Schott Music

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28. August 2017

Werk der Woche – Hans Werner Henze: Der Junge Lord

Zum ersten Mal in seiner Geschichte präsentiert das Opernhaus Hannover Hans Werner Henzes komische Oper Der junge Lord. Das Stück nach dem Libretto von Ingeborg Bachmann wird am 2. September 2017 dort Premiere feiern. Die Inszenierung stammt von Bernd Mottl, Mark Rhode dirigiert das Niedersächsische Staatsorchester.

Den Komponisten und die Librettistin verband jahrelang eine enge Freundschaft und intensive künstlerische Zusammenarbeit, aus der unter anderem die Oper Der Prinz von Homburg und das Mimodram Der Idiot hervorgingen. Der junge Lord ist das letzte der insgesamt sechs gemeinsamen Werke von Henze und Bachmann und wurde von der Deutschen Oper Berlin in Auftrag gegeben. Bachmann nahm sich dafür die Parabel Der Affe als Mensch aus Der Scheik von Alessandria und seine Sklaven von Wilhelm Hauff zur Vorlage. Sie ergänzte die Handlung noch um das Liebespaar Wilhelm und Luise.

Der junge Lord – Faszination und Verblendung

Sir Edgar zieht Anfang des 19. Jahrhunderts aus London in die spießige deutsche Provinz Hülsdorf-Gotha. Dort interessiert er sich mehr für den Wanderzirkus als für die ortsansässigen Bürger. Diese reagieren darauf beleidigt und beschmieren Sir Edgars Haus mit fremdenfeindlichen Parolen. Bei einem heimlichen Rendezvous werden der Student Wilhelm und seine Geliebte Luise, Tochter der Baronin Grünwiesel, durch laute Schreie erschreckt, die aus Sir Edgars Haus dringen. Dieser rechtfertigt den Lärm damit, dass er seinem Neffen Lord Barrat Deutsch beibringe und ihn bei Fehlern bestrafen müsse. Zum Beweis veranstaltet Sir Edgar zwei Wochen später einen Empfang, wo er den jungen Lord vorstellt. Die Gäste sind von dessen exzentrischem Verhalten fasziniert und imitieren sogar seine Marotten. Als der junge Lord anfängt um Luise zu werben, plant deren Mutter auch schon die Verlobung der beiden. Im Laufe des Abends tanzt der junge Lord immer wilder und reißt sich schließlich die Kleider vom Leib. Plötzlich wird für alle sichtbar, dass er in Wirklichkeit der verkleidete Zirkusaffe Adam ist. Sir Edgar verlässt mit ihm den Raum – zurück bleiben die schockierten Bürger von Hülsdorf-Gotha.

Henze lehnt Der junge Lord formell und musikalisch an die Opera buffa des 18. Jahrhunderts an, mit den für diese Gattung typischen Ensembles und dem weitgehenden Verzicht auf ariose Elemente. Er verwendet traditionelle Formen wie Volks- und Kinderlieder, Menuette und Walzer. Unter dieser Oberfläche treiben Henze und Bachmann mit dem Publikum ein doppeltes Spiel: Die Illusion der leichten Muse dient dazu, die Gesellschaftskritik des Stückes umso eindringlicher zu formulieren. So verwendet Bachmann im Libretto das Goethe-Zitat: „Im Deutschen lügt man… Ein bedeutend ernst Geschick“, um anzudeuten, worauf die Handlung hinausläuft.

Der wesentliche Gegenstand dieses Stücks ist: die Lüge. Sie wird geboren aus unersättlicher Neugier, betrogenen materiellen Hoffnungen, provinzieller Angeberei und beleidigter Eitelkeit. –Hans Werner Henze

Nach der Premiere besteht noch an fünf weiteren Abenden die Möglichkeit, das Stück im Opernhaus Hannover zu sehen: am 9.9., 17.9., 24.9., 4.10. und 19.10.2017 finden weitere Aufführungen statt.