Schott Music

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28. November 2016

Werk der Woche: Gerald Barry – Alice’s Adventures Under Ground

Am 28. November 2016 findet in der Londoner Barbican Hall die europäische Erstaufführung von Gerald Barrys neuer Oper Alice’s Adventures Under Ground statt. Die konzertante Aufführung mit der Britten Sinfonia wird von Thomas Adès geleitet. Dieser dirigierte eine Woche zuvor die Uraufführung in der Walt Disney Concert Hall in Los Angeles. Die Titelrolle singt Barbara Hannigan.

Barrys vorherige Oper The Importance of Being Earnest (2009-10) nach Oscar Wilde wurde regelmäßig vor ausverkauften Rängen aufgeführt und gilt als Meistwerk der Oper unserer Zeit. Die ähnlich subversiven Literaturklassiker „Alice’s Adventures in Wonderland“ und „Alice Through the Looking Glass“ von Lewis Carroll waren für Barry eine naheliegende Wahl für sein nächstes Opernsujet.

Alice’s Aventures Under Ground – Folge dem weißen Kaninchen!

Alice’s Aventures Under Ground beginnt wie das Buch mit Alices Sturz in den Kaninchenbau. In der Oper wird dieser Vorfall gesanglich geradezu halsbrecherisch umgesetzt. Virtuose Passagen wie diese wurden vor allem für die bemerkenswert agile Stimme von Barbara Hannigan geschrieben, der Barry bereits mehrfach Werke auf den Leib komponiert hat.

Das Buch ist sehr dramatisch und ein ideales Vehikel für eine Diva, männlich oder weiblich. Es bietet großartiges Material für Angeberei und nimmt das Unglaubliche als gegeben, als selbstverständlich an. – Gerald Barry

Barrys Vokalkompositionen sind oft vom Spiel mit Sprache geprägt. Alice’s Adventure Under Ground ist keine Ausnahme. Der Komponist hat das Libretto selbst geschrieben, nahm den Kern von Carrolls Geschichten und betonte ihre surrealen und witzigen Aspekte. Eine der bekanntesten Passagen Carolls, das Nonsensgedicht „Jabberwocky“, wird in nicht weniger als fünf verschiedenen Sprachen vorgetragen. Für Barry reflektiert der fieberhafte Sprachwirbel seines Librettos die Verrücktheit von Carrolls Vorlage. Er entschied sich auch für den Titel der ersten Fassung statt des gebräuchlichen „Alice in Wonderland“, um die etwas dunklere Tönung des Wahnsinns seiner Oper zu betonen.

Ich liebe den Orginaltitel, weil er Licht und Dunkelheit verbindet und die dem Werk zugrundeliegende schwarze und weiße Energie klarer zum Ausdruck bringt. Es ist der rasende Wechsel zwischen ekstatischem Unsinn und Gewalt, der diesen Text zeitlos macht und Generation um Generation fesselt. – Gerald Barry

Alice’s Adventures Under Ground wird seine irische Erstaufführung auf dem New Music Dublin Festival am 4. März 2017 erleben.