Schott Music

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25. März 2019

Werk der Woche – Fazıl Say: Concerto for percussion and orchestra

Reiche Schlagzeugklänge und bunte Orchesterfarben lässt Fazıl Say in seinem Concerto for percussion and orchestra op. 77 verschmelzen. Mit dem Schlagzeuger Martin Grubinger als Solist wird das Werk am 29. März 2019 in Dresden uraufgeführt. Im Konzertsaal des Kulturpalasts spielt die Dresdner Philharmonie unter der Leitung von Andris Poga.

Der türkische Komponist und Pianist Say widmet sein neues Konzert dem österreichischen Schlagzeug-Ausnahmetalent Grubinger, der schon bei der Uraufführung von anderen Werken Says mitgewirkt hat. Dabei fordert Say seinen Solisten nahezu durchgängig, denn die Solopartie ist sehr dicht und ohne größere Pausen geschrieben. Nicht nur ihre musikalische Verbundenheit eint Say und Grubinger, sondern auch ihr Einsatz für soziale Gerechtigkeit und Freiheit, durch die Musik und darüber hinaus.

Das neue Concerto besteht aus vier Sätzen, die jeweils nach dem für den Satz prägenden Perkussionsinstrument benannt sind. So dominiert im ersten Satz das „Waterphone“, ein Instrument mit einem wassergefüllten Metallkorpus, aus dem verschieden große Metallstäbe herausragen. Wenn diese Stäbe in Schwingung versetzt werden, erzeugen sie geheimnisvolle Klänge, die je nach der Bewegung des Wassers im Korpus ihren Klang verändern. Im zweiten Satz sind Pauken und Rototoms (Trommeln mit verschiedenen Tonhöhen) die Instrumente im Fokus, für die Say melodische Passagen komponiert hat. Vibraphon und glockenähnliche Campana spielen im ruhigeren dritten Satz, und im letzten Satz agieren Marimbaphon und Boobams, mit Membranen bespannte Rohre, die beim Anschlagen einen hohlen, weichen Klang ergeben.

Fazıl Say: Concerto for percussion and orchestra – reiche Schlagzeugklänge im Fokus

Im Concerto verbinden sich, wie für Say typisch, Elemente aus verschiedenen Musiktraditionen: Instrumente aus dem euroamerikanischen Kulturraum und Anweisungen wie „walking bass“ und „dirty“ gehen eine Symbiose mit ungeraden Taktarten, anatolischen Skalen, Taksim-Improvisationen und Spielanweisungen wie „köçekçe“ und „Slow Belly Dance“ ein. Ostinate Motive, die sich nach und nach verändern und verbinden, prägen das Klangbild des Konzerts.

Mein Stil hat sich immer wieder verändert. […] Als ich in Deutschland studierte, habe ich viele Einflüsse aus der türkischen Folklore in meiner Musik entdeckt; und heute habe ich einen Stil gefunden, der mich widerspiegelt, der individuell ist und mich sehr zufrieden macht. Dazu gehören auch die tonalen und folkloristischen Elemente. Das steckt so in meinem Blut. Und was im Blut steckt ist beim Komponieren primär, das Intellektuelle sekundär. – Fazıl Say

Am Tag nach der Uraufführung steht Says Concerto for percussion and orchestra am 30. März 2019 ein weiteres Mal in Dresden mit der gleichen Besetzung auf dem Spielplan und am 31. März 2019 spielen alle Beteiligten Ausschnitte aus dem Werk in der Matinee Phil zu Entdecken für junge Hörer. Moderator Malte Arkona erklärt Wissenwertes zur Musik und den Instrumenten, wobei sich Says Schlagzeugkonzert durch seine besondere Satzstruktur besonders gut für ein junges Publikum eignet, da pro Satz immer ein oder zwei Schlaginstrumente vorgestellt werden. Grubinger spielt das Concerto im Laufe des Jahres in weiteren europäischen Städten, unter anderem am 23. August 2019 in Wiesbaden beim Rheingau Musik Festival, am 13. September 2019 in Bremen und am 18. und 19. September 2019 in Basel.

 

 

Foto: Marco Borggreve