Schott Music

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26. Februar 2018

Werk der Woche: Heinz Holliger – Lunea

Diese Woche erwartet uns eine besondere Premiere: Am 4. März wird Heinz Holligers neue Oper Lunea am Opernhaus Zürich unter seiner eigenen musikalischen Leitung und in der Inszenierung von Andreas Homoki uraufgeführt. In der Aufführung wird Christian Gerhaher in der Hauptrolle als Nikolaus Lenau zusammen mit der ebenfalls aus früherer Zusammenarbeit mit Holliger bekannten Sarah Maria Sun zu hören sein.

Mit Lunea vollendete Holliger gut 20 Jahre nach seiner Oper Schneewittchen sein zweites abendfüllendes Bühnenwerk für das Opernhaus Zürich. Das Libretto stammt von Händl Klaus und stützt sich auf Texte des romantischen Dichters Nikolaus Lenau. Vorgänger der Oper ist ein gleichnamiger Liederzyklus, der in seiner Klavierfassung 2013 ebenfalls von Christian Gerhaher in Zürich uraufgeführt wurde. Dessen Orchesterfassung von 2014 bildet den Kern der neuen Oper über das Leben des Lyrikers Lenau. Dabei zielt das Libretto nicht auf eine lineare biographische Schilderung ab, sondern lässt in 23 aphoristischen Gedankenströmen und Traumbildern die schillernde Persönlichkeit des Dichters manifest werden.

Heinz Holliger – Lunea: Hommage an einen faszinierenden Lyriker

Nach seinem Violinkonzert „Hommage à Louis Soutter“, dem Friedrich Hölderlin gewidmeten Scardanelli-Zyklus oder der Robert Schumann-Hommage Romancenderes spiegelt auch Lunea Holligers Faszination für Künstlerpersönlichkeiten wider, die gegen Ende ihres Lebens in geistige Umnachtung fielen: Lenau galt nach einem Schlaganfall bis zu seinem Tod im Jahr 1850 als psychisch krank. Durch die konzentrierten, zum Teil nur wenige Worte langen Texte des Lyrikers, die auch in das Libretto eingeflossen sind, kommt besonders die Empfindung des „Weltschmerzes“ zum Tragen. Der expressive und zerrissene Charakter dieser Texte wird von Holliger in seiner Oper musikalisch überhöht. Dabei kommt der Solovioline eine besondere Bedeutung zu, da Lenau selbst Geiger und Gitarrist war.

„Von Lenau hat mich nicht so sehr die todtraurige Wortmusik seiner dunklen Gedichte fasziniert als vielmehr die Kühnheit seiner wie Blitze rasch hingeworfenen Zettel*-Sätze. Sie sind von einer weit in die Zukunft weisenden, ebenso zerstörerischen wie mitreißenden Sprachgewalt, höchstens vergleichbar den 80 Jahren später entstandenen Fragmenten Kafkas.“ – Heinz Holliger

Der Premiere am 4. März folgen sechs weitere Aufführungen bis zum 25. März. Außerdem findet am Premierentag ein Brunchkonzert mit Kammermusik von Holliger, Veress, Schumann und Koechlin statt.

* kurze Liebesbriefe an Sophie Löwenthal