Schott Music

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15. Juli 2019

Werk der Woche – George Gershwin: Rhapsody in Blue

Die Rhapsody in Blue von George Gershwin ist eines der bekanntesten sinfonischen Werke des 20. Jahrhunderts. Die Verbindung von klassischen Orchesterfarben mit Einflüssen und Melodien aus der Welt des Jazz übt seit der Uraufführung des Werkes im Jahr 1924 eine große Faszination aus, die sich in einer Vielzahl von Aufführungen widerspiegelt. So wie beim Klassik Open Air im Luitpoldhain in Nürnberg am 21. Juli 2019. Joana Mallwitz dirigiert die Staatsphilharmonie Nürnberg und den Pianisten Michail Lifits.

Ende 1923 bat der berühmte Bandleader Paul Whiteman Gershwin, der bis dahin hauptsächlich Werke für den Broadway geschrieben hatte, um die Komposition eines sinfonischen Jazz-Werkes. Es sollte ein zentrales Stück für das Konzert „An Experiment in Modern Music“ werden, bei dem Whiteman mit seinem Orchester Jazz und klassische Musik verbinden wollte. Gershwin lehnte zuerst ab. Nachdem Whiteman die Presse aber dennoch über das neue Werk informierte, begann Gershwin dann doch mit der Komposition, die für ihn den Durchbruch bedeuten sollte.

In kurzer Zeit schrieb Gershwin eine Fassung für zwei Klaviere mit Angaben zur Instrumentation, die dann von Whitemans Arrangeur Ferde Grofé orchestriert wurde. Bei der Uraufführung der Rhapsody in Blue am 12. Februar 1924 spielte Gershwin selbst den Solopart am Klavier. Beim Publikum, in dem unter anderem die Komponisten Igor Strawinsky, Sergej Rachmaninow und Fritz Kreisler saßen, fand das Werk großen Anklang – und das, obwohl vorher schon über 20 andere Stücke erklungen waren.

Da das Orchester von Paul Whiteman in wechselnden Besetzungen spielte, arrangierte Grofé die Rhapsody in Blue für weitere Aufführungen regelmäßig neu, sodass die Originalfassung des Werkes heute nicht mehr rekonstruiert werden kann. Ihr sehr nahe kommt die bei Schott erhältliche Fassung für Jazz-Band, die auf der George and Ira Gershwin Critical Edition basiert. Aufgrund des großen Erfolges der Rhapsody wurden bald noch weitere Bearbeitungen für größere Besetzungen angefertigt, wie bald nach der Uraufführung eine Fassung für Theaterorchester und 1942 eine für großes Sinfonieorchester und Klavier. All diese und noch weitere Fassungen sind bei Schott Music erhältlich. 

George Gershwin: Rhapsody in Blue – Sinfonischer Jazz für den Konzertsaal

 Jazz und Blues sah Gershwin als die amerikanische Volksmusik schlechthin an. So verwundert es nicht, dass er seine Rhapsody mit ihren Einflüssen aus dem Jazz sehr eng mit seinem Heimatland verband und sie ursprünglich gar als American Rhapsody bezeichnen wollte.

Ich verstehe es als ein Art musikalisches Kaleidoskop dieses schnelllebigen Schmelztiegels namens Amerika, als unseren Blues, als unsere verrückte Großstadt – George Gershwin

Dieses Kaleidoskop zeigt Gershwin, indem er ganz unterschiedlichen Melodien in einer rhapsodisch offenen Reihung miteinander in Beziehung treten lässt, immer wieder unterbrochen von solistischen Klavierpassagen. Viele chromatische Vorschlagnoten und akzentuierte Synkopen sind nur einige Merkmale des Jazz, die er dabei in die Orchestersprache einbettet.

Neben der Aufführung beim Klassik Open Air in Nürnberg wird die Rhapsody in Blue am 21. Juli 2019 von Studierenden des Royal Northern College of Music Manchester auf dem Piazza Grande im italienischen Montepulciano aufgeführt. Auch Gershwins weitere Orchesterwerke wie An American in Paris und die Cuban Overture erleben dieser Tage viele Aufführungen, unter anderem beim Open Air Konzert „Oper für alle“ im Rahmen der Münchner Opernfestspiele am 20. Juli 2019.