Werk der Woche – Jörg Widmann: ARCHE

9. Januar 2017 WDW_Widmann-ARCHE_20170109

Am 13. Januar 2017 fin­det das erste öffent­li­che Kon­zert in der neuen Elb­phil­har­mo­nie in Ham­burg statt. Zu die­sem beson­de­ren Anlass wird das Ora­to­rium ARCHE von Jörg Wid­mann urauf­ge­führt. Die abend­fül­lende Auf­trags­kom­po­si­tion ist für Soli, Chöre, Orgel und Orches­ter geschrie­ben. Es spielt das Phil­har­mo­ni­sche Staats­or­ches­ter Ham­burg unter der Lei­tung von Gene­ral­mu­sik­di­rek­tor Kent Nagano. Solis­ten sind Mar­lis Peter­sen (Sopran) und Tho­mas E. Bauer (Bari­ton), dazu sin­gen der Staats­opern­chor, der Chor der AUDI Jugend­cho­r­aka­de­mie sowie die Ham­bur­ger Als­ter­spat­zen.

ARCHE beschäf­tigt sich mit der zwei­feln­den Hin­wen­dung der Men­schen zu Gott, von dem keine Ant­wor­ten mehr zu kom­men schei­nen. Im gesam­ten Werk ste­hen sich Gut und Böse gegen­über.  Es ist ein Welt­endrama, in dem sich der Mensch unge­schützt mit sei­nen Wün­schen, Hoff­nun­gen, Ängs­ten und sei­ner Uto­pie einer mög­lich bes­se­ren Welt zeigt. Dazu hat Wid­mann Texte aus unter­schied­li­chen Jahr­hun­der­ten aus­ge­wählt: Sie stam­men unter ande­rem von Dich­tern wie Mat­thias Clau­dius und Fried­rich Schil­ler, von Phi­lo­so­phen wie Fried­rich Nietz­sche und aus der Bibel. Ebenso viel­fäl­tig sind die musi­ka­li­schen For­men, die vom ein­fa­chen Kla­vier­lied bis hin zum gro­ßen Tutti mit Chö­ren rei­chen.

Jörg Widmanns ARCHE – Es werde Klang

Das Ora­to­rium beginnt mit dem ers­ten Akt “Fiat Lux / Es werde Licht”, in dem zwei Kin­der als Spre­cher vom Schöp­fungs­akt berich­ten. Gleich dar­auf, im zwei­ten Akt “Die Sint­flut” ertö­nen gewal­tige Klang­mas­sen, die gera­dezu phy­sisch die Gewalt die­ses Ver­nich­tungs­ak­tes spür­bar wer­den las­sen. Es folgt eine Art Traum im drit­ten Akt “Liebe”, aber noch bevor das Lob der Liebe ver­klingt, wird von einem Dop­pel­mord aus Eifer­sucht berich­tet: Sogar die Liebe weiß sich nicht vor dem Bösen zu schüt­zen. Mit der Ver­to­nung des “Dies Irae” in Ver­bin­dung mit Schil­lers “Ode an die Freude” lenkt Wid­mann im vier­ten Akt den Blick auf das Leben, den Tod und die Hoff­nung auf Erlö­sung. Das “Dona eis requiem” wan­delt sich im letz­ten Akt zu “Dona nobis pacem”. Doch eine allei­nige Aus­flucht zu Gott lässt der Kin­der­chor nicht zu: Er for­dert, dass zunächst der Mensch die Ver­ant­wor­tung für sein Fort­be­stehen sel­ber über­neh­men müsse. Dann erst wird Frie­den unter den Men­schen mög­lich – nun mit einem lie­ben­den Gott, nicht mehr unter dem stra­fen­den Gott der Sint­flut.

Die Elb­phil­har­mo­nie mit ihrer Lage am Was­ser und ihrer an Schiffe und Segel erin­nern­den Archi­tek­tur hat Wid­mann zu ARCHE inspi­riert:

Das ist eine Kul­tur-Arche, wo wir Men­schen mit unse­rem Glück, aber auch mit unse­ren Nöten – gerade in die­ser sehr beweg­ten, hef­ti­gen Zeit – einen Zufluchts­ort fin­den. Wo Kunst statt­fin­det, wo Musik statt­fin­det. Eine Arche in poli­tisch stür­mischs­ter See. Ich find’s fan­tas­tisch, dass das gebaut wurde. Es hat auch etwas Sakra­les. – Jörg Wid­mann

Im Rah­men des drei­wö­chi­gen Fest­pro­gram­mes gelangt mit der Sona­tina facile beim Kla­vier­abend von Mit­suko Uchida am 18. Januar ein wei­te­res Werk von Wid­mann zur Urauf­füh­rung.

 

Fotos:
— Elb­phil­har­mo­nie Ham­burg: Maxim Schulz, 2016.
— Jörg Wid­mann (rechts) mit Kent Nagano: Han­nes Rath­jen, 2016.

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