionsarbeit erlebte Die tote Stadt am Abend des 4. Dezember 1920 ihre Uraufführung, zeitgleich an den Opernhäusern in Hamburg und Köln. Für den gerade einmal 23-jährigen Komponisten wurde das Werk zu einem überwältigenden Erfolg. Unmittelbar nach der Uraufführung wurde es an vielen weiteren Opernhäusern aufgeführt, unter anderem 1921 an der Metropolitan Opera in New York als erste deutschsprachige Oper nach dem Ersten Weltkrieg. Nachdem das Stück von den Nationalsozialisten von den Spielplänen entfernt wurde, geriet es in Vergessenheit; seit den 1960er Jahren wurde die Oper wieder vermehrt aufgeführt.

Die Handlung porträtiert Paul, der in seiner Trauer um seine früh verstorbene Ehefrau Marie immer mehr den Bezug zur Realität verliert. Er flüchtet sich in die Erinnerung an Marie und hat in seiner Wohnung in Brügge dazu sogar einen Schrein mit Erinnerungsstücken errichtet. Als er die Tänzerin Marietta kennenlernt, verliebt er sich in sie, meint er doch, in ihr seine verstorbene Ehefrau wiederzuentdecken. Pauls Trauer wird immer obsessiver und führt in scheinbar unausweichlich in die Katastrophe.

Erich Wolfgang Korngold: Die tote Stadt – Opernerfolg der 1920er Jahre

Die Oper arbeitet mit außergewöhnlichen theatralen Mitteln. So gibt es eine „Oper in der Oper“, in der Marietta in einem Ballett aus Robert le Diable von Giacomo Meyerbeer tanzt. Außerdem verschwimmen in einer Traumsequenz Fiktion und Realität ineinander, was der Oper eine weitere Ebene hinzufügt. All dies verarbeitet Korngold in einer Musik, die die Grenzen der spätromantischen Tonsprache ausreizt. Darin lotet der Komponist die psychischen Abgründe seines Protagonisten aus und hat gleichzeitig Raum für strahlende Melodien wie bei den unsterblichen Nummern „Glück, das mir verblieb“ oder „Mein Sehnen, mein Wähnen“.

Wenn man bedenkt, dass Korngolds Schaffen nach seinem Tod lange Zeit auf sein eindrucksvolles Wirken im Bereich der Filmmusik reduziert wurde, muss man feststellen, dass sich dieselbe kompositorische Meisterschaft, dieselbe meisterhafte Orchestrationskunst und dasselbe theatrale Gespür, das seine Filmmusik kennzeichnet, nicht erst in Hollywood zur Blüte reifte, sondern bereits in seinen Musiktheaterwerken zu finden ist […]. – Maximilian Hagemeyer in einem Einführungstext zu Die tote Stadt

 Aktuell steht Die tote Stadt am Theater Bremen auf dem Spielplan, Vorstellungen gibt es unter anderem am 29. Mai und am 2. Juni 2019. Ab 31. Mai 2019 wird die Oper an der Semperoper in Dresden wieder aufgenommen und am 16. Juni 2019 feiert eine Neuinszenierung in Wuppertal Premiere. Und auch in der kommenden Saison wird Korngolds Oper mehrfach aufgeführt, feiert im Oktober 2019 in Helsinki und im November 2019 an der Bayerischen Staatsoper Premiere. Ein weiteres Highlight ist die Aufführung am 18. August 2019 im Bundesstaat New York im Rahmen des Bard Music Festival, das sich unter dem Motto „Korngold and His World“ dem Schaffen Erich Wolfgang Korngolds widmet und die Amerikanische Erstaufführung seiner Oper Das Wunder der Heliane auf die Bühne bringt.

 

 

Foto: Teatro alla Scala / Marco Brescia & Rudy Amisano