Schott Music

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5. Februar 2018

Werk der Woche – Erich Wolfgang Korngold: Der Ring des Polykrates

Am 9. Februar ist Erich Wolfgang Korngolds Oper Der Ring des Polykrates erstmals in den Vereinigten Staaten zu sehen. Der Einakter wird im Winspear Opera House in Dallas, TX, in der Inszenierung von Peter Kazaras und unter der musikalischen Leitung von Emmanuel Villaume aufgeführt. Den Abend vervollständigt Korngolds berühmtes Konzert D-Dur für Violine und Orchester.

Mit Der Ring des Polykrates vollendete Korngold 1914 im Alter von nur 16 Jahren seine erste Oper. Bereits mit 10 Jahren hatte er mit der Suche nach einem geeigneten Opernstoff begonnen und war auf Heinrich Tewels gleichnamiges Lustspiel gestoßen, das die Grundlage für die heitere Spieloper bilden sollte. Das Libretto verfassten Leo Hirschfeld und Julius Korngold, der Vater des Komponisten und zu dieser Zeit angesehener Musikkritiker in Wien. Da der ca. 50-minütige Einakter allein nicht abendfüllend ist, kam das Werk erst 1916 zusammen mit Korngolds tragischer Oper Violanta am Hoftheater München zur Uraufführung.

Erich Wolfgang Korngold – Der Ring des Polykrates: Parodie eines antiken Stoffes

Teweles Lustspiel, auf dem die Oper basiert, ist eine ins 18. Jahrhundert verlegte Parodie auf die antike Geschichte des König Polykrates. Dessen maßloses Glück forderte den Neid der Götter heraus und sollte durch ein Opfer aufgewogen werden. Überliefert ist der antike Stoff durch eine Ballade Schillers. Diese bildet in Korngolds Lustspiel den Auslöser für den Streit zwischen zwei Eheleuten: Dem sächsischen Hofkapellmeister Wilhelm wird von seinem Freund Peter Vogel geraten, ebenso wie Polykrates ein Opfer zu bringen, um sein Glück zu bewahren. Dies hat nicht nur Folgen für dessen Ehe, sondern auch für die Liebesbeziehung zwischen zwei seiner Bediensteten. Der heitere Einakter stellte im 20. Jahrhundert eine beliebte deutsche Spieloper dar, die mehrmals im Zusammenhang mit Violanta aufgeführt wurde.

Sofort schritt, sprang auch Erich mit aller Arbeitslust an die Komposition […]. Merkwürdig sichere Gebilde in freiem, leichtem, witzig charakterisierendem Lustspielton entstanden da, mit kunstreicher Harmonik und Melodik, mit lebensvollen Scherzi, beschwingten Ensembles wie auch Stimmungen gemütvoller Lyrik. – Julius Korngold

Neben Korngolds berühmter Oper Die tote Stadt sind nun auch seine unbekannteren, jedoch nicht minder wertvollen Bühnenwerke immer häufiger auf den Spielplänen zu finden: Nach den Aufführungen von Der Ring des Polykrates in Dallas ist ab dem 18. März seine große Oper Das Wunder der Heliane an der Deutschen Oper Berlin zu sehen.