Schott Music

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11. Dezember 2016

Werk der Woche: Jean Sibelius — Violin-Konzert d-Moll

Jean Sibelius‘ Violin-Konzert d-moll, op. 47 gehört heute zum Standardrepertoire seiner Gattung und wird vom 11.12. bis zum 18.12. von vier verschiedenen Orchestern aufgeführt: Am 11. Dezember spielt es das Kodály Philharmonic Debrecen in Budapest, am 11. und 12. das Sinfonieorchester Wuppertal, am 14. das Rotterdam Student Orkest und am 18. die Badische Philharmonie Pforzheim.

Das Werk wird mit einem leisen Klangteppich aus gedämpften Streichertremoli eröffnet. Darüber entfaltet die Solovioline eine geheimnisvollen Melodie, die in ihrem Verlauf an Expressivität gewinnt und nach und nach die Themen des Satzes fassbar macht. Dieser effektvolle Anfang fiel Sibelius 1901 auf einer Italienreise ein; so begann ein äußerst inspirationsreicher Kompositionsprozess. Der Komponist hatte lange von einer Karriere als Geigenvirtuose geträumt. Dabei ging das Konzert wahrscheinlich weit über seine eigenen Fähigkeiten hinaus und stellt Interpreten bis heute vor große technische und musikalische Herausforderungen. Die ausgedehnte Solokadenz im ersten Satz fordert beispielsweise hoch anspruchsvolle Doppelgriffe, und ersetzt gleichzeitig den Durchführungsteil des Kopfsatzes.

Sibelius‘ Violin-Konzert – Einfallsreichtum oder „Überfluss an Ideen“?

In seiner Satzfolge I. Allegro Moderato, II. Adagio di molto, III. Allegro (ma non tanto) folgt das Konzert tradierten Gattungskonventionen. Das Adagio erweckt die für Sibelius typische melancholisch düsterere Atmosphäre eines skandinavischen Winters, der durch den warmen Klang der Solovioline gemildert wird. Hier wird bereits auch das Thema des Finales angedeutet, ein halsbrecherisch-virtuoses Rondo mit vielen erweiterten Spieltechniken über einem stetig pochenden Dreivierteltakt.

Die Nächte hindurch wacht er[Sibelius], spielt wunderbar schön, kann sich nicht von den verzauberten Tönen losreißen. Er hat so viele Ideen, dass es kaum zu glauben ist. Und alle Motive sind so entwicklungsfähig, so voll von Leben. – Aino Sibelius

Das Konzert wurde am 8. Februar 1904 unter der Leitung des Komponisten in Helsinki uraufgeführt. Willy Burmester, für den Sibelius die Solostimme komponiert hatte, musste bei der Uraufführung vom damals wohl überforderten Victor Nováček ersetzt werden. Das Werk wurde von den Kritikern mit gemischten Gefühlen aufgenommen: Während einige den Einfallsreichtum des Konzerts lobten, kritisierten andere den „Überfluss an Ideen“ sowie die großen technischen Anforderungen. Sibelius überarbeitete das Werk daraufhin zu der heute etablierten Fassung von 1905. Er vereinfachte die Solostimme in den Rahmensätzen und glättete klangliche Schärfen.

Seit Juli 2016 vertritt Schott Music den traditionsreichen Verlag Robert Lienau. So ergänzt das Violin-Konzert, neben weiteren Werken von Jean Sibelius, Carl Maria von Weber und anderen, das Schott-Repertoire. Sowohl die revidierte Fassung, als auch die erst seit 2015 als Aufführungsmaterial erhältliche Frühfassung sind lieferbar.

 

Foto: Santeri Levas