Schott Music

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1. Mai 2017

Werk der Woche – Karl-Birger Blomdahl: Aniara

Die Opernrevue Aniara von Karl-Birger Blomdahl feiert am 6. Mai in der Inszenierung von Stefan Johannson an der Malmö Opera Premiere. Tobias Ringborg leitet das Orchester, die Choreographie stammt von Patrik Sörling. Das Theater präsentiert damit eine echte Wiederentdeckung, nachdem das Stück in den vergangenen 50 Jahren nur einmal inszeniert wurde.

Auf der Erde startet das Raumschiff „Aniara“ mit achttausend Menschen an Bord. Die meisten von ihnen sind Flüchtlinge, die eine neue Zukunft in den kalten Tundren des Mars suchen, da ihr Planet radioaktiv verseucht wurde. Hierbei stellt die Reise der Aniara zunächst nichts Besonderes dar, sie ist eines von tausenden Raumschiffen, die im ständigen Pendelverkehr zwischen Erde und Mars stehen. Doch das Unglück geschieht: Das Steuer des Schiffes ist bei der Begegnung mit einem Asteroidenschwarm unrettbar beschädigt worden, die Aniara kommt unwiderruflich vom Kurs ab. Alle an Bord müssen jetzt einer Reise entgegensehen, von der jeder weiß, wie sie enden wird: in der Leere des Raums und im Tod. Die Jahre vergehen und die ausweglose Situation auf dem Schiff hat ihre Spuren hinterlassen. Sektenbildung, Opiumkonsum, Menschenopfer und sexuelle Perversion prägen den Alltag. Bei der trostlosen Jubiläumsfeier des Schiffes dann das Wunder: Eine blinde Poetin tritt hervor und verkündet, sie habe die Himmelsstadt erblickt, die alle retten werde. Der Schiffsdiktator lässt sie für diese Aussage daraufhin einsperren. In der letzten Nacht der Aniara tanzt die mittlerweile überflüssig gewordene Pilotin vor dem Kerker der Poetin. Als die Inhaftierte schließlich stirbt, wandert ein gespenstisches Licht über die ebenfalls zur Leblosigkeit erstarrten Passagiere.

Blohmdahls Aniara: Eine Oper als zeitgeschichtlicher Querschnitt

Die  zwischen 1957 und 1959  komponierte Aniara fußt auf dem gleichnamigen Epos des Dichters Harry Martinson und ist von der damals aufkommenden Entwicklung und den Gefahren der Atomenergie geprägt. Musikalisch ist die Opernrevue ein polystilistischer Mikrokosmos: Chansons, Spiegelformen, punktueller Orchestersatz, Chorpolyphonie, überspitzte Jazzform, Zwölftonmusik, Geräuschrhythmus – in einer Mischung aus elektronischer und akustischer Musik. Keimzelle der Partitur ist ein Grundakkord, der zu einer Urreihe von zwölf Tönen und Intervallen weiterentwickelt wird. Blomdahls Musik arbeitet hierbei vor allem mit kleinen Intervallen, die sich im Affekt zu Sprüngen erweitern.

Aniara ist weder eine Personen- noch eine Handlungsoper, sondern kann am ehesten als ‚Situationsoper‘, als ein kollektives Drama der Menschheit im Zeitalter des Weltraums, bezeichnet werden. – Karl-Birger Blomdahl

Nach der Premiere wird Aniara auch am 11., 14., 18., 21. und 30. Mai sowie am 2. und 7. Juni  in Malmö zu sehen sein.

 

Foto: © Malmö Opera (Inszenierung der Malmö Opera 2017)